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People | 11.12.2017

Wir helfen!

Auf den nächsten Seiten stellen wir Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher vor, die die Welt durch ihr freiwilliges Engagement ein bisschen besser machen und sich tagtäglich für Schwächere einsetzen. Es ist Zeit, einmal Danke zu sagen!

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Die Ladys von BRAVEAURORA (v. l.): Christin Braak-Forstinger (Obfrau), Sarah Kotopulos (Schriftführerin), Julia Obereder (Kassierin). (© BRAVEAURORA)

Alles begann im Jahr 2008 mit einem E-Mail, in dem die drei Studentinnen Sarah Kotopulos, Julia Obereder und Tamara Pottfay Freunde und Bekannte um Unterstützung für ein Waisenhaus gebeten haben, das sie im Zuge eines Praktikums in Ghana kennengelernt hatten. Das Echo war großartig, und schon mit den ersten Spenden konnten die Studentinnen wertvolle Hilfe leisten. Durch das Spendenmail aufmerksam geworden, kam als Vierte im Bunde die gebürtige Schärdingerin Christin Braak-Forstinger dazu. Gemeinsam gründete das Quartett 2008 den Verein BRAVE­AURORA zur Unterstützung von gefährdeten Kindern und zur Dorfentwicklung in Afrika. Mittlerweile hat sich BRAVEAURORA zum größten Arbeitgeber von Guabuliga in Ghana entwickelt. Neben der Unterstützung der 45 Kinder des ehemaligen Waisenhauses hilft der Verein auch Menschen dabei, sich langfristig selber helfen zu können. Im Interview erklärt Obfrau Christin Braak-Forstinger, welche Ziele
BRAVEAURORA verfolgt.

 

Christin, was hat euch dazu motiviert, den Verein BRAVEAURORA zu gründen?

Als wir 2008 das erste Mal in Ghana waren, hatten wir ein tief berührendes Erlebnis. Die Kinder des Waisenhauses Guabuliga hatten nichts außer einer Schüssel Reis am Tag und den zerrissenen Kleidern, die sie am Leib trugen. Bei der Essensausgabe am Abend fragten uns die Kinder, ob wir mitessen möchten – sie wollten diesen einen Schöpfer Reis mit uns teilen. Da haben wir tiefe Demut empfunden und beschlossen, unseren Verein BRAVEAURORA zu nennen. Denn diese Kinder waren für uns jeden Tag bei Sonnenaufgang kleine Helden. Zum Glück leben sie mittlerweile alle wieder bei ihren (erweiterten) Familien. Das Waisenhaus Guabuliga ist geschlossen.

 

Was ist eigentlich das Ziel von BRAVEAURORA?

Unsere langfristigen Ziele sind die Abschaffung von illegalen Waisenhäusern in Ghana sowie die Re-Integration von Waisenkindern und gefährdeten Kindern in ihre (erweiterten) Familienstrukturen. Seit heuer haben wir im Kampf gegen die Abschaffung von illegalen Waisenhäusern eine Kooperation mit Unicef, worüber wir unglaublich glücklich sind. Das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ steht bei uns an erster Stelle. Daher ist es ganz wichtig, dass unsere Ausbildungs- und Arbeitsprojekte vom Dorf mitgetragen und mitentwickelt werden. Wir arbeiten eng mit dem Chief und seinen „Elders“ sowie den Dorffrauen zusammen.

 

Ihr arbeitet alle ehrenamtlich, und der Arbeitsaufwand ist nicht gerade gering. Was motiviert euch eigentlich?

Erst vor Kurzem habe ich mir wieder gedacht, dass sich der ganze Einsatz wirklich lohnt. Wir waren im Februar mit einem Filmteam vom ORF in Ghana und haben in Tamale ein illegales Waisenhaus besucht. Dort lagen drei kleine Babys einfach nackt am Boden herum. Die anderen Kinder saßen stumm in Gitterbetten. Als Mutter von zwei kleinen Kindern schnürte es mir die Kehle zu. Als wir rausgingen, kamen uns allen die Tränen. Das Filmen wurde uns übrigens untersagt. Vor wenigen Wochen – und das kam durch unsere Kooperation mit Unicef zustande – teilte uns unser Projektleiter mit, dass die Kinder dieses Waisenhauses in Familien re-integriert werden können. Das gibt einem wirklich viel positive Energie und Kraft.

 

Warum kann BRAVEAURORA rasch und unbürokratisch helfen?

Wir sind ein kleines, flexibles Führungsteam, das rasch Entscheidungen treffen und umsetzen kann. Transparenz ist uns ganz wichtig, daher können Spender jederzeit den direkten Ertrag bzw. Effekt ihrer Spenden verfolgen. Sie können bei BRAVEAURORA darauf vertrauen, dass Ihre Spende tatsächlich zu 100 Prozent bei den afrikanischen Kindern ankommt.

Wer die Initiative unterstützen will, findet Infos im Internet unter www.braveaurora.com.

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Pressearbeit: Gemeinsam mit ehemaligen Waisenkindern aus Guabuliga macht Christin bei einer lokalen Radiostation auf die Situation der illegalen Waisenhäuser aufmerksam.
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Sarah mit Hakeem, einem ehemaligen Waisenkind des Waisenhauses Guabuliga
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Regelmäßig ist das Team von BRAVEAURORA vorort in Ghana.

Weihnachten im Schuhkarton

Tausende liebevoll gepackte Geschenke kommen jedes Jahr sicher bei bedürftigen Kindern an – dank unzähliger Unterstützer. Der Biohof Achleitner ist einer davon.

Glücksmomente für Kinder beschert die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Für manche Mädchen und Jungen im Alter zwischen zwei und 14 Jahren ist es das erste Weihnachtsgeschenk in ihrem Leben. Die hoffnungsvolle Botschaft an das Kind: Du bist wertvoll und wirst geliebt. Die Initiative ist Teil einer weltweiten Geschenkaktion für Kinder in Not und läuft in Österreich unter der Organisation von „Geschenke der Hoffnung“. Jeder kann beklebte und befüllte Schuhkartons alljährlich bis Mitte November an die nächste Abgabestelle bringen. In welchem Land das Päckchen landet, ist ab Anfang Februar per Postleitzahl-Suche auf der Webseite www.geschenke-der-hoffnung.at ersichtlich. Seit 1993 wurden über 146 Millionen Kinder in rund 150 Ländern erreicht. Der Biohof Achleitner in Eferding beteiligt sich seit rund 15 Jahren an der Initiative. Ilse Achleitner erklärt, warum ihr die Aktion am Herzen liegt.

Frau Achleitner, wie kommt es, dass Sie „Weihnachten im Schuhkarton“ mit Ihrer Logistik unterstützen?

Meine damalige Mitarbeiterin Gerti hat mich auf die Aktion aufmerksam gemacht. Da bin ich auf die Idee gekommen, unsere Biokisten-Logistik dafür zu nutzen.

 

Wie funktioniert das genau?

Mit den täglich rund 1.500 ausgelieferten Obst- und Gemüsekisten flattern die Folder im Oktober gleich mit in die Häuser. Bis November sammeln unsere Fahrer die Packerl unserer Kunden zusammen mit den Biokisten dann ein. Die Geschenke können außerdem persönlich bei uns im Frischemarkt abgegeben werden.

 

Wie viele Packerl kommen da zusammen?

Es werden so zwischen 500 und 700 Geschenkspackerl sein.

 

Was sind für Sie die schönsten Momente?

Wenn Eltern mit Kindern persönlich ein Packerl vorbeibringen und ich das Freudestrahlen in den Kinderaugen sehe, als ob sie das Geschenk selbst bekommen würden. Das sind für mich die bewegendsten Momente.

Weihnachten im Schuhkarton
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Das Freudestrahlen in den Kinderaugen ist für Ilse Achleitner einer der bewegendsten Momente.
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Von Bulgarien bis Serbien und Montenegro: Für viele Kinder ist es das erste Geschenk ihres Lebens.

WASSER FÜR TANSANIA

Renate Pyrker setzt sich für die Wasserversorgung von Mensch und Tier sowie für Schulbildung in Tansania ein.

Als Geschäftsführerin leitet Renate Pyrker seit 2001 den 1952 gegründeten Familienbetrieb Austria Plastics in Wels. Mindestens ebenso wichtig wie der Job als Managerin ist der Powerfrau aber ihr soziales Engagement. Sie gibt bei Austria Plastics nicht nur jungen Menschen mit Handicaps, sozialen schwachen oder älteren Menschen die Chance auf eine Lehrstelle bzw. auf einen passenden Arbeitsplatz, sondern gründete 2015 gemeinsam mit dem Schauspieler Hardy Krüger jr., dem Künstler Klaus Krobath sowie ihrem Partner Dieter Grünberger den Verein „SATAO – sustain the global ecology“, der sich u.a. für die vom Aussterben bedrohten Elefanten in Afrika stark macht. Jedes einzelne ihrer vielen Projekte ist ihr eine echte Herzensangelegenheit, die umtriebige Renate Pyrker sprudelt nur so vor Begeisterung und Ideen, was es alles noch zu tun gäbe…

 

Frau Pyrker, wo genau hilft Ihr Verein SATAO?

SATAO engagiert sich vor allem für Brunnenprojekte in den trockenen Gebieten Tansanias. Die zweite sehr wichtige Unterstützung sind die Schulpatenschaften für eine gute Ausbildung der Kinder. Bildung ist neben dem Wasser das Wichtigste, um lebenswerte Verhältnisse zu schaffen, um die Flucht nach Europa zu verhindern. Der Name unseres Vereins stammt übrigens vom berühmten Elefanten „Satao“, der 2014 von Wilderern brutal getötet wurde. Kurz davor hatten wir Satao noch lebendig gesehen. Das war ein Schlüssel­erlebnis, da hat es „Klick“ gemacht!

 

Was ist Ihre Motivation?

Bei unseren Reisen in diese wunderschönen Gebiete zu sehen, wie schlimm ein Leben ohne Wasser ist. Zu sehen, dass die Massai bereit sind, für ein paar Dollar, die sie von asiatischen Elfenbeinjägern bekommen, Elefanten zu erlegen, um die Schule für ihre Kinder zu bezahlen. Das öffnet die Augen und vor allem das Herz. Mein Lebensgefährte Dieter Grünberger und ich spüren den unbändigen Drang, hier mit all unseren Kräften zu helfen, auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Aber steter Tropfen höhlt auch den Stein …

 

Was konnten Sie mir Ihren Projekten schon alles erreichen?

Schon sehr viel. Bevor SATAO gegründet wurde, haben wir vom Erlös des Projektes „Wasser-Kunst-Leben“ mit dem Soroptimist Club Wels eine Brunnenanlage mit Solarbetrieb finanziert, danach mit dem Verein SATAO aus dem Erlös unserer Events „MusikfestiWels 2012“, „Wels für Afrika“ 2014 und 2015 und zahlreichen Konzerten weitere Brunnenanlagen gebaut bzw. saniert. Ein neuer Brunnen in Kenia ist derzeit in Arbeit. Außerdem konnten wir im letzten Jahr um 4.500 Dollar  Schulgelder bezahlen – das Schulgeld beträgt bis zu 500 Dollar pro Jahr. Wir sind an sehr vielen Projekten gleichzeitig tätig ...

 

Welche Ziele haben Sie noch?

Realisierbar sind sicher noch mehrere Brunnenprojekte, um möglichst vielen Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, zum Beispiel durch unser neues Brunnen- und Artenschutzprojekt „Aus alten Hemden werden süße Elefantenpolster“. Ich rufe Sie dazu auf, unsere großen oder kleinen Elefantenpolster für Kinder, Enkerl, Freunde – nach Wunsch auch mit eigenen alten Hemden – zu kaufen. Verkauft werden diese im Webshop www.mein-foto-produkt.at, bei Pünktchen und Anton in Wels, bei PETER Tracht & Mode in Windischgarsten und in der Sonnenapotheke in Gunskirchen. Jedes Exemplar ist mit viel Liebe in Handarbeit zusammengestellt und mit Öko-Vlies befüllt.

 

Was war Ihr bisher schönster Mo­ment?

Projektbezogen war das auf jeden Fall der, als wir, ein Jahr nachdem wir den ersten Brunnen in der Steppe Tansanias gebaut hatten, bei unserer Kontrollreise gesehen haben, was mit dem Wasser alles bewirkt wurde: Rund um den Brunnen gab es Felder mit Gemüseanbau, ein kleines medizinisches Zentrum und vor allem saubere Kinder ohne eitrige Augen und Krankheiten. Da sind uns die Tränen in den Augen gestanden.

Wasser für Tansania
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Renate Pyrker
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Für die Kinder in der Region Momella in Tansania ist es ein Riesengeschenk, eine Schule besuchen zu dürfen.
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Aus alten Hemden werden süße Elefantenpolster – für Brunnenbau und Artenschutz
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Renate Pyrker mit Grundschülern der Schule „Jali Green“ in Momella, Tansania, die SATAO mit einem Brunnen und Schulmöbeln unterstützt

Hilfe, die etwas auf die Beine stellt

Dozent Dr. Ernst Orthner und Veronika Gattermayer geben Kindern in Indien eine neue Chance.

Es ist schön, ein Hobby zu haben! Und noch schöner ist es, wenn man dabei seine Person noch in den Dienst einer guten Sache stellt. Das praktizieren der Welser Fußchirurg Dozent Dr. Ernst Orthner und seine Ordinationsassistentin Veronika Gattermayr bereits seit mehreren Jahren. 2010 gründeten sie den gemeinnützigen Verein „Kinderfüße brauchen Hilfe“ (KbH) mit Sitz in Buchkirchen, wobei Dr. Orthner schon seit 2007 mit diesem Hilfsprojekt in Indien
persönlich Erfahrung sammeln konnte. Die beiden investieren hierfür fast
zur Gänze ihre Urlaubstage: in bisher zwei OP-Reisen nach Indien pro Jahr. Und zeigen, dass Hilfe so selbstlos sein kann ...

 

Frau Gattermayr, was genau macht Ihr Verein „Kinderfüße brauchen Hilfe“  in Indien?

In den ärmsten Gegenden Indiens werden  Kinderfüße – von Fehlstellungen über Klumpfüße bis hin zu neurologischen Problemen –  kostenlos von Dr. Orthner und weiteren Kollegen behandelt und/oder operiert. Ich kümmere mich um alle organisatorischen Dinge in Österreich und in Indien und gehe dort zur Hand, wo sozusagen Not am Mann ist. Nach einer operativen Therapie und bei gesichertem Heilungsverlauf erfolgt die weitere Betreuung durch die Organisation  ISHWAR. Vor Ort werden die bereits nach Maß gefertigten Orthesen nach der Gipsabnahme den Kindern anlegt und die Kinder weiter betreut. Damit ist eine kontinuierliche Nachbetreuung auf lange Sicht gesichert.

 

Was ist Ihre Motivation dahinter?

Wir versuchen, Kindern eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen, wichtig ist uns Nachhaltigkeit. Wir werden oft gefragt, was das für einen Sinn macht, da dies ja nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sei. Mag sein, aber es gibt eben nicht fünf Milliarden Menschen auf der Erde, sondern fünf Milliarden Mal einen Menschen – und wenn jeder Mensch einem anderen Menschen helfen würde, gäbe es vermutlich viel weniger Elend auf der Welt. 

 

Sie konnten bisher schon viel bewirken. Welches Ziel wollen Sie erreichen?

Bisher wurde auf 15 OP-Reisen fast 1.300 Kindern operativ und konservativ vom Verein geholfen. Die Kosten für eine Mission belaufen sich auf ca. 15.000 Euro. Da der Verein keinerlei Verwaltungskosten hat, kommt jeder gespendete Cent den Kindern zugute. Für umgerechnet ca. 120 Euro kann somit einem Kind geholfen werden. Unserem Team wird einzig der Economyflug sowie Kost und Logis vor Ort bezahlt, ansonsten stellen wir uns kostenlos in den Dienst der guten Sache. Unser Ziel ist es, noch möglichst vielen Kindern in den nächsten Jahren zu helfen und durch ein zweites oder drittes OP-Team das Projekt auf eine noch breitere Basis zu stellen.

 

Trauer und Freude liegen bei Ihrer Arbeit wohl eng zusammen. Ihr bisher schönster Moment, den sie im Zuge des Projektes erlebt haben?

Es gibt so viele schöne Momente. Die strahlenden Kinderaugen, die Dankbarkeit der Eltern, aber auch die Freundschaften mit indischen Ärzten, dem OP-Personal oder unseren Partnern bei ISHWAR. Aber am allerschönsten ist es, wenn wir ein, zwei Jahre nach einer Operation wieder in ein Krankenhaus kommen und  Kinder, die vorher praktisch nicht gehen konnten, aufrecht gehend zur Untersuchung kommen oder ein Kind dich nach der Operation mit großen Augen dankbar anschaut und einfach nur „Thank you“ sagt. Das gibt einem eigentlich viel mehr zurück, als man selbst gegeben hat.

 

 

Hilfe, die etwas auf die Beine stellt
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Dozent Dr. Ernst Orthner und Veronika Gattermayr gründeten 2010 den Verein „Kinderfüße brauchen Hilfe“.
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Dozent Dr. Ernst Orthner und Veronika Gattermayr gründeten 2010 den Verein „Kinderfüße brauchen Hilfe“.
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Veronika Gattermayr beim Eingipsen eines Beines
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Dieses kleine Mädchen wurde gerade operiert.

HELFEN ALS MISSION

Die Linzerin Miriam Koll (29) hat sich eine Auszeit genommen, um in Brasilien als freiwillige Lehrerin in einer Schule zu arbeiten.

Miriam Koll (29) hat Wirtschaft studiert und hatte eigentlich vor, groß in der Marketingwelt durchzustarten. Doch wie so oft im Leben kam alles anders als geplant. Seit zwei Jahren ist Koll Yogalehrerin, weil sie festgestellt hat, dass es für sie einen anderen Weg gibt. „Ich lebe nun meine Leidenschaft und meine Berufung“, sagt sie. „Und das hat mich dazu bewegt, einen nächsten Schritt zu wagen und in einer brasilianischen Schule als freiwillige Lehrerin zu arbeiten. Dort, wo dringend Hilfe, Hoffnung und Liebe benötigt wird.“

 

Sie sind gerade erst von Brasilien zurückgekommen. Was genau haben Sie dort gemacht?

Ich habe in einer Favela (Anm. d. Red.: Armenviertel am Stadtrand von Rio de Janeiro) als freiwillige Lehrerin an einer Schule gearbeitet und zusätzlich gratis Yoga unterrichtet. Am Abend habe ich gemeinsam mit einer brasilianischen Freundin auch noch etwas „Streetwork“ gemacht. Von dem Geld, das ich zuvor gesammelt hatte, haben wir Lebensmittel gekauft, die wir nachts an Menschen verteilt haben, die auf der Straße leben. Alle diese Tätigkeiten machen mich unglaublich glücklich. Kein Geld der Welt kann aufwiegen, was ich fühle, wenn ich an die glücklichen Augen der Menschen denke, denen ich helfen konnte.

 

Warum haben Sie sich für dieses Projekt entschieden?

Ich war Anfang des Jahres in Rio de Janeiro und habe mich in diese Stadt verliebt. Gleichzeitig war es schon immer mein Traum, ein Freiwilligenprojekt zu absolvieren. Ich möchte ein Stück meines Glücks und meiner Liebe mit anderen Menschen teilen. Die Favela Rocinha ist eine der größten Favelas in Lateinamerika und wird noch immer von Drogenbossen regiert. Polizeistationen oder Schulen sucht man dort vergeblich. Gerade deshalb finde ich das Projekt Favela toll, denn es gibt den Kindern die Möglichkeit, sich weiterzubilden, um am Ende nicht auch auf der Straße Drogen oder ihren eigenen Körper verkaufen zu müssen.

 

Was bedeutet dieses Helfen für Sie persönlich?

Wenn jeder, der die Möglichkeit hat, etwas Gutes zu tun, es auch wirklich tut, können wir diese Welt gemeinsam ein Stück besser machen. Ich liebe es zu helfen und freue mich jeden Tag darüber, dass ich mich entschieden habe, meinen Traum in Brasilien zu verwirklichen.

 

Ihr schönster Moment in Rio?

Da gab es sehr viele, weil ich in der Schule täglich so viel Liebe von den Kindern zurückbekommen habe. Ein Moment ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Nach gut einer Woche als Lehrerin habe ich von einem Mädchen eine Zeichnung bekommen. Darauf stand: „I love you Miriam. Love me too“. Das hat mich sehr berührt und zu Tränen gerührt. Und es hat mir gezeigt, wie wichtig dieses Projekt ist.

Helfen als Mission
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Liebe und Hoffnung für die Ärmsten: Miriam Koll mit „ihren“ Kindern in der brasilianischen Schule
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Die Yoga-Lehrerin beim Üben mit den Kleinsten