Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 16.02.2022

Zurück zu den Wurzeln

40 Jahre nachdem er an der Johannes Kepler Universität zu studieren begann, wurde VERBUND-Vorstandschef Michael Strugl mit Jahresbeginn einstimmig zum Vorstandsvorsitzenden des JKU Alumniclubs Kepler Society gewählt.

Bild 2112_O_Blackout_Strugl.jpg
© VERBUND/Christian Jungwirth

An seinen ersten Studientag an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz kann sich VERBUND-Vorstandschef Michael Strugl noch gut erinnern.  40 Jahre später wurde er bei der Generalversammlung am 10. Jänner einstimmig zum Vorstandsvorsitzenden des JKU Alumniclubs gewählt und kehrt damit quasi zu seinen studentischen Wurzeln zurück. Was er mit dem Alumniclub plant, welche prominenten Manager mit ihm studiert haben und warum sich junge Menschen für Linz als Studienstandort entscheiden sollten, hat uns Michael Strugl im Interview erzählt. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Herr Dr. Strugl, Sie haben von 1982 bis 1991 an der JKU in Linz Rechtswissenschaften studiert. Was hat Sie dazu bewogen und wie haben Sie Ihren ersten Tag an der JKU in Erinnerung?

Michael Strugl:  Dazu muss ich etwas ausholen (lacht). Ich habe von 1982 bis 1987 Jus studiert, dann aber das Studium unterbrochen, weil ich meinen ersten Vollzeitjob bekam. Mein Jusstudium habe ich später, neben meinem Beruf, abgeschlossen. Da ich damals Wirtschaftsanwalt werden wollte, habe ich im Ausland zusätzlich ein Wirtschaftsstudium absolviert, um auch international Erfahrung zu sammeln. Das Doktorat in Wirtschaftswissenschaften habe ich dann allerdings wieder in Linz gemacht. Mein erster Tag an der JKU war chaotisch. Man musste damals zu vielen verschiedenen Stellen, was mit viel Bürokratie verbunden war. Der  JKU-Campus hat mir von Anfang an gut gefallen und ich habe in kurzer Zeit viele Kommilitonen kennengelernt.

 

Fast zehn Jahre lang waren Sie in der Politik tätig. Zuletzt als Landeshauptmann-Stellvertreter von Oberösterreich. Seit Jänner 2021 sind Sie Vorstandsvorsitzender der VERBUND AG. War es zu Studienzeiten schon Ihr Ziel, einmal einer der Topmanager unseres Landes zu werden?

Es war jedenfalls immer Teil meiner Lebensplanung, von der Politik wieder in die Wirtschaft zu wechseln. 

 

Zusätzlich zu Ihren Studien haben Sie Aus- und Weiterbildungen u. a. im Bereich General Management und International Finance in Toronto (Kanada),  Atlanta (USA) und an der Stanford University in Kalifornien absolviert. Was können wir in Österreich von Universitäten in Kanada oder in den USA lernen?

Das Studieren an solchen Universitäten ist sehr teuer, daher sind die Studierenden auch motiviert, das Maximum herauszuholen. Dazu kommt, dass die Universitäten ihre Rankings verteidigen und daher die Standards hoch ansetzen. Schon beim Einstieg ins Studium ist Leistung das zentrale Prinzip. Methodisch wird vor allem mit Case Studies gearbeitet, was spannend und sehr praxisbezogen ist. Die Theorie wird nicht im Lehrsaal vermittelt, diese muss man sich selbst aneignen. Ich habe auch sehr stark vom Austausch in der Klasse profitiert – bei Executive-Programmen sind das Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen und aus vielen Ländern. Diese Diversität ist ein großer Vorteil.

 

Wie darf man sich Ihre Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender des JKU Alumniclubs vorstellen?

Der Alumniclub ist ein wichtiger Stakeholder und Partner der JKU. So verstehe ich unsere Rolle. Wir werden uns einbringen, ich sehe das nicht als reinen Mitgliederverein. An amerikanischen Universitäten sind die Alumnis viel stärker mit ihrer Universität verbunden, auch emotional. Das hat mich beeindruckt.

 

Mehr als 4.000 Mitglieder, Bewerbungssupport, JKU Jobbörse, Praktikums-Challenge ... der JKU Alumniclub Kepler Society ist sehr gut aufgestellt. Was sind Ihre Ziele mit dem JKU Alumniclub Kepler Society?

Wir wollen die Absolventinnen und Absolventen in ihrer Gesamtheit ansprechen. Wir verstehen uns als wichtiger Teil der JKU Community und wir haben Gestaltungswillen, das bedeutet auch Mitsprache. Wir werden Vorschläge zur Weiterentwicklung machen und ich kann mir auch vorstellen, dass wir dezidierte Projekte in Form von Patenschaften unterstützen. Wir bringen die Expertise derer ein, die hier studiert haben. Das umfassende Service- und Veranstaltungsangebot soll es auch in Zukunft geben, die Angebote sollen niederschwellig und digital sein.

 

Inwieweit haben Sie selbst vom JKU Alumniclub Kepler Society profitiert?

Es waren vor allem die Netzwerke und Kontakte, die wertvoll sind.

 

Für Studierende ist es ganz wichtig, praktische Erfahrung in Unternehmen zu sammeln. Inwieweit und in welchen Bereichen bietet die VERBUND AG hierzu Möglichkeiten an?

Bei uns können StudentInnen eines MINT- oder betriebswirtschaftlichen Studiums Bachelor- oder Masterarbeiten zu verschiedenen Themenstellungen verfassen. Ganz aktuell zum Beispiel zu den Themen Data Science/KI oder Arbeitnehmersicherheit.  Besonders hervorheben möchte ich das VERBUND-
Frauenstipendium, das wir seit Jahren in Kooperation mit der TU Wien durchführen und bei dem wir gezielt drei topqualifizierte Frauen ein Jahr lang finanziell, aber auch inhaltlich unterstützen. Unter den AbsolventInnen suchen wir vorrangig nach Kompetenzen in Informatik, OT-/IT-Security, Elektro-
technik und Informationstechnik, Maschinenbau, Technische Mathematik, Risk Management sowie Finanzierung und Controlling.

 

Wie wichtig ist Ihnen lebenslanges Lernen und streben Sie noch weitere Aus- bzw. Weiterbildungen an? 

Ich lerne noch immer – jeden Tag. Auch „on the job“ im Unternehmen, auch als CEO gibt es täglich viel zu lernen. Ich nehme mir aber auch regelmäßig vor, außerhalb des Jobs etwas Neues zu lernen, zum Beispiel eine Fremdsprache.

 

Gibt es prominente Manager in Österreich, die mit Ihnen studiert haben?

Ja, an der LIMAK Austrian Business School war ich damals in einem Jahrgang mit dem heutigen Voestalpine Vorstandsvorsitzenden Herbert Eibensteiner und OMV Vorstandsvorsitzenden Alfred Stern. Jetzt haben wir als CEOs unserer Konzerne geschäftlich miteinander zu tun. 

 

Warum sollten sich angehende Studierende für Linz als Studienstandort entscheiden?

Linz hat hervorragende Studienangebote: Recht, Wirtschaft, Technik, zukünftig Digitalisierung, Medizin. Und vor allem haben Linz und Oberösterreich ein attraktives wirtschaftliches und industrielles Umfeld, das hilft bereits während des Studiums und ist auch für die Forschung ein Vorteil. Und wenn man Linz kennengelernt hat, schätzt man auch die Lebensqualität, das haben mir Manager und Forscher immer wieder bestätigt.

 

Sie sind nun seit gut einem Jahr Vorstandsvorsitzender von Österreichs führendem Energieunternehmen, der VERBUND AG. Wie lautet Ihre Bilanz? Worauf sind Sie besonders stolz?

VERBUND ist ein großartiges Unternehmen, wir haben sehr viel Expertise im Konzern. Auf mein Team bin ich wirklich stolz. Wir führen die Energiewende an und sind gleichzeitig Garant für Versorgungssicherheit. Wir sind schon jetzt zu 97 Prozent erneuerbar, haben eine Marktkapitalisierung von über 30 Milliarden Euro und konnten den Wert des Unternehmens in den letzten Jahren enorm steigern. Jetzt wollen wir neue Märkte erobern und ich hoffe, dass wir auch viel oberösterreichisches Talent an Bord holen können.