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People | 05.02.2018

Vom Background ins Rampenlicht

Mit ihrem Lied „Wie a Kind“ war Ina Regen (33) im Vorjahr die Senkrechtstarterin der heimischen Musikszene und hat viele von uns zum Nachdenken angeregt. Im Interview verrät die smarte Gallspacherin, die in Wien lebt, dass ihre neue Single „Paris“ bereits im März auf den Markt kommen wird.

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Ina Regen im Outfit von der aus Linz stammenden Designerin Susanne Bisovsky. (© Sarah Katharina Photography)

Zum Covershooting der Oberösterreicherin kommt Ina Regen direkt aus Berlin angereist. Denn auch von unseren deutschen Nachbarn ist die steile Solokarriere der begnadeten Sängerin nicht unbemerkt geblieben. Mit ihrer Gänsehaut-Ballade „Wie a Kind“ wagte die Powerfrau nun endlich den Schritt vom Background ins Rampenlicht. Denn jahrelang hat sie mit ihrer Stimme Stars wie Marianne Mendt, The Makemakes oder Conchita Wurst begleitet, ehe sie sich Ende des Vorjahres mit ihrem Mundart-Song von einem Tag auf den anderen in die Herzen der Nation gesungen hat. Derzeit arbeitet Ina Regen an ihrem Soloalbum sowie an ihrer neuen Single „Paris“, die im März – natürlich im Dialekt – erscheinen wird.

 

Ina, wie war dein Aufwachsen im oberösterreichischen Gallspach?

Sehr idyllisch und abenteuerlich! Ich bin die jüngste von drei Geschwistern und wir haben viel in der freien Natur und im Wald gespielt.

 

Kommst du aus einer musikalischen Familie?

Ja, ich komme aus einer sehr musikbegeisterten Familie. Meine Eltern haben im örtlichen Volksliedchor gesungen, der einmal die Woche bei uns zuhause geprobt hat. Ich bin immer bei meiner Mama am Schoß gesessen und habe begeistert zugehört. Wir haben auch innerhalb der Familie viel musiziert, und meine Geschwister und ich haben die Musikschule besucht.

 

War es für dich immer schon klar, auch beruflich etwas mit Musik zu machen?

Als Teenager bin ich in die Musicalwerkstatt in Wels gegangen und bekam gleich nach der ersten Probe die Hauptrolle. Das war eine unheimlich schöne Zeit, in der ich gemerkt habe, dass auf der Bühne zu stehen wie Heimkommen für mich ist. Am Ende meiner Schulzeit habe ich gefühlt, dass ich Profimusikerin werden möchte. Das hat zuhause schon für Diskussionen gesorgt, denn natürlich hatten meine Eltern Bedenken. Trotzdem haben sie mich immer ganz toll unterstützt. Nach der Matura habe ich ein Jahr Sozialwirtschaft studiert, bevor ich heimlich die Aufnahmeprüfung an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz gemacht habe. Als man mich dann aufgenommen hatte, war klar, dass ich mit nichts anderem meine Zeit verbringen will als mit Musikmachen. In diesem Zeitraum habe ich auch bei der Marianne Mendt Jazzförderung mitgemacht. Marianne Mendt hat mich als eines ihrer Talente gefördert und zu Auftritten mitgenommen.

 

War das auch ein Grund für dich, nach Wien zu gehen?

Obwohl ich in Oberösterreich nach meinem Studium viele Aufträge hatte, habe ich schnell gemerkt, dass es künstlerisch gesehen in Wien viel mehr Möglichkeiten gibt. Damals hat auch meine erste Zusammenarbeit mit dem ORF in Wien begonnen.

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Die Sängerin im Spitzenkleid von Susanne Bisovsky. (© Sarah Katharina Photography)

Du hast als Background-Sängerin für viele Promis gesungen. Was hat dich dazu bewogen, nun eigene Sache zu machen?

Diese Sehnsucht, meine eigenen Gedanken und mein Leben zum Ausdruck zu bringen, war immer schon vorhanden. Ich habe meine ersten Songs mit 15 Jahren geschrieben. Obwohl ich mit dem, was ich gemacht habe, recht erfolgreich war, hat mich mein 30. Geburtstag zum Nachdenken angeregt. Da war diese Sehnsucht und das Bedürfnis, etwas Eigenständiges zu machen. Ich wollte einfach wissen, wo ich mit meiner Musik stehe. Und so bin ich vom englischen Songwriting zum Deutschen gekommen und schlussendlich beim Dialekt gelandet. Und plötzlich war mir klar, dass ich nie wieder etwas anderes machen möchte.

 

Wie ist dein Erfolgssong „Wie a Kind“ entstanden?

Ich habe den Song zu einer Zeit geschrieben, als es beruflich bestens gelaufen ist. Die Zusammenarbeit mit Conchita hatte sich angekündigt und alles, was ich mir vorgenommen hatte, hat sich erfüllt. Trotzdem habe ich gespürt, dass mir etwas fehlt. Bei einem Spaziergang war dann wieder diese brennende Sehnsucht nach etwas Eigenem in mir. Aber: Wie fängt man das an, war meine erste Frage. Und genau mit diesem Satz fängt auch mein Lied „Wie a Kind“ an. Diese Leichtigkeit und diesen Flow, den man als Kind hat, um sich selbst zum Ausdruck zu bringen, genau das habe ich vermisst, und davon handelt auch das Lied.

 

Wie geht man es nun wirklich an?

Einen Tag nachdem ich „Wie a Kind“ geschrieben hatte, traf ich zufällig meinen Freund, den Produzenten Florian Cojocaru. Ich habe ihm mein Lied vorgespielt, und nach nur acht Takten hat er gewusst, dass er es gemeinsam mit mir produzieren möchte. Ganz ehrlich: Im Moment habe ich das Gefühl, mitten in einem Märchen zu sein. Das, was mir gerade passiert, das wünscht sich jeder, und trotzdem kann man das nicht planen.

 

Hast du damit gerechnet, dass der Song ein derartiger Erfolg wird?

Nein, überhaupt nicht. Das war eine totale Überraschung, die mich sehr glücklich macht.

 

Wie war es, als du deinen Song das erste Mal auf Ö3 gehört hast?

Eines Tages hat mich Andi Knoll von Ö3 angerufen und mir mitgeteilt, dass er meinen Song spielen wird. Und genauso war es auch. Den Moment, als ich „Wie a Kind“ zum ersten Mal im Radio gehört habe, kann man nicht in Worte fassen. Es fühlt sich an, als würde man seinen kleinen großen Träumen beim Wachsen zuschauen.

 

Der Song wurde im Radio auf- und abgespielt. Was hat sich für dich seither verändert?

Sehr viel. Ich war immer schon sehr aktiv und habe viel gearbeitet, aber im Moment geht‘s besonders rund. Deshalb habe ich kurz vor Weihnachten meinen langjährigen Job als Musikschullehrerin in Vöcklabruck gekündigt, um mich ganz auf meine Solokarriere konzentrieren zu können. Alles auf eine Karte – das ist schon eine sehr einschneidende Veränderung.

 

Wie haben deine Schüler reagiert?

Viele haben gemeint, dass sie damit gerechnet haben – was eine schöne Bestätigung für mich ist. Natürlich wächst man mit den Schülern zusammen. Das werde ich vermissen.

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© Sarah Katharina Photography

Für unser Covershooting bist du aus Berlin angereist. Ist Deutschland auch an deiner Musik interessiert?

Ja, es gibt bereits einige Radiostationen, die meinen Song spielen und Ina Regen als neuen Act präsentieren.

 

Vor Weihnachten warst du als Background-Sängerin mit Conchita im Musiktheater in Linz und hast dort deinen Song präsentiert. Was ist es für ein Gefühl, nahe der Heimat auf der Bühne zu stehen?

Es war wunderschön, weil auch meine Eltern dabei waren. Ich habe ihnen aber nicht verraten, dass ich „Wie a Kind“ singen werde. Als der Flügel auf die Bühne gebracht wurde und ich zu singen begann, sind meiner Mama die Tränen gekommen. Das war ein klassischer Bilderbuchmoment.

 

Noch heuer wird dein neues Soloalbum erscheinen und schon im Frühling deine nächste Single mit dem Titel „Paris“. Worauf dürfen wir uns freuen?

Die Themen, die mich bewegen, sind die aktive Suche nach dem Glück und das Mitgestalten des eigenen Lebens. Und in diesem Stil geht es weiter – und natürlich auch im Dialekt. Es bleibt ein bisschen melancholisch, aber es hat die Hoffnung von Morgenröte (lacht).

 

Wirst du auf der Straße von Fans erkannt?

Eher selten … Aber ob das so bleiben wird, wenn ich jetzt auf dem Cover der OBERÖSTERREICHERIN bin (lacht), das wird sich dann erst zeigen. 

 

Und wie reagieren die Menschen in Gallspach auf deinen Erfolg?

Einfach großartig! Im Dezember habe ich in der Kirche gesungen, die für circa 300 Menschen Sitzplätze hat. Ich glaube, es waren fast 600 Leute da. Es wurden extra Sessel gebracht, viele Leute sind gestanden, rund um mich herum. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, zu Hause so empfangen zu werden.

 

Wie schaut dein Alltag derzeit aus?

Ich würde mal sagen, jeder Tag ist ein Überraschungsei! Dann esse ich die Schokolade und schaue, was noch drinnen ist (lacht). Nein, Spaß beiseite, ich bin viel unterwegs, und mein Handy scheppert dauernd. Mein Schwerpunkt liegt derzeit allerdings in der Studioarbeit. Wir schreiben an Songs für mein Album, und ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mir Zeit zum Musikmachen zu nehmen.

 

Wie schaltest du vom Alltag ab?

Was mich sehr nährt, ist das Kochen. Ich gehe gerne am Biomarkt einkaufen und lade Freunde zum Essen ein. Außerdem mache ich einmal am Tag Yoga.

 

Wie schwierig ist es, als freischaffende Künstlerin zu leben?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe hart gearbeitet und viel Glück gehabt. Deshalb habe ich für mich persönlich entschieden, dass das Leben immer so leicht oder schwer ist, wie ich es mir selber mache. Meine Motivation war immer, dass ich in erster Linie Musik machen will. Darum hat es mich auch nie gestört, in der zweiten Reihe zu stehen. Also ja, es ist ein harter Beruf, ein sehr individueller Weg. Man muss sein Leben fest in beiden Händen halten, damit man nicht verloren geht. Aber ich könnte mir für mich nichts Schöneres vorstellen.

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© Sarah Katharina Photography