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People | 06.11.2019

Weiblich, jung, Jägerin

Ulli Mayrhofer ist 25 Jahre alt und seit drei Jahren Jägerin. Weil sie zurück zu ihren Wurzeln und wieder mehr Naturverbundenheit leben wollte. Wir haben sie in den Wald begleitet.

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Naturverbundenheit leben: Ulli Mayrhofer genießt die Zeit im Wald sehr. (© Dominik Derflinger)

Noch vor der Dämmerung schlüpft Ulli Mayrhofer in ihre Jagdstiefel und zieht die olivgrüne Canvasjacke über. Sie steckt ihr Messer ein, hängt Fernglas und Gewehr um und macht sich zu dieser frühen Stunde auf in den Wald. „Das ist wichtig, um das Wild nicht aufzuschrecken“, erklärt sie auf dem Weg zum Hochstand. Die 25-Jährige hat vor drei Jahren die Jagdprüfung abgelegt und ist seitdem leidenschaftliche Jägerin. „Ich bin hier in Unterweitersdorf sehr naturverbunden aufgewachsen, aber dieses Bewusstsein für die Natur ist in der Jugend leider verloren gegangen“, erzählt Mayrhofer. „Vor einigen Jahren wollte ich dann sozusagen zurück zu den Wurzeln. Besonders die Wild-Ökologie hat mich sehr interessiert, darum habe ich auch einen Jagdkurs absolviert.“

Aufgaben der Jagd. Das Interesse der jungen Frau war geweckt, sie informiert sich, was zu tun ist, um die Jagdprüfung machen zu können. Sehr spannend findet sie den Hintergrund und das gängige Bild zur Jagd, das die meisten Menschen im Kopf haben. „Den wenigsten ist bewusst, dass zur Jagd sehr viel mehr gehört, als Wild zu erlegen“, betont Mayrhofer. Die oberösterreichischen Jägerinnen und Jäger kümmern sich auch um die ökologische und nachhaltige Pflege des heimischen Wildes sowie um den Schutz der Lebensräume. Dazu zählt auch, den – in Zusammenarbeit mit Förstern und Bezirkshauptmannschaft – festgelegten Abschussplan einzuhalten. Wenn die Population einer Wildart überhandnimmt oder es massiven Wildverbiss in einem Gebiet gibt, müssen die Jäger dem Einhalt gebieten. „Das Erlegen der Tiere ist unsere gesetzliche Verpflichtung“, sagt auch Ulli Mayrhofer. „Eine unserer Hauptaufgaben ist es, den Wildbestand zu regulieren. Wird der Abschuss­plan nicht erfüllt, muss man sogar Strafe zahlen.“

Das erste erlegte Tier. An ihr erstes selbst erlegtes Stück, wie die Tiere im Jagdjargon genannt werden, erinnert sie sich noch gut. „Ich war mit unserem Jagdleiter in dessen Revier unterwegs und habe vom Hochstand aus ein Herbstreh, also ein Kitz, erlegt“, erzählt sie. „Ich war natürlich sehr aufgeregt, aber auch sehr ehrfürchtig, weil ich vor jedem Tier großen Respekt habe.“ Und hat ihr das Kitz gar nicht leid getan? „Nein, weil das bei mir eine Kopfsache ist“, sagt Mayrhofer. „Ich weiß, warum ich es mache und dass es gemacht werden muss. Wenn ich mit dieser Einstellung in den Wald gehe, bin ich auch dazu bereit.“

 

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Als Jägerin muss Ulli Mayrhofer die Umgebung immer im Blick haben. (© Dominik Derflinger)

Zeit zum Nachdenken. Bei der Jagd braucht man viel Zeit und ebenso viel Geduld. Zwischen zwei und vier Stunden verbringt Ulli Mayrhofer im Hochstand sitzend. Wichtig ist, sich beim Hinweg ruhig und vorsichtig anzunähern, um das Wild nicht aufzuschrecken. Gelingt das nicht, muss man am Hochstand umso länger warten, bis sich die Tiere wieder beruhigt haben. „Ich sitze dann da, lege das Gewehr am Fenster ab und beobachte die Umgebung durch das Fernglas“, erzählt die 25-Jährige. „Und dann hat man entweder Glück oder eben nicht – wenn man zum Beispiel auf ein bestimmtes Stück, etwa einen einjährigen Bock, wartet. Danach baumt man ab, so nennt man das Verlassen des Hochstandes, pirscht noch durch den Wald oder geht wieder nach Hause.“

Die Zeit im Hochstand wird Ulli Mayrhofer übrigens nicht langweilig. Im Gegenteil: Sie genießt die Natur und hängt dabei ihren Gedanken nach. „Und wenn es doch mal zu lang werden sollte, kann es vorkommen, dass ich nebenbei Musik höre“, sagt sie lachend. Dann trifft die traditionelle Welt eben die moderne ...

Das Wild „aufbrechen“. Hat sie ein Tier erlegt, bringt es die junge Jägerin in die Wildkammer im Ort. Das ist die zentrale Anlaufstelle für alle Jäger eines Gebietes. Dort trägt sie alle relevanten Daten in das so genannte Protokollbuch ein und bricht das Tier auf. Das bedeutet, dass sie es aufschneidet und die Gedärme entfernt. Eine wichtige Aufgabe dabei ist, zu schauen, ob die Organe in Ordnung sind oder ob diese Anomalien aufweisen. Auch das wird im Protokollbuch vermerkt. „Das fachgerechte Zerlegen habe ich von unseren erfahrenen Jägern gelernt“, so Mayrhofer und fügt lachend hinzu: „Wenn wir das Wildbret für unseren Eigenbedarf verwenden, übernimmt das Zubereiten des Fleisches meist mein Bruder Klaus. Das ist unsere ganz eigene Arbeitsteilung.“

Wo Ulli Mayrhofer auf der Pirsch unterwegs ist, muss sie mit dem Jagdleiter oder dem jeweiligen Pächter eines Revieres absprechen. Jagen auf eigene Faust – das gibt es gibt. Außerdem muss sie immer ihren so genannten Ausgangsschein mit dabei haben. Dieser wird vom Jagdleiter ausgestellt und gilt für ein Jahr. Auch das Jagdgebiet ist darauf vermerkt.

Treffpunkt Jäger-Stammtisch. Von den alteingesessenen Jägern im Ort wurde die 25-Jährige übrigens sehr herzlich aufgenommen. Einmal im Monat gibt es einen Jäger-Stammtisch zum gegenseitigen Kennenlernen und Austauschen. „Unser Jagdleiter hat gemeint, dass ich da mal vorbeischauen solle“, erinnert sich Mayrhofer. „Natürlich habe ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht, wie die Reaktionen sein würden. Aber ich wurde sehr positiv überrascht und gut in die Runde aufgenommen.“ Dumme Sprüche musste sie sich nicht anhören, vielmehr überwog das Interesse der männlichen Kollegen, warum sie sich für die Jagd als Hobby entschieden hat.

Grundsätzlich ist die Jagd noch immer eine Männerdomäne, doch besonders in den letzten Jahren sind die Jägerinnen immer mehr geworden. In diesem Jahr haben insgesamt 532 Jungjägeranwärter die Jagdprüfung in Oberösterreich bestanden, 131 davon waren Frauen. Damit ist der Frauenanteil zum Vorjahr von 20 auf 30 Prozent gestiegen. Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner freut sich über den konstanten Zuwachs an Jägerinnen: „Immer mehr Frauen begeistern sich für die Jagd, weil sie die Zusammenhänge des Ökosystems verstehen möchten. Manche legen die Prüfung nicht um der aktiven Jagd willen ab, sondern beschäftigen sich gern mit der Natur.“

 

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Voll ausgerüstet mit Messer, Fernglas und Gewehr. (© Dominik Derflinger)

Auf der Pirsch in Oberösterreich

In Oberösterreich gibt es momentan 19.500 Jägerinnen und Jäger. In diesem Jahr haben insgesamt 532 Jagdkartenanwärter die Prüfung bestanden, 131 davon waren Frauen. Damit ist der Frauenanteil auf 30 Prozent gestiegen. Ab sofort können übrigens die Schülerinnen und Schüler an den landwirtschaftlichen Fachschulen im Rahmen des Unterrichts die Ausbildung zur Jungjägerin bzw. zum Jungjäger absolvieren. Ein neues Konzept für den Jagdunterricht, das die Landwirtschaftsschulen gemeinsam mit dem Landesjagdverband erstellt haben, macht es möglich. Ziel ist es, dass die angehenden Land- und Forstwirte Fachwissen und einen positiven Zugang zur Jagdausübung bekommen. Dieses Angebot gibt es an jenen Schulen mit der Fachrichtung Landwirtschaft – in Schlägl, Otterbach, Waizenkirchen, Hagenberg, Lambach, Burgkirchen, Vöcklabruck, Altmünster und Schlierbach.