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People | 23.10.2019

Shootingstar der Teppichszene

Galt sein Ruf über lange Zeit als angestaubt, erlebt der Teppich seit einigen Jahren wieder eine echte Renaissance. Wie stylish und modern Teppiche sein können, hat uns Ali Rahimi in seinem Geschäft im Palais Szechenyi in Wien gezeigt.

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© Rahimi&Rahimi

Bei Rahimi&Rahimi mitten in der Wiener Innenstadt findet man im stilvollen Palais
Szechenyi auf vier Stockwerken vom Läufer und Kelim über Klassiker und modernste Designerteppiche alles, was das Herz begehrt. Dass unter den 5.000 Orientteppichen bei Rahimi&Rahimi auch Designer-Teppiche von Vivienne Westwood, Diane von Furstenberg, Elie Saab, Paul Smith oder Hermann Nitsch zu entdecken sind, ist vor allem Ali Rahimi zu verdanken, der als Netzwerker weit über die Grenzen Wiens hinaus bekannt ist. Zu Rahimi&Rahimi kommt man zum Schmökern und kaufen, vor allem dann, wenn man sichergehen will, dass man beste Qualität, kompetentes Service und fair produzierte Teppiche haben will. Ins Palais Szechenyi kommen aber auch Prominente aus Wirtschaft, Politik und Kultur, um sich auszutauschen. Wir haben Ali Rahimi, der das Geschäft gemeinsam mit seinem Bruder Reza führt, besucht und mit ihm über das Teppichgeschäft geplaudert.

 

Herr Rahimi, wie läuft das Geschäft? Wie schaut der Teppichmarkt aktuell aus?

Ali Rahimi: Vor mehr als 60 Jahren hat mein Vater in Österreich mit dem Teppichhandel begonnen. Mein Bruder und ich haben das Geschäft im Jahr 1995 übernommen, seither hat sich viel getan. Früher hatten wir fast ausschließlich klassische Perserteppiche im Sortiment. Es gab überlieferte Muster aus verschiedenen Ursprungsländern und man hat wenig mit Farben und Design gespielt. Im Prinzip gab es kaum Veränderungen. Vor rund 15 Jahren geriet das Geschäft mit den Klassikern etwas ins Stocken, und so mancher Designer hat sich etwas Neues einfallen lassen. Einer der ersten war Teppichdesigner Jan Kath. Er hat die Teppichwelt revolutioniert und die klassischen Teppiche neu interpretiert bzw. entstaubt.

 

Haben Sie Teppiche von Jan Kath im Angebot?

Ja, natürlich. Wir haben mit Jan Kath-Teppichen vor etwa 15 Jahren begonnen, auch moderne Teppiche anzubieten und führen diese exklusiv. Auch durch unsere Zusammenarbeit mit der RUG Company in London können wir Designer-Teppiche von Alexander McQueen, Vivienne Westwood oder Paul Smith anbieten. In Zusammenarbeit mit Architekten und Künstlern entwerfen wir selber Designs, die wir in unserer hauseigenen Produktion umsetzen. Meine Frau Carina, die Design studiert hat, unterstützt mich dabei sehr. Der Kunde kann sich bei uns seinen Wunschteppich in Sachen Größe, Farben und Design aussuchen.

 

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Im Schauraum in der Spiegelgasse 6 in Wien bietet Rahimi&Rahimi moderne Teppiche von Star-Designer Jan Kath. © Rahimi&Rahimi

Worauf sollte man beim Teppichkauf Wert legen?

Man sollte sich den Händler bzw. das Geschäft ganz genau ansehen. Wir bieten eine eigene Werkstätte, bei uns kann man Teppiche reinigen, restaurieren und lagern lassen. Wenn wir für Kunden einen Teppich anfertigen, dann heben wir, für den Fall einer Reparatur, die Originalwolle auf. Ich bin gerichtlich beeideter Sachverständiger für Orientteppiche, wir fahren auch zu unseren Kunden nach Hause und zeigen ihnen die Teppiche vor Ort. Alle diese Kleinigkeiten machen es aus. Da wir ein Familienbetrieb sind, kennt man bei uns im Haus die Verkäufer und auch die Chefs. (lacht)

 

In welcher Preisklasse bewegen sich Teppiche von Rahimi&Rahimi?

Es ist uns ganz wichtig, auch leistbare Teppiche zu verkaufen. Unser Angebot reicht vom handgeknüpften Teppich in der Größe von zwei mal drei Metern um 1.000 Euro bis hin zum Perser- oder Designerteppich um 100.000 Euro. Wichtig ist uns, dass wir selber produzieren lassen und eine gute Qualität zum guten Preis anbieten. Unter eine bestimmte Qualität gehe ich nicht,  das kann ich nicht verantworten.

 

Sie reparieren und reinigen Teppiche, was auch ein großes Plus in Sachen Nachhaltigkeit ist.

Der handgeknüpfte Teppich ist ein reines Naturprodukt. Außerdem unterstützt man damit die Herstellerländer und die Menschen vor Ort und trägt dazu bei, dass die alte Handwerkskunst nicht verloren geht. Mein Großvater hat vor 100 Jahren in Persien mit dem Teppichhandel begonnen. Wir haben eine langjährige Vertrauensbasis zu hervorragenden Knüpfern und Knüpfereien in den Regionen um Afghanistan, Indien, dem Iran und vielen weiteren Ländern. Wir sind mehrmals jährlich vor Ort, um die Produktion unserer eigenen Kollektionen zu begleiten sowie besondere Teppiche in den Herkunftsländern zu kaufen. Alle unsere Teppiche sind Fairtrade und STEP-zertifiziert.

 

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© Rahimi&Rahimi

Sie waren eines der ersten Mitglieder von STEP Österreich. Wofür steht diese Organisation bzw. das Zertifikat?

STEP steht für gute Arbeits- und Lebensbedingungen, gerechte Löhne, das Verbot von Kinderarbeit und umweltfreundliche Herstellung von handgefertigten Teppichen. Das Label zeichnet Händler aus, die sich mit ihrem Sortiment zum fairen Handel bekennen. Denn nur von einem glücklichen Knüpfer bekommt man auch einen glücklichen Teppich.

 

Wie darf man sich das Leben eines Teppichhändlers heute vorstellen?

Es ist sehr interessant, man kommt viel in der Welt herum. Ich bin schon als kleiner Bub mit meinem Vater nach Indien, Persien, Pakistan und Nepal gereist. Bereits neben meinem Studium in Graz habe ich Materialkunde, Knüpfstile und den Teppichhandel von der Pike auf gelernt. Auch jetzt reise ich viel und mache die Endkontrolle immer selber. In Österreich beschäftigen wir zehn Mitarbeiter, weltweit arbeiten mittlerweile mehr als 100 Menschen für uns. 

 

Persönlichkeiten wie Bill Clinton, Sean Penn, Jane Goodall, um einige zu nennen, sind immer wieder bei Charity-Veranstaltungen Ihre Gäste. Sie sind UN-Sonderbotschafter und begnadeter Netzwerker. Wie kam es dazu?

Schon mein Vater war ein genialer Netzwerker. Durch das Teppichgeschäft lernt man viele Menschen kennen. Man kommt zu ihnen nach Hause, was eine hohe Vertrauensbasis voraussetzt. Ich war einer der jüngsten Teppichhändler und habe schon als Student Industrielle, Politiker und Künstler kennengelernt. Durch meine Charity-Events hat sich dann eins aus dem andern ergeben.

 

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Im Palais Szechenyi begrüßt Ali Rahimi immer wieder prominente Persönlichkeiten wie hier Bill Clinton. (© Rahimi&Rahimi)