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People | 06.11.2018

Talk, talk, talk

Mit 17 Jahren stand Nina Kraft beim YOUKI-Festival in Wels zum ersten Mal als Moderatorin auf der Bühne. Heute ist die Paschingerin ein Fixpunkt im ORF. Im Interview erzählt die 33-jährige Blondine, wie sie Job und Masterstudium unter einen Hut bringt und warum ein Gastauftritt bei Stermann und Grissemann in „Willkommen Österreich“ eine Ehre für sie ist.

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Nina Kraft glamourös im langen Paillettenkleid von Selendi – Die Mode und High Heels von Gangart (© Sarah Katharina)

Gut gelaunt kommt Nina Kraft zu unserem Interview inklusive Mode-Shooting in die Villa Muthesius in Wels. Schon bei der Auswahl der Kleider bei „Selendi – Die Mode“ merken wir, dass die fesche Blondine in Sachen Fashion absolut sattelfest ist. Kein Wunder, hat sie doch vor vielen Jahren eine Designausbildung angestrebt. Bis LT1 dazwischenkam, ihr Talent erkannte und sie vom Fleck weg als Moderatorin engagierte. Zwölf Jahre lang war Nina Kraft eines der markanten Gesichter des oberösterreichischen Regional-TV-Senders, ehe sie 2016 der Ruf des ORF ereilte und für die Nachrichtensendung „Salzburg heute“ ins Landesstudio Salzburg holte.

Mittlerweile ist das ORF-Zentrum am Küniglberg in Wien zu ihrer beruflichen Homebase geworden, und die sympathische Powerfrau ist in ganz Österreich unterwegs. Mit ihrem natürlichen Charme und einer großen Portion Bodenständigkeit steht sie den Landsleuten auf ORF 2 in „Guten Morgen Österreich“ beim Aufstehen zur Seite, und in der Sendung „Daheim in Österreich“ begleitet sie täglich fast eine halbe Million Zuschauer in den Feierabend. Am 27. November macht Nina Kraft einen Ausflug auf die andere Seite des Mikrofons und steht dem Kabarettistenduo Stermann und Grissemann in deren Show „Willkommen Österreich“ Rede und Antwort.

 

Mit 16 Jahren haben Sie Ihren ersten Moderationskurs im ORF-Funkhaus absolviert. Mit 19 Jahren folgte die Fernsehpremiere als Moderatorin bei LT1 und vor drei Jahren sind Sie zum ORF gewechselt. Wann war für Sie klar, dass Sie Moderatorin werden möchten?

Nina Kraft: Schon zu Schulzeiten gab es immer zwei Berufswünsche, die ich meinen Schulkollegen ins Stammbuch geschrieben habe. Das war zum einen Modedesignerin und zum anderen Journalistin. Modedesignerin habe ich schließlich von meiner Ausbildung her auch wirklich angestrebt und nach der Matura mit dem Studium Textil, Kunst und Design an der Kunstuniversität Linz begonnen. Dann kam mir allerdings relativ schnell LT1 dazwischen. (lacht)

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Dass die Moderatorin Humor hat und auch über sich selbst lachen kann, beweist sie am 27. November mit einem Gastauftritt bei Stermann und Grissemann in „Willkommen Österreich“. (© Sarah Katharina)

Sie haben das Studium dann auf Eis gelegt?

Ja, genau. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass Fernsehen genau meins ist. Mein damaliger Chef hat mir vorgeschlagen, ein Studentenmagazin zu moderieren – ich habe sofort zugesagt.

 

... ohne vorher jemals moderiert zu haben?

Nicht ganz. Die ersten Schritte habe ich in der Maturaklasse gemacht. Damals hat mich meine Professorin vom Ramsauer Gymnasium für die Moderation des YOUKI-Festivals Wels vorgeschlagen. Das war meine erste Live-Moderation.

 

Insgesamt waren Sie zwölf Jahre lang bei LT1 als Moderatorin tätig und haben mit „Voll:Kraft“ sogar ihr eigenes TV-Magazin verantwortet. 2016 sind Sie zum ORF ins Landesstudio Salzburg gewechselt. Was hat Sie dazu bewogen?

Mit Roland Brunhofer, dem damaligen Landesdirektor vom ORF Salzburg, hatte ich einen Förderer beim ORF, der mich schon zu LT1-Zeiten immer beobachtet hat. Eines Tages hat er mich informiert, dass der ORF ein Frühfernsehformat plant, und mir geraten, mich dem Casting zu stellen. Das habe ich gemacht und dürfte dabei gut angekommen sein.

 

Mehr als ein Jahrzehnt waren Sie neben Silvia Schneider das markante Gesicht von LT1. War es schwierig vom Bekanntheitsgrad her, in Salzburg Fuß zu fassen?

Das Spannende ist, dass irrsinnig viele Salzburger und auch die angrenzenden Bayern LT1 schauen. Von dem her haben mich viele Menschen gekannt, aber es war natürlich ein Start von null weg. Roland Brunhofer, übrigens auch ein Oberösterreicher, hatte von Anfang an so viel Vertrauen in mich, dass ich die Sendung „Salzburg Heute“ und die Radiosendung „Mittagszeit“ moderieren konnte. Da ich keine Radioerfahrung hatte und vom Schneiden bis zur Moderation alles selber machen musste, absolvierte ich in kürzester Zeit eine komplette Radioausbildung. Zu wissen, dass da jemand an meine Fähigkeiten glaubt, hat mich zu Höchstleistungen angespornt.

 

Mittlerweile haben Sie auch Salzburg wieder den Rücken gekehrt und moderieren österreichweit abwechselnd die ORF-Sendungen „Guten Morgen Österreich“ und „Daheim in Österreich“. Was gefällt Ihnen an diesen Formaten?

Diese Sendungen leben von der Regionalität und zeigen, dass die interessanten Menschen nicht nur in den Ballungszentren zu Hause sind. Außerdem geht es auch um die Schönheit unseres Landes, und die habe ich in den letzten zwei Jahren wirklich kennengelernt. Mittlerweile gefällt es mir so gut, dass ich sogar meinen Urlaub in Österreich verbringe. (lacht) Bei „Guten Morgen Österreich“ bekommen wir live mit, wie herrlich es ist, wenn der Tag erwacht – das hat eine unglaubliche Energie.

 

Zu Spitzenzeiten sitzen bei „Daheim in Österreich“ bis zu 440.000 Seher vor dem Fernseher. Alles ist live, wie geht es Ihnen dabei?

Recht gut. Bevor ich zum ORF kam, konnte ich 13 Jahre lang bei vielen Veranstaltungen Bühnenerfahrung sammeln, alleine im Vorjahr habe ich im ORF 150 Live-Sendungen moderiert. Da bekommt man eine gewisse Routine.

Dennoch kann immer etwas passieren. Was, wenn ein Interviewpartner nicht auf Ihre Fragen eingeht oder im Redefluss nicht zu bremsen ist?

Natürlich kommt es vor, dass Interviewpartner nervös oder auch überfordert sind. Mein Job als Moderatorin ist es, die Gesprächspartner gut aussehen zu lassen und sie in eine Bahn zu lenken, wo wir uns beide wohlfühlen. Ehrlich gesagt gibt es nichts, was man nicht mit einem Lächeln und einer gewissen Ehrlichkeit retten kann.

 

Schon mehrfach hatten Stermann und Grissemann in „Willkommen Österreich“ Ihretwegen die Lacher auf deren Seite. Am 27. November sind Sie als Gast in der Sendung der zwei Kabarettisten eingeladen. Angst?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich mag die beiden, ihre Sendung, und es ist für mich eine Ehre, dort als Gast eingeladen zu sein.

 

Neben Ihrem Job beim ORF studieren Sie an der Donauuniversität in Krems. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Meine Mama ist sehr gut organisiert und strukturiert. Sie hat mir mitgegeben, dass alles möglich ist, wenn man es sich gut einteilt und auch mal Unterstützung annimmt. Mit dem MBA-Studium Marketing und Managementkompetenz habe ich vor rund zwei Jahren begonnen. Durch meinen Job beim ORF verbringe ich circa zehn Nächte im Monat im Hotel. Am Vormittag wird im Zimmer gelernt, am Nachmittag beginne ich dann mit den Vorbereitungen für die Sendung. Es geht sich alles aus.

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© Sarah Katharina

 

Bald ist Ihre Masterarbeit fertig – worum geht es?

Es geht um Personal Branding mit dem Fokus auf Frauen in der Medienwelt. Ich habe wissenschaftlich herausgearbeitet, mit welchen Strategien sich die Frau als Marke in der Medienlandschaft besser behaupten kann.

 

Klingt interessant. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Ich habe in meinem Leben Frauen sehr viel zu verdanken und bin grundsätzlich eine Frauenfreundin. Bei Moderationen habe ich mit vielen faszinierenden Frauen zu tun gehabt, die sich einfach nicht trauten, ihr ganzes Potenzial und Können nach außen zu präsentieren. Männer hingegen haben damit überhaupt kein Problem. Auch bei Interviews oder Expertengesprächen ist meistens nur eine von fünf Personen eine Frau. Das sollte sich ändern.

 

Durch die Digitalisierung ändert sich auch das Mediennutzungsverhalten grundlegend. Junge Menschen nutzen mittlerweile On-Demand-Videodienste viel stärker als das lineare Fernsehen. Wie sehen Sie dieser Entwicklung entgegen?

Ich habe die letzte Medienenquete verfolgt, da kam ganz klar heraus, dass Live- und Regionalsendungen in Zukunft das Fernsehen dominieren werden. Die Live-Berichterstattung ist für mich ein absoluter Erfolgsgarant, weil die Menschen Teil eines Happenings sein wollen – warum sonst stehen Millionen Menschen mitten in der Nacht auf, um sich die Übertragung des Super Bowls anzuschauen? Und auch die Regionalität, die Nähe eines Mediums zu ihren Rezipienten, und die Professionalität der Journalisten sind ein großes Thema. Denn in Zeiten von Fake News, Facebook & Co. spielen größtmögliche Wahrheit und Ethik eine große Rolle.

 

Gibt es eine Sendung bzw. einen Event, den Sie unbedingt moderieren möchten?

Ja, natürlich – der Life Ball oder der Opernball wären solche Großevents. Und wenn ich mir vom Christkind etwas wünschen darf, dann ist es, irgendwann im Hauptabend moderieren zu können.

 

Zu Spitzenzeiten sehen Sie fast eine halbe Million Menschen im Fernsehen. Werden Sie auf der Straße erkannt?

Natürlich werde ich manchmal angesprochen und bekomme positive Rückmeldungen. Das freut mich, aber als Medienstar würde ich mich nicht bezeichnen.

 

Ihren Lebensmittelpunkt haben Sie in Pasching. Wie oft sind Sie zu Hause?

Grundsätzlich jede zweite Woche. In den zwei Wochen, in denen ich nicht beim ORF vor der Kamera stehe, mache ich Moderationen bei Veranstaltungen.

 

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich gehe jeden zweiten Tag laufen und mache viel Yoga. Außerdem treffe ich mich gerne mit Freunden. Das alles und das Leben am Land erdet mich.

 

Ihre Lieblingssendung?

Das Starmagazin „Exclusiv“ mit Frauke Ludowig. Sie ist für mich das perfekte Vorbild und ich habe auch schon ein Coaching bei ihr absolviert. Natürlich verfolge ich auch viele ORF-Produktionen.

 

Wie schaut es in Sachen Mode aus, wo Sie ja ursprünglich beruflich Fuß fassen wollten?

Ich interessiere mich immer noch extrem für Mode und beobachte sämtliche Fashion-Weeks. Mode wird immer ein großes Thema in meinem Leben sein. 

 

Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Immer wenn sich Chancen aufgetan haben, habe ich sie ergriffen und geschaut, was sich ergibt. Ich würde mich als Glückskind bezeichnen, da mir alles aufgegangen ist, wovon ich geträumt habe. Aber natürlich musste ich auch hart
dafür arbeiten.