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People | 17.11.2015

Von der Provinz in die Vorstadt

Sabine Derflinger wurde aus zahlreichen Nominierungen von unserer Redaktion zur „Oberösterreicherin des Jahres“ gewählt. Die gebürtige Vöcklabruckerin war die erste Frau in Österreich, die nach 40 Jahren einen „Tatort“ drehen durfte, sie führte Regie bei „Vier Frauen und ein Todesfall“ und gibt derzeit bei der zweiten Staffel zur Erfolgsserie „Vorstadtweiber“ den Ton an. Wie sie es aus der Provinz ganz nach oben geschafft hat, erzählt die 53-Jährige im Interview.

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(© Karin Lohberger)

Auf Facebook posten Sie immer wieder Fotos von den Dreharbeiten zur zweiten Staffel der „Vorstadtweiber“. Worauf können wir uns freuen?

Auf jede Menge Humor, ein bisschen Action, große dramatische Momente, viele dreiste Bösartigkeiten und interessante Intrigen.

 

„Vorstadtweiber“ war im ORF ein Quotenhit und wurde auch im ARD ausgestrahlt. Haben Sie mit einem derartigen Erfolg gerechnet?

Ja, ich wusste, dass ich ein exzellentes Ensemble an Schauspielerinnen und Schauspielern, witzige Drehbücher und unverschämte Dialoge habe. Außerdem wurde das Ganze schön umgesetzt und wir Zuschauer lieben es, „Reich und Schön“ beim Scheitern zuzuschauen.

 

Worin liegt der große Erfolg von „Vorstadtweiber“?

Trotz Überhöhungen der Charaktere sind alle Figuren menschlich geblieben, und so bieten sie Identifikationsmöglichkeiten an. Wenn man Pech hat, erkennt man sich selber wieder, oder man kann schadenfreudig darüber sein, dass man den Nachbarn wiedererkennt und sich denken: „Gott sei Dank ist mein Leben nicht ganz so schlimm.“

 

Der Tatort „Angezählt“ mit Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer hat heuer den renommierten „Grimme Preis“ für Qualitätsfernsehen in Deutschland abgeräumt. Was bedeuten Ihnen Auszeichnungen?

Anerkennung für mich und das gesamte Team. Durch eine Auszeichnung wird die mediale Präsenz größer. Das bedeutet mehr Zuschauer, aber auch, dass man interessantere Projekte bekommt, was natürlich alles karrierefördernd ist. 

 

Sie sind die erste Österreicherin, die in 40 Jahren bei einem „Tatort“ Regie geführt hat. Wie haben Sie das geschafft?

Mit Ausdauer und Beharrlichkeit habe ich darum gekämpft und dann gab es Menschen, die mir die Gelegenheit gegeben haben. Die Zeit ist reif, dass Frauen vermehrt Geschichten erzählen können, weil es sich auch das Publikum zunehmend wünscht.

 

 

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Erfolgs-Crew: Sabine Derflinger mit ORF-Programm-Chefin Kathi Zechner und dem "Vorstadtweiber"-Cast. (© ORF/Hans Leitner)

In Ihren Filmen wie „Geraubte Kindheit“ oder „Achtung Staatsgrenze“ beschäftigen Sie sich mit benachteiligten Menschen wie Schubhäftlingen und wohnungslosen Menschen. Wie sehr macht Sie die derzeitige Flüchtlingskrise betroffen? Können Sie sich vorstellen, auch darüber einen Film zu machen?

Ich würde nicht von einer Flüchtlingskrise sprechen, sondern von einer gesellschaftlichen Umwälzung und einer globalen Veränderung. Die Krise betrifft die Flüchtlinge, die aus einem Kriegsgebiet fliehen müssen. Wir haben eine Chance, diese Menschen aufzunehmen und zu integrieren. Das bedeutet Veränderung und das macht vielen Menschen Angst. Deshalb gibt es neben dem sozialen Engagement auch Unsicherheit und Politiker, die daraus Kapital schlagen. Einen Film in diesem Zusammenhang zu kreieren ist eine Herausforderung, eine Komödie wäre mir hier am liebsten.

 

Sie führten bei „Tatort“, „Vier Frauen und ein Todesfall“ und „Vorstadtweiber“ Regie. Kam mit den Fernsehserien im Hauptabendprogramm auch Ihr großer Durchbruch?

Fürs Fernsehen zu arbeiten bedeutet Kontinuität, ein breites Publikum und bringt einen als Filmemacherin weiter. Es ist eine große Chance und birgt Möglichkeiten für alles, was da noch kommen wird.

 

Was wird da noch kommen?

In der Zukunft sehe ich mich im internationalen Fernseh- und Filmgeschäft und es gibt Projekte, die in diesem Zusammenhang in Entwicklung stehen. Es ist aber noch zu früh, um etwas zu verraten.