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People | 06.09.2021

Traumberuf Ärztin

Veronika Pallinger (25) galt bei Antritt ihrer Berufsausbildung im Klinikum Wels-Grieskirchen im Vorjahr als jüngste Ärztin Oberösterreichs. Warum es ihr Traumberuf ist, wie der Start mitten in der Coronazeit für sie war und warum ihre große Leidenschaft Taekwondo gehört, hat sie uns im Interview erzählt.

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Text: Ulli Wright, Simone Meyr Make-up: Cambio Beautyacademy © Sarah Katharina Photography

Mit viel Selbstdisziplin und Wissensdurst hat Veronika Pallinger ihr Medizinstudium in der Mindeststudienzeit absolviert und arbeitet seit gut einem Jahr am Klinikum Wels-Grieskirchen als Turnusärztin. Am Schwerpunktkrankenhaus hat die gebürtige Wallseerin bereits viele Abteilungen kennengelernt: Auf den Start in der Chirurgie folgte der Wechsel in die Grieskirchner Coronastation, der weitere Weg führte sie über die Innere Medizin auf die Lungenstation, wo sie beruflich angekommen zu sein scheint. Kraft für ihren doch sehr fordernden Beruf holt sich die sympathische Jungärztin als Leistungssportlerin in der Kampfsportart Taekwondo und führte uns beim Covershooting ihr großes Bewegungstalent vor.

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Dr. Pallinger, Sie stammen aus Wallsee, wie sind Sie aufgewachsen?

Veronika Pallinger: Ich bin sehr idyllisch mit einem älteren Bruder und einem Zwillingsbruder aufgewachsen. Am Land kennt jeder jeden, was sehr schön ist und wir waren viel in der Natur unterwegs. Obwohl ich gebürtige Niederösterreicherin bin, fühle ich mich seit jeher mit Oberösterreich eng verbunden. Ich habe das Europagymnasium in Baumgartenberg absolviert und bin dazu acht Jahre lang nach Oberösterreich gependelt.

Was hat Sie nach der Matura dazu motiviert, Medizin zu studieren? Sind Sie sozusagen familiär vorbelastet?

Meine Mama hat Medizin studiert und nach der Ausbildung zum Allgemeinmediziner eine Facharztausbildung in Psychiatrie gemacht. Seit 17 Jahren arbeitet sie nun im Landesklinikum Mauer in Mauer-Öhling. Mein Papa hat Wirtschaft studiert und arbeitet seit vielen Jahren in einer Pharmafirma. Ich bin also schon ein bisschen vorbelastet, wie man sieht.

Ihr Medizinstudium haben Sie an der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems absolviert. War Ihnen von Anfang an klar, dass es das richtige Studium ist?

Anfangs war ich recht gestresst, mit dem Studentenheim in Krems war ich zum ersten Mal länger von zu Hause weg. Ich hatte ein bisschen Heimweh. Aber ich habe gelernt, dass man, wenn man etwas beginnt, das auch fertig macht. Das war gut so, denn rückblickend betrachtet, war es der richtige Weg –Ärztin ist mein Traumberuf.

Grundsätzlich wollten Sie in einem Krankenhaus in Linz zu arbeiten beginnen, wo Sie auch das Klinisch-Praktische-Jahr absolvierten. Warum ist es dann das Klinikum Wels-Grieskirchen geworden?

Durch Corona war alles ziemlich unsicher und die Bewerbungsgespräche haben sich verschoben. Daher habe ich mich auch in anderen Krankenhäusern beworben. Nachdem ich einen Anruf vom Klinikum Wels-Grieskirchen bekommen habe, fiel mir die Entscheidung, dorthin zu gehen nicht schwer. Man hat mir mit so viel Freundlichkeit und Interesse auf meine Bewerbung geantwortet, dass ich das Angebot nicht ausschlagen konnte.

Ihre Tätigkeit im Klinikum Wels-Grieskirchen startete in der Coronastation in Grieskirchen. Wie schwierig war es, gleich am Anfang mit so einer „Ausnahmesituation“ zurechtkommen zu müssen?

Natürlich war es stressig, auch weil für mich alles neu war. Dennoch gab es von allen Seiten viele Bemühungen, auf die Jungen im Haus nicht zu vergessen. Die Kolleginnen und Kollegen aus Medizin und Pflege nahmen mich mit offenen Armen im Team auf und gaben mir das Gefühl, als Mensch und nicht nur als Arbeitskraft wahrgenommen zu werden. Das hat mich auch bestärkt, mich als Mitglied der Turnusärztevertretung zu engagieren. Ich möchte dazu beitragen, den neuen Turnusärzten dasselbe Gefühl der Zugehörigkeit zu geben, das ich in dieser Krisenzeit erfahren habe.

"Im Taekwondo braucht man eine hohe Körperkontrolle und muss sehr konzentriert sein, daher bringt es auch mental sehr viel."

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Veronika Pallinger © Sarah Katharina Photography

In Kürze

Glücklich macht mich … eine Tasse guter Kaffee mit Familie, Freunden oder den Kollegen.

Niemals vergessen werde ich … den Zusammenhalt in meiner Familie und vor allem die unendliche Geduld meiner Mutter, als ich in der Pubertät viel Blödsinn gemacht habe.

Das motiviert mich … der Gedanke, die Welt jeden Tag aufs Neue für jemanden (oder mich selbst) ein kleines bisschen besser zu machen.

Das ärgert mich … wenn Abmachungen unentschuldigt nicht eingehalten werden.

Schwach werde ich bei … kleinen und großen Katzen.

Mein Motto: „Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.“ (Konfuzius)

Wie aufwendig ist die Behandlung von Coronapatienten?

Die Behandlung von Coronapatienten ist schon sehr aufwendig. Man muss einen speziellen Schutzanzug sowie zwei Paar Handschuhe tragen, was eine einfache Blutabnahme zur Herausforderung macht. Man muss sich auch ständig umziehen und die Schutzbekleidung ist sehr heiß. 

Damals konnten Angehörige ihre Lieben gar nicht bzw. nur sehr eingeschränkt besuchen. Wie schwierig war das?

Das war für unsere Patienten schlimm und man hat gemerkt, wie wichtig Besuche für ihr Wohlbefinden sind. In solchen Situationen lernt man, dass Menschlichkeit nicht im Lehrbuch steht.

Ihr Weg führte Sie von der Chirurgie über die Innere Medizin auf die Lungenstation, wo Sie derzeit Ihren Turnus absolvieren. Haben Sie sich schon entschieden, in welcher Abteilung Sie Fuß fassen möchten?

Ich möchte nach dem Turnus weiterhin auf der Lungenabteilung arbeiten. Die Lunge ist neben dem Herz ein Krankheitsbereich, der sehr viele Menschen betrifft. Das Gefühl der Atemnot ist sehr belastend und vor allem Patienten mit Lungenkrebs befinden sich oft in äußerst schwierigen Lebenssituationen, aber man kann auch hier viel Lebensqualität für die Patienten gewinnen.

Was ist Ihnen als Ärztin wichtig?

In allen Bereichen ist mir Ehrlichkeit sehr wichtig. Zum einem im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, aber vor allem auch bei den Patienten und Patientinnen. Dass man ihnen sagt, wie es um sie steht, welche Therapiemöglichkeiten es gibt, was machbar ist und was nicht. Auch wenn sie nicht mehr viel Zeit haben, muss man das offen ansprechen und kommunizieren, damit sie die Zeit, die ihnen noch bleibt, bedeutungsvoll nützen können. Es ist für mich auch wichtig, seitens der Kollegen oder der Vorgesetzten ein ehrliches Feedback zu bekommen. Das ist manchmal nicht einfach, aber nur so lernt man und kann sich gut weiterentwickeln.

Sie sind auch Leistungssportlerin im Taekwondo, wie sind Sie dazu gekommen?

Das war ein absoluter Zufall. Während meinem Vorbereitungskurs für die Medizinaufnahmeprüfung habe ich in Wien bei einer Freundin gewohnt. Am Weg zum Kurs bin ich immer an einem Taekwondo-Center vorbeigegangen. Eines Tages habe ich dort angerufen und mir einen Probetermin vereinbart. Es hat mir von Anfang an total gut gefallen, später habe ich mir dann in der Nähe von Wallsee einen Verein gesucht. Ich glaube, das ursprüngliche Interesse hat allerdings schon mein Papa geweckt. Er hat früher einmal Jiu Jitsu gemacht, als Kind wollte ich im Fasching immer seinen Anzug anziehen, der mir natürlich viel zu groß war. Jetzt habe ich meine eigenen Anzüge (lacht).

Hinter jedem Kampfsport steckt auch eine bestimmte Geisteshaltung. Wie würden Sie diese bei Taekwondo beschreiben? 

Der Verein selbst ist wie eine kleine Familie, man trifft sich auch außerhalb der Trainingszeiten. Im Training selbst bekommt jeder die Möglichkeit, auch Verantwortung zu übernehmen. Sportler, die schon länger aktiv sind, kümmern sich um die Jüngeren und unterstützen sie beim Training. Dieser Zusammenhalt gefällt mir. Taekwondo hat auch sehr viel mit Respekt zu tun, sobald man in die Halle kommt, verbeugt man sich. Und es ist auch für die Koordination unglaublich gut. Man braucht eine hohe Körperkontrolle und Körperspannung und muss sehr konzentriert sein, daher bringt es auch mental sehr viel. Im Leistungssport braucht man auch ausreichend  Selbstdisziplin.

 

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Veronika Pallinger © Sarah Katharina Photography

"Ich möchte dazu beitragen, den Turnusärzten dasselbe Gefühl der Zugehörigkeit zu geben, das ich in dieser Krisenzeit erfahren habe."

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem Leistungssport und Ihrer Tätigkeit als Ärztin?

Auf jeden Fall. Im Leistungssport braucht man bei jedem Wettkampf für jeden Gegner eine eigene Strategie und Taktik. Als Ärztin benötigt man auch für jeden Patienten eine eigene Strategie, obwohl es sich meistens um dasselbe Krankheitsbild handelt. Außerdem ist in beiden Bereichen die Eigenmotivation in Sachen Weiterbildung ganz wichtig.

Ihre größten Erfolge im Sport?

Ich habe vor Corona bereits ein paar internationale Turniere bestritten. 2018, 2019 und 2020 wurde ich Vizestaatsmeisterin, das waren bisher meine größten Erfolge. Im November stehen die Austrian Open am Programm, das ist ein Weltranglistenturnier. Mal schauen, ob ich das zeitmäßig schaffe.

Wie oft trainieren Sie?

Trainingsfrei habe ich nur, wenn ich Nachtdienste habe. Ansonsten trainiere ich eigentlich täglich. An meinen freien Tage mache ich auch ab und zu zwei Trainingseinheiten. Mein Heimatverein ist in Amstetten, da ich in Wels arbeite, darf ich aber auch im oberösterreichischen Kader trainieren, wofür ich sehr dankbar bin.   

Bleibt für andere Hobbys eigentlich auch noch Zeit?

Ich bin sehr gerne kreativ tätig. Bevor meine Oma verstarb, war ich öfter mit ihr im Altersheim töpfern, ich spiele Klavier und Kirchenorgel und fotografiere auch sehr gerne. Da ich eine leidenschaftliche Kaffeetrinkerin bin, möchte ich auch unbedingt einmal einen Barista-Kurs machen und ich bin eine absolute Katzenliebhaberin.

Haben Sie eine Katze?

Ja natürlich, die wohnt aber bei meinen Eltern in Wallsee. In meiner Dienstwohnung in Wels wäre sie zu viel alleine, das möchte ich nicht.

Gibt es einen Mann an Ihrer Seite?

Leider noch nicht (lacht). Das ist zeitlich mit meinem Job und meiner sportlichen Tätigkeit derzeit eher schwierig. Ich bin sehr viel eingeteilt und da braucht man jemanden, der das mitträgt und versteht.

Würden Sie noch einmal Medizin studieren?

Ja, ich würde es immer wieder machen – es war toll!

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders?

Dass jeder Tag anders ist – diese Abwechslung schätze ich sehr. Auch wenn es noch so ein stressiger Tag war, denke ich mir jedes Mal, es war ein guter Tag, weil ich gerne gearbeitet habe. Wir sind ein super Team im Klinikum Wels-Grieskirchen und es kommt von den Patienten sehr viel, von dem, was man gibt, zurück.

Welche Eigenschaften sollte man für den Beruf mitbringen?

Man muss flexibel und diszipliniert sein und sollte auf jeden Fall gerne im Team arbeiten.  Das Um und Auf ist aber sicher, dass man Menschen mag und gut mit ihnen umgehen kann.

Als Ärztin sind Sie auch mit vielen Schicksalsschlägen konfrontiert. Wie wichtig ist es, sich abgrenzen zu können?

Das ist ganz wichtig und das muss man als Ärztin auch lernen. Ich bin noch mitten im Lernprozess und merke schon, dass ich manches aus dem Dienst mit nach Hause nehme. Natürlich ist es wichtig, dass man empathtisch ist, die Patientinnen und Patienten brauchen jemanden, der ihnen zuhört, der sie versteht, aber auch jemanden, der sich abgrenzen kann. 

Vom Ärztekittel in den Taekwondo-Anzug und in trendige Outfits – wie hat Ihnen das Covershooting gefallen?

Es war wirklich aufregend und hat mir gut gefallen. Ich bin zwar introvertiert, aber auch offen dafür, etwas Neues auszuprobieren. Chancen, die man bekommt, sollte man ergreifen, das macht das Leben lebenswert. Da ich mich selbst nie schminke und meistens direkt vom Ärztekittel in den Taekwondo-Anzug schlüpfe, war es ein besonderes Erlebnis, einmal so gestylt vor der Kamera zu stehen.

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Veronika Pallinger © Sarah Katharina Photography