Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 06.07.2020

Traum geplatzt?

Hochzeiten wurden geplant, Reisen gebucht, Unternehmen gegründet – und plötzlich stand alles still! Menschen erzählen ihre ganz eigenen Geschichten über geplatzte Träume, Zukunftsvisionen und wie sie jetzt wieder durchstarten …

Bild 2007_N_MissyMay_Paar-3.jpg
© Caro Strasnik

Braut für einen Tag

Sängerin Missy May und ihr Bräutigam Andreas Wanasek feierten ihre Liebe mit einem spektakulären Shooting. Noch im Juli heiraten sie standesamtlich outdoor, die große Hochzeit verschieben sie lieber.

Bild 2007_N_MissyMay-1.jpg
© Caro Strasnik

Das Jahr 2020 hätte ihr Glücksjahr werden können. Seit ihrer Kindheit träumte Missy May von der Musicalbühne, seit Kurzem öffneten sich immer mehr Türen, sie freute sich auf zahlreiche Auftritte im In- und Ausland. „Noch im Jänner habe ich mit Maya Hakvoort ein Konzert in Atlanta gegeben“, erzählt sie. Ihrem Zukünftigen erging es ähnlich: Der Sänger und Schauspieler Andreas Wanasek wollte, seit er vier Jahre alt war, fliegen – und schloss seine Pilotenausbildung ausgerechnet heuer ab. Die beiden wollten im September heiraten und anschließend ihre Liebe bei einer Hochzeitsreise zelebrieren. Und dann kam Corona …

Auftritte abgesagt. „Bei mir wurde alles abgesagt, Andreas konnte nicht fliegen. Das war ein großer Schock“, schildert die Sängerin. Doch der Stillstand hatte auch Gutes. „Durch Andreas‘ Ausbildung waren wir in den letzten zwei Jahren viel voneinander getrennt. Umso schöner war es zunächst, dass wir nichts tun konnten und zusammen waren. Meine Tochter Marie genoss einmal die volle Aufmerksamkeit.“ Auch dass sie einander gut ergänzen, zeigte sich in der Krise. „Ich bin ein bisschen schwarzmalerischer, Andreas hat zum Glück ein sonniges Gemüt. Er hat zu mir gesagt: „Wir sind zu zweit. Wenn wir zusammenhalten, kann uns nichts passieren.‘“

Lange überlegten sie, was mit der geplanten Hochzeit passieren soll. Schließlich entschieden sie sich, im Juli standesamtlich, im kleinen Kreis und outdoor zu heiraten. „Die große Hochzeit haben wir auf 2021 verschoben, die Vorfreude tröstet ein bisschen“, lächelt Missy May. „Wir haben Freunde und Familie im Ausland, auch viele ältere Menschen unter den Gästen. Wir wollten nicht, dass unsere Hochzeit überschattet ist davon, dass jemand nicht dabei sein kann oder Angst hat, in die Kirche zu kommen.“ Seelenbalsam gönnte sich das Paar bei einem besonderen Shooting an den Plätzen ihres ersten Dates in Wien. Unter dem Titel „Glow for a Day“ entwickelte ein kreatives Trio exklusive Shooting-Packages für Paare, denen Corona einen Strich durch die Rechnung machte. Oder aber man schenkt sich diesen besonderen Tag zu einem Jubiläum (www.glowforaday.com).

Shooting einmal anders. „Wir shooten nicht im typischen Stil, sondern wie für ein Hochglanzmagazin“, erklärt Fotografin Caro Strasnik, die dafür mit Bernadette Sophie Pachler, Inhaberin des Loveglow Bridal Concept Stores in Klosterneuburg und Eventmanagerin Sabrina Feichtinger von „Exclusive Weddings & Events“ kooperiert. 

„Flucht“ ins Land des Lächelns

Als Model und Yogalehrerin Doris Kemptner erfuhr, dass sie schwanger ist, reiste sie während der Corona-Krise spontan nach Thailand.

Bild 2007_O_Traumgeplatzt_Kemptne.jpg
© Nika Baeva

Jahrelang reiste Doris Kemptner  um die Welt und arbeitete als Model. Das Geld, das sie dabei verdiente, investierte die gebürtige Grieskirchnerin in ihr Studium, Selbstfindung und das Erlernen von alternativen Heilmethoden. Zuletzt war sie in Wien bei John Harris als Yogalehrerin tätig. Am 13. März wurde sie jedoch informiert, dass sie ihre Tätigkeit dort wegen der Corona-Maßnahmen nicht mehr ausüben durfte. Zum selben Zeitpunkt hat sie auch erfahren, dass sie schwanger ist: „Da ich Angst hatte, dass das Leben in meiner Stadtwohnung, ohne viel Grün und Natur, dem Baby und mir nicht guttun würde, beschloss ich kurzerhand, meine Sommerkleider zusammenzupacken, einen Flug nach Bangkok zu buchen und zu Ricardo, dem Vater meines Kindes, nach Thailand zu reisen“, schildert Doris Kemptner. 

Entgegen zahlreicher Warnungen von Freunden und Bekannten machte sie sich auf den Weg und staunte nicht schlecht, als der Wiener Flughafen menschenleer war. „Ich musste eine App auf mein iPhone laden, um im Fall einer Corona-Erkrankung sofort eruiert und isoliert werden zu können“, schildert das Ex-Playmate. Einige Tage verbrachte sie gemeinsam mit Ricardo am Swimmingpool eines Hotels in Bangkok. Danach reiste das Paar weiter in den Süden Thailands auf ihre Lieblingsinsel Ko Phangan.

Auf der Trauminsel gestrandet. 
Die Strände waren bereits menschenleer.  „Wir mieteten uns für fünf Wochen in ein schönes Hotel ein“, so die Yogalehrerin. Bald schon wurden die ersten Flüge gestrichen, es waren keine Touristen mehr zu sehen und die Menschen verloren nach und nach ihre Arbeitsplätze. Auch den geplanten Retreat in Peru musste das Pärchen absagen. „Nach einigen ruhigen Wochen ließ ich mich sonnengebräunt mit dem Scooter ins örtliche Krankenhaus zur Ultraschalluntersuchung bringen. Andere Untersuchungen sind auf der kleinen, tropischen Insel nicht möglich“, erzählt Doris Kemptner gelassen. Die Schwangerschaft verläuft zum Glück nach wie vor komplikationslos und die dunkelhaarige Schönheit wird auf der Insel bestens von einem indischen Guru mit Licht-Meditation versorgt.

Yoga-Videos für John Harris. „Um mir die Zeit zu vertreiben, drehe ich für meine lieben Yogaschüler von John Harris und für meinen YouTube-Kanal am Strand Yoga-Videos“, erzählt Doris. Der Geburtstermin ist für Oktober geplant, das Babybäuchlein wird immer größer. „Da ich mich für eine schamanische Hausgeburt entschieden habe, hoffe ich, dass es keine zweite Corona-Welle geben wird. Ich möchte nicht im Spital entbinden“, so Doris Kemptner.  

In die Zukunft schlittern

Stillstand? Langweilig! Das dachte sich auch der in Norwegen lebende Oberösterreicher Alexander Gschiel – und nutzte kurzerhand den Corona-Lockdown, um seine Projekte zu verwirklichen.

Bild 2007_O_Gschiel-2.jpg
© privat

Mit gerade einmal 17 Jahren hat Alexander Gschiel eine bemerkenswerte Karriere zurückgelegt: Auf Wasserskiern erfolgreich und bereits dreifacher österreichischer U17-Meister, ist sein liebster Aggregatszustand heute aber das Eis. Eigentlich wohnt er seit zwei Jahren in Norwegen, wo er in der Nordic Hockey Academy seine Ausbildung zum Eishockey-Crack genießt, die letzten Wochen ist er allerdings wieder ins „Hotel Mama“ nach Traun in Oberösterreich gezogen, um dort die Covid-19-Krise und ihre Folgen abzuwarten. Was das für seine Ausbildung bedeutet? „Fit bleiben muss ich trotzdem, sowohl körperlich als auch lerntechnisch“, erklärt uns der junge Mann. „Deswegen gibt es für mich E-­Learning, Wasserski- und Krafttraining.“ 

Stillstand gibt‘s nicht. 
Wie gut digitales Lernen funktionieren kann, machen die Norweger vor: Alexander Gschiel ist überzeugt, dass der Lockdown für ihn genauso Möglichkeiten eröffnet hat, sich weiterzubilden – und zwar über den Tellerrand hinaus. Das zeigen seine persönlichen Projekte: Unter www.alexander-gschiel.com findet sich seine eigens gemachte Webseite und der Youtube-Kanal wurde vor wenigen Wochen ins Leben gerufen. Stillstand? Langweilig für die Sportskanone! Dass er jene Dinge, die er anpackt, auch durchzieht, hat er nach eigenen Angaben dem norwegischen Schulsystem zu verdanken: Selbstständiges Arbeiten lautet hier die Devise. „In der Nordic Hockey Academy bekommen wir nicht nur Wissen vermittelt, sondern werden vom Headcoach und Academy-Leiter Sam Liebkind auch im mentalen Bereich betreut. Wir lernen uns selbst zu kennen mit all unseren Stärken und Schwächen. So etwas gibt es nicht in Österreich, obwohl mentale Bildung ungemein wichtig für jedes Individuum wäre“, so Alexander Gschiel. 

Junger Mann, großer Traum.
Noch weiß der Oberösterreicher nicht, was die Zukunft für ihn bereithält, denn auch, wenn er sich auf dem Eis besonders wohlfühlt, möchte er dem Wasserski-Sport nicht den Rücken kehren. „Ich bin meinen Eltern dankbar, die mir ein Leben mit dem Sport überhaupt möglich machen. Für sie ist es auch nicht einfach, den Sohn ein so selbstbestimmtes Leben Hunderte Kilometer entfernt leben zu lassen.“ Alexander hat noch zwei Jahre hier in Norwegen, bevor er sich in den USA beim College bewirbt. Doch egal was kommt, er ist bestens gewappnet!

 

Nur das Jawort fehlte

Zwei tolle Töchter, ein gemeinsames Zuhause: Tamara und Florian wollten ihr Glück mit der monatelang geplanten Hochzeit am 27. Juni 2020 perfekt machen. Wie die Corona-Krise ihren Traum fast zerstörte und warum sie trotzdem positiv bleibt, erzählt die zweifache Mama im Interview.

Bild 2007_O_Traumgeplatzt_Hochzei.jpg
© Alex Fotografik

Der 23. Dezember 2019: Tamara putzt mit Schlaf­shirt am Tag vor Weihnachten den Christbaum für ihre Tochter auf. Was man in dieser Situation nicht erwartet: einen Heiratsantrag vom zukünftigen Ehemann. Florian ging trotzdem auf die Knie und stellte die Frage der Fragen. „Es war perfekt, weil es so unperfekt war. Jetzt weiß ich, dass er mich wirklich in jeder Situation liebt“, strahlt die zweifache Mama. Tamara begann zu planen, um vor der Geburt ihrer zweiten Tochter noch alles organisieren zu können. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch keiner, dass der Hochzeitstermin am 27. Juni 2020 ins Wasser fallen wird.

Schock im Hochzeitsfieber. 
75 Gäste hatten bereits ihre Einladung zu Hause, die Location stand, das Standesamt war gebucht und das Brautkleid wurde gewählt. „Eigentlich fehlte nur mehr das Jawort“, so Tamara. Plötzlich zeichnete sich ab, dass die Corona-Krise vielleicht auch die Hochzeit der beiden betreffen wird. „Wir haben ganz lange nicht darüber nachgedacht, die Feier abzusagen“, meint die Braut. Erst als die Absage für alle Großveranstaltungen erteilt wurde, bedeutete das erstmal das Aus ihres Traums. „In einer Hochzeit steckt so viel Herzblut drinnen und dann erfährst du plötzlich, dass du nicht heiraten darfst. Da ist man schon ziemlich enttäuscht.“ 

Alles auf Anfang. 
Nach nächtelangem Hin- und Herwälzen musste eine Entscheidung fallen: Die Hochzeit ganz absagen? Trotz vier Personen am Tisch und verlangtem Abstand heiraten? „Es war für uns eigentlich keine Überlegung mehr, die große Hochzeit dieses Jahr noch zu feiern. Ich wollte auch wieder schlafen können“, erklärt Tamara. So entschied das Paar, die standesamtliche Hochzeit nur im engsten Familienkreis zu feiern und kirchlich mit allen Gästen 2021 zu heiraten. Denn das große Fest komplett abzusagen, war für die beiden nie Thema. 

Doppelt hält besser. 
Einen Tag später war alles schon wieder neu organisiert. „Von der Location bis zu den Blumen konnten wir alles für die große Feier auf nächstes Jahr verschieben. Die Kirche sagte dann zwei Tage später noch zu“, so Tamara. Der Verlust der beiden beläuft sich nur auf 50 Euro – die Einladungen, die neu gedruckt werden müssen. „So findet die geplante Feier trotzdem statt und zwar genauso, wie wir uns das vorgestellt haben – nur eben ein Jahr später. Und nach der standesamtlichen Trauung wird ganz entspannt mit der Familie im Garten gegrillt.“ 

Positiv bleiben. 
„Ich wollte nie Standesamt und Kirche an einem Tag machen, weil ich nicht von Termin zu Termin hetzen will. Meine Mama freut sich besonders, dass ich jetzt auch in einer Kirche heirate“, lacht Tamara und freut sich ebenfalls, dass sie sich nun ein zweites Kleid für die standesamtliche Hochzeit aussuchen konnte. „Meine Tochter ist dann bereits zwei Jahre alt und das macht das Ganze natürlich nochmal einfacher. Man weiß nie, für was es gut ist und man pickt sich schlussendlich die positiven Seiten heraus.“