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People | 29.08.2022

Strompreisgarantie noch bis Jahresende

Im wohl herausforderndsten Jahr seiner 50-jährigen beruflichen Karriere bei der Energie AG verabschiedet sich Generaldirektor DDr. Werner Steinecker Ende dieses Jahres in den Ruhestand. Wir haben mit dem 65-jährigen Kirchschlager über die Strompreisgarantie und die Strompreisbremse gesprochen und nachgefragt, wie wir in zehn Jahren mit Strom und Wärme versorgt werden.

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Generaldirektor DDr. Werner Steinecker geht Ende dieses Jahres in den Ruhestand. © Andreas Röbl, Energie AG

Die Strompreise explodieren in bisher ungekannte Höhen und noch ist keine Trendwende in Sicht, auch Gas ist um einiges teurer geworden. Was derzeit wohl alle Menschen am meisten interessiert, ist die Frage, auf welche Preise wir uns in Sachen Strom und Gas einstellen werden müssen und ob angesichts der derzeit angespannten geopolitischen Lage, die ambitionierten Energie- und Klimaziele für 2030 erreicht werden können. 

 

Herr Generaldirektor, was uns alle am meisten interessiert: Auf welches Preisniveau müssen wir uns in Sachen Strom und Gas einstellen? 

Wie sich die Preise entwickeln werden, ist aktuell sehr schwer zu sagen. Der Markt ist momentan sehr volatil und reagiert sensibel auf allerlei Geschehnisse. Wir werden uns aber auf höhere Preise als in der Vergangenheit einstellen müssen. 

 

Für Haushaltskunden gibt es in der Energie AG noch bis Jahresende eine Strompreisgarantie. Wie wird es dann weitergehen?

Trotz der Verwerfungen an den Energiemärkten können wir unser Versprechen der Preisgarantie bis zum Jahresende halten. Ein zweites Kundenversprechen wollen wir ebenso einlösen – und zwar zeitnah: All jene, die in den vergangenen Monaten zu sehr hohen Neukundentarifen Lieferverträge mit der Energie AG Oberösterreich abgeschlossen haben, soll der Umstieg auf ein neues, günstigeres Angebot ermöglicht werden.

 

Wie stehen Sie zur von der Bundesregierung präsentierten Strompreisbremse, die darauf abzielt, den notwendigen Strombedarf für Haushalte weiterhin leistbar anzubieten?

Es ist gut, dass mit dem Vorschlag zur Strompreisbremse die Diskussion nun versachlicht wurde und wir so hoffentlich von den populistischen Vorschlägen wegkommen, die in den letzten Wochen Hochkonjunktur hatten. Der Ansatz ist interessant: Es erfolgt kein Eingriff in die Marktlogik, sondern eine Stützung, die direkt beim Endverbraucher ankommt. Derzeit ist die Diskussion noch in Gange und die genaue Ausführung für Österreich wird gerade politisch verhandelt. Wichtig ist auch eine rasche, unbürokratische Administrierbarkeit, damit die Umsetzung für die Energieversorger mit vertretbarem Aufwand bewältigt werden kann. 

 

Wird man die ambitionierten Klimaziele angesichts der derzeitigen angespannten Lage erreichen können? 

Um die ambitionierten politischen Energie- und Klimaziele zu erreichen, benötigt es optimale Rahmenbedingungen und einen breiten Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Bevölkerung. Neben der Verkürzung und Vereinfachung von UVP- und Einzelgenehmigungsverfahren für Energieerzeugungsanlagen ist auch der notwendige Ausbau der Stromnetzinfrastruktur auf allen Spannungsebenen ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Energie- und Klimazukunft. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Anstrengungen zur Reduktion der Import-
abhängigkeit Österreichs von russischem Erdgas nimmt die Zeitkomponente bei der Transformation des Energiesystems eine umso zentralere Rolle ein. Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen wird aber auch die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften sowie notwendigen Rohstoffen und Materialien ausschlaggebend für das Erreichen der Energieziele sein.

 

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Die Anträge auf Photovoltaikanlagen haben sich bei der Energie AG im Vergleich zum Vorjahr auf 18.000 verdoppelt. © Andreas Röbl, Energie AG

Bei Photovoltaikanlagen kommt man momentan der großen Nachfrage gar nicht nach. Bringt man die Menschen in Sachen Klimaschutz und Energiesparen letztendlich doch nur über den Preis zum Umdenken?  

Zurzeit ist der Andrang auf neue Photovoltaikanlagen tatsächlich sehr groß – im ersten Halbjahr 2022 wurden bereits 18.000 Anträge auf einen Netzzugang gestellt, das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Dass sich diese Entwicklung so beschleunigt hat, liegt zu einem Teil natürlich an den aktuellen Rahmenbedingungen mit hohen Strompreisen und den Unsicherheiten, was die Gasversorgung betrifft. Der Trend zur Photovoltaik hat sich aber auch bereits in den letzten Jahren angekündigt. 

 

Wie werden wir in zehn Jahren mit Strom und Wärme versorgt werden?

Die Versorgung mit Wärme, vor allem aber mit Strom, wird in zehn Jahren dekarbonisiert, dezentral und demokratischer erfolgen als in der Gegenwart. Neue Marktteilnehmer wie Energie- und Bürgergemeinschaften oder Prosumer und Eigenverbraucher erzeugen, verbrauchen und speichern die selbst erzeugte Energie bzw. verteilen den Rest regional an andere Verbraucher. Es kommt zu einem Paradigmenwechsel und einem veränderten Rollenverständnis für uns angestammte Energieversorger. Das zentrale Kraftwerk, das die Bevölkerung versorgt, ist Geschichte. 2032 werden wir den Stromverbrauch – wie in den politischen Zielen vorgesehen – bilanziell und national übers Jahr betrachtet bereits mit 100 Prozent Ökostrom abdecken. Im Wärmebereich ist das Bild differenzierter, da hier bis 2040 die Dekarbonisierung der Raumwärme als politisches Ziel ausgegeben ist. Aber auch die Wärmeversorgung wird 2032 deutlich dezentraler und nachhaltiger sein als der Status quo – und das gilt für Strom und Wärme gemeinsam. Das Energiesystem wird in zehn Jahren noch effizienter werden. Für eine Raumwärme von z. B. 20 Grad wird man künftig einen geringeren Energieeinsatz als heute benötigen. 

 

Die Energie AG feiert heuer den 130. Geburtstag und hat von der technisch-industriellen Revolution über zwei Weltkriege, das Wirtschaftswunder in den 50er-Jahren, den Ölpreisschock 1973, die Coronakrise und jetzt den ukrainisch-russischen Krieg vieles erlebt, was waren die größten Herausforderungen in der Geschichte der Energie AG?

In der langen Unternehmensgeschichte hatten wir tatsächlich viele Herausforderungen zu bewältigen. Das begann vor 130 Jahren mit der Elektrifizierung des Schafberghotels. Dann kam der Wasserkraftausbau, um die beginnende Industrialisierung elektrisch zu machen. Die Stromnutzung in den Zeiten der Weltkriege war, wie auch beim Wiederaufbau, ein großes Thema. In der jüngeren Vergangenheit fordern uns die Umsetzung der sehr ambitionierten energiepolitischen Ziele, die Coronakrise sowie aktuell der russisch-ukrainische Krieg. Bei all diesen Herausforderungen war und ist es stets die oberste Maxime, die Versorgungssicherheit und -qualität für unsere Kunden und Partner zu gewährleisten. Das wird auch in Zukunft so sein. 

 

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Der 2008 eröffnete Power Tower der Energie AG in Linz war das erste Bürohochhaus der Welt in Passivbauweise. Noch heuer wird der neue, neun Stockwerke umfassende Zubau eröffnet. © Andreas Röbl, Energie AG

Sie haben im Jahr 1972 Ihre Lehre zum Starkstrommonteur bei der OÖ. Kraftwerke AG (OKA, heute Energie AG) begonnen und halten dem Unternehmen schon 50 Jahre die Treue. Wie blicken Sie auf diese Jahre zurück?

Jedes Dezennium dieser 50 Jahre hatte sehr spannende Abschnitte. Das Unternehmen hat sich gewaltig weiterentwickelt und verändert – von einem klassischen Stromversorger zu einem sehr modernen Multi-Utility-
Unternehmen. Ich durfte in diesen Jahren sehr viele Bereiche kennenlernen und unterschiedliche Funktionen bekleiden – ob es der Kraftwerksbaubereich war, der Vertrieb, die Mitarbeiterschulung bereits als Abteilungsleiter, fünf Jahre als Vorstand bei der OÖ Ferngas, von 2002 bis 2017 die Zeit als Technikvorstand und die letzten fünf Jahre als Generaldirektor – viele Veränderungen haben in dieser Zeit stattgefunden. Bei allen haben die tüchtigen Mitarbeiter mit ihrer Innovationskraft und Veränderungsbereitschaft eine Schlüsselrolle gespielt. Jedem Einzelnen bin ich für seine Schaffenskraft und Unternehmensloyalität sehr dankbar. 

 

Mit Ende des Jahres verlassen Sie die Energie AG nach 50 Jahren und gehen in den Ruhestand. Fällt Ihnen das schwer?

Mehr als Dreiviertel meines Lebens durfte ich für die OKA bzw. Energie AG arbeiten. So gerne, wie ich mich in dieser Zeit für das Unternehmen eingesetzt habe, so sehr sind wir nun allesamt sehr bemüht, dass wir einen möglichst guten Übergang zu meinem Nachfolger, Dr. Leonhard Schitter, bewerkstelligen.

 

Werden Sie sich ganz zurückziehen oder der Energie AG noch beratend zur Seite stehen?

Sofern in der Zeit ab 1. Jänner 2023 mein Rat benötigt wird, stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung. Mit Dr. Andreas Kolar (kaufmännischer Vorstand) und Dipl.-Ing. Stefan Stallinger (technischer Vorstand) sind aber ohnedies zwei Vollprofis, die den Konzern bestens kennen, weiterhin mit an Bord im Vorstandsteam. Ein Beratervertrag oder Ähnliches ist nicht vorgesehen.