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People | 15.03.2021

Stimmgewaltige Frauenpower

Stillstand der Kultur? Nicht bei diesen Musikerinnen. Trotz geschlossener Bühnen veröffentlichten die Poxrucker Sisters, AVEC und Panah vor Kurzem ihre Singles und beweisen damit einmal mehr: Keine Krise dieser Welt kann sie aufhalten – auch nicht Corona.

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© Zoe Goldstein Fotografie

Poxrucker Sisters

Vier Jahre nach ihrem letzten Studioalbum meldet sich das Schwestern-Trio mit neuem Stil, hauseigenem Label und neuer Single zurück.

Lange war es ruhig um die Poxrucker Sisters. Jetzt melden sich die musikalischen Schwestern aus dem Mühlviertel mit neuer Single im Gepäck zurück. „Pock di zom“ heißt das stimmgewaltige Stück, in dem das Trio die persönliche Erfahrung einer Trennung verarbeitet. „Jeder von uns hat schon eine Trennung hinter sich und ich bin auch sicher, unsere Fans kennen das Gefühl“, so Stefanie, Christina und Magdalena über ihre neue Single. Gleichzeitig ist der Song in Zeiten der Coronakrise eine ganz klare Message an das Virus – nämlich: „Pock di zom und geh!“.

Kreative Schaffensphase. Die letzten Jahre nutzte das Schwestern-Trio fleißig, um sich intensiv mit ihrer musikalischen Arbeit zu beschäftigen und die ein oder andere Neuerung zu wagen. Ein Resultat dieses Aufbruchs ist das neu gegründete hauseigene Label. „Barfuß Records bedeutet für uns nicht nur der Weg in die Unabhängigkeit, sondern verkörpert auch unser Markenzeichen“, so die Schwestern, die gerne barfuß auf der Bühne auftreten und damit einmal mehr ihre Bodenhaftung demonstrieren. Das im Mai geplante Album „Horziont“ wird bereits unter diesem Label erscheinen und bringt den neuen musikalischen Weg der Schwestern zum Ausdruck. 

Ab Herbst 2021 geht es dann für die Musikerinnen mit dem neuen Album im Gepäck auf große Tournee durch Bayern und Österreich. 

 

 

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© Poxrucker Sisters
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© Panah/PR

Panah

Mit „Don‘t Need Your Love“ veröffentlichte die Sängerin und Produzentin kürzlich ihre erste eigene Single.

Panah musste in ihrem Leben bereits viele Schicksalsschläge verkraften. Trost, Mut und Kraft fand die heute erfolgreiche Produzentin und Songwriterin, die seit einem Ärztefehler im Rollstuhl sitzt, dabei stets in der Musik. So auch im August letzten Jahres, als ihr Vater unerwartet starb. In ihrem Trauerschmerz fand die im Nordirak geborene Kurdin zu ihrer ursprünglichen Leidenschaft zurück – dem Singen.

Erste eigene Single. Mit „Don‘t Need Your Love“ veröffentlichte Panah am 11. Dezember ihren ersten eigenen Song. Für den smoothen R‘n‘B Song holte sich die erfolgreiche Musikerin, die bereits mit internationalen Stars zusammenarbeitete, keinen Geringeren als Rap-Veteran Manuellsen ins Boot. „Ich bin schon seit vielen Jahren ein großer Fan seiner Musik. Als ich ihm den Song gezeigt habe, hat Manuellsen der Track gut gefallen und er hat einen Part darauf gemacht. Honestly, a dream came true“, so Panah über die Zusammenarbeit. 

Zukunftspläne. In Zukunft möchte Panah neben ihrem Job als Produzentin und Songwriterin auch weiterhin als Sängerin arbeiten: „Ich nehme mir vor, meine eigenen Songs regelmäßig zu releasen und freue ich mich darauf, weiterhin großartige Künstler musikalisch zu beraten und ihnen dabei helfen zu dürfen, ihren Sound zu finden und auszuleben.“ 

 

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© Panah/PR
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© Martin Morscher

AVEC 

In ihrem neuen Song „I Dont‘t Pray“ verarbeitet AVEC den tragischen Tod ihres Onkels und setzt ihm ein Denkmal. 

Der neue Song von AVEC hätte ursprünglich nie veröffentlicht werden sollen. Zu privat und zu persönlich ist der Stoff. Denn „I Don’t Pray“ handelt vom tragischen Tod ihres geliebten Onkels, der Anfang 2020 viel zu früh mit 42 Jahren aus dem Leben gerissen wurde. Kurz vor seinem völlig überraschenden Tod konnte der junge Familienvater gerade noch in den letzten AVEC Longplayer reinhören. Seine Nichte hatte ihm das Album „Homesick“ noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin zukommen lassen. Sie war stolz auf das Interesse des Onkels, der die junge Musikerin von Anfang an unterstützte und schon in ihren frühen Teenagerjahren als einer der Ersten ihr unglaubliches Potenzial erkannte. Doch das sollte ihr letzter Kontakt bleiben.

Unter Schock. Die Familie der Oberösterreicherin war völlig unvorbereitet, dass eine zuerst als harmlos erachtete Diagnose einen schweren Krankheitsverlauf nehmen würde und kaum Aussicht auf Heilung bestand. AVEC selbst stand völlig unter Schock und konnte sich nur mit dem helfen, was sie am besten kann: einen Song schreiben. Unter dem Eindruck dieses drohenden Szenarios entstand in kürzester Zeit der erste Teil von „I Don ‘t Pray“, mit der zentralen Textzeile „No I don’t pray, but tonight I do“ – in der Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Guten wenden könnte.

Lebensmensch verlassen. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Nach nur sieben Tagen fand das bange Hoffen ein jähes Ende. Ihr Lebensmensch hatte sie verlassen. Wohin mit den tief empfundenen Trauergefühlen und wie mit der Sinnlosigkeit dieses Todes umgehen? AVEC hatte schon auf ihrer ersten äußerst erfolgreichen Single „Granny“ (2016) über die Alzheimer-Erkrankung ihrer Großmutter einen völlig unverstellten Zugang zu ihren ganz privaten, dunklen Gefühlen gewährt. Und so wählte sie auch diesmal wieder den Weg in den Schmerz und stellte den zweiten Teil von „I Don’t Pray“ unmittelbar nach Eintreffen der Todesnachricht fertig. Dann wanderte das Stück allerdings in die Schublade – mit der Intention, es nie zu veröffentlichen. Anschließend kamen Corona, ein Albumrelease und eine abgesagte Tour.

Unsterbliches Denkmal. Nun – mit einem Jahr Abstand – war AVEC in der Lage, den Song „I Don’t Pray“ neu zu betrachten und kam zur Einschätzung, diesen doch zu veröffentlichen und damit auch die Trauerarbeit abzuschließen. Aus der ersten Akustikversion schälte die Musikerin in ihrer unnachahmlichen Manier eine komplett arrangierte Gänsehautnummer. AVEC gelingt das Kunststück, mit meisterhafter Leichtigkeit – getarnt hinter einer eingängigen Melodie – das schwere Thema Tod im Popformat zu vermitteln und so ihrem geliebten Onkel ein unsterbliches Denkmal zu setzen. Er wäre sicher stolz auf seine Nichte, die in ihrer dunkelsten Stunde Größe bewiesen hat.

 

 

 

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© AVEC