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People | 24.11.2020

Weils nicht wurscht ist

Schon im Kindesalter hat er im Unternehmen der Eltern Speck um Berner Würstel gewickelt und später in den Ferien dort sein erstes Taschengeld verdient. Florian Hütthaler (36) arbeitet seit 2005 im Familienbetrieb und ist seit 2017 Inhaber der fleischverarbeitenden Firma mit Sitz in Schwanenstadt. Seine Doktorarbeit hat der Wirtschaftswissenschafter und Metzgermeister dem Tierwohl gewidmet, daraus ist die Tierwohl-Marke „Hofkultur“ entstanden, die das Wohl der Tiere in den Mittelpunkt stellt.

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Karin Lohberger

Die Schweine dösen in großzügigen Holzbuchten vor sich hin, hohe Räume sorgen für ein gutes Raumklima, es gibt keine Barrieren und Winkel, im Sommer sorgt ein Sprühnebel für kühle Temperaturen – kaum zu glauben, dass wir uns in einem Schlachthof befinden. Florian Hütthaler, der Chef höchstpersönlich, führt uns durch das Gebäude im Gewerbepark in Redlham und erklärt uns genau, was die Tiere in ihren letzten Stunden erwartet. Klischees wie unruhige Schweine und Rinder, die man aus manch gruseligen Dokumentationen kennt, werden hier nicht erfüllt. Auch Florian Hütthaler stellt eher den smarten Businessman als den typischen Metzger dar. „Jeder, der Interesse hat, kann unseren Schlachthof besuchen. Zum einen wollen viele Leute wieder sehen, woher ihr Schnitzel kommt, zum anderen wollen wir zeigen, dass man Tierwohl auch in einem Schlachthof integrieren kann“, erklärt der Firmeninhaber.

Vor einem Jahr hat Florian Hütthaler Österreichs ersten Schlachthof nach Tierwohl-Grundsätzen gebaut und Pionierarbeit geleistet. Damit schlägt er in die Kerbe des Unternehmens, das es bereits seit knapp 125 Jahren gibt. Während sein Urgroßvater und auch der Großvater den Grundstein für den Betrieb legten, stieg sein Vater Herbert in das Geschäft mit den Supermärkten ein und brachte mit der „Attersee Wurst“ auch Kunst auf den Teller. Florian Hütthaler absolvierte nach der Matura eine Metzgerlehre und lernte das Handwerk von der Pike auf. Danach folgten Lehrjahre in Fleischkonzernen in Kanada und Italien. Ein MBA und der Doktor der Wissenschaften für Internationales Management folgten. Seine Doktorarbeit hat der zweifache Familienvater dem Thema Tierwohl gewidmet und die Tierwohl-Marke „hütthalers Hofkultur“ gegründet. Im Interview erzählt er uns, wie das Ganze entstand. 

 

Herr Hütthaler, Sie haben Ihre Doktorarbeit dem Tierwohl gewidmet. Wann wurden Ihre Visionen zur Tierwohl-Marke „Hofkultur“ konkret?  

Da muss ich ein bisschen ausholen. 2013 ist mein Bruder Philipp aus der Firma aus- und in die Landwirtschaft umgestiegen. Er hat das ehemalige Franckgut, einen Bauernhof in Rüstorf, gekauft und mit viel Aufwand und Herzblut renoviert. Daraus ist der Musterhof entstanden. In diesem Zusammenhang haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie wir ein Brüderkonzept entwickeln könnten, bei dem das Tierwohl absolut im Mittelpunkt steht. Damals begannen wir intensiv an der Entwicklung und Umsetzung unseres Tierwohl-Programms „Hofkultur“ zu arbeiten. Unsere Vision war es, Regionalität, Haltungsart und den Umgang mit Nutztieren wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen und die Qualität unserer Fleisch- und Wurstprodukte auf ein noch höheres Niveau anzuheben. 

 

Kann man das Tierwohl-Programm mit einer Bio-Landwirtschaft vergleichen?

Nein, nicht wirklich. Im Zusammenhang mit der Tierhaltung sind wir jedoch dem Bio-Standard sehr nahe. Dazu haben wir eigene Tierwohl-Grundsätze entwickelt, wonach die Schweine und Rinder in großzügigen Ställen mit Auslauf aufwachsen, einen ständigen Zugang zu frischer Stroheinstreu haben und mit gentechnikfreiem Futter aus Österreich gefüttert werden. Zudem werden die männlichen Tiere nur unter Betäubung kastriert. Da ziehen wir mit der Bio-Landwirtschaft mit. Der Musterhof meines Bruders ist im Prinzip das Herzstück der Vision „Hofkultur“, dort wird Tierwohl vorgelebt und vorgezeigt. Es hat nicht lange gedauert und die ersten Landwirte aus der Umgebung zeigten Interesse und haben sich unserem Tierwohl-Programm angeschlossen. 

 

Wie haben Sie Ihr Tierwohl-Programm unter die Leute gebracht?

Von Anfang an haben wir Kampagnen online und über soziale Medien verbreitet. Das hat super funktioniert. Relativ schnell zeigten auch einige Handelsketten Interesse daran. Und auch die ersten Landwirte haben anklingen lassen, dass sie an einer Kooperation interessiert sind. Sobald man beginnt, Landwirte als Partner in das Programm aufzunehmen, braucht man Richtlinien, damit die Betriebe auch von externen, akkreditierten Zertifizierungsstellen vor Ort kontrolliert werden können. Bei der Erstellung der Richtlinien war unser Tierarzt Mag. Dominik Eckl fachlich eingebunden. Sobald die Landwirte von uns unter Vertrag genommen werden, passen sie ihre Stallungen den Hofkultur-Richtlinien an. Zusätzlich werden auch Tierschutz-Leitlinien der Stiftung VIER PFOTEN und des Vereins Gesellschaft !Zukunft Tierwohl! mitberücksichtigt. 

 

Wie viele Hofkultur-Landwirte gibt es derzeit?

Mittlerweile zählen 33 Landwirte zu den Hofkultur-Partnerhöfen, an denen Tierwohl vorgelebt und weiterentwickelt wird. In den nächsten Wochen kommen noch zwei weitere dazu. Sie alle widmen sich voll Begeisterung dem Tierwohl und profitieren auch selber davon.

 

Wie profitieren die Hofkultur-Bauern von dieser Kooperation?

Die Bauern bekommen ab der ersten Anlieferung der Tiere eine Abnahmegarantie über mindestens fünf Jahre. Außerdem erhalten sie einen Tierwohl-Aufschlag auf den Börsenpreis. 

 

Können Sie das näher erklären?

Die Landwirte werden nach einem Börsenpreis bezahlt, der Schwankungen unterliegt und jede Woche verhandelt wird. Derzeit bekommt ein Bauer pro  Kilo Schwein 1,50 Euro. Sollte dieser Wert jedoch unter 1,40 Euro fallen, wird er innerhalb der Hofkultur gedeckelt und kann nicht weiter runterfallen. Zusätzlich zum Börsenpreis erhält jeder Hofkultur-Landwirt einen Tierwohl-Zuschlag von 50,3 Cent ausbezahlt. Summa summarum bekommt er im Moment also mehr als zwei Euro pro Kilo. Das ist für die Bauern ein wichtiger Faktor, außerdem wissen sie, wo die Tiere hinkommen und wie sie geschlachtet werden. Unsere Partner-Landwirte investieren auch einiges. Viele bauen einen neuen Tierwohlstall und brauchen eine gewisse Sicherheit, die sie von uns auch bekommen. 

 

Ist seitens der Bauern eine große Nachfrage vorhanden, Hofkultur-Landwirte zu werden?

Ja, wir haben derzeit eine Warteliste von mehr als 130 Landwirten. Wir wollen das Ganze aber nicht zu schnell vorantreiben, weil wir keine Überproduktion erzeugen wollen. Das würde vom Preis her erst recht wieder den Druck auf die Landwirte erhöhen. Außerdem schließen wir mit jedem unserer Kunden ein Gesamtpaket ab. Das bedeutet, der Ansatz „Nose to Tail“, also die Verarbeitung möglichst aller Teile eines geschlachteten Tieres vom Kopf bis zum Schwanz, ist ein weiteres Charakteristikum unserer Tierwohl-Marke. 

 

Mit Februar 2019 eröffneten Sie in Redlham auch den neuen Schlachthof, der speziell auf Tierwohl-Grundsätze ausgerichtet wurde. War das die logische Folgerung?

Ja, in jedem Fall. Hütthalers Hofkultur war der Anstoß für den Neubau des Schlachthofs nach Tierwohl-Grundsätzen. Denn nur so können wir Tierwohl über die gesamte Wertschöpfungskette ausnahmslos garantieren. Außerdem finde ich es ziemlich unpassend, wenn wir Metzger den Bauern vorgeben, was sie besser und gescheiter machen sollen, aber als Verarbeiter ihrer Produkte nichts dazu tun. Nachdem wir 20 Partner-Landwirte im Boot hatten, war uns klar, dass jetzt wir an der Reihe sind. 

 

 

 

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© Karin Lohberger

Wie viele Hofkultur-Landwirte gibt es derzeit?

Mittlerweile zählen 33 Landwirte zu den Hofkultur-Partnerhöfen, an denen Tierwohl vorgelebt und weiterentwickelt wird. In den nächsten Wochen kommen noch zwei weitere dazu. Sie alle widmen sich voll Begeisterung dem Tierwohl und profitieren auch selber davon.

 

Wie profitieren die Hofkultur-Bauern von dieser Kooperation?

Die Bauern bekommen ab der ersten Anlieferung der Tiere eine Abnahmegarantie über mindestens fünf Jahre. Außerdem erhalten sie einen Tierwohl-Aufschlag auf den Börsenpreis.

 

Können Sie das näher erklären?

Die Landwirte werden nach einem Börsenpreis bezahlt, der Schwankungen unterliegt und jede Woche verhandelt wird. Derzeit bekommt ein Bauer pro  Kilo Schwein 1,50 Euro. Sollte dieser Wert jedoch unter 1,40 Euro fallen, wird er innerhalb der Hofkultur gedeckelt und kann nicht weiter runterfallen. Zusätzlich zum Börsenpreis erhält jeder Hofkultur-Landwirt einen Tierwohl-Zuschlag von 50,3 Cent ausbezahlt. Summa summarum bekommt er im Moment also mehr als zwei Euro pro Kilo. Das ist für die Bauern ein wichtiger Faktor, außerdem wissen sie, wo die Tiere hinkommen und wie sie geschlachtet werden. Unsere Partner-Landwirte investieren auch einiges. Viele bauen einen neuen Tierwohlstall und brauchen eine gewisse Sicherheit, die sie von uns auch bekommen.

 

Ist seitens der Bauern eine große Nachfrage vorhanden, Hofkultur-Landwirte zu werden?

Ja, wir haben derzeit eine Warteliste von mehr als 130 Landwirten. Wir wollen das Ganze aber nicht zu schnell vorantreiben, weil wir keine Überproduktion erzeugen wollen. Das würde vom Preis her erst recht wieder den Druck auf die Landwirte erhöhen. Außerdem schließen wir mit jedem unserer Kunden ein Gesamtpaket ab. Das bedeutet, der Ansatz „Nose to Tail“, also die Verarbeitung möglichst aller Teile eines geschlachteten Tieres vom Kopf bis zum Schwanz, ist ein weiteres Charakteristikum unserer Tierwohl-Marke.

 

Mit Februar 2019 eröffneten Sie in Redlham auch den neuen Schlachthof, der speziell auf Tierwohl-Grundsätze ausgerichtet wurde. War das die logische Folgerung?

Ja, in jedem Fall. Hütthalers Hofkultur war der Anstoß für den Neubau des Schlachthofs nach Tierwohl-Grundsätzen. Denn nur so können wir Tierwohl über die gesamte Wertschöpfungskette ausnahmslos garantieren. Außerdem finde ich es ziemlich unpassend, wenn wir Metzger den Bauern vorgeben, was sie besser und gescheiter machen sollen, aber als Verarbeiter ihrer Produkte nichts dazu tun. Nachdem wir 20 Partner-Landwirte im Boot hatten, war uns klar, dass jetzt wir an der Reihe sind.

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© Karin Lohberger

Rund 14 Millionen Euro haben Sie in den neuen Schlachthof nach Tierwohl in Redlham investiert und damit Pionierarbeit geleistet. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Wir haben nichts von der Stange genommen, sondern alles dem Thema Tierwohl untergeordnet. Dabei haben wir uns zusätzliches Know-how bei Betrieben in den Niederlanden, Deutschland und England angeeignet. Einige Ansätze haben wir auch von Temple Grandin, einer amerikanischen Wissenschaftlerin, übernommen. Sie fühlt sich in die Tiere rein, geht den Schlachtprozess durch und hat Konzepte entwickelt, wie Stallanlagen und Treibgänge gestaltet sein müssen, damit die Tiere stressfrei getrieben und getötet werden können. Wenn uns eine Schlachthof-
Baufirma nicht das Entsprechende bieten konnte, haben wir uns an branchenfremde Firmen gewandt. Die Aufstallung mit Holz haben wir zum Beispiel von einer Firma machen lassen, die noch nie einen Schlachthof eingerichtet hat. Das alles waren Faktoren, wo wir viel kämpfen mussten, weil wir es anders machen wollten. Das Resümee ist, dass wir einen Schlachthof gebaut haben, den wir herzeigen können – und natürlich auch wollen. 

 

Gibt es ein stressfreies Schlachten?

Das Grundprinzip unserer Schlachtung ist, dass die Tiere ohne Stressmomente ihren letzten Weg alleine finden, ohne dass man sie antreiben muss. In unserem neuen Schlachthof werden sie barrierefrei vom Abladen bis zur Betäubung geleitet. Dabei sind die Treibwege so gestaltet, dass die Schweine und Rinder intuitiv ihren Weg finden sollen. Durch individuell anpassungsfähige Buchtensysteme hat das jeweilige Tier deutlich mehr Platz, durch eine großzügige Raumhöhe entsteht ein gutes Raumklima. Im Sommer kühlen wir die Temperatur mit Sprühnebel runter. Wir haben darauf geachtet, dass es versenkte Trennwände und Tränken gibt. Eine Holzverschalung gewährleistet eine schallreduzierte Umgebung. Das alles sind kleine Komponenten, die intuitiv auf das Tier wirken. Bei manchen Dingen sind wir erst im Nachhinein draufgekommen, dass sie nicht funktionieren. Also haben wir sie wieder herausgerissen und neu gemacht. Es war uns wichtig, dass alles stressschonend für das Tier abläuft. Denn nur so erhalten wir beste Qualität für die Verarbeitung des Fleisches. 

 

Schlachthöfe und fleischverarbeitende Betriebe machen in letzter Zeit immer wieder Negativschlagzeilen wegen Covid-19-Infektionen. Woran glauben Sie liegt das? 

Ich denke nicht, dass unsere Branche stärker betroffen ist als andere. Wegen der Probleme bei einem deutschen Schlachtbetrieb wurde das Thema jedoch medial hochgespielt. Wobei ich festhalten möchte, dass es nicht richtig ist, wie dort mit den Mitarbeitern umgegangen wird.  Aber es wird zum Beispiel über ein Marketingbüro, in dem vier Personen sitzen und zwei Covid-19-positiv getestet sind, wahrscheinlich nicht geschrieben, dass 50 Prozent der Mitarbeiter erkrankt sind. 

 

Haben Sie Angst, dass es auch Ihren Betrieb treffen könnte?

Wir machen präventiv sehr viel, damit wir nicht auch in dieses Boot gezogen werden. Wir arbeiten in getrennten Schichten in der Produktion, haben überall UVC-Entkeimungen, beim Eingang wird mit einer Wärmebildkamera die Temperatur gemessen, wir haben einen eigenen Mundschutzportier und Mundschutzpflicht am gesamten Firmengelände. Als Gefahrenzulage und aus Wertschätzung für ihren Einsatz zahlen wir den Mitarbeitern eine Corona-Prämie aus. Corona betrifft uns nicht mit einem Mangel an Arbeit, wir sind eher davon betroffen, dass die Personalkosten und Zusatzkosten durch die Decke schlagen. Das alles sind Kosten, die man vorher nicht kalkuliert hat. 

 

Häufig werden sehr günstige Fleischaktionen beworben. Was läuft da falsch? Ist Fleisch generell zu billig?

Da wir im Tierwohlbereich immer das ganze Tier – Nose to Tail – vermarkten, verteilt sich der Tierwohl-Aufschlag auf ein breites Sortiment. Aber es stimmt, dass der Wert des Fleisches nicht dort ist, wo er sein sollte. Megagünstige Aktionen, wo auch immer die stattfinden, sind den Nutztieren gegenüber nicht wertschätzend. Langsam, aber sicher ändert sich jedoch das Bewusstsein der Konsumenten für qualitativ hochwertiges Fleisch regionaler Herkunft. Der Österreicher isst ca. ein Kilo Fleisch in der Woche. Wenn man einen Tag in der Woche kein Fleisch essen würde und den einen Euro, den man sich dadurch spart, in eine höhere Qualität investieren würde, könnte man zum Überleben der kleinstrukturierten Landwirtschaft in Österreich beitragen. Aber auch Nischen wie Bio oder Hofkultur würden dadurch wachsen. Mit nur einem Euro in der Woche ist man da voll dabei.  

 

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© Karin Lohberger

Wie teilt sich die Herkunft des Fleisches in Ihrem Betrieb auf?

15 Prozent vom Gesamtanteil kommt von Bio-Bauern, 25 Prozent von Tierwohl-Landwirten, das sind insgesamt bereits 40 Prozent. Wenn 50 Prozent unseres Gesamtanteils zugunsten von Tierwohl-Programmen gehen, bin ich überglücklich, das hätte ich mir vor sieben Jahren nicht träumen lassen. 

 

Und wie teilt sich der Anteil der Kunden auf, die Sie beliefern?

Drei bis vier Prozent unserer Kunden kommen aus unseren Filialen und der Gastronomie, zehn Prozent unserer Produkte gehen in den Export und der Rest in den Einzel- und Großhandel.   

 

Wie erkennt der Kunde Hofkultur-Produkte?

Auf unseren eigenen Marken findet man das Hofkultur-Logo und das Gütesiegel „Tierschutz-kontrolliert“ von VIER PFOTEN. Wenn wir Eigenmarken für Handelsketten produzieren, findet man darauf auch das Tierwohl-Siegel einer NGO. Außerdem ist auf allen Produkten Hütthaler als Hersteller im Kleingedruckten vermerkt.

 

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft und gerade der Tierhaltung bei uns in Österreich ein? Gibt es Mitbewerber, die einen Weg wie „Hütthalers Hofkultur“ andenken?

Grundsätzlich haben wir in Österreich die Pionierarbeit geleistet. Tierwohl ist aber in anderen Ländern schon lange gang und gäbe. In der Schweiz etwa ist es bereits seit den 90er-Jahren gesetzlich verankert, dort hat Tierwohl schon einen Marktanteil von 60 Prozent. In Österreich haben wir bei Bio-Schweinefleisch einen Marktanteil von zwei Prozent, bei Tierwohl haben wir in den vergangenen drei Jahren einen Marktanteil von 1,5 Prozent aufgebaut. Da ist noch viel Potenzial nach oben vorhanden. Es gibt andere fleischverarbeitende Firmen, die sich dafür interessieren, weil das Thema Tierwohl letztendlich den Kunden aufgrund der besseren Qualität der Produkte zugutekommt.

 

Sie sind 2005 in das Familienunternehmen eingestiegen und haben es 2017 als Inhaber übernommen. Sind Ihre Eltern noch operativ im Betrieb tätig?

Ja, meine Mutter kümmert sich um unsere Filiale in Vöcklabruck. Mein Vater hat die Geschäftsführung inne und ist Teilzeit im Betrieb tätig. Ich bin über die Unterstützung meiner Eltern sehr froh. 

 

Ihre Frau Dagmar hat „Dinner for Wau – Hundefutter mit Verantwortung“ mit der neu gegründeten TierWohl GmbH aufgebaut. Was wird da genau geboten?

Das schlägt wieder in die Kerbe unserer Nose-to-Tail-Verarbeitung des ganzen Tieres. „Dinner for Wau“ hat sich auf fertige BARF-Menüs spezialisiert, deren Grundzutat Fleisch auch aus kontrollierten Tierwohl-
Projekten stammt. Die Menüs sind praktisch, weil sie bereits alle wichtigen Komponenten enthalten und leicht portionierbar sind. Somit kann man Tierwohl auch den Tieren geben, die ja auch Liebkind zu Hause sind. 

 

In vielen Familienbetrieben läuft nicht immer alles so harmonisch ab. Wie geht es da der Familie Hütthaler?

Klar gibt es auch bei uns Reibungspunkte, aber mein Vater hat die Firma übergeben, als er sicher war, dass er loslassen kann und wir bereit dazu sind. Daher hat er die Generationsübergabe schon vor 15 Jahren vorbereitet. Und ich muss sagen, es funktioniert gut. 

 

Ihr Sohn ist sieben Jahre alt, Ihre Tochter fünf. Wäre es schlimm, wenn keines Ihrer Kinder die Firma übernehmen würde? 

Natürlich würde ich mich freuen, wenn eines der Kinder den Betrieb übernehmen würde. Ich möchte sie aber nicht dazu drängen, ganz im Gegenteil, jeder soll das machen, was für ihn erfüllend ist. Meine Eltern haben mir vermittelt, dass es schön ist, in der Lebensmittelindustrie etwas Gutes und qualitativ Hochwertiges mit Genuss zu produzieren. Wenn wir das unseren Kindern auch so übermitteln können, bin ich zufrieden. 

 

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie und ist es schwierig, neues Personal zu finden?

Wir beschäftigen circa 400 Mitarbeiter und es ist nicht einfach, neue Arbeitskräfte zu finden. Dabei spielt auch das Klischee des Metzgers eine große Rolle. Vielfach hat man immer noch das Bild des 3-B-Metzgers – also „blutig, blad und bled“ – im Kopf. Dabei hat sich unser Beruf grundlegend geändert. Lehrlinge können nach der Lehre und Praxis als Abteilungsleiter-Stellvertreter arbeiten und Karriere machen. Heute sind Metzger eher Techniker mit einem fachlichen Background, die mit Maschinen umgehen müssen. 

 

Was motiviert Sie?

Wenn wir im Tierwohlbereich Erfolge erzielen und neue Partner-Landwirte aufnehmen können. Es motiviert mich auch, dass sich meine Arbeit gut mit der Familie vereinbaren lässt.   

 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Als Familienmensch verbringe ich natürlich gerne Zeit mit meinen Lieben. Zu meinen Hobbys zählen das Fliegenfischen an der Traun und das Tennisspielen, morgens gehe ich eine Runde laufen, überhaupt macht mir Sport viel Spaß. Und ich treffe mich auch gerne mit Freunden auf ein gutes Glas Wein.  

 

Ihr Lieblingsfleischgericht?

Ich bin ein Fan von richtig guten Steaks und lege natürlich großen Wert auf die Herkunft. Ich habe sogar einen kleinen DRY AGER, das ist ein bisschen ein Spleen von mir (lacht).

 

Haben Sie ein Haustier?

Ja, wir haben Hunde. Einen ganz jungen und eine ältere Dame, das sind unsere Hauptverkoster fürs Hundefutter. 

 

Gibt es weitere Pläne für die Zukunft?

Derzeit werden die Tierhälften vom Schlachthof in unsere Firma nach Schwanenstadt gebracht, dort zerlegt und auch verarbeitet. In den nächsten zwei Jahren werden wir neben dem neuen Schlachthof in Redlham eine neue Zerlegung bauen. Mit dieser Kapazitätserweiterung können wir unsere Kunden noch besser bedienen. 

 

 

 

 

Modernes Unternehmen mit Tradition

 

• Die Hütthaler KG Fleisch & Wurst wurde 1897 gegründet und befindet sich seit Anbeginn in Familienbesitz. Hütthaler ist Österreichs größter Lieferant für Biofleisch und Babynahrung und mit seinen Produkten in allen Handelsketten vertreten. Mit 400 Mitarbeitern ist das Unternehmen einer der größten Arbeitgeber im Bezirk Vöcklabruck. 

 

• Seit Mitte 2013 arbeitet die Familie Hütthaler intensiv an der Entwicklung und Umsetzung der Tierwohl-Marke „Hütthalers Hofkultur“. Neben dem Musterhof in Rüstdorf, den Philipp Hütthaler betreibt, widmen sich derzeit weitere 33 Hofkultur-Landwirte dem Tierwohl.

 

• Anfang 2019 wurde am Standort in Redlham Europas erster Schlachthof nach Tierwohl-
Grundsätzen sowie ein Werksverkauf eröffnet. 

 

• Der aktuelle Leitspruch „Qualität, die begeistert“ ist richtungsweisend für die Produktion der österreichischen Fleisch-, Schinken- und Wurstspezialitäten von Hütthaler. Seit mehr als 25 Jahren werden Bioprodukte hergestellt. Der Großteil der beliefernden Bauern befindet sich maximal 50 Kilometer vom Produktionsstandort.