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People | 31.10.2014

„Ein Clown ist ein Antiheld“

Der Traditionszirkus Roncalli gastiert von 21. November bis 13. Dezember in Linz. Unsere Redaktion hat Gründer Bernhard Paul zum Gespräch getroffen.

 

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Roncalli-Gründer Bernhard Paul verwandelt sich in Clown Zippo.

(Foto: Roncalli)

 

 

Eine rote Nase, lachende Augen, ein fröhlicher Mund: So kennt man ihn, Clown Zippo vom Circus Roncalli. Ihn bzw. seinen Schöpfer, Bernhard Paul, treffen wir heute in Linz zum Interview. Diesmal allerdings ohne Schminke, dafür mit seinem typisch zerzausten Haar und einer braunen Pilotenbrille im Gesicht. Etwas müde sieht der 67-Jährige aus – seit 05:30 Uhr ist er unterwegs, um an diesem Tag Interviews zu geben. Und dennoch ist er gut gelaunt und freut sich, uns von den Anfängen seiner fulminanten Karriere zu erzählen: „Mit 28 Jahren beschloss ich, mir meinen Kindheitstraum zu erfüllen und meinen eigenen Zirkus zu machen. Einfach war das nicht, aber dafür ist es etwas ganz Besonderes.“

 

Können Sie sich noch an Ihren ersten Zirkus-Besuch erinnern?

Ohja, sehr gut sogar! Ich war sechs Jahre alt und habe den Zirkus Rebernigg besucht. Das war für mich eine Offenbarung! Das war ein Schlüsselerlebnis in jeder Weise: Da hat mir alles gefallen und da wusste ich, dass ich Clown werden möchte. Meine Mutter hat daheim gesagt: „Ja, wenn du nichts lernst, wirst du beim Zirkus landen.“ (Lacht) Dieser Besuch hat mein Leben bestimmt.

 

Und dann haben Sie sich einfach gedacht: „So, ich mach jetzt meinen eigenen Zirkus“?

Wenn man keine Ahnung hat, dann ist man ja so naiv – was braucht man denn für einen Zirkus? Ein paar Wagen und ein Zelt … (Lacht) Aber das geht dann ja von den Logen über die Lichttechnik bis zum Orchester. Das habe ich zu Beginn nicht bedacht. So schnell kann man gar nicht schauen, hat man Schulden. Das ist wie mit einer Felswand: Dort ist der Abgrund und da ist die Wand. Man muss durch ein Nadelöhr durch, darf nicht aufhören. Meine Triebfeder war einfach, einen schönen Zirkus zu machen.

 

Wie schafft der Circus Roncalli es nach beinahe 40 Jahren noch immer, so erfolgreich zu sein?

Vom Erscheinungsbild her ist mein Zirkus ein Idealbild: Ich habe den Zirkus meiner Kindheit in meinem Kopf. Das Bild wurde mit den Jahren immer stärker, das war wie eine Droge. Für mich muss Zirkus eine Familienunterhaltung sein – vom Kleinkind bis zum Intellektuellen sollte jeder an derselben Stelle lachen können. Man darf nichts machen, was vor 40 Jahren war, allerdings darf man auch dem Zeitgeist nicht hinterherlaufen. Denn Zeitgeist ist verderbliche Ware. Mein Zirkus ist emotional, poetisch, mit viel Freude. Todesnummern kommen mir nicht ins Haus. Ich will, dass sich die Leute erholen!

Tina Ornezeder

 

 

 

Jetzt mitmachen und gewinnen: Wir verlosen 3x2 Karten für die Roncalli-Premiere am 21. November 2014 um 20 Uhr am Urfahraner-Marktgelände in Linz. Hier gehts zum Gewinnspiel!