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People | 20.09.2017

Zwei Frauen, eine Leidenschaft

Maria Hofstätter und Miriam Fussenegger ermitteln wieder gemeinsam. Im zweiten Oberösterreich-Landkrimi, der auch dieses Mal in Windhaag bei Freistadt spielt. Wir haben die beiden Schauspielerinnen zum Doppel-Interview getroffen.

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Standen wieder in Windhaag vor der Kamera: Maria Hofstätter, Josef Hader und Miriam Fussenegger. (© ORF/Hubert Mican)

Der Weg zur Schauspielerei könnte bei Maria Hof­stätter (53) und Miriam Fussenegger (26) nicht unterschiedlicher verlaufen sein: Während Hofstätter nach einer verlorenen Wette mehr oder minder zufällig auf der Bühne landet, weiß ihre jüngere Kollegin schon sehr bald, dass auch sie dorthin möchte. Fussen­egger besucht den musisch-kreativen Zweig des Linzer Hamerling-Gymnasiums und beweist schon als Teenager ihr schauspielerisches Talent. In diesem Sommer sind die beiden wieder gemeinsam vor der Kamera gestanden – und zwar für den zweiten ORF-Landkrimi in Oberösterreich. Wir haben die Schauspielerinnen während der Dreh­arbeiten in Windhaag bei Freistadt besucht und mit ihnen über Popularität und Privatsphäre gesprochen – und warum man als Schauspieler unbedingt Durchhaltevermögen braucht.

 

Vor zwei Jahren wurde hier in Windhaag bereits der erste Oberösterreich-Landkrimi gedreht. Wie hat sich Ihre „Rückkehr“ angefühlt? Haben Sie sich wieder auf Ihre Rollen als Kriminalbeamtinnen gefreut?

Miriam Fussenegger: Ich habe mich vor allem auf die Umgebung gefreut – besonders auch auf Bad Leonfelden, wo wir während der Dreharbeiten untergebracht waren. Ich bin mit dem Auto hierheraufgefahren, da hatte ich schon so ein Kribbeln im Magen. Das war ein Gefühl, das man schon auch mit einem Zuhause assoziieren kann. Ein bekannter Ort. Insofern habe ich mich darauf gefreut.

Maria Hofstätter: Mir ist es ähnlich gegangen. Schon beim ersten Mal war es ein sehr angenehmes Team, die Leute waren alle sehr hilfsbereit, und man konnte erwarten, dass das auch jetzt wieder so ablaufen würde. Ich habe mich auf die Kollegen und die Umgebung gefreut.

 

Haben Sie das Gefühl, dass die Windhaager auch ein bisschen aufgeregt sind, weil die Filmcrew wieder da ist?

Hofstätter: Ja, schon, aber sehr positiv aufgeregt. Sie unterstützen uns und haben sich auch auf uns gefreut. Die Stimmung ist allgemein sehr gut.

 

Sie sind beide im Mühlviertel aufgewachsen. Ist es ein anderes Gefühl, in der „Heimat“ zu drehen als irgendwo anders?

Hofstätter: Natürlich ist es angenehmer, im ganz eigenen Dialekt drehen zu können. Andererseits habe ich auch schon woanders freundliche Umgebungen erlebt.

Fussenegger: Ich finde, man hat einen emotionalen Zugang zur Mentalität, zur Landschaft und eben zur Sprache. Es ist einem einfach vertrauter (Hofstätter nickt zustimmend).

 

Frau Fussenegger, Sie waren noch nicht so bekannt, als Sie 2015 den ersten Landkrimi drehten. Wie war es für Sie, an der Seite von so großen Namen wie Maria Hofstätter, Erni Mangold und Josef Hader zu spielen?

Fussenegger (lacht laut auf): Gefürchtet hab ich mich – vor der Maria! Nein, im Ernst: Natürlich hatte ich Respekt vor diesen Schauspielern, weil sie schon etwas erreicht haben und ich ihre Arbeit, ihre Einstellung und Persönlichkeiten bewundere. Aber alle sind so nahbar und bodenständig, dass sich dieser Respekt sehr schnell in Wertschätzung umgewandelt hat.

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Maria Hofstätter. (© M. M. Mitrea)

Von Ihnen beiden gibt es sehr wenige private Infos und Fotos, was in Zeiten der sozialen Medien durchaus ungewöhnlich ist. Wie wichtig ist Ihnen der Schutz Ihrer Privatsphäre?

Hofstätter: Mir ist das sehr wichtig. Wir haben uns in letzter Zeit auch viel darüber unterhalten, weil sich die Medien ändern. Früher war es leichter zu handhaben, weil es Rollenfotos gab und man bei Interviews zum Beispiel über die Arbeit gesprochen hat. Jetzt – mit diesem Selfie-Wahnsinn – ist es schwieriger, damit umzugehen.

Fussenegger: Ich finde auch, dass es schwierig ist, einen Überblick zu behalten. Man weiß gar nicht mehr, wo überall etwas veröffentlicht oder gepostet wird. Zum Teil werden Online-Persönlichkeiten kreiert, die möglicherweise gar nicht dem tatsächlichen Menschen und der Schauspielerin Miriam Fussen­egger entsprechen. Man hat das nicht mehr so in der Hand.

Hofstätter: Durch diese Online-Welt hat man es auch nicht mehr nur mit Journalisten zu tun, sondern jeder kann zum Beispiel einen Eintrag auf Wikipedia verfassen. Vieles ist nicht mehr nachvollziehbar.

Fussenegger: Wobei ich der Meinung bin, dass man sein Privatleben auch trotz sozialer Medien für sich behalten kann, wenn man das möchte.

 

Frau Hofstätter, Sie haben einmal gesagt, dass Ihnen Popularität Angst mache und Sie nicht möchten, dass der Gang zum Supermarkt zum Spießrutenlauf wird. Wie reagieren Sie, wenn Sie trotzdem auf der Straße erkannt werden?

Hofstätter: Wenn das hin und wieder passiert, ist das gar nicht schlimm. Aber wenn ich mich nur noch beobachtet fühlen würde, wäre das für mich eine Einschränkung meiner Lebensqualität.

 

Und wie geht es Ihnen damit, Frau Fussenegger? Können Sie zum Beispiel noch unerkannt über die Linzer Landstraße spazieren?

Fussenegger: Natürlich wird man gelegentlich erkannt, aber das läuft immer sehr höflich und nett ab. Ich habe das nie negativ oder grenz­überschreitend erlebt. Ich habe den Eindruck, dass ich total anonym sein und auch bleiben kann – besonders auch in Wien.

 

Was muss eine Rolle grundsätzlich haben, damit Sie sie spielen möchten?

Hofstätter: Ich schaue mir als Erstes nicht die Rolle an sich an, sondern die Geschichte, in die sie eingebettet ist. Die Rolle entsteht dann ja daraus. Eine weitere, sehr wesentliche Frage ist, wer Regie führt. Weil daraus resultiert, ob ich Vertrauen habe und mir vorstellen kann, die Rolle zu übernehmen. Dann schaue ich mir an, mit wem ich spielen werde, wer meine Partner sein werden. Erst wenn ich dann insgesamt das Gefühl habe, dass ich mir das vorstellen kann, nehme ich eine Rolle an. Wenn es nur Nebenschauplätze gibt und man sich unwohl fühlt, beeinträchtigt das schlichtweg die Qualität. Mit einem guten Team, in dem man sich gut aufgehoben fühlt, kommt auch künstlerisch meist etwas Besseres heraus.

Fussenegger: Ich finde auch, dass es ganz wichtig ist, wer die Regie macht und wer meine Partner sind. Weil das bedingt ja dann auch das Arbeitsklima und was daraus entsteht. Außerdem möchte ich während meiner Arbeit eine gute Zeit haben.

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Miriam Fussenegger. (© Neumayr/www.picturedesk.com)

Sie stehen beide sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera. Was machen Sie lieber?

Hofstätter: Beide Sachen sind so verschieden, und ich bin froh, dass ich beides machen kann. In einem Jahr steht man mehr auf der Bühne, im anderen wieder mehr vor der Kamera. Aber wenn ich komplett auf eine Sache verzichten müsste, wäre mir leid drum.

Fussenegger: Mir geht es ganz genauso!

 

Für viele Menschen ist die Schauspielerei immer noch ein Traumberuf, doch die wenigsten können tatsächlich davon leben. Was braucht man, um in Österreich als Schauspieler erfolgreich sein zu können?

Fussenegger: Durchhaltevermögen ist enorm wichtig. Und dieses Durchhaltevermögen resultiert für mich aus der Leidenschaft für die Sache.

Hofstätter: Wobei das für jeden künstlerischen Beruf gilt. Wenn man kein Durchhaltevermögen hat, kann es sich nicht ausgehen. Und dann braucht es noch gewisse Glücksmomente: Wen lerne ich kennen? Mit wem kann ich gut? Es sind viele Komponenten, warum es bei manchen klappt und bei anderen nicht. Ich habe Menschen erlebt, die ich als sehr begabt empfunden habe, die aber aus diversen Gründen nicht weitergekommen sind. Außerdem muss man es auch emotional aushalten.

Fussenegger: Das stimmt. Man braucht das richtige Nervenkostüm. Auf der einen Seite soll man als Künstler hochsensibel sein, andererseits sollte man alles aushalten. Das gelingt nicht jedem.


ORF-Landkrimi „Der Tote im See“

Unter der Regie von Nikolaus Leytner untersuchen die beiden Kriminalbeamtinnen Grete Öller (Maria Hofstätter) und Lisa Nemeth (Miriam Fussenegger) den Tod eines Mannes. Im Rahmen der Ermittlungen stellt sich heraus, dass den Toten und Sepp Ahorner (Josef Hader) etwas Tragisches verbindet. Bei dem Toten handelt es sich um jenen Mann, der vor Jahren Ahorners Familie bei einem Autounfall getötet und danach Fahrerflucht begangen hat. Als die Ermittlerinnen Sepp dazu befragen wollen, ist der spurlos verschwunden...

Gedreht wurde von Anfang Juni bis Anfang Juli in Windhaag bei Freistadt, Molln, Sandl, Hirschbach im Mühlkreis und an anderen Schauplätzen im Mühlviertel. Die Ausstrahlung des Oberösterreich-Landkrimis ist für 2018 geplant.

„Der Tote im See“ ist eine Koproduktion des ORF und der Lotus-Film GmbH mit Unterstützung von Fernsehfonds Austria und dem Land Oberösterreich.