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People | 22.11.2021

We are Pool

Von wärmender Wolle zu erfrischenden Pools und allem, was dazugehört. Ursprünglich in der Textilbranche tätig, begann Steinbach International mit Hauptsitz in Schwertberg (OÖ) Ende der 1990er-Jahre mit dem Verkauf von Swimmingpools und Poolzubehör. Mit Erfolg: Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit über 300 Mitarbeiter und zählt mittlerweile zu einem der führenden Produktions- und Großhandelsunternehmen in Europa. Den Change von der Wolle zu Pool und Poolzubehör hat Geschäftsführer Mag. Horst Lauß maßgeblich mitgestaltet. „Man muss stets offen sein für neue Chancen und sich als Unternehmen mit dem nötigen Weitblick und Respekt permanent neu erfinden“, lautet seit jeher sein Credo.

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© Gregor Hartl Photography

Im „Poolhouse“, dem betriebseigenen Restaurant, wird auf Haubenniveau gekocht, die Büros und Arbeitsplätze sind wie aus dem Designerkatalog, Loungemöbel laden zum Verweilen ein, und ein Fitnessstudio samt Swimmingpool sorgt für körperlichen Ausgleich und Entspannung. Nein, wir sind nicht in einem Luxushotel, wir sind im nagelneuen Headquarter von Steinbach International in Schwertberg, wo wir Geschäftsführer Mag. Horst Lauß zum Interview treffen. Voll Enthusiasmus führt uns der 51-jährige Linzer durch das hochmoderne Nullenergiegebäude und zeigt uns die neuesten Produktinnovationen. Angefangen bei Pools und  Filteranlagen über automatische Poolroboter, Solarduschen oder aufblasbaren Fun-Produkten bis hin zur eigenen Produktion von Wasserpflegeartikel – Steinbach bedient heute eine breite Produktpalette vom Preiseinstieg bis zum High-End-Premiumprodukt für den stationären Einzel- sowie Onlinehandel. War der Pool im eigenen Garten in den 1990er-Jahren noch eher der zahlungskräftigeren Käuferschicht vorbehalten, so steht Badespaß daheim heute der breiten Masse zur Verfügung. Eine Entwicklung, an der Steinbach dank leistbarer Pools wesentlich beteiligt war. Wir haben mit Mag. Horst Lauß über die Entwicklung des Unternehmens, Nachhaltigkeit und Zukunftsvisionen gesprochen. 

 

Herr Mag. Lauß, über Jahrzehnte stand der Name Steinbach für Wolle. Wann fand der Change zu „we are pool“ statt und wie kam man auf die Idee, von der Wollproduktion in den Poolbereich zu wechseln?

Horst Lauß: Der Turnaround hat Ende der 1990er-Jahre stattgefunden, nachdem die Nachfrage nach Wolle stetig zurückging. Wir waren primär auf die Produktion von Handstrickgarnen spezialisiert und Stricken hat immer mehr an Bedeutung verloren. Nachdem der Umsatz Jahr für Jahr schwächer wurde, sahen wir uns nach einer Alternative in Richtung Sommer um (lacht), und so war der Bereich Pool und Poolzubehör schon zum Greifen nahe. 1999 haben wir dahingehend erste Projekte erfolgreich umgesetzt und den Handel von Pools und Poolzubehör stetig erweitert. Ein paar Jahre später kam dann der Aufbau einer eigenen Produktion am Standort dazu und das Thema Pool rückte so immer mehr in den Fokus unserer Geschäftstätigkeit. Heute, knapp zwanzig Jahre später, steht auf all unseren Produkten „Steinbach WE ARE POOL“!

 

Die richtige Entscheidung, wenn man den Boom um Pools heute betrachtet.

Durchaus. Wenn sich der Markt verändert, muss man flexibel sein und diese Veränderung als Unternehmen mitgehen. Damals hatten nur wenige, meistens wohlhabendere Menschen einen eigenen Pool im Garten. Mit unseren preiswerten Pool-Sets haben wir das Thema für die breite Masse zugänglich gemacht. Mittlerweile decken wir ein sehr breites Produktportfolio für unterschiedliche Zielgruppen ab und investieren mehr und mehr in die Entwicklung von High-End-Konzepten. Hier ist es uns besonders wichtig, dass das Produktmanagement und das Produktdesign im Headquarter in Schwertberg zusammenfließen, wo wir unsere Ansprüche und Standards dahingehend laufend kontrollieren können.

 

Das Produktportfolio von Steinbach International beinhaltet Pools und Poolzubehör. Vor allem während der Pandemie wurde die Sehnsucht nach dem Paradies im eigenen Garten riesengroß. Wie hat sich das auf die Zahlen des Unternehmens ausgewirkt?

Unsere Zuwachsraten waren bereits vor der Coronakrise kontinuierlich schön. Die Pandemie war sicher noch einmal ein Treiber, da die Menschen ins eigene Zuhause und in den Garten investiert haben. Allerdings muss man dazusagen, dass kurzfristig mit verfügbaren Kapazitäten und Ressourcen auch nur ein gewisser Nachfrageanstieg sauber abgewickelt und bedient werden kann.

 

Wie merken Sie das in Ihrem Unternehmen? Wie wichtig sind Lagerhallen und -plätze in Österreich?

Das Thema wird immer fordernder und wir sehen, wie fragil Logistikketten geworden sind. Wenn ein Schiff im Suezkanal quer steht, wirkt sich das auf die gesamte Weltwirtschaft aus. Das ist ein Riesenthema und hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, noch stärker in Wertschöpfung vor Ort zu investieren. Darüber hinaus setzen wir vermehrt auf eigene Logistikzentren und verfügen mittlerweile über 90.000 eigene Palettenstellplätze. Das hilft uns, einen Teil der Lieferkette besser unter Kontrolle zu haben und Schwankungen bis zu einem gewissen Grad abfedern zu können. 

 

Made in Austria spielt bei Steinbach eine große Rolle. Dem wird nun abermals mit dem neuen Headquarter in Schwertberg Rechnung getragen. Was schätzen Sie am Standort Oberösterreich?

Oberösterreich ist unser Heimatland. Eines unserer Ziele ist ganz klar, die Wertschöpfung im Land zu stärken. Viele Arbeitsschritte können wir in unserer Produktion heute hochgradig automatisieren und somit auch am Standort in Österreich wettbewerbsfähig herstellen. Diesbezüglich nehmen wir unsere Verantwortung zu 100 Prozent wahr und helfen bei der Re-
industrialisierung. Wir haben ein schönes Land mit sehr gut ausgebildeten Leuten und die Wertschöpfung vor Ort ist uns enorm wichtig. Bei all unseren Bauvorhaben, sei es beim neuen Headquarter oder unserem Werk 2, trachten wir immer danach, die Regionalität zu stärken. Obwohl wir beinahe die gesamte Welt beliefern, haben wir unseren Hauptsitz schon sehr lange in Schwertberg und das soll auch so bleiben. 

 

 

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© Gregor Hartl Photography

Was war Ihnen beim Bau dieser hochmodernen Zentrale wichtig?

Ganz klar das Thema Nachhaltigkeit, dem wir mit einem absoluten Nullenergiegebäude Rechnung tragen. Es war uns auch ganz wichtig, für unsere Mitarbeiter eine Wohlfühlumgebung zu schaffen, wo sich Kreativität entfalten kann und wo Menschen gerne beisammen sind. Denn im Miteinander, abseits des üblichen Tagesgeschäfts, entstehen oft die besten Ideen. So gibt es im neuen Headquarter ein Restaurant auf Haubenniveau, Chill Areas sowie Lounges mit Cafés und sogar eine Bar, in der man den Arbeitstag gemütlich ausklingen lassen kann.

Die Firma Steinbach ist eines der führenden Produktions- und Großhandelsunternehmen in Europa. Wie hoch ist der Exportanteil?

Unser Exportanteil beträgt rund 80 Prozent.
Europa ist unser Hauptmarkt, aktuell mit Deutschland als unserem größten Exportmarkt. Wir beliefern darüber hinaus aber auch Kunden in den USA und Australien.

 

Die Weltwirtschaft ist im Umbruch. Was macht einem so großen international tätigen Unternehmen wie Steinbach derzeit das Leben bzw. Arbeiten schwer?

Ein Problem – und das nicht nur der Krise wegen – ist es, Mitarbeiter zu finden, daher wird Employer Branding auch für uns immer wichtiger. Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber für engagierte Menschen, die mitwirken wollen.

 

In welchen Bereichen werden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesucht?

Im Bereich der Produktion suchen wir Techniker. Innerbetrieblich sind Digitalisierung und Prozessmanagement aktuell ein großes Thema, wir suchen in allen Bereichen Talente. Insgesamt beschäftigen wir derzeit 300 Mitarbeiter, viele davon kommen aus der näheren Umgebung. Wir nehmen aber auch Kontakt zu vielen Schulen, Fachhochschulen und Universitäten auf, um hier als regionaler Global Player sichtbarer zu werden. 

 

Was zeichnet Steinbach als Arbeitgeber aus?

Wir sind ein dynamisches Unternehmen, das sich permanent neu erfindet. Der Change von der Wolle zum Poolbereich ist dabei das beste Beispiel. „Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“ lautet ein Zitat des griechischen Philosophen Heraklit. Wir sind eine agile Organisation, in der Menschen aus den verschiedensten Bereichen zusammenfinden, gemeinsam an Themen arbeiten und die Zukunft des Unternehmens aktiv mitgestalten. Wir haben eine sehr flache Hierarchie und geben jedem Mitarbeiter die Möglichkeit, persönlich wie auch beruflich zu wachsen. Mit unserer neuen Firmenzentrale setzen wir darüber hinaus neue Maßstäbe in puncto Wohlfühl-
charakter am Arbeitsplatz.

 

 

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© Richard Haidinger

Wie ist Ihr Führungsstil?

Ich würde sagen, teamorientiert und kooperativ trifft es wahrscheinlich am besten. Ich glaube, die Zeiten von Unternehmen mit streng autoritären Führungspersönlichkeiten sind Geschichte. Hier sehe ich den Austausch auf Augenhöhe als deutlich nachhaltigeres Mittel der Wahl und meine Rolle im Unternehmen als jemand, der Leitlinien erarbeitet, innerhalb derer sich unsere Mitarbeiter entfalten können.

 

Das Steinbach Produktportfolio reicht vom Preiseinstieg bis zum High-End-Bereich. Was ist der Bestseller von Steinbach?

Ganz stark nachgefragt werden Whirlpools. Sie brauchen deutlich weniger Platz wie ein Pool und durch das Aufwärmen des Wassers kann man sie beinahe das ganze Jahr über verwenden. Das Thema Poolheizung wird generell unseren Kunden immer wichtiger, da es die Möglichkeit bietet, die Poolsaison deutlich zu verlängern. Je nach Schwimmbadgröße bieten wir hier unterschiedliche Lösungen an – das beginnt bereits bei kleineren Solarkollektoren und hört bei leistungsstarken Wärmepumpen auf. Im Zubehörbereich merken wir eine sehr positive Entwicklung bei unseren automatischen Reinigungsrobotern und Solarduschen.

 

Die Solardusche „Straight Line“ von Steinbach wurde mit dem renommierten Red Dot Award ausgezeichnet. Wie groß ist Ihre Entwicklungsabteilung, was sind im Poolbereich die neuesten Konzepte?

Wir sind sehr stolz auf diese Auszeichnung. Großer Dank gilt unserem Head of Product Management Patrick Böhm, der voll Elan gemeinsam mit seinem sechsköpfigen Team an dieser Entwicklung gearbeitet hat. Der Red Dot Award repräsentiert unser Unternehmen auch sehr gut nach außen und zeigt, dass wir vom Preiseinstieg bis hin zum High-End-Produkt eine große Vielfalt anbieten. Design und Ästhetik werden immer wichtiger und spielen neben der Funktion eine zentrale Rolle in der Produktentwicklung. Auch hier ist es wichtig, am Puls der Zeit zu sein, Markttrends zu bedienen und mit der nötigen Innovationskraft auch Trends vorzugeben.

 

Seit einem Jahr ist Steinbach auch Hauptsponsor der Eishockeymannschaft Steinbach Black Wings Linz, was motiviert Sie dazu?

Als Hauptsponsor spielt für uns die Regionalität des Traditionsclubs eine große Rolle. Eishockey ist ein Teamsport, der Schnelligkeit, Flexibilität und Fairness erfordert, da gibt es zu unserem Unternehmen viele Gemeinsamkeiten. „Ice is only frozen water“ ist dabei die gedankliche Überleitung von Eishockey zu unseren Pools,  und auf diese Art und Weise zeigen wir auch –abseits der heißen Sommermonate – über den Winter hindurch Präsenz.

 

Wie wichtig ist Ihnen als Unternehmen soziales Engagement?

Soziales Engagement war immer schon ein wichtiger Bestandteil unserer Firmenphilosophie. Das reicht von internen Unterstützungsprojekten wie unsere Initiative „Miteinander – Füreinander“ bis hin zu Partnerfirmen in der Fertigung, wo Menschen mit Behinderung unsere Produkte verpacken und etikettieren. 
Unser größtes Engagement ist aktuell bei der ORF-Aktion „Licht ins Dunkel“, wo wir den Steinbacherhof als ganz besonderes Herzens-
projekt unterstützen. Dort werden beeinträchtigten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen pferdegestützte Therapien angeboten und durch die Empathiefähigkeit der Pferde unglaublich tolle Erfolge erzielt. Ein sehr berührendes Lebenswerk, das wir mit größtem Respekt und Dankbarkeit unterstützen dürfen und nicht nur aufgrund der Namensgleichheit sofort ins Herz geschlossen haben.

 

Sie investieren kontinuierlich in das Wachstum des Unternehmens. In den nächsten Jahren soll auch ein neues Werk in St. Valentin in Betrieb genommen werden. Wie ist da der Stand der Dinge?

Für das Werk in St. Valentin haben wir bereits das Grundstück und sind derzeit in der Planungsphase. Dort werden wir mit einem hochmodernen Logistik- und Produktionsstandort einen nächsten Expansionsschritt machen und unsere Kapazitäten hinsichtlich Fertigung und Lagerung nochmals erweitern.

Wo sehen Sie Steinbach in fünf Jahren, was ist für die nahe Zukunft geplant?

Von Fünf- oder Zehnjahresplänen halte ich grundsätzlich nicht allzu viel. Die Vergangenheit hat uns schon mehr als einmal gezeigt, dass Flexibilität am Ende wichtiger ist als starre Pläne am Papier. Die Pandemie ist der beste Beweis dafür. Vielmehr sollte man mit einem wachsamen Auge durch die Welt gehen, offen für Neues sein und sich situativ anpassen können. Wenn man die Themen mit Mut, Engagement, dem nötigen Respekt und wirtschaftlicher Vorsicht angeht, hat man bereits einen entscheidenden Schritt zum Erfolg geschafft.