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People | 27.04.2020

Vom Solokünstler zum Teamplayer

Julian le Play begeistert mit seinen gefühlvollen-szenischen Songs seit Jahren die deutsche Musikszene. Als er vor knapp zwei Jahren vor einer Schaffenkrise stand, zögerte er nicht lange und holte sich prompt musikalische Verstärkung. Herauskam das neue Album „Tandem“.

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© Danny Jungslund

Als Julian le Play 2018 von seiner letzten großen Tour heimkam, musste er bemerken, dass die Ideen für neue Songs ausblieben. Da stand für den 28-Jährigen fest: Wenn es nicht alleine geht, dann eben gemeinsam. Prompt ließ er sich vom Film „Der Ja-Sager“ inspirieren und stimmte jeglicher musikalischer Kooperation zu. Aus dieser intensiven Zeit bleibt mehr als nur ein Album. Neben „Tandem“ bezog Julian gemeinsam mit Session-Partnern die Villa lala, bei der sie eine alte Botschaftsvilla in Wien zu einem künstlerischen Zuhause umfunktionierten. Im Interview erzählt uns der sympathische Musiker, worauf es beim gemeinsamen musizieren ankommt und wie er auf den Namen „le Play“ kam.

 

Oberösterreicherin: Im Sommer erscheint Ihr neues Album „Tandem“. Was war die Idee dazu? 

Julian le Play: Die Idee war nicht sofort da. Erst mit jedem Song ist mir dann klarer geworden, um was es bei dem Album geht. Nämlich um das Gemeinsame. Wie viele wissen, habe ich meine Songs zuvor im Alleingang produziert. Dieses Mal habe mich vom Film „Der Ja-Sager“ inspirieren lassen und habe jeder Kooperation zugestimmt. Nach zwei Jahren hatte ich mein „Dreamteam“ zusammen, und wir haben begonnen zu produzieren. 


Wie war es für Sie, gemeinsam mit Freunden und Kollegen an neuen Songs zu arbeiten? 

Das war ein unglaublich tolles Gefühl. Gerade weil Songs in der Gruppe zu produzieren, etwas sehr Intimes ist. Dabei habe ich auch gemerkt, dass Harmonie eine große Rolle spielt. Wenn es Zwischenmenschlich nicht passt, kommt selten ein guter Song heraus. 


Hatte es bestimmte Gründe, warum Sie nicht schon vorher mit anderen Musikern zusammengearbeitet haben? 

Ich denke, für mich war es vorher wichtiger, zunächst herauszufinden, wer ich sein will und was ich erzählen will. Jetzt war für mich der richtige Zeitpunkt gekommen um mich musikalisch weiterzuentwickeln.  


Was ist neben den Kooperationen noch neu an dem Album? 

Dadurch dass das Album von vielen Musikern inspiriert wurde, ist es soundtechnisch sehr bunt. Es ist weniger melancholisch, dafür kommen zum ersten Mal elektronische Klänge vor. Die Texte sind und bleiben aber mein Spezialgebiet.

 

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TEAMWORK. Für das neue Album holte sich Julian mit Kollegen und Freunden musikalische Verstärkung. © Danny Jungslund

Was steckt hinter dem Albumnamen? 

Beim Namen war es mir besonders wichtig, dass die gemeinsame Arbeit hinter dem Album hervorgehoben wird. „Tandem“ passte also perfekt.  


Gibt es einen Song auf dem Album, den Sie besonders gerne mögen? 

Einer meiner Lieblingssong ist „Millionär“, da er so motivierend ist. Hier ist es mir auch zum ersten Mal gelungen, die elektronische Seite in einen deutschen Popsong reinzubringen.


Nach welchen Kriterien wählen Sie die Songs aus, die neben dem Album noch als Single erscheinen? 

Damit mache ich mich immer verrückt (lacht). Aber meistens gehe ich danach vor, was mir gefällt und was ich will, dass von mir übrig bleibt. 


Für den Song „Hellwach“, haben Sie sich mit Toskï musikalische Verstärkung geholt. Wie kam es dazu?

Als ich den Song geschrieben habe, war es noch kein Duett. Eines Tages wurde ich dann durch ein Instagram-Bild auf Toksï aufmerksam. Ich mochte schon immer ihre Musik und da ohnehin bereits die Überlegung für ein Duett im Raum stand, schrieb ich ihr kurzerhand. Ihr gefiel die Idee sofort, jedoch war sie gerade mitten auf einer Weltreise. Letztendlich habe ich ihr dann ein Studio in Kambodscha organisiert und wir haben via Skype das Duett produziert.  


Wie viel Autobiografisches findet sich in Ihren Songs? 

Ich würde sagen 60 Prozent, der Rest ist reine Fantasie. Wobei sich oft beides vermischt. Bei Songs wie „Hellwach“ zum Beispiel ist die Geschichte frei erfunden, aber die Gefühle dahinter sind echt. Die Geschichten zu „Mein Anker“ oder „Sterne“ sind wiederum tatsächlich so passiert.


Werden Sie oft auf der Straße angesprochen? 

Ja, eigentlich fast jeden Tag, aber immer sehr höflich. Die meisten fragen nach einem Foto.


Wie pflegen Sie die Beziehung zu Ihren Fans? 

Ich gehe gerne nach den Konzerten zu den Fans, um mit ihnen plaudern und Autogramme zu geben. 


Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben? 

Ich sehe meine Musik als szenische, motivierende und fantasievolle Geschichten, die einem vom Alltag in eine andere Welt entführen. 

 

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BUNTER SOUNDMIX. Neben melancholischen Tönen sind die Songs erstmals elektronisch angehaucht. © Danny Jungslund

Sie schreiben viel über das Reisen, ferne Länder und Abenteuer. Was fasziniert Sie daran? 

Wenn ich reise, merke ich eine positive Veränderung in mir. Man realisiert, wie viele schöne Plätze es auf der Welt gibt und gleichzeitig merkt man bei Ländern wie Indien, wie unbedeutend oft unsere Probleme sind. 


Für das Songschreiben verreisen Sie gerne. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Orte aus? 

Das ist ganz unterschiedlich. Bei meinem letzten Album zum Beispiel habe ich mir bewusst Städte in Europa ausgesucht, die ich noch nicht kannte. Für dieses Album suchten wir nach Abgeschiedenheit. Die Berghütte in Tirol bot sich dabei ideal an.   


Wie kam es letztendlich zum Entschluss Ihre Songs auf Deutsch zu produzieren? 

Mein damaliger Produzent brachte mich auf die Idee, da er meinte, dass der Markt für deutsche Musik überschaubarer ist. Als ich dann meinen ersten deutschen Song schrieb, kam ich sofort auf den Geschmack.


Sie waren bereits mehrmals in Aus­tralien. Was verbinden Sie mit dem Land? 

Viele schöne Erinnerungen. Mit 16 habe ich dort für ein Jahr eine Schule besucht und viele Freundschaften geschlossen. In Australien habe ich auch begonnen, Musik zu machen und bin in verschiedenen Bars aufgetreten. 


Mit richtigen Namen heißen Sie Julian Heidrich. Wie sind Sie zum Künstlernamen „le Play“ gekommen? 

Als ich mit 18 Jahren begonnen habe, Politikwissenschaften zu studieren, lernten wir in einer Vorlesung etwas über einen gewissen Frederique le Play. Mir gefiel der Namen auf Anhieb. Dies war auch die letzte Vorlesung, die ich besucht habe, bevor ich mich der Musik widmete.

 

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MUSIKTIPP. Das neue Album „Tandem“ erscheint im Sommer. © Danny Jungslund