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People | 13.06.2016

"Wurscht sind wir keinem"

Als Duo kennt man sie erst seit einem Jahr, und doch haben sie mit ihrem Album bereits Dreifach-Platin abgeräumt und absoluten Kult-Status erreicht: Seiler & Speer. Wir haben uns von den beiden den Kopf verdrehen lassen. Christopher Seiler und Bernhard Speer im Talk.

Bild Seiler und Speer 2 by Thomas Unterberger_klein.jpg
© Thomas Unterberger

Gemeinsam Musik machen Seiler & Speer schon lange, wenn auch zunächst nur aus Spaß. Doch mit ihrem zutiefst (und teils tiefen) österreichischen Schmäh sowie ihrer zynischen, provokanten, bitterböse romantischen und doch lebensnahen Musik haben sie sich in kurzer Zeit in die Herzen der Österreicher und mittlerweile sogar unserer deutschen Nachbarn gesungen. Die Konzerte des Duos, das seit 2014 aus dem Komiker und Schauspieler Christopher Seiler (28) und dem Filmemacher Bernhard Speer (32) besteht, sind lange im Voraus ausverkauft, denn geboten wird echte Live-Musik von einer großartigen Band. Kinder von Traurigkeit waren die beiden nie: Wenn „Sperrstund is“ und du zu spät „ham kummst“, dann heißt es „Servas baba“ – davon können Christopher Seiler und sein musikalischer „partner in crime“ ein Liedchen singen …

 

Mit der Single „Ham kummst“ habt ihr euren ersten Kassenschlager gelandet. Der Erfolg kam ziemlich plötzlich. Überraschend oder doch vorhersehbar? 

Wir haben natürlich nicht mit dem Erfolg gerechnet. Unser Duo war eigentlich eine reine Jux und Tollerei-Partie. Ernst genommen haben wir es mit der Musik zwar schon von Anfang an, aber einen Plan hatten wir damit nicht verfolgt. Wir haben nie gesagt, dass wir die Charts stürmen und ein Album machen wollen, es ging uns immer nur um die Musik.

 

Ihr habt als Komiker und Schauspieler bzw. Filmemacher eure Karrieren begonnen. Wie kam es dann zum Musiker-Duo?

Unser toller Kollege Daniel Fellner bot uns an, in seinem Tonstudio unsere Songs mal aufzunehmen. Ganz ohne Plan dahinter. Es kam dann alles von selbst. Irgendwann „musste“ ein Plan sein, denn wir hatten fünf Nummern und ein Album war vorprogrammiert. Daniel Fellner ist übrigens jetzt unser Produzent.

 

Geht ihr nun, wo ihr als Musiker erfolgreich seid, anders mit eurer Musik um? 

Man nimmt sich halt vor, sich lyrisch und musikalisch zu steigern. Das Gleiche zu machen wie am ersten Album, wäre ja Blödsinn, dann hätten wir eine Raubkopie davon. Unser Erfolgsrezept war eigentlich, dass sich jeder irgendwie in unseren Liedern wiederfindet. Unter unseren Fans sind Heavy Metal-Hörer, Volksmusik-Liebhaber, Ö3-Hörer … Wir haben kein Genre, sondern das, was verbindet, ist die Sprache, der Dialekt. 

 

Ihr wart sogar in Deutschland in den Charts, die Norddeutschen werden allerdings Probleme haben, eure Texte zu verstehen. Spielt also auch die Melodie eine große Rolle bei euch? 

Christopher: Umberto Tozzi war ja ebenfalls bei uns in den Charts und den versteht hier auch keiner. Ich bin mir sogar sicher, dass die meisten Leute bei uns die englischen Lieder nicht verstehen. Es geht also nicht nur um die Sprache, sondern auch um die Melodie – und das funktioniert halt sogar in Norddeutschland. 

 

Wie hat sich euer Leben durch euren Wahnsinnserfolg verändert? 

Natürlich sehr positiv: Mit Mietezahlen haben wir jetzt kein Problem mehr. Man kann sich jetzt Sachen leisten, auch für Freunde und Familie, was man sich vorher nicht leisten konnte. Das ist nicht selbstverständlich für uns.

 

Und die negativen Seiten?

Dass wir nicht viel Zeit daheim verbringen. Außerdem muss man extrem vorsichtig sein mit allem: was man macht, wo man hingreift, was man sagt … Lyrisch ausgedrückt, stehen uns alle Türen offen – man muss aufpassen, dass man nicht die falsche Tür erwischt. Konkret heißt das: Drogen, zu viel Party, gar nicht mehr heim-kommen, Sex, Drugs & Rock’n’Roll halt … – man kann alles übertreiben. Man muss aufpassen, wenn man länger da sein will. Aber wenn es nicht funktioniert, gibt es eh die natürliche Selektion. Wir waren schon einmal schlimmer, sind als Künstler und Menschen gereift. 

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Schnappschuss! Christopher Seiler, Denise Derflinger, Maria Russ und Bernhard Speer

In welches eurer Lieder habt ihr das meiste Herzblut gesteckt? 

Bernhard: In das ganze Album eigentlich, ich würde das nicht auf ein Lied beziehen. Bei mir schwankt das hin und her, es gibt immer ein Lieblingslied, das ich irgendwann selber nicht mehr hören kann. Derzeit ist es „Bonnie & Clyde“, da bin ich gerade gelandet. Ich habe aber eigentlich schon das ganze Album durch. Zum Glück gibt es ja jetzt auch neue Nummern …

Christopher: Was heißt „Herzblut“ überhaupt? (Lacht) In die persönlichen Lieder. 

 

Eure Songs nehmen oft unerwartete Wendungen ein. Ein „Seitenhieb“ auf das echte Leben?

Christopher: Das kommt eher daher, dass ich ein sehr großer Ludwig Hirsch-Fan bin. Ich steh drauf, wenn der Zuhörer mit etwas konfrontiert wird, was er nicht vorhersehen kann. Das unterscheidet uns auch von schlechter Schlagermusik und vom typischen Einheitsbrei. Wir überraschen gerne und machen das, was nicht üblich ist, weil es uns „voi wurscht is“ – nicht unsere Karriere, für die sind wir sehr dankbar, aber wurscht, was andere denken. Dafür werden wir entweder gehasst oder geliebt, aber wurscht sind wir keinem.

 

Ausverkaufte Konzerthallen gehören mittlerweile zu eurem Alltag. Wie war es, das erste Mal als Musikerduo auf der Bühne zu stehen? 

Christopher: Ich war ja als Kabarettist schon öfter auf der Bühne gestanden, aber als wir 2015 zum ersten Mal als das Musikerduo Seiler & Speer in der SimmCity in Wien vor 800 Leuten auftraten, das war der erste richtige Kick.

Bernhard: Ja, das war der Wahnsinn! Wir haben das schon sehr bewusst erlebt.

 

Fans stellen euch auf dasselbe Podest wie Falco und die Austropop-Legenden Ambros, Fendrich und Hirsch. Eine besondere Ehre? 

Mit Falco können wir persönlich eigentlich nicht viel anfangen. Aber hinsichtlich Verkaufszahlen sind wir sehr erfolgreich, ja. Man muss beachten, für die damaligen Künstler war es noch eine Beleidigung, als „Austropopper“ bezeichnet zu werden. Wir sind zwei, drei Generationen danach – klar fühlen wir uns geehrt! 

 

Man liest nicht allzu viel Privates über euch, ein bisschen aber doch. Christopher, du sagtest mal in einem Interview, du warst ein Hallodri und hast oft zu viel getrunken. Bernhard, von dir liest man etwa, du hättest per SMS von der Schwangerschaft deiner Party-Bekanntschaft erfahren. Sind eure exzessiven Zeiten vorüber? Hat die Musik euch diesbezüglich verändert oder sogar geholfen? 

Wenn da viel hilft, aber sicher nicht die Musik! Das bist du oder bist du nicht. Du kannst dich nur am Riemen reißen und versuchen zu reifen. Das ist ein Lernprozess, auch wenn sich das fad anhört. Natürlich will man vorher hingreifen, den Versuchungen erliegen. 

 

Seid ihr also „brav“ geworden? ;-)

Man wird nicht brav, man kann seinen Charakter nicht ändern. Du wirst nur brav mit dem Alter, weil du dir etwas aufzwingst. Aber das bist dann nicht du. Es schlummert trotzdem in dir. Du bist, was du bist, und du bleibst, was du bleibst, es wird nur unterdrückt. 

 

Gibt es noch etwas, was ihr eure Fans wissen lassen wollt? 

Es gibt eine Seiler & Speer-Live-DVD zu kaufen und im Herbst kommt die dritte Staffel von „Horvathslos“ raus. Außerdem arbeiten wir an unserem nächsten Album. Das sind die wichtigsten Daten und Fakten. (Lachen)