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People | 05.09.2022

Werthers Ego-Trip in Gmunden

Philipp Hochmair kehrt mit WERTHER! zu seinen Ursprüngen zurück und eröffnet mit dieser Annäherung an einen Klassiker der Weltliteratur am 17. September um 19.30 Uhr im Stadttheater Gmunden den Kulturherbst der Salzkammergut Festwochen Gmunden.

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Publikumsliebling Philipp Hochmair bringt Goethes Stück auf die Gmundner Bühne. © Stephan Brückner

Philipp Hochmair hat Goethes Monolog über den liebeskranken Anti-Bürger neu interpretiert und wird am Samstag, 17. September im Stadttheater Gmunden mit WERTHER! in einer Soloperformance zu erleben sein. Die intimen Briefe sind Zeugnis des Rausches, in dem sich Werther befindet und denen Hochmair leidenschaftliche Verkörperung verleiht. Lustvoll und unmittelbar verdichtet Philipp Hochmair das 245 Jahre alte Kultbuch zur intensiven Innenschau eines sensiblen Mannes und der ekstatischen Kraft von Liebe, Leid und Leidenschaft. Eine Einladung zum wohl berühmtesten Ego-Trip der deutschen Literatur. 

Dass der vielbeschäftigte Schauspieler nach Gmunden kommt, ist in erster Linie auch Karin Bergmann zu verdanken. Die Intendantin der Salzkammergut Festspiele Gmunden war eine der ersten Fördererinnen von Philipp Hochmair. Wir haben mit dem Schauspieler über die Welt der Sprache, der Liebe und einem freudigen Nachhausekommen gesprochen. 

 

Herr Hochmair, Werther war vor über 20 Jahren Ihr erster Monolog, den Sie unter anderem am Burgtheater oder am Berliner Ensemble gespielt haben. Mittlerweile haben Sie das Stück mehr als 1.500 Mal aufgeführt. Inwieweit identifizieren Sie sich mit den Protagonisten?

Gute Frage. Es geht ja eher ums Musikmachen und Positionieren der Sprache. Meine Botschaft ans Publikum ist nicht die Tragödie, dass sich Werther am Ende erschießt, mir geht es darum aufzuzeigen, dass da ein Mensch ist, der Grenzen überwindet. Goethes Werther ist eine Geschichte über die Sprache der Liebe und die Erfindung von Sprache. Der Protagonist manövriert sich in einen Zustand, wo es zu einer Sprachschöpfung kommt und dieses Sprachschöpfen ist die Performance. Damit identifiziere ich mich sehr und das ist genau das, was mich interessiert im Leben. 

 

Die Sprache spielt bei diesen Stücken bzw. Ihren Soloprojekten eine große Rolle. Sie sind damit auch international unterwegs. In welchen Sprachen spielen Sie und wie schwierig ist das?

Diese internationalen Auftritte gehen nicht ohne Begeisterung, dafür brenne ich. Ich habe den Werther bereits in mehreren Sprachen aufgeführt – auf Englisch, Französisch, in einer spanischen Variante. Es war eine wahnsinnig spannende Erfahrung, mit diesem Stück, das ich so gut kenne, international unterwegs sein zu können. Ob in Australien, Südafrika oder in Sibirien, das Goethe-Institut hat mich mit dieser leichtfüßigen Inszenierung in die Welt hinausgeschickt und diese Sprachschöpfung hat mit Übertitel oder zweisprachig recht gut funktioniert. 

 

Schiller, Goethe, Hugo von Hofmannsthal ... warum fällt Ihre Wahl gerade diese Schriftsteller bzw. Literaten? 

All diese Literaten sind schon sehr lange tot und somit gehört dieser Schatz der Allgemeinheit. Das ist ganz einfach eine Rechtefrage, weil ich den Autoren keine Rechenschaft schuldig bin, wenn ich ein paar Zeilen rausstreiche oder etwas verändere. Das Ganze ist eine Frage der Freiheit. 

 

 

 

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© Stephan Brückner

Welche Relevanz hat Goethes Briefroman über den liebeskranken Werther in Zeiten von Tinder, Facebook und Twitter. Warum glauben Sie, haben diese klassischen Texte inhaltlich in Zeiten wie diesen kaum etwas eingebüßt?  

Egal in welcher Zeit wir leben, diese großen Gefühle ändern sich nicht. Tinder und Social Media verändern unsere Wahrnehmung extrem und wenn Werther YouPorn schauen hätte können oder mit seiner Lotti auf Instagram verbunden gewesen wäre, hätte das sicher in seinem Gehirn etwas verändert. Aber diese Kommunikationskanäle gab es damals noch nicht. Daher ist es interessant zurückzuschauen, was passiert, wenn man für Sehnsucht und Gefühle pur nur die Sprache zur Verfügung hat, ohne diesen ganzen digitalen Zirkus rundherum. Vielleicht ist es auch der Versuch einer Rückbesinnung, denn durch das kurze Schreiben via WhatsApp wird unsere Sprache auch sehr deformiert, reduziert und arm. Goethe hatte einen wahnsinnig großen und wertvollen Sprachschatz. Während ein „normaler“ in seiner Muttersprache 3.000 Worte zur Verfügung hat, hatte Goethe 10.000. Diese Reichhaltigkeit geht irgendwie verloren, es ist für mich eine Motivation, mich damit zu beschäftigen und das zu performen. 

 

Gemeinsam mit Ihrer Band „Elektrohand Gottes“, schaffen Sie es, Hochkultur zeitgemäß zu interpretieren und Menschen ins Burgtheater zu bringen, die dort normalerweise nicht hingehen. Sie haben damit etwas sehr Einmaliges geschafft, wie geht es Ihnen damit?

Das ist ein Rockkonzert oder ein Techno-Rave, gleichzeitig aber auch eine Aufführung von Goethe oder Schiller und ich freue mich sehr, dass ich eine Form gefunden habe, die Leute ins Burgtheater bringt, die mich aus dem Fernsehen kennen und dort normalerweise nicht hingehen würden. Und genau das ist mein Anliegen, Menschen fürs Theater zu gewinnen und zu begeistern. 

 

Karin Bergmann, die ehemalige Burgtheaterdirektorin, war eine Ihrer ersten Fördererinnen, jetzt leitet sie die Salzkammergut Festwochen Gmunden. Was bedeutet es für Sie im Salzkammergut aufzutreten bzw. womit verbinden Sie das Salzkammergut? 

Mit dem Salzkammergut verbinde ich meine Kindheit, Baden und Sommer, es ist meine Seelenheimat. Mit Klaus Maria Brandauer habe ich vor 25 Jahren in Altaussee Theater zu spielen begonnen. Es freut mich sehr, dass mich Karin Bergmann nun nach Gmunden einlädt, es ist für mich ein schönes nach Hause kommen. 

 

Was darf sich das Publikum von Ihrem Auftritt am 17. September erwarten? 

Wir bringen in Gmunden die Inszenierung aus den 1990er Jahren, die quasi eine Art Zeitreise ist. Karin Bergmann hat sich die Originalfassung aus dem Jahr 1997 gewünscht, das war meine erste Arbeit überhaupt und der Werther in dieser Fassung gemeinsam mit Nicolas Stermann, dem Intendanten vom Schauspielhaus Zürich, ist ein Juwel aus den Anfängen meiner Schauspielkarriere. Diese Inszenierung kommt sehr modern und zeitgemäß rüber und sie läuft derzeit auch im Schauspielhaus Zürich mit großem Erfolg. Ich beginne aus Goethes Briefroman vorzulesen und vertiefe mich dabei vor einer Kamera in Werthers Zustände. 

 

Sind Sie vor Ihren Auftritten eigentlich noch nervös?

Ich würde sagen, dass ich vorfreudig nervös bin. Im vergangenen Monat spielte ich an die 15 Konzerte an den unterschiedlichsten Orten, was bedeutet, dass ich im permanenten Spielfluss bin. Vor den Auftritten verspüre ich immer eine große Vorfreude und bin gespannt, wie das Publikum und der jeweilige Auftrittsort sind.   

 

Woran arbeiten Sie gerade, wird man Sie auch bald wieder im Fernsehen sehen?

Ich kann nicht alles verraten, aber die Krimiserie „Blind ermittelt“ geht aufgrund des großen Erfolges definitiv weiter und wir beginnen noch im Sommer mit den Dreharbeiten für die Folgen acht und neun.  

 

Zur Person

Philipp Hochmair, geboren 1973 in Wien, studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien sowie am Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique in Paris. Neben Engagements vom Wiener Burgtheater bis zum Hamburger Thalia, brilliert er im Fernsehen in den Erfolgsformaten „Vorstadtweiber“, „Charité“ und „Wannsee-Konferenz“. Im Sommer 2018 sprang Philipp Hochmair erfolgreich für den erkrankten Tobias Moretti als Jedermann bei den Salzburger Festspielen ein. 2019 gewann er mit der Romy den Österreichischen Publikumspreis in der Kategorie „Beliebtester Schauspieler“. Da er in der Kindheit viel Zeit bei seinen Großeltern in Haag am Hausruck verbrachte, hat Philipp Hochmair eine enge Verbindung zu Oberösterreich. 

 

Salzkammergut Festwochen Gmunden

Herbstprogramm:
Nach einem fulminanten Festivalsommer mit Weltstars und internationalen Gästen überzeugen die Salzkammergut Festwochen Gmunden auch im Herbst durch ein hochkarätiges Festivalprogramm.

PHILIPP HOCHMAIR
WERTHER!, 17. September, 19.30 Uhr Stadttheater Gmunden. 

KLAUS ECKEL
Kabarett: „Wer langsam spricht, dem glaubt man nicht“, 21. und 22. September, jeweils um 19.30 Uhr im „ALFA“ Laakirchen.

WOLF HAAS
Autorenlesung von Wolf Haas aus seinem neuesten Brenner-Krimi, 29. September, 19.30 Uhr im Stadttheater Gmunden 

PIANIST AARON PILSAN
Solorecital am 15. Oktober um 19.30 Uhr im Stadttheater Gmunden 

LOUIE’S CAGE PERCUSSION
Explosive Klänge zwischen Rockmusik und klassischer Musik,  21. Oktober um 19.30 Uhr im Toscana Congress Gmunden. 

Tickets & Infos:
Veranstaltungstickets können ab sofort persönlich im Festwochenbüro Gmunden, online via Homepage www.festwochen-gmunden.at, schriftlich unter [email protected] oder telefonisch unter 0 7612 70630-14 gebucht werden.