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People | 23.09.2019

"Wir sind Bogart"

... lautet die Devise der zwei modebewussten Powerladys Anna Irrendorfer und Anna Seyr, die seit 30 Jahren mit ihren Boutiquen der Inbegriff für trendige Damen- und Herrenmode in Perg und der gesamten Region sind.

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Seit 30 Jahren in Sachen Mode am Ball: Anna Seyr und Anna Irrendorfer. (© Roswitha Aumayr Photographie)

Nachdem sie vor 30 Jahren eine Herrenboutique in Perg gegründet hatten, wagten Anna Irrendorfer und Anna Seyr vor fünf Jahren den Schritt in Richtung Expansion und eröffneten mit „Bogart 2.0 für Mode“ in Perg einen großen Store für Damen- und Herrenmode. Heuer feiern sie mit Bogart das 30-jährige Jubiläum, was in einer Zeit, in der viele Innenstadtgeschäfte ums Überleben kämpfen oder sogar zusperren, keine Selbstverständlichkeit ist. Wir haben uns mit den zwei Firmengründerinnen in ihrem trendigen Fashion-Store zum entspannten Talk getroffen und nachgefragt, was das Geheimnis ihres nachhaltigen Erfolgs ist. Natürlich wollten wir auch wissen, was die zwei Frauen dazu bewogen hat, vor 30 Jahren eine Boutique nur für Männer zu eröffnen.

 

Vor 30 Jahren habt ihr in Perg „Bogart – Mode für Männer“ gegründet und euch relativ schnell zur ersten Adresse für Herrenmode in der Region entwickelt. Wie ist es dazu gekommen?

Anna Irrendorfer: Das ist eine ganz lustige Geschichte. Wir haben damals beim Baden am See Annas Textilhandelsprüfung gefeiert. Ich war bereits acht Jahre in der Textilbranche tätig und liebte meinen Beruf. Na ja, und plötzlich stand dann der Gedanke im Raum, uns mit einem Geschäft selbstständig zu machen. 

Anna Seyr: Anfangs haben wir noch darüber gelacht, aber mit der Zeit ließ uns diese Idee nicht mehr los. Eineinhalb Jahre später, nachdem wir einen Unternehmerlehrgang absolviert hatten, war es dann so weit und wir eröffneten am 1. September 1989 in der Herrenstraße 8 in Perg eine kleine Boutique für Herrenmode.

 

Die Herren wurden bestens versorgt, aber auch die Ladys wollten bei euch einkaufen. Wann habt ihr mit Damenmode begonnen?

Anna Irrendorfer: Das war ungefähr sieben Jahre nach der Eröffnung des Herrenfachgeschäfts. Im Prinzip haben uns vor allem die Kunden dazu angeregt. Mit dem Resultat, dass wir von den Marken, die wir für Herren angeboten haben, auch ein paar Teile für Damen ins Sortiment aufgenommen haben.

Anna Seyr: Damals lagen Brands wie Trussardi, Armani, Diesel-Jeans oder Otto Kern hoch im Kurs, auch die Damen wollten Jeans dieser Marken haben. Es war bei den Ladys auch trendy, weite Herrenhemden mit hochgekrempelten Ärmeln zu tragen, somit kamen auch immer mehr Frauen als Kundinnen in unser Geschäft.

Anna Irrendorfer: Wir haben in dieser Zeit auch als eine der Ersten in Österreich die Marke Drykorn entdeckt, ins Sortiment aufgenommen und uns zum Geheimtipp für Damen im Herrenladen entwickelt.

 

War dieser Erfolg auch der Grund, warum ihr im Jahr 2014 mit Bogart 2.0 ein weiteres Geschäft in Perg eröffnet habt?

Anna Seyr: Auf jeden Fall! Denn damals erzielten wir mit Damenmode auf einer minimalen Fläche bereits 40 Prozent unseres Umsatzes. Daher war die Eröffnung eines zweiten Standortes für Damen und Herren in der Herrenstraße 20 ein logischer und, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, auch richtiger Schritt. Den ursprünglichen Shop, der nur wenige Meter vom neuen Geschäftslokal entfernt liegt, haben wir behalten und führen dort seither Tracht und Landhausmode.

 

Was waren in diesen 30 Jahren die größten Herausforderungen?

Anna Irrendorfer: Während dieser Zeit habe ich meinen Sohn und Anna ihre zwei Töchter und ihren Sohn bekommen. Familie und Geschäft vereinbaren zu können, das hat uns manchmal an die Belastungsgrenze geführt. Annas Tochter ist mittlerweile auch bei uns im Team dabei, was uns sehr freut.

Anna Seyr: Und auch unser Team ist laufend gewachsen. Zu den drei Mitarbeiterinnen, die seit den Anfängen dabei sind, kamen sieben neue dazu, und es hat eine Zeit lang gedauert, eine Einheit zu werden. Heute sind wir ein eingeschworenes Team. Mittlerweile sind wir zehn Personen im Verkauf und beschäftigen eine Reinigungshilfe und eine Aushilfs­schnei­derin. Wir bilden auch immer wieder Lehrlinge aus.

 

Wie ist euer Führungsstil?

Anna Irrendorfer: Wir haben ein tolles Team und unser Laden läuft, auch wenn Anna und ich auf Messen unterwegs sind. Teamwork ist uns sehr wichtig. Dabei geht es uns vor allem darum, miteinander das Beste für die Kunden herauszuholen. Wir haben uns selbstständig gemacht, damit wir ein gutes Umfeld zum Arbeiten haben – und das ist uns gut gelungen. Wir haben auch sehr langjährige Mitarbeiterinnen, die mit uns mitgewachsen sind. Gerti begleitet uns schon seit fast 30 Jahren, und auch zwei weitere Mitarbeiterinnen sind seit 25 Jahren bei uns tätig.

 

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Vor fünf Jahren wurde mit Bogart 2.0 in der Herrenstraße in Perg ein wahres Modeparadies für Damen und Herren eröffnet. (© Bogart)

Der Modehandel ist alles andere als einfach. Während in den vergangenen Jahren viele Geschäfte und Shops in Innenstädten ums Überleben kämpften oder zusperren mussten, habt ihr den Schritt in die Expansion gewagt. Was muss man tun, um im Modehandel bestehen zu können?

Anna Irrendorfer: Wir haben uns mit unserem Sortiment und dem Markenmix noch klarer positioniert und gehen noch individueller auf unsere Kunden ein. Ein guter Umgang mit unseren Kunden ist uns wichtig, da heißt es immer wieder zu überlegen, was will und was braucht der Kunde.

 

Was bietet ihr den Kunden diesbezüglich an?

Anna Seyr: Eine Sache, die sehr gut angenommen wird, ist zum Beispiel unser Private Shopping. Dazu können Kundinnen und Kunden jeden Samstagnachmittag mit uns oder einer Mitarbeiterin einen Termin vereinbaren und zum Shoppen kommen. Das Private Shopping kommt vor allem auch bei Familien oder Freundinnen-Gruppen sehr gut an.

Anna Irrendorfer: Wir merken auch, dass die Menschen wieder verstärkt ganz bewusst in den Innenstädten einkaufen. Es freut uns sehr, wenn Kunden nach dem Einkaufen bei uns sagen: „Wie gut, dass es euch gibt“ oder „Jetzt bin ich richtig glücklich“. Ein schöneres Kompliment und eine größere Motivation gibt es nicht. Wir wollen unseren Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis bieten und ihnen etwas zurückzugeben. Wir haben immer viele Events wie Modeschauen und Get-together veranstaltet. Bei Bogart trifft man sich, gustiert, trinkt dabei Glas Sekt oder einen Kaffee. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl – frei nach dem Motto: „Wir sind Bogart“!

 

Wie schaut euer Kundenkreis aus? Wer geht zu Bogart 2.0 einkaufen?

Anna Seyr: Unser Kundenkreis ist breit gestreut und unser Fokus liegt auf der sportlich-eleganten Linie. Unsere Kunden legen großen Wert auf hochwertige Qualität und gute Beratung. Was uns freut, ist, dass auch sehr viele junge Kunden nachkommen, die schon von Kindesbeinen an mit ihren Eltern zu uns einkaufen kamen und jetzt wieder zu Stammkunden werden.

Anna Irrendorfer: Vom Sortiment her bieten wir Mode und Accessoires von der guten Mitte bis zum gehobeneren Standard. Wir sind nicht zu hochpreisig, bieten aber auch immer wieder ganz spezielle Gustostückerl für unsere Premiumkunden an. Um immer up to date zu sein, fahren wir auf die wichtigsten nationalen und internationalen Modemessen und bringen die Neuheiten zu unseren Kunden nach Perg.

 

Inwieweit spielt nachhaltige Mode bei Bogart 2.0 eine Rolle?

Anna Irrendorfer: Wir legen großen Wert auf nachhaltig produzierte Mode und merken auch, dass diese von den Kunden nachgefragt wird. Wir haben Marken im Sortiment, die in Österreich produziert werden. Ich denke da an unsere Sneakers aus Apfelzester, die man nach dem Tragen wieder zu uns bringen kann und aus denen Fußböden für Schulen in Dritte-Welt-Ländern erzeugt werden. Oder die Ecoalf-Produkte, wo aus recycelten Materialien aus dem Meer Jacken und Schuhe erzeugt werden. Auf solche Produkte setzen wir immer mehr.

 

Liebäugelt ihr auch mit dem Onlinehandel?

Anna Irrendorfer: Nein, wir sehen unsere Stärke im persönlichen Kontakt mit unseren Kunden und im stationären Handel.

 

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Das Team von Bogart 2.0 und Bogart Landhaus (v.l.n.r.): Marlene Huber, Roswitha Froschauer, Gabi Fürnhammer, Petra Königshofer, Viktoria Steinkellner, Anna Seyr, Anna Irrendorfer, Sabine Paireder, Christina Zuderstorfer, Leni Hinterreiter. (© Roswitha Aumayr Photographie)

30 Jahre sind eine lange Zeit. Seid ihr noch immer mit derselben Leidenschaft dabei?

Anna Seyr: Auf jeden Fall! Natürlich bedeuteten die Vergrößerung und ein zweites Geschäft zu führen auch mehr Arbeit, aber es war ein wohlüberlegter Schritt, der auch von unserem Team super mitgetragen wurde und wird.

Anna Irrendorfer: Ohne unser Team hätten wir das sicher nicht gemacht und auch nicht geschafft. Natürlich gab es immer wieder Phasen, wo eine von uns beiden einmal weniger Elan oder auch andere Interessen gehabt hat, aber dann war die andere da und hat das Schiff am Laufen gehalten.

Anna Seyr: Gemeinsam haben wir immer einen Weg gefunden, alles zu meistern. Darauf können wir schon ein bisschen stolz sein. (lacht)

 

Was sind eure Ziele für die Zukunft?

Anna Irrendorfer: Wir wollen unser Geschäft weiter wachsen sehen, aber nicht im Sinn von „noch größer werden“, uns geht es darum, unser Geschäft laufend für unsere Kunden weiterzuentwickeln.

Anna Seyr: In der Modebranche und im Handel gibt es derzeit mehr Veränderung denn je. Da  muss am Ball bleiben, und unser Ziel muss sein, sich diesen Veränderungen und Gegebenheiten gut anzupassen. 

 

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© Bogart

Würdet ihr mir noch verraten, was frau im Herbst und Winter unbedingt braucht?

Anna Irrendorfer: Bei den Damen spielt sich heuer sehr viel im Bereich der Farben ab,  da wird gemixt und kombiniert. Die Farbe Cognac liegt absolut in Trend, man kombiniert sie mit Pink, Rot oder Gelb. Die Mode wird allgemein wieder angezogener. Frauen tragen auch verstärkt Blazer, diese werden allerdings länger und relaxter.

Anna Seyr: Der Wohlfühlfaktor spielt allgemein eine große Rolle. Dem wird mit Stretch und hochwertigen Materialien Rechnung getragen. Auch ohne Karo und Glencheck geht nach wir vor nichts. Die Hosen werden wieder etwas weiter und der Bund rutscht höher nach oben, auch Cord ist ein großes Thema.

Anna Irrendorfer: Sneakers, Sneakers und nochmal Sneakers lautet bei den Schuhen die Devise. Lange Kleider werden mit Booties, am besten Cowboy-Boots, getragen. Und auch bei den Mänteln gibt es von Plüsch bis hin zu Bouclé eine riesengroße Auswahl.

 

Und womit kann man den modebewussten Mann eigentlich glücklich machen?

Anna Seyr: Die Männer sind nach wie vor schmal und figurbetont unterwegs. Einzig im High-Fashion-Bereich wird es mit Jogg-Pants und Cordhosen im Cargostil legerer. Der Wohlfühlfaktor spielt auch bei den Herren eine große Rolle. Anzüge werden teilweise sogar ohne Krawatten getragen; umso wichtiger ist es, auf ein schönes Hemd zu setzen.

Anna Irrendorfer: Bei den Herren setzen wir auch auf Individualität. Dazu bieten wir ganz neu Anzüge, Sakkos und Hemden nach Maßkonfektion an. Egal ob Stoff, Innenfutter oder Knöpfe, der Mann kann sich bei uns aussuchen, was er haben will und bekommt ein Unikat angefertigt. Bei den Anzügen arbeiten wir diesbezüglich mit einem Partner aus Deutschland zusammen, bei den Hemden mit einer schwedischen Firma. Unsere Kunden sind von diesem Service begeistert. Und man bekommt ab 790 Euro quasi einen „Maßanzug“.

 

Abschließend noch eine Frage, warum eigentlich der Name Bogart? 

Dazu hat uns Humphrey Bogart inspiriert. Der Schauspieler ist für uns seit jeher die Stilikone unter den Männern.