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People | 26.02.2019

Veritas by Hofinger

Als Melanie Hofinger während einer Asien-Reise vom drohenden Aus der Linzer Veritas Buch- und Kunsthandlung erfuhr, entschied die 25-Jährige am Flughafen in Hongkong nach kurzer Überlegung: Ich übernehme.

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RETTENDER ENGEL: Melanie Hofinger sichert mit jungen 25 Jahren den Fortbestand der traditionsreichen Buch- und Kunsthandlung in der Linzer Harrachstraße. (Mathias Lauringer – Studio 365)

Von der Angestellten zur Jungunternehmerin: Melanie Hofinger ist seit Herbst Inhaberin der neuen „Veritas by Melanie Hofinger“ und damit Nachfolgerin der traditionswürdigen Veritas Buch- und Kunsthandlung in Linz, die vor allem wegen ihrer Kompetenz auf dem Gebiet der Religion und Theologie einen Namen hat. Einst war die Buchhandlung in Kirchenbesitz, bevor Veritas 1982 Teil des Landesverlages und 1996 von der deutschen Cornelsen Verlagsholding Berlin erworben wurde. Als Veritas zuletzt das Konzept voll und ganz auf Schulbücher ausrichtete, drohte dem Standort in der Linzer Harrachstraße 2018 die Schließung. Warum sie das Aus nicht akzeptieren wollte und sich aus Verantwortungsgefühl ihren Kollegen und Mitarbeitern gegenüber entschloss, die religiöse Buchhandlung zu übernehmen, stellt die in Asten lebende Melanie Hofinger, die an der JKU Jus studiert hat, fünf Jahre als Commercial Manager in einem schwedischen Möbelhaus arbeitete und im März 2017 zum Veritas-Team gestoßen ist, im persönlichen Gespräch dar.

 

Die Veritas Buchhandlung in Linz wurde im Oktober als „Veritas by Melanie Hofinger“ neu eröffnet. Was hat Sie im zarten Alter von 25 Jahren zu dem Management-buy-out bewogen?

Kurz gesagt: persönliche Emotionen, die mich und die Buchhandlung in einem Jahr als Angestellte und in der Verkaufsleitung miteinander verbunden haben.

 

Wie haben Sie einige Monate zuvor auf die geplante Schließung reagiert?

Da ich gerade einmal ein Jahr Teil des Teams war bzw. gemeinsam mit dem Standortleiter das Team führen durfte, war das für mich der Schock des Lebens. Gerade als ich meinen Asien-Urlaub antrat, dachte ich, die He­rausforderungen wären überwunden gewesen. Wir waren als Team auf einem tollen Weg, und den wollte ich nicht so hinschmeißen. Meine erste Reaktion war sehr emotional – wie bei jedem anderen, der erfährt, dass er sich einen neuen Job suchen muss. Als ich meinen besten Freund anrief, stellte der mir die Frage: Und, wieso kaufst du es nicht?

 

Wo lagen Ihre Bedenken?

Anfangs war ich skeptisch. Ich bin weder eine gelernte Buchhändlerin, noch hatte ich diverse Ausbildungen in Controlling etc. Einzig und allein waren es meine bisherigen beruflichen Erfahrungen und natürlich meine Erziehung, die ich mitbrachte. Doch mein Freund ermutigte mich, diesen Weg zu bestreiten.

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1949 gegründet am Standort Harrachstraße 5, Linz. (Mathias Lauringer – Studio 365)

Wann fiel definitiv die Entscheidung zur Übernahme?

Während meiner Asien-Reise am Flughafen in Hongkong, als ich mit meinem Papa telefonierte und ihm alles schilderte. Er wiederum entgegnete mit der Frage: Was kostet es denn? Da war für mich der Groschen gefallen, ich werde alles Mögliche probieren, um diese Buchhandlung zu kaufen und die Weiterführung mit den Mitarbeitern zu schaffen. Während des Sechs-Stunden-Flugs habe ich noch einiges über Käufe von Buchhandlungen recherchiert und dann galt für mich: „Challenge accepted“.

 

Was sagten die 17 Mitarbeiter dazu?

Die hielten es am Anfang für äußerst schwierig, nahezu unmöglich. Aber ich versprach ihnen, alles zu probieren, was ich nur kann, damit es weitergeht. Bei den ersten Gesprächen mit der Geschäftsführung des Verlages und den darauffolgenden Verhandlungen bekam ich dann extrem viel Rückhalt von meinem Team. Schlussendlich wurde am 28. September 2018 unterschrieben. Das war für uns alle ein sehr emotionaler Tag.

 

Werden religiöse Bücher, Tauf- und Hochzeitskerzen ein Schwerpunkt bleiben?

Im Sortiment wird sich nicht viel ändern. Unser USP bleibt christliches Kunsthandwerk und Theologie. Den Bereich Kinderbücher haben wir ausgeweitet. Wir sind der persönliche Berater in Sachen Taufe, Erstkommunion und Hochzeit sowie natürlich Buch – gerade auch im Schulbuchsektor für Eltern. Genauso zeigen wir uns innovativ. Wir wollen für unsere Kunden Raum und Zeit schaffen, ganz nach dem Motto: „Zeit für ein Buch ist Zeit für dich“.

 

Mit welchen Ideen bringen Sie frischen Wind in das Traditionshaus?

Es gibt wieder viele Veranstaltungen bei uns, wie Räucherworkshops und regionale Lesungen. Die persönliche Beratung steht im Vordergrund. Innovativ reagieren wir, indem wir nun E-Books und E-Reader anbieten. Auch bei der schnellen und flexiblen Versendung von Büchern können wir locker mit dem Onlinehandel mithalten.

 

Noch ein paar Worte zum neuen „Bücherhimmel“ …

Ich wollte mehr Wohlfühlcharakter schaffen. Etwas, das es speziell nur bei uns gibt, also schwebte mir die Idee eines Himmels vor, aus dem Bücher fliegen. Es passt zu unserem USP, da es für mich auch eine Gabe Gottes ist, Menschen mit Geschichten zu fesseln oder Wissen zu verbreiten.

 

Welches Buch können Sie uns für den Frühling empfehlen?

Melanie Wolfers „Trau dich, es ist dein Leben“.

 

Wie passend! Das klingt nach einem Mutmacher bei anstehenden Entscheidungen. Bleibt der Name „Veritas by Hofinger“ in Zukunft bestehen?

Wir werden in den nächsten drei Jahren unseren Namen ändern müssen. Unsere Kunden sollen wissen, dass wir nachher immer noch die gleichen sind, lediglich einen neuen Namen tragen werden.