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People | 18.09.2017

Zwischen Österreich und den USA

Julia Eschelbeck (23) ist in Oberösterreich geboren, im Silicon Valley aufgewachsen und zum Studieren wieder nach Österreich zurückgekehrt. Durch ihre Arbeit bei „Cisco“ hat sie ihre Liebe zur digitalen Welt entdeckt.

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„Ich habe nur davon profitiert, einen anderen Weg zu gehen als den üblichen.“ (Julia Eschelbeck) (© Academia superior/Wakolbinger)

"Ich glaube, dass ich eine gute Mischung aus Österreich und Amerika bin“, sagt Julia Eschelbeck lachend. Als sie drei Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern vom Hausruckviertel ins amerikanische Silicon Valley. Weil ihr Vater dort einen Job bekommen hatte. Seit ihrem Studienabschluss arbeitet die 23-Jährige für „Cisco“, den weltweit führenden Anbieter im IT-Bereich. Im Moment ist sie in Bildungskarenz, um ihr Masterstudium zu beenden.

Für eine Diskussionsrunde der „Academia Superior“ war Eschelbeck in Linz zu Gast und hat mit uns über Erfolg und ihre Rückkehr nach Europa gesprochen – und warum man Dinge nicht immer so machen muss, wie sie eigentlich üblich sind.

 

Sie sind in Amerika aufgewachsen und vor sechs Jahren zurückgekommen, um in Wien zu studieren. Fühlen Sie sich mehr als Österreicherin oder als Amerikanerin?

Das ist eine schwierige Frage (lacht). Es gibt viele Seiten an mir, die amerikanisch sind. Zum Beispiel, dass ich sehr offen und selbstbewusst bin. Auf der anderen Seite fühle ich mich in Österreich wahnsinnig wohl. Ich liebe die Kultur hier, so etwas gibt es in Amerika, speziell im Silicon Valley, nicht. Die ganzen Traditionen in Österreich sind mir extrem ans Herz gewachsen. Obwohl ich immer noch ein Strand-Mädel bin, liebe ich die Berge und das Skifahren genauso. Ich denke, dass ich eine sehr gute Mischung aus beidem bin, und ich fühle mich auch in beiden Kulturen sehr wohl.

 

Wo liegen für Sie die größten Unterschiede zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten?

Ich mag die Offenheit der Amerikaner. Du kannst alles probieren, jeder treibt dich voran und ist bereit, Risiken einzugehen und Chancen zu ergreifen. Das ist auch das, womit ich in Österreich noch ein wenig „struggle“ (Anm. d. Red.: Probleme habe). Die Österreicher sind einfach anders – zurückhaltender. Hier eine Brücke zu bauen, war auch eine meiner Aufgaben bei Cisco in den vergangenen zwei Jahren. Das liegt mir sehr am Herzen. Was ich an Österreich extrem mag, ist die Gemütlichkeit. Für mich ist das beste Beispiel ein Restaurant-Besuch. Wenn man hier mit Freunden zum Essen geht, trifft man sich, isst gemütlich, trinkt etwas und plaudert. Das kann bis in die Nacht hinein dauern. So etwas gibt es in Amerika nicht. Wenn du da mit dem Essen fertig bist, bringen dir die Kellner über kurz oder lang die Rechnung. Sehr freundlich zwar, aber doch bestimmt. Dann weißt du, dass es Zeit ist, zu gehen. Dieses gemütliche Sitzenbleiben habe ich erst in Österreich kennen und schätzen gelernt.

 

Warum wollten Sie nicht in den USA studieren?

Ich habe diese Entscheidung sehr bewusst getroffen. Obwohl ich auch an vielen amerikanischen Unis hätte studieren können, wollte ich weg. Ich wollte etwas Neues sehen und mich selbst herausfordern. Da ich zuvor noch nicht so viel Zeit im deutschsprachigen Raum verbracht habe und auch meine Sprachkenntnisse verbessern wollte, habe ich mich für Wien entschieden.

 

War Ihre Rückkehr nach Europa so etwas wie ein Kulturschock für Sie?

Schon, besonders der Anfang war extrem hart für mich. Das hatte viele Gründe. Zum einen durfte ich viele Sachen noch nicht selbst unterschreiben, weil ich ja erst 17 war. Das hört sich banal an, war aber im Alltag immer wieder mal ein Problem. Auch der Umstieg vom amerikanischen Schulsystem ins österreichische Studiensystem war sehr krass. Vor allem weil ich mich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht ganz so wohl mit der deutschen Sprache gefühlt habe. Die ersten ein, zwei Jahre in Österreich waren richtig hart, aber meine Freunde waren der Hauptgrund, warum ich trotzdem da geblieben bin.

 

Wie ist es nach dem Studium für Sie weitergegangen?

Ich habe erst überlegt, in die Beratung zu gehen, weil es naheliegend war. Dann hat sich allerdings die Möglichkeit aufgetan, bei Cisco zu arbeiten. Dort habe ich Innovationsprogramme betreut, eigentlich wollte ich das nur für ein Jahr machen. Daraus geworden sind mittlerweile schon mehr als zwei Jahre, weil ich dieses Thema in Europa weiter vorantreiben konnte. Das war eine tolle Chance für mich. Ich war in ganz Europa unterwegs auf der Suche nach Start-ups und Partnern, mit denen wir diese dann aufbauen können. Im Moment bin ich allerdings noch in Bildungskarenz, um meinen Master fertig zu machen.

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Familienbande: Julia Eschelbeck mit ihrem Papa Gerhard, IT-Sicherheitschef bei „Google“, Mama Elisabeth und Schwester Sophia. (© Privat)

Inwiefern profitieren Sie von Ihrem amerikanisch-österreichischen Leben?

Die amerikanische Sichtweise hat mir gezeigt, immer nach jeder Möglichkeit zu suchen. Die Amerikaner sagen gern: „You miss every single shot you don’t take!“ (Anm. d. Red: „Du verpasst jede Chance, die du nicht nützt“). Ich habe viele Sachen nicht so gemacht, wie es vielleicht üblich gewesen wäre und wie alle anderen das machen würden. Und diese Risikobereitschaft ist mir nur zugutegekommen. Darum rate ich auch allen, nie immer alles so zu machen wie die anderen und mal einen Schritt zu wagen, der nicht ganz üblich ist. Auch wenn das der österreichischen Mentalität nicht so entspricht. Durch meine Arbeit bei Cisco bin ich zu etwas völlig anderem gekommen – und zwar zu einer Passion für die digitale Welt. Wenn man kalkulierte Risiken nehmen kann, dann sollte man es auch wagen. Es gibt so viele Möglichkeiten und Chancen, die sich im Leben ergeben, und diese sollte man ergreifen. Ich habe wirklich nur profitiert, indem ich mich getraut habe, anders zu sein.

 

Sie sind sehr jung und bereits sehr erfolgreich. Haben Sie das Gefühl, dass Sie dadurch je auf irgendetwas verzichten mussten?

Nein, überhaupt nicht! Ich bin von meinen Eltern immer sehr gepusht und gefördert worden, das habe ich sehr genossen. Ich würde nie sagen, dass ich irgendetwas verpasst hätte. Im Gegenteil: Ich bin wahnsinnig viel gereist und habe schon so viel von der Welt sehen dürfen. Das hat vermutlich mit einem guten Zeitmanagement zu tun und dem Wissen, wo meine Prioritäten liegen. Ich war immer gut darin, herauszufinden, was wichtig ist – sowohl im Studium und im Job als auch im Privatleben.

 

Das „Forbes Austria Magazin“ führt Sie als eines der jungen Talente in Österreich – auf der Liste der „30-unter-30“. Wie fühlt sich das für Sie an?

Ich fühle mich wahnsinnig geehrt – zumal ich mit meinen 23 Jahren die zweitjüngste auf dieser Liste bin. Es ist schön zu sehen, dass meine Arbeit und meine Leistung gesehen werden und man dafür Anerkennung bekommt.

 

Ihr Vater ist IT-Sicherheitschef bei Google. Haben Sie diese berufliche Zielstrebigkeit ein bisschen von ihm?

Mein Vater ist ein Riesenvorbild für mich. Er ist sehr zielstrebig und gleichzeitig ein extremer Familienmensch, der immer für uns da war. Er hat mir geholfen, mir meine eigenen Ziele hoch zu setzen und gleichzeitig am Boden zu bleiben. Erfolg ist etwas sehr Schönes, aber er ist eigentlich nur dann schön, wenn man ihn auch mit Leuten, die man gern hat, feiern kann. Mein Vater hat uns das immer so vorgelebt.

 

Sie arbeiten sehr viel. Was machen Sie am liebsten, um zu entspannen und neue Energie zu tanken?

Sport ist ein sehr wichtiger Ausgleich für mich. Ich bin Springschnurspringerin – ich war amerikanische Nationalmeisterin 2011 und war auch zweimal bei der Weltmeisterschaft. Ohne Sport werde ich ganz schnell unrund, darum habe ich auch in jedem Business-Koffer eine Springschnur dabei. Was mir außerdem sehr wichtig ist, sind meine Familie und Freunde. Ich achte darauf, viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Das sind jene Menschen, die mir Kraft geben und immer hinter mir stehen. Auch wenn es unter der Woche crazy zugeht – das Wochenende gehört mir. Ich habe kein Problem damit, unter der Woche viel zu arbeiten, aber die freie Zeit am Wochenende brauche ich, um die Balance halten zu können.