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People | 31.12.2018

„Wir wollten das Bergergut retten“

Eva-Maria Pürmayer hat 2016 nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters das „Bergergut“ in Afiesl übernommen. Heute lebt sie ihre Rolle als Gastgeberin mit viel Engagement, Leidenschaft und Herz.

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Die geborene Gastgeberin: Eva-Maria Pürmayer leitet die Geschäfte im Romantik- und Gourmethotel „Bergergut“. (© Werner Harrer)

Eva-Maria Pürmayer sprüht vor Energie. Sie spricht schnell und durchschreitet flotten Schrittes das Restaurant, um ein ruhiges Platzerl für unser Interview zu finden. Allerdings braucht sie diese Kraft auch als Chefin des Romantik- und Gourmethotels Bergergut in Afiesl. Diese Aufgabe hat sie 2016 nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters Werner Pürmayer übernommen.

Wir haben die 31-Jährige im oberen Mühlviertel besucht und mit ihr über Gastgeben, Familie und die großen Herausforderungen ihres Jobs gesprochen.

 

Sind Sie so etwas wie eine geborene Gastgeberin oder mussten Sie erst in diese Rolle hineinwachsen?

Pürmayer: Meine Großeltern haben den Betrieb aufgebaut, meine Eltern haben ihn fortgeführt und zu dem gemacht, was er bis heute ist. Es ist eine Familientradition. Meine beiden Schwestern und ich sind intensiv im Betrieb aufgewachsen. Die Wirtsstube war unser Wohnzimmer. Da lernt man relativ schnell, ob man die Gastronomie liebt oder eben nicht. Für mich war immer klar, dass mir das taugt und mein Weg auch in diese Richtung gehen wird. Ich war in regelmäßigem Austausch mit meinem Papa und habe relativ bald entdeckt, dass mir auch das Unternehmertum an sich Spaß macht.

 

Mit dem plötzlichen Tod Ihres Vaters vor zwei Jahren hat sich auch für Sie von einem Tag auf den anderen alles verändert. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, das Bergergut zu übernehmen? Zumal Sie zu diesem Zeitpunkt mit Ihrem Lebensgefährten Thomas Hofer (Anm. d. Red.: Haubenkoch und Küchenchef im Bergergut) das „Culinariat“ in Hellmonsödt geführt haben und Mama eines erst zweijährigen Sohnes waren …

(überlegt) Tatsächlich war es so, dass von heute auf morgen alles anders war. Die drei Unternehmen – das Aviva, das Bergergut und die Brauerei – sind plötzlich ohne Geschäftsführer dagestanden, die Konten wurden eingefroren. Darum war eine rasche Entscheidung notwendig, wie es weitergehen kann. Ich habe vermutlich auch ein bisschen im Schock gehandelt. Allerdings war für mich klar, dass ich das Unternehmen positiv in die Zukunft begleiten möchte – wenn auch ohne jegliche Übergabe. Das hat sich innerhalb weniger Tage herauskristallisiert. Es ist unser Elternhaus, ein Traditionsbetrieb über Generationen. Ich musste für mich selbst abwägen, ob ich es mir als Zukunftsvariante vorstellen konnte – mit Familie und kleinem Sohn. Aber ich habe ganz schnell gemerkt: Darum kämpfen wir, damit wir es in der Familie halten und wieder erfolgreich in die Zukunft führen können.

 

Sie sind mit und in der Gastronomie groß geworden. Was ist für Sie das Besondere an diesem Beruf?

Menschen zu begeistern und ihnen eine schöne Zeit bereiten zu können. Das taugt mir! Mir gefällt auch alles drum herum, was dazugehört. Selbstständigkeit bedeutet für mich ein Stück Freiheit. Eigene Gedanken umsetzen zu können, das macht mir Spaß.

 

Sie sind 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Unternehmerin und für das Hotel verantwortlich. Bleibt da noch genügend Zeit für Familie, Freunde oder Hobbys?

Leicht ist es nicht, und man muss lernen, seine Gedanken zu sortieren. Damit man gedanklich nicht 24 Stunden am Tag im Betrieb hängt. Das ist eine Riesenherausforderung, wenn man an das Risiko, die Verantwortung und die vielen Ideen, die damit einhergehen, denkt. Da muss jeder Unternehmer seinen eigenen Weg finden. Den Preis, den man für die Selbstständigkeit zahlt, ist weniger Zeit für die Familie, für Freunde und Hobbys. Besonders die Freundschaften leiden bei mir darunter, weil ich natürlich die Zeit, die mir bleibt, mit meiner Familie verbringe. Weil ich nicht möchte, dass mein Sohn zu kurz kommt. Vielleicht tue ich mir ein bisschen leichter damit, weil ich das ja von meiner eigenen Kindheit kenne. Ich habe also gewusst, worauf ich mich einlasse. Glücklicherweise habe ich ein gut funktionierendes Netzwerk. Wir haben meine Schwestern, Oma und Uroma in der Nähe, die uns unterstützen. Das finde ich sehr wesentlich, weil ich sonst vermutlich schon ein schlechtes Gewissen meinem Sohn gegenüber hätte. Ich habe allerdings für mich gelernt, dass man die Dinge konsequenter tut. Wenn ich bei meinem Sohn bin, dann bin ich bei meinem Sohn. Punkt! Man hat weniger Zeit, aber nützt diese dafür intensiver. Was im Moment ein bisschen auf der Strecke bleibt, sind Zweisamkeit und Romantik – und das sage ausgerechnet ich als Gastgeberin eines Romantikhotels. (lacht)

 

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Zeit für die Familie: Eva-Maria Pürmayer mit ihrem Lebensgefährten, dem Haubenkoch Thomas Hofer, und Söhnchen Leopold (© privat)

Was macht ein gutes Hotel aus?

Gastgeber, die „Gast geben“ – und ich bin immer wieder erstaunt über das Feedback unserer Gäste, die uns sagen, dass wir so herzliche Gastgeber sind. Dass wir spürbar leidenschaftlich Gäste begeistern. Mich überrascht es, dass das so auffällt, weil es für mich selbstverständlich ist. Das ist ja unsere Ur- oder Hauptaufgabe – egal, in welcher Abteilung. Wir müssen Gäste begeistern! Und das muss – vom jüngsten Lehrling und dem Hausmädchen bis zum Küchenchef und der Geschäftsleitung – jeder im Herzen tragen.

 

Ihr Vater war sehr innovativ und hat mit dem Bergergut speziell für Paare etwas zum damaligen Zeitpunkt vollkommen Neues geschaffen. Ist Ihr Vater auch Vorbild für Sie?

Es war vor allem sein Mut, etwas anders zu machen, der ihn ausgezeichnet hat. Ich würde ihn wirklich als Visionär bezeichnen, weil er nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern in der Region, im Mühlviertel und zum Teil auch in ganz Oberösterreich diesen Netzwerk-Gedanken vorangetrieben hat. Er war ein unglaublich leidenschaftlicher Unternehmer, hatte Visionen und die Tatkraft, die man dazu braucht. Es ging ihm immer da­rum, nicht nur zu reden, sondern auch umzusetzen. Da ist er ein absolutes Vorbild für mich. Unsere Geschichte ist ja bekannt und auch die Umstände seines Todes, darum mag es umso mehr erstaunen: Was ich ganz stark von ihm gelernt habe, sind Lösungsorientierung, nämlich dass es immer für alles eine Lösung gibt, sein positives Wesen und sein positiver Zugang zum Leben. Das hat er uns Kindern immer vorgelebt und es hat mich sehr geprägt.

 

Hat es auch einmal einen Moment in den vergangenen zwei Jahren gegeben, in dem Sie Ihre Entscheidung zugunsten des Bergerguts bereut oder angezweifelt haben?

Bereut habe ich es nie, angezweifelt durchaus immer wieder einmal. Aber das ist vermutlich auch normal und gut. Ich frage mich schon, ob ich die Richtige für diesen Job bin und das Ganze richtig angehe. Das habe ich in den vergangenen zwei Jahren intensiv erlebt. Es ist ein großer Unterschied, ob man ein Restaurant oder ein Unternehmen dieser Größe führt. Man muss da erst seinen eigenen Weg finden. Wichtig ist, dass man die Zweifel zwar zulässt, aber sie nicht Oberhand gewinnen lässt. Eine zusätzliche Herausforderung war für mich die Trauer, die im ersten Jahr viel zu kurz gekommen ist, weil mich die Unternehmen und die damit einhergehenden Aufgaben so gefordert haben. Zu verarbeiten, den Vater auf so tragische Art zu verlieren, hat seinen Platz gebraucht.

 

Wie wichtig ist es, den Gästen immer wieder Neues zu bieten? Wie geht es mit dem Bergergut weiter?

Wir haben uns nach der Übernahme gefragt, ob das jetzige Thema Romantik auch das unsere ist und ob wir bei dieser Zielgruppe bleiben möchten. Die Antwort war ganz klar: Ja, das macht uns Spaß und dabei bleiben wir. Allerdings setzen wir verstärkt auch auf das Thema Genuss und Kulinarik, weil sich dieses wunderbar mit Zweisamkeit verbinden lässt. Da uns hier die touristische Infrastruktur in Form von Seen oder Bergen fehlt, braucht es ein bissl mehr von unserer Seite, das gewisse Extra sozusagen. Die Frage, die wir uns für die kommenden Jahre stellen, ist: Wie kann Paarurlaub 2.0 in Zukunft aussehen?