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People | 22.03.2016

Sinnkrise im Kloster

In ihrem neuen Roman „Die Vergebung muss noch warten“ beschäftigt sich die gebürtige Oberösterreicherin Daniela Emminger intensiv mit der Sinnkrise der Mittzwanziger. Eine waghalsige Geschichte, die zeigt, dass Loslassen alles andere als einfach ist.

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Autorin Daniela Emminger (© Nina Keinrath)

Vor einigen Jahren hat Daniela Emminger ihren sicheren Job als Marketingleiterin an den Nagel gehängt, um sich voll und ganz dem Schreiben zu widmen. Aufgewachsen in Aurach am Hongar, wagte die heute 42-Jährige nicht einmal daran zu denken, Schriftstellerin zu werden. Zumal bei einem Eignungstest herauskam, dass sie die geborene Zuckerbäckerin wäre. Wie das Leben so spielt, ist alles anders gelaufen und nach ihren ersten zwei Büchern „Leben für Anfänger“ und „Schwund“, schreibt sie sich in ihrem neuesten Roman „Die Vergebung muss noch warten“ ihre Wut über Ungerechtigkeit von der Seele. 

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Zwischen Ihrem ersten Buch „Leben für Anfänger“ (2004) und „Schwund“ (2014) liegen zehn Jahre. Was haben Sie dazwischen beruflich gemacht?

Ich habe als Texterin in Werbeagenturen und im Marketingbereich gearbeitet. Ich war in Berlin in einer großen Firma Marketingleiterin und habe dort sehr gut verdient. Es war nicht einfach, mich dann völlig aufs Schreiben zu konzentrieren. Ich habe ja nicht gewusst, ob das funktioniert und ich davon leben kann. 

 

Mittlerweile können Sie davon leben. Wie darf man sich den Alltag einer Schriftstellerin vorstellen?

Mein Tagesablauf ist alles andere als romantisch (lacht). Ich arbeite, als würde ich im Büro sitzen. Da ich eine Frühschreiberin bin, stehe ich um acht Uhr auf und sitze bis 12 Uhr jeden Tag – auch am Wochenende – vor dem Rechner und schreibe. Am Nachmittag wird dann recherchiert. Da meine Bücher auch fiktional sind, ist mir die Richtigkeit der Fakten ganz wichtig. 

 

Wie viel ist in Ihren Büchern autobiografisch?

Natürlich sind meine Bücher auch immer ein kleines bisschen autobiografisch, weil es um Themen geht, die mich interessieren. Den Roman „Die Vergebung muss noch warten“ habe ich geschrieben, weil ich finde, dass die Welt teilweise sehr ungerecht ist. Weil Menschen, die böse Dinge tun, meistens ganz gut damit durchkommen. Das passt mir nicht, aber im Buch kann ich das richtigstellen und Hoffnung auf Gerechtigkeit geben. 

 

Warum haben Sie „Die Vergebung muss noch warten“ im Kloster Lilienfeld geschrieben?

Das Buch handelt von der krisengebeutelten 30-jährigen Filmemacherin und Bloggerin Kilb Lauber, die in der Sinnkrise steckt. Sie versucht alles Mögliche, um ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben. Sie meditiert, macht viel Yoga und will bei einem Klosteraufenthalt wieder zu sich selbst finden. Das Klosterleben hat in meinem Buch einen Handlungsstrang. Da geht es auch um Geheimbünde und Tabletten, die im Kloster produziert werden. So ein bisschen im Illuminati-Style. Im Kloster Lilienfeld konnte ich mich wochenweise einmieten und so den Alltag der Padres miterleben. Ich arbeitete in der Kammer Nummer 70. Alles war sehr karg eingerichtet und ich konnte sehr produktiv schreiben. 

 

Für Ihren nächsten Roman haben Sie in Kirgistan recherchiert. Warum Kirgistan?

In meinem nächsten Roman geht es darum, Menschen oder Dinge zu verlieren. Ich wollte irgendwo hingehen, wo ich mich selber total verloren fühle. Im Internet bin ich auf Kirgistan gestoßen und war von den Landschaftsfotos total begeistert. Da ich sehr mutig bin, habe ich mich entschlossen, für drei Wochen nach Kirgistan zu fliegen. 

 

Wie ist es Ihnen in Kirgistan ergangen?

Ich war auf 3000 bis 4000 Höhenmetern und die Hygienestandards sind in Kirgistan ziemlich schlecht. Es ist mir teilweise körperlich sehr schlecht gegangen. Aber wenn man einmal dort ist, funktioniert man auch am anderen Ende der Welt gut. 

 

Sie leben in Wien. Kommen Sie noch des Öfteren nach Aurach am Hongar?

Ja, ich komme gerne nach Hause und besuche meinen Vater. Meine Mutter lebt leider nicht mehr. Da mein Freund und ich sehr sportlich sind, bietet es sich an, in die ländliche Heimat zu fahren. 

 

Könnten Sie sich den Weg zurück in die Marketingwelt vorstellen?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin total glücklich und habe das Gefühl, dass ich endlich das mache, was ich immer wollte. Es war ein langer und für mich schwer erkämpfter Weg. Ich würde es auf keinen Fall mehr ändern. 

 

Gibt es einen Traum?

Na ja, einen Bestseller würde ich natürlich schon nehmen (lacht).