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People | 03.03.2020

Schön ist zu wenig

Geboren in Wels, ging sie mit 20 nach Paris und war froh, als sie das Modeln aufgab, um später eine weltweit gefeierte Fotografin zu werden. Heute lebt Elfie Semotan in New York, im Burgenland und in Wien. Dort trafen wir sie.

Bild 2003_B_ME_.Semotan©polyfilm.jpg
© Polyfilm

Viel Licht. Große Fenster und viele Lampen. Ein großer Tisch im Herzen der Wiener Altbauwohnung erzählt nicht nur in der Fantasie von Abenden mit angeregten Gesprächen, unter der Glasplatte zeugt davon eine mehrere Meter lange Fotografie: Elfie Semotan hatte einmal zu später Stunde von einer Leiter aus das „lebhafte“ Stillleben auf dem Tisch verewigt.Während sie die Wendeltreppe hinunterläuft, rechne ich nach: Geburtsjahr 1941. Und noch einmal rechne ich, als sie vor mir steht: mit strahlenden Augen, voller Energie, stilvoll modern gekleidet. Wir dürfen sie beim Interview nicht fotografieren, leider. „Ich hasse es vor der Kamera“, sagt Elfie Semotan, vor deren Linse sich seit Jahrzehnten Supermodels und internationale Größen tummeln. Nun kommt eine Doku über sie ins Kino:  „Elfie Semotan, Photographer“. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Was im Film auffällt: Ihre positive Art. Gibt es auch Leute, die eine andere Seite hervorrufen?

Sicher. Aber es ist schon ein wesentlicher Charakterzug von mir, dass ich das Leben so positiv wie möglich angehen möchte. Erst wenn das nicht geht, muss es anders versucht werden. Aber beim Fotografieren möchte ich, dass ich das Vertrauen der Menschen habe, dass sie sich wohlfühlen, sich nicht verkrampfen. 

 

Sie sind sehr vielseitig, ein Fokus blieb stets auf der Modefotografie. Warum?

Ich war in Hetzendorf (Modeschule, Anm.), Mode ist sozusagen mein Beruf. Gezeichnet habe ich immer gern und gut. Fotografie war dann eine Kombination aus etwas, das ich gut kannte, und aus etwas, das ich gefunden und gleich geliebt habe. Als ich Fotomodell war, wusste ich bald, dass das nicht meine Berufung ist (lacht). Ich fühle mich auf der anderen Seite besser.

 

Ihr Anspruch ging dabei immer über „schöne“ Fotos hinaus …

Es hat mich nicht interessiert, die Modefotografie an ihrem Platz zu lassen: nur luxuriös und schön. Ich hatte vor, die Modefotografie sowohl fotografisch als auch inhaltlich weiterzuentwickeln, nicht nur Teil der Modebegeisterten zu sein. 

 

Wie definieren Sie Schönheit?

Sie ist die Mischung aus dem Wesen und dem Äußeren einer Person. Die klassische Schönheit kann wunderbar sein und trotzdem langweilig. Wir waren oft mit wirklich schönen Mädchen unterwegs – und dann war die dicke Make-up-Frau der Star des Abends, weil sie lustiger, menschlicher, interessanter war. Die Schönheit nützt nicht viel, wenn da nicht mehr kommt.

 

Sehr schön sind die Filmszenen, wie Sie Erni Mangold fotografieren …

Erni Mangold ist eine großartige Frau, das muss man zeigen. Ich habe mehrere ältere Schauspielerinnen fotografiert. Ein Kommentar war: „Das kannst nur du so machen.“ Wieso? – Ich selbst hasse es, fotografiert zu werden. Es wird meist versucht, ältere Frauen nett abzubilden. Herzig und ungefährlich. Ich aber habe in diesen Frauen die Kämpferinnen gesehen, die sie sind – für ihre Gegenwart und ihre Person.

 

Cordula Reyer, Claudia Schiffer, Naomi Campbell – in „Mädchenposen“ haben Sie auch Models nicht abgelichtet …

Weil es schade wäre!

  

Bild 2003_B_ME_ElfieSemotan01_Cor.jpg
Gute Energie: mit und ohne Kamera harmonisch, hier mit Cordula Reyer © Polyfilm

Sie agieren hinter der Kamera sozusagen feministisch. Sind Sie mit dieser Bezeichnung glücklich?

Total! Ein Mann hat einmal gesagt, man kann gar nichts anderes sein als Feminist. Das ist richtig. Es wird nur leider nicht richtig ausgelegt: verbissen, Männer hassend – das ist doch absurd! Feminismus schließt keine Gruppen von Menschen aus. Wir wollen nur die gleichen Rechte für Frauen und Männer.

 

Was wollten Sie als Mutter Ihren beiden Söhnen mitgeben?

Dass sie frei denken können. Meine Mutter hat meine Schwester und mich verlassen, um sich selbst zu verwirklichen. Ich bin umgeben von Frauen aufgewachsen, die sehr respektabel waren. Meine Großmutter war eine verlässliche, kluge Frau, ihre Schwester eine lebenslustige. Für mich war schon als Mädchen Freiheit wichtig. Ein bewusster Feminismus kam später durch Bücher dazu.

 

Später wurden Sie in New York aktiv, Sie sind dort bis heute erfolgreich. Wie kam es dazu?

Nach dem Tod meines Mannes war die Situation in Wien für mich schwierig und wenig vielversprechend. Ich beschloss, nach New York zu gehen. Geholfen hat mir ein früheres Fotomodell: der sehr schöne Walter Schupfer, den ich für Römerquelle fotografiert hatte und der auf mein Anraten zunächst nach Paris ging. Er hatte groß Karriere gemacht. In New York eröffnete er eine Agentur für Fotografen, und er kam nach Wien, um mich für diese Agentur zu gewinnen. Gleichzeitig hatte sich dort Helmut Lang etabliert, mit dem ich intensiv arbeitete und mit dem ich freundschaftlich verbunden war und bin.

 

Sie haben zweimal den schmerzvollen Verlust erlebt, den Ehemann zu verlieren. Wie hat Sie das geprägt?

Das ist ein sehr komplexes Thema. Das einzige, was ich sagen kann: Als Kurt Kocherscheidt, der Vater meiner Kinder, starb, wusste ich, selbst wenn es für mich schwierig war, war es wichtig für meine Kinder, ein positives Leben zu führen.

 

Sie stehen ungern vor der Kamera, nun kommt ein Film über Sie heraus. Wie geht es Ihnen damit?

Ich finde mich immer schrecklich (lacht). Das hat nichts zu sagen. Der Film ist wirklich gut. Ich war von Anfang an von dem Projekt überzeugt, weil ich Joerg Burger als Fotograf, Kameramann und Regisseur sehr schätze.