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People | 23.06.2021

Von der Krise in die Offensive

LT1 ist in den vergangenen Jahren zum meistgesehenen Regionalsender Österreichs geworden. Die Krise hat Senderchef Dietmar Maier als Chance genutzt und sowohl die Nachrichtenschiene ausgebaut als auch neue TV-Formate entwickelt.

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© Dominik Derflinger

Oberösterreichs Regionalsender LT1 hat die Pandemie im März des Vorjahres eiskalt erwischt – nämlich mitten in den Umbauarbeiten der Sender-Räumlichkeiten. Doch Chef Dietmar Maier hat sich vom ersten Schock rasch erholt und aus der Not eine Tugend gemacht. Heute sagt er, dass es genau die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt waren. Persönlich hat er das vergangene Jahr ebenfalls genützt – um zu entschleunigen und zur Ruhe zu kommen. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Die Pandemie hat unser aller Leben verändert. Wie ist LT1 als meistgesehener Regionalsender Österreichs durch diese Krise gekommen?

Dietmar Maier: Nach dem ersten Schock im März, wo noch niemand wusste, wie es weitergeht, haben wir relativ schnell aus der Not eine Tugend gemacht. Mir war wichtig, dass wir diese Zeit für uns nutzen. Darum haben wir unter anderem die Nachrichtenschiene ausgebaut und neue TV-Formate entwickelt. Wobei uns der erste Lockdown wirklich eiskalt erwischt hat, weil wir ja nur wenige Wochen vorher im Jänner mit den Umbauarbeiten im Sender begonnen haben.

 

Ein Umbau dieser Dimension in Zeiten einer Pandemie – wie schwierig war dieses Unterfangen?

Ich habe erst einmal schwer geschluckt, weil dieser Umbau natürlich mit einer Riesen-Investition verbunden ist. Allerdings muss ich sagen, dass es – im Nachhinein betrachtet – genau der richtige Zeitpunkt war. Glücklicherweise ist die Baustelle nur etwa ein bis zwei Wochen stillgestanden, dann sind die Arbeiter wiedergekommen und Ende Juli war tatsächlich alles fertig.

 

War das die beste Entscheidung, nach dem ersten Schock in die Offensive zu gehen und die Krise als Chance zu nützen?

Ja, definitiv! Es war die beste und richtige Entscheidung. Ich zitiere nur ungern andere Menschen, aber Winston Churchill hat einmal gesagt, dass man nie eine Krise ungenutzt verstreichen lassen soll. Und das ist auch meine Devise. Wir haben das beste Szenario genauso durchgerechnet wie das Worst Case Szenario – und nach letzterem habe ich mich gerichtet. Für mich war klar, dass uns nichts passieren kann, weil das Unternehmen gesund gewachsen ist und seit Jahren auf soliden Beinen steht. 

 

Die neuen Räumlichkeiten des Senders sind hell, modern, mit viel Glas und Holz. Wie ist das Arbeiten jetzt für euch?

Großartig! Der Umbau ist ja notwendig geworden, weil unsere Mitarbeiterzahl ständig gewachsen ist und wir in den Büros zum Schluss beinahe wie in Legebatterien gesessen sind. Mir war wichtig, dass sich alle hier wohl und daheim fühlen können – von den Mitarbeitern bis zu den Menschen, die zu uns kommen. Wir wollten den urbanen Charakter behalten, gleichzeitig modern, digital und bodenständig oberösterreichisch sein. Regionalität spielt bei uns eine sehr große Rolle. Darum haben wir zum Beispiel viel mit Holz gemacht. Unser Architekt aus Grieskirchen hat auch eine Tischlerei und sämtliche Möbel für uns angefertigt. Das hat für mich mit Wertschätzung gegenüber den Kollegen und Mitarbeitern zu tun. Sie sind uns das wert. Hier zu sparen wäre der falsche Weg. 

 

Wäre auch ein Neubau an einem anderen Standort infrage gekommen oder fühlt sich das LT1-Team im Linzer Hafen recht wohl?

Für uns war klar, dass wir im Hafen bleiben wollen – zumal in dieses Gebiet gerade 150 Millionen Euro investiert werden. Geplant sind eine Art Aussichtsturm sowie Cafés und Restaurant. Wir möchten Teil dieses Hafens sein! Weil es künftig zum Beispiel auch möglich sein wird, im Rahmen einer Führung unseren Sender zu besichtigen und einen Blick hinter die Kulissen bei LT1 zu werfen. 

 

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© Dominik Derflinger

Sie haben vorhin neue TV-Formate angesprochen, dazu zählt auch der „Talk im Paneum“, den es seit mehr als einem halben Jahr gibt. Wie kommt diese Sendung bei den Zuschauern an?

„Talk im Paneum“ ist eine Sendung, die wir gemeinsam mit backaldrin-Chef Peter Augendopler in dessen Erlebniswelt in Asten machen und die jeden zweiten Samstag stattfindet. Dabei sprechen wir mit interessanten Persönlichkeiten über deren Lebensgeschichten. Wir hatten zum Beispiel bereits Bundespräsident a. D. Heinz Fischer ebenso zu Gast wie Bischof Manfred Scheuer. Mit 140.000 Sehern hat uns dieses Format eine Quote beschert, von der wir nicht zu träumen gewagt hatten. 

 

Warum, glauben Sie, ist diese Sendung so erfolgreich?

Ich denke, dass die Menschen seit der Pandemie wieder mehr zuhören. Unsere Gäste erzählen aus und von ihrem Leben und berichten auch davon, wie es ihnen mit der aktuellen Situation geht und wie sie damit umgehen. Das ist etwas sehr Positives und kommt bei den Zusehern offenbar gut an. 

 

Sie sind seit 2017 Chef von LT1. In dieser Zeit hat der Sender ein Seherplus von 30 Prozent geschafft und ist zum erfolgreichsten und meistgesehenen Regionalsender in ganz Österreich geworden. Erfüllt Sie das – bei aller Bescheidenheit – mit Stolz?

Natürlich macht es mich stolz, weil ich dieses Ziel immer vor Augen hatte, aber niemals damit gerechnet habe, es so rasch zu erreichen. Mir ist aber sehr wichtig, bei all diesen Erfolgen immer auch demütig zu bleiben. Es ist das gute Programm, das wir gemeinsam machen, das uns erfolgreich macht. 

 

Wie haben Sie das vergangene Jahr persönlich erlebt? Sie sind ja bei der Musikkapelle in Ihrem Heimatort und haben beim Wirten einen Stammplatz …

Für einen Blasmusiker ist es das Schlimmste, wenn er nicht spielen darf (lacht). Das war wirklich hart, glücklicherweise dürfen wir jetzt zumindest wieder in kleineren Gruppen und draußen gemeinsam musizieren. Den Stammtisch haben wir virtuell abgehalten, aber das ist halt einfach nicht dasselbe, als wenn man zusammen an einem Tisch sitzt. Darum habe ich auch als Erstes gleich bei unserem Wirt angerufen und einen Tisch reserviert, als klar war, dass die Gastronomie mit 19. Mai wieder aufsperren darf! Allerdings hatte die Pandemie für mich nicht nur negative Seiten .... 

 

Was sind die für Sie positiven Seiten?

Ich hatte viel Zeit für mich selbst und so viele freie Abende wie seit Langem nicht mehr, weil es ja keine Abendveranstaltungen gegeben hat. Ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbracht, insbesondere mit meinen kleinen Nichten und meinem Neffen. Das genieße ich sehr. Außerdem mache ich Yoga und meditiere. Durch die Pandemie bin ich wirklich zur Ruhe gekommen und habe entschleunigt, allerdings freue ich mich jetzt schon wieder sehr auf den persönlichen Kontakt, der in unserem Job das Um und Auf ist.