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People | 01.05.2018

Vier Frauen, vier Leben, eine Familie

Ur-Oma Josefa Hausleitner (99), deren Tochter Erika Baudisch (69), deren Tochter Christine Rührlinger (48) und deren Tochter Franziska Rührlinger (20). Ergibt zusammen 236 gelebte Jahre voll Liebe, Lachen und Freude. Anlässlich des Muttertages haben wir die vier Power-Ladys zum Generationen-Talk getroffen.

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Den Muttertag feiern die vier Frauen am liebsten gemeinsam (v. l.): Christine Rührlinger, Josefa Hausleitner, Erika Baudisch und Franziska Rührlinger (© Stefan Beiganz)

Geballte Frauenpower – zwei Wörter, die gern als Floskel missbraucht werden. Im Haus von Christine Rührlinger, Chefin des Brautmodengeschäfts „Hänsel & Gretel“, wird Frauenpower hingegen tatsächlich gelebt. Denn die Frauen in dieser Familie sind modern, selbstbewusst, attraktiv und erfolgreich – von der Großmutter, Firmengründerin Erika Baudisch, bis hin zur Enkelin Franziska Rührlinger, die in Innsbruck Psychologie studiert. Mit diesen drei Frauen wollten wir anlässlich des Muttertags ein Generationengespräch machen. Bis wir erfahren haben, dass es noch eine Vierte im Bunde gibt: die Urli-Oma Josefa Hausleitner. Sie feierte im Februar ihren 99. Geburtstag und ist für dieses Alter noch sehr rüstig. Nur mit dem Hören tut sie sich schon recht schwer.

Wir trafen die vier Ladys im Haus von Familie Rührlinger in Buchkirchen bei Wels. Bei Kaffee und Bananenschnitte wurde darüber geplaudert, wie sich die Rolle der Mutter von Generation zu Generation verändert hat, was Mama und Tochter so besonders macht und wofür sie ihrer Mama ganz besonders dankbar sind.

 

Vier Generationen Frauen an einem Tisch versammelt – das erlebt man nicht jeden Tag. Ist das auch für Sie etwas Besonderes?

Erika Baudisch: Auf jeden Fall. Wenn ich daran denke, dass der Vater meines Mannes schon sehr früh verstorben ist, ist es ein Geschenk, hier noch mit meiner 99-jährigen Mutter sitzen zu können.

 

Frau Hausleitner, wie war Ihr Aufwachsen damals vor fast 100 Jahren?

Ich bin im Bauernhaus meiner Eltern in Gunskirchen aufgewachsen, mit drei Geschwistern, die aber nicht mehr leben. Meine Mutter ist gestorben, als ich drei Jahre alt war. Diese Zeit habe ich nicht in guter Erinnerung. Später habe ich geheiratet, wir haben ein Haus gebaut und unsere Töchter bekommen.

Wie war das Muttersein damals?

Josefa Hausleitner: Es war schön,  und es hat alles recht gut funktioniert.

Erika Baudisch: Meine Schwester und ich waren offenbar sehr brave Kinder (lacht).

 

Wie war es eine Generation später für Sie, Frau Baudisch?

Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen eigen an, aber als meine drei Kinder klein waren, hatte ich tatsächlich Zeit und auch Lust, beruflich etwas auszuprobieren. Mein Mann hat mich sehr unterstützt, so habe ich ein Geschäft für Secondhand-Kindermode in Gunskirchen eröffnet. Das ist allerdings nicht so gut gelaufen, bis mir eine Dame ein Brautkleid zum Verkaufen brachte. Es folgte eine zweite und eine dritte ... Daraufhin habe ich die Kindermode aus dem Sortiment genommen und mich auf Brautmode konzentriert. Aus dieser Zeit stammt auch noch der Name „Hänsel & Gretel“.

 

Hat Ihre Mutter Sie dabei auch unterstützt?

Erika Baudisch: Ja, wobei wir mit „Hänsel & Gretel“ sehr klein angefangen haben und die Mutti lange selbst berufstätig war und im Gasthaus meiner Schwester in Gunskirchen mitgearbeitet hat.

 

Aus dem kleinen Secondhandladen ist Österreichs größtes Braut- und Festtagsmodengeschäft entstanden, das Sie heute leiten, Frau Rührlinger. Wann sind Sie ins Unternehmen eingestiegen?

Christine Rührlinger: Das war 1993, als wir zusätzlich zum Hauptgeschäft „Hänsel & Gretel“ in Gunskirchen den Linzer Brautsalon in Linz-Urfahr eröffnet haben.

 

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Franziska Rührlinger mit ihrer Urli-Oma (© Stefan Beiganz)

 

War es für Sie immer schon klar, dass Sie bei „Hänsel & Gretel“ einsteigen werden?

Christine Rührlinger: (lacht) Nein, gar nicht. Ich bin ausgebildete und diplomierte Gesundheitstrainerin und habe in diesem Beruf auch gearbeitet, bis meine Mutter jemanden für die Leitung des Linzer Geschäfts gesucht hat. Das konnte ich mir gut vorstellen. Und dabei sind mir auch meine Ausbildungen in Visagistik sowie Farb-, Typ- und Stilberatung zugutegekommen.

 

Frau Baudisch, wie war es für Sie, die Tochter im Unternehmen zu haben?

Toll! Ich habe mich sehr über diesen Schritt gefreut.

 

Franziska, können Sie sich auch vorstellen, einmal ins Familienunternehmen einzusteigen?

Ich studiere im Moment Psychologie in Innsbruck, aber ich kann mir durchaus vorstellen, später in unser Unternehmen einzusteigen. Mein Bruder (Anm. d. Red.: Florian, 23, studiert Jus) und ich haben schon darüber gesprochen. Möglicherweise übernehmen wir ja beide das Geschäft. Aber wir haben da noch keinen fixen Plan.

Christine Rührlinger: Mir ist am liebsten, wenn beide Kinder eine Ausbildung absolvieren, die ihnen Spaß macht. Sie sollen beruflich einmal das machen, was sie wirklich wollen. Ich bin noch zu jung, um jetzt schon intensiv über eine Nachfolge nachzudenken. Mal schauen, wie es sich ergibt. Wenn die Kinder es wollen, haben beide grundsätzlich eine Ausbildung, mit der sie das Geschäft führen können. Franziska begleitet mich schon jetzt zu den Messen und betreut unseren Social-Media-Auftritt. Mit ihrem jungen Stil bringt sie einen frischen Wind ins Unternehmen. Florian unterstützt uns bei den statistischen Aufzeichnungen.

 

Wie ist es, wenn Mutter und Tochter gemeinsam im Unternehmen arbeiten? Hat das gut funktioniert?

Christine Rührlinger: (lacht) Nicht immer, aber im Großen und Ganzen hat es recht gut gepasst.

Erika Baudisch: Christine und ich haben viele Jahre gut zusammengearbeitet. Natürlich gab es hin und wieder Meinungsverschiedenheiten, aber ich denke, das ist ganz normal.

 

Vier Generationen an einem Tisch – was haben Sie von der jeweiligen Mutter gelernt?

Franziska Rührlinger: Ich habe sehr viel Selbstbewusstsein von meiner Mama mitbekommen. Ich habe immer gespürt, dass wir Kinder wichtig sind. Und auch meine Omi und die
Urli-Oma haben mich immer unterstützt. Familie ist mir sehr wichtig.

Erika Baudisch: Meine Mama war immer sehr dominant, und ich fürchte, dass ich das daheim auch ein bisschen bin. Das setzt sich halt irgendwie fort. Die Mutti war immer berufstätig und hat sehr viel gemanagt, mein Vater hat sich meistens untergeordnet. Bei uns in der Familie haben die Frauen ein bisschen die Hosen an (lacht).

Christine Rührlinger: Wir arbeiten in einer frauendominierten Branche. Abgesehen von den Herren, die bei uns einkaufen, haben wir im Geschäft vor allem mit Frauen zu tun. Und wir erleben täglich, wie viel Einfluss Frauen auf ihre Männer haben. Beim Aussuchen und Einkaufen, überall ist eine weibliche Unterstützung dabei und die weibliche Meinung ist gefragt.

 

Was hat sich von Generation zu Generation bei Ihnen verändert?

Erika Baudisch: Uns ist es damals finanziell nicht so gut gegangen wie heute. Mit drei Kindern mussten wir unheimlich sparen.

Christine Rührlinger: Aber es hat uns an nichts gefehlt. Wir waren immer auf Urlaub und Ski fahren. Wir konnten alles machen.

 

Wie schaut es mit dem Strengsein aus?

Erika Baudisch: Ich glaube, wir waren nie strenge Eltern, oder?

Christine Rührlinger: Das stimmt, da war ich als Mutter um Klassen strenger. Franziska und Florian durften viel weniger als ich früher.

Franziska Rührlinger: Was das Fortgehen betrifft, war die Mama schon ziemlich streng. Aber im Nachhinein betrachtet, hatte sie recht. Man versäumt eh nichts (lacht).

Christine Rührlinger: Als ich ein Kind war, war alles noch ein bisschen freier. Ich hab zur Mutti gesagt: Ich gehe zu meiner Freundin, wenn es finster wird, komm ich wieder heim. Für viele Eltern wäre das heute unvorstellbar. Die bringen ihre Kinder jeden Tag mit dem Auto in die Schule. Das habe ich übrigens nie gemacht.

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Innig und Dankbar. Erika Baudisch mit ihrer Mutti Josefa, die im Februar ihren 99. Geburtstag gefeiert hat. (© Stefan Beiganz)

 

Wofür sind Sie Ihrer Mutter dankbar?

Christine Rührlinger: Meine Mutter hatte immer eine gewisse Gelassenheit, Güte und Größe, uns Kinder so sein zu lassen, wie wir sind. Und zwar, ohne uns zu gängeln. Das schätze ich, und das hat mir in meiner Weiterentwicklung sehr geholfen.

Franziska Rührlinger: Ich kann mit meiner Mama  über alles reden und werde nie be- oder verurteilt, dafür bin ich ihr dankbar.

 

Sehen Sie sich oft?

Erika Baudisch: Bei Festen und Anlässen auf jeden Fall und zwischendurch auch immer wieder.

Christine Rührlinger: Franziska fährt sogar regelmäßig mit der Mutti, also mit ihrer Oma, auf Urlaub.

 

Wohnt die Urli-Oma auch hier im Haus?

Erika Baudisch: Nein, sie lebt bei meinem Mann und mir in Gunskirchen. Sie braucht Pflege und Unterstützung. Wenn ich nicht da bin, kümmert sich mein Mann sehr liebevoll um sie. Außerdem kommt meine Schwester jeden Tag vorbei und spielt mit ihr Karten. Das mag sie recht gern.

 

Warum sind Sie auf Ihre Tochter stolz?

Christine Rührlinger: Franziska ist einfach ein perfektes Kind – da passt alles! Sie war schon als Baby so was von unkompliziert und unproblematisch, sie war immer fröhlich. Unser Sohn Florian übrigens auch!

Franziska Rührlinger: Das hängt sicher auch damit zusammen, dass uns die Mutti viel mit ins Geschäft genommen hat. Wir waren immer dabei.

Christine Rührlinger: Ihre ersten beiden Lebensjahre war Franziska viel mit im Geschäft. Heute
ist sie ein sehr gerader Mensch, der überall beliebt ist. Wenn sie einen Raum betritt, dann füllt sie ihn mit ihrer positiven Energie. An Rückschlägen verzweifelt sie nicht, sondern macht einfach weiter.

Erika Baudisch: Ich bin sehr stolz auf Christine, weil sie ein absolut fröhlicher und lebendiger Mensch ist. Sie hat ein gutes Gefühl für ihre Umgebung und die Menschen. Sie ist ehrgeizig und kann Mitarbeiter auch strategisch sehr gut führen. Und zudem ist sie eine bildhübsche Frau ...

Christine Rührlinger: (lacht) Da geht es uns allen gut, wir sind mit unseren Genen gesegnet.

 

Und warum sind Sie auf Ihre Tochter stolz, Frau Hausleitner?

Josefa Hausleitner (schaut Erika Baudisch an): Weil du dich um mich sorgst und auf mich schaust. Ich wünsche mir, gesund zu bleiben und noch viel Freude mit euch zu haben. Ich bin stolz auf euch alle!