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People | 27.08.2021

VON HELNWEIN BIS ZU POKÉMON

Wenn es um das Sammeln von Kunst geht, beweist der Welser Arnold Hirschl ein gutes Händchen. Neben zwölf Werken von Gottfried Helnwein nennt er auch Bilder von Größen wie Arnulf Rainer, Georg Baselitz, Otto Muehl, Hermann Nitsch und Martha Jungwirth sein Eigen. Vor zwei Jahren wurde der Kunstsammler aus Leidenschaft auf die Bilder von Parov Stelar aufmerksam und bringt diese nun als sein Manager sehr erfolgreich unter die Leute.

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© Thom Trauner

Wir besuchen Arnold Hirschl in seinem Haus in Wels, wo man derzeit im Private View 25 großformatige Bilder des international erfolgreichen Musikproduzenten Parov Stelar begutachten kann. Voll Begeisterung führt der Kunstsammler durch sein Haus, wo es keinen Raum ohne ein Kunstwerk gibt, das er zeit seines Lebens gesammelt hat.

Arnold Hirschl ist in Braunau aufgewachsen, hat dort die HTL absolviert und arbeitete zehn Jahre lang in Deutschland als Softwareentwickler, ehe er sich dem Immobilienbusiness verschrieben hat. Woher seine große Leidenschaft für das Sammeln von Kunst rührt und warum ein buntes, großformatiges Bild mit Pokémon und Bart Simpson sein wertvollstes Werk ist, hat uns der Ex-Radprofi und Vater von zwei Söhnen, Florian und Max, im Interview erzählt.

 

Herr Hirschl, wie viele Kunstwerke besitzen Sie?

In Summe so um die 180.

 

Welche sind die wertvollsten?

Das sind Bilder von Gottfried Helnwein, Arnulf Rainer, Georg Baselitz, Otto Muehl, Martha Jungwirth, Alfred Kubin, Hermann Nitsch, um einige zu nennen. Für die wunderbare Ausstellung von Parov Stelar in meinem Haus trete ich als Kunstvermittler auf.

 

Als Musikproduzent und DJ ist Parov Stelar international bestens bekannt, als Maler kannte man ihn bisher kaum. Wie kam es dazu, dass er nun mit seinen Bildern an die Öffentlichkeit geht?

Parov Stelar, also Marcus Füreder, und ich kennen uns schon seit 20 Jahren und sind immer wieder einmal lose aufeinandergetroffen. Vor gut zwei Jahren hat er mich angerufen und zu sich nach Mallorca eingeladen, um mir seine Bilder zu zeigen. Ich war eine Woche lang bei ihm und seine autobiografischen Arbeiten haben mich absolut überzeugt. Als mich Marcus gefragt hat, ob wir zusammenarbeiten, habe ich sofort zugesagt. Auf Empfehlung von OÖN Kulturredakteur Peter Grubmüller haben wir uns mit Alfred Weidinger, dem Direktor der OÖ Landes- Kultur GmbH, getroffen und die Ausstellung im Francisco Carolinum relativ spontan in Linz auf die Beine gestellt.

 

Sind Sie immer so entscheidungsfreudig?

Ja, für mich gibt es nur Entweder-oder und nichts dazwischen. Parov Stelar war immer schon als Künstler positioniert und hat mit seiner Musik Weltruhm erlangt. Auch mit seinen Bildern hätte er sich seit Langem einen größeren Erfolg verdient. Er hat diese aber immer zurückgehalten. Mir geht es vor allem darum, Parov Stelar auch als Maler sichtbarer zu machen und der Erfolg gibt uns recht. Das, was wir uns gewünscht haben, ist eingetreten. In nur kurzer Zeit wurden mehr als 30 Bilder verkauft. Derzeit läuft eine Ausstellung mit 25 Bildern in Linz, im Private View bei mir in Wels können ebenso 25 Bilder besichtigt werden, 20 weitere haben wir im Depot.

 

Was ist das Besondere an Parov Stelars Bildern?
Marcus sieht sich als digitaler Frankenstein. In seinen großformatigen Bildern stellt er neue Kreaturen zusammen, diese werden am Rechner konstruiert, auf eine Leinwand übertragen und in Öl gemalt. Die Personen auf den Bildern gibt es so, wie sie dargestellt werden, nicht. Er schafft es, teilweise Bekanntes in einen neuen Kontext zu bringen. Das ist kein Nachahmen, das ist wie bei seiner Musik, wo er aus bestehenden Songs kurze Passagen herausnimmt und diese aneinanderreiht. Daraus entsteht dann etwas völlig Neues.

 

Ich habe gehört, Sie haben ein eigenes Buch mit Parov Stelars Bildern gemacht?
Ja, das stimmt. Parov Stelar hat bei der Pre- Wedding-Party des Sohnes von Louis Vuitton- Inhaber und Unternehmer Bernard Arnault in Paris gespielt. Marcus hat ihm als Erinnerung ein Buch von seinen Bildern überreicht, das ich gemacht habe. Es war eine tolle Party – das Buch gibt es übrigens nur einmal (lacht).

 

Kommen wir nun zu Ihnen. Wann ist Ihr großes Interesse an Kunst entstanden?
Kunst war immer schon ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Ich war in meiner Kindheit oft bei meinem Onkel Werner Koblinger, der leider schon verstorben ist. Er war Bildhauer und lebte in Lichtenberg, lustigerweise direkt ums Eck von Marcus Füreder. Onkel Werner hatte in Linz ein Atelier in einem Kellergewölbe. Dort habe ich ihm bei der Arbeit zugesehen und Späne zusammengekehrt. Als Dank hat er mir Engelsköpfe geschnitzt, die ich mir als Bub übers Bett gehängt habe. Das war sicher eine Initialzündung in Richtung Kunst.

 

Wann bzw. mit welchem Werk begann dann definitiv Ihre Sammelleidenschaft?
Nach den Skulpturen von meinem Onkel haben mich in weiterer Folge schon sehr früh die Surrealisten wie Salvador Dalí total angesprochen. Mit 18 Jahren bin ich sogar mit meiner damaligen Freundin in Dalís Heimatort Figueres nach Spanien gefahren, um das Salvador Dalí-Museum zu besuchen. Ich sammelte alle seine Bücher, Poster und Lithografien. Heute tut es mir leid, dass ich mir keinen echten Dalí gekauft habe, aber das war damals finanziell nicht möglich (lacht). Auch Alfred Kubin mit seinen morbiden Zeichnungen hat mich immer sehr interessiert.

 

Sie besitzen auch zwölf Bilder von Gottfried Helnwein. Wann sind Sie auf ihn gestoßen?
Das war in den 1970er-Jahren. Damals haben wir in der Schule noch die berüchtig- ten „Gnackwatschn“ bekommen und auch wegen meiner langen Haare hatte ich es nicht einfach. Helnweins Bilder von bandagierten und verwundeten Kindern haben mich wachgerüttelt. Zum Glück bin ich bei diesem großartigen Künstler hängen geblieben, denn mit meinem ersten Gehalt kaufte ich mir die ersten Bilder. Die kosteten damals 20.000 bis 25.000 Schilling (ca. 1.800 Euro). Das Bild „Mädchen mit Pistole“ ist mittlerweile 165.000 Euro wert. Aktuell ist es in der Ausstellung „Wilde Kindheit“ im Lentos zu sehen.

 

Haben Sie damals damit spekuliert, dass die Bilder einmal so viel wert werden?

Nein, ich habe damals nicht spekuliert und mache das auch heute nicht. Das Sammeln war und ist meine Passion. Ein Bild des Spekulierens wegen zu kaufen, ist nicht mein Zugang. Da frage ich mich: „Wo bleibt da die Kunst?“ Ich will ein Bild, das mir gefällt, an der Wand hängen haben und keine Aktie. Da könnte ich mir ja gleich eine Aktie kaufen.

 

Was muss ein Kunstwerk haben, damit Sie es kaufen?
Ein Bild muss mich abholen und dann suche ich den Kontakt zum Künstler. Das Ritual des Auseinandersetzens mit dem Künstler interessiert mich am meisten. Ich will sehen, wer hinter dem Bild steht und wie diese Person tickt. Daher sammle ich auch kaum Werke von Künstlern, die nicht mehr leben oder weit weg von der Gegenwart sind. Dazu kommt, dass ich mir Werke von Picasso, Francis Bacon oder Lucian Freud, die ich wahnsinnig schätze, ohnehin nicht leisten könnte. Auch ein Anselm Kiefer ist leider an mir vorübergegangen, weil ich ein Original um über eine Million Euro aufwärts nicht stemmen kann. Seine Werke schaue ich mir lieber im Museum an.

 

Man muss also nicht immer alles besitzen?

Ja genau, die Symbiose macht es aus und da halte ich es wie Marcel Duchamp, der meinte: „Die eine Hälfte ist das Kunstwerk, die andere Hälfte ist der Betrachter.“ Jeder Mensch sieht ein Bild anders. Als Betrachter sieht man immer den Zustand, in dem man sich gerade selber befindet und wenn man sich mit dem Künstler auseinandersetzt, dann ist die Betrachtungsweise wieder eine andere. Dann weiß man, wie ein Künstler drauf war, als er sein Werk erschaffen hat.

 

Wie und wo entdecken Sie Ihre Sammlerstücke?
In meinem Job muss man viel unterwegs sein. Jemand, der viel reist, kann auch viel erzählen. Wo immer ich hinkomme, schaue ich, ob es dort ein Museum, eine Galerie bzw. einen Künstler in einem Atelier gibt. Ich bin ein Suchender, um es mit Hermann Hesses Siddhartha auszudrücken. Ich will nichts vorgesetzt bekommen, mir geht es darum, selber etwas zu entdecken. Es gibt nichts Einfacheres als einen Nitsch oder Rainer zu sammeln, aber einen Künstler zu finden, der noch nicht am Markt etabliert ist, das ist das Spannende.

 

Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Als meine Kunstfreunde Werke von Maria Moser gesammelt haben, kaufte ich unter anderem Bilder von Martha Jungwirth. Ich habe ein großes Kontingent von ihren Arbeiten aus den 1960er-Jahren. Die Bilder habe ich mir gekauft, weil sie mich abgeholt haben, heute sind sie ein Vielfaches von damals wert. Werke von Martha Jungwirth werden im Herbst bei einer Ausstellung in der Galerie Ropac in Paris ausgestellt. Auch von Constantin Luser habe ich vor 20 Jahren Bilder gekauft. Er war damals völlig unbekannt. Mittlerweile ist er ein anerkannter Künstler, der zum Beispiel den „Tangosaurus“ im Musiktheater in Linz gemacht hat. Es freut mich sehr, wenn Künstler, die ich sammle, am Kunstmarkt bleiben. Denn viele verschwinden wieder, obwohl sie unglaublich gut sind. Aber das nützt nichts, wenn niemand ihre Werke kauft.

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© Thom Trauner
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© Thom Trauner

Welche Rolle spielt dabei das Marketing?

Das Marketing wird immer wichtiger, dieses Fach sollte auch an den Kunstuniverstitäten tunlichst gelehrt werden. Es ist für einen Künstler signifikant zu wissen, wie man seine Kunst auch entsprechend an den Mann bzw. die Frau bringen kann.

Inwieweit fördern Sie junge und noch unbekannte Künstler?
Indem ich mir Werke von ihnen kaufe. Wenn es eine gute Arbeit ist, dann schlage ich zu. Ich sehe das aber gar nicht so sehr als Unterstützung, weil ich ja auch etwas davon habe. Ein schönes Bild, an dem ich mich erfreue.

 

Lesen Sie das gesamte Interview in unserer aktuellen Ausgabe! 

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