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People | 18.11.2020

Schauspieler mit Gitarre

Rudi Müllehner, dem Theaterpublikum seit über 20 Jahren als Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter der Tribüne Linz bekannt, hat sich im Corona-Sommer 2020 in den Liedermacher RAUL verwandelt.

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© C.B. Schneider

Im Corona-Sommer 2020 fand Rudi Müllehner erstmals die Gelegenheit, seine Musik für ein breiteres Publikum aufzubereiten. Er erfand sich als Kunstfigur RAUL
(www.raul-musik.at) für die Musik neu und ging ins Studio, um sein erstes Album unter diesem Künstlernamen aufzunehmen. Am 18. November tritt er mit seinem Studio­album „DA REGN IS NU WOAM“ in der Tribüne Linz erstmals als RAUL an die Öffentlichkeit.

OBERÖSTERREICHERIN: Herr Müllehner, wie haben Sie dieses außergewöhnliche Jahr bis jetzt erlebt?

Rudi Müllehner: Als Theatermacher und Schauspieler war es natürlich ein Schock. Wie alle aus unserer Branche wussten wir anfangs nicht, wie es weitergehen soll. Wir wurden durch diese Krise aus unserem Hamsterrad geschleudert. Meine Partnerin Cornelia Metschitzer und ich haben sieben Jahre lang an der Tribüne Linz durchgearbeitet. Auf einmal saßen wir da und mussten uns überlegen, wie wir das Theater retten können. Es war relativ schnell klar, dass das mithilfe der Kurzarbeit möglich sein wird. Denn plötzlich war ganz viel Zeit da, die wir davor nie hatten. Der künstlerische Output hat natürlich gefehlt. Das Projekt RAUL ist schon lange in unseren Köpfen und auf einmal war die Zeit vorhanden, es anzugehen. 

Die Kunst- und Kulturszene leidet stark unter den Corona-Maßnahmen. Seit Anfang Oktober hat die Tribüne Linz  nun wieder ihre Türen geöffnet, wie läuft es und was ist nun anders?

Anders ist, dass das Foyer einem Hochsicherheitstrakt gleicht. Masken, Abstand und Desinfektionsmittel prägen das Bild. Wir versuchen aber dennoch, eine entspannte und lockere Stimmung zu verbreiten und das gelingt uns sehr gut. Wir haben nun 41 Plätze statt 115 und merken, dass die Menschen während der Vorstellung abschalten können und den ganzen Wahnsinn für eine kurze Zeit vergessen. Kunst und Kultur ist die Seelen­apotheke, denn wenn man sich gerade nicht physisch berühren kann, dann wenigstens emotional. Was haben die Menschen im Lockdown gemacht? Filme gesehen, Bücher gelesen, Musik gehört – alles, was Künstler produziert haben. 

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© C.B. Schneider

Sie haben den Lockdown künstlerisch genutzt und RAUL zum Leben erweckt. Wer ist RAUL und was zeichnet seine Musik aus? 

Meine Lieder sind österreichische Chansons. Ich singe in meinem österreichischen Dialekt über alles, was das Leben so bereithält. Jedes meiner Lieder ist zutiefst persönlich, aber keines ist restlos autobiografisch. Meine Lieder sind von augenzwinkernd bis melancholisch, von satirisch bis nachdenklich, von selbstironisch bis gesellschaftskritisch. Ich habe das Gefühl, dass gerade durch Corona viele Menschen darüber nachdenken, ob nicht mehr Schlichtheit ratsam wäre. Diese Schlichtheit spiegelt sich in meinen Liedern wider. 

Das Publikum ist nach dem „trockenen“ Kultursommer ausgehungert. Wie blicken Sie in die Zukunft? Worauf dürfen die Menschen nun an der Tribüne Linz gespannt sein?  

Ja, unsere Gäste teilen uns mit, wie glücklich sie sind, endlich wieder ins Theater gehen zu können. Wir haben mit RAUL eine große Leidenschaft entdeckt und freuen uns, diese jetzt der Öffentlichkeit präsentieren zu dürfen. Die Wiederaufnahme von den Stücken „Romy Schneider“ und „Sofies Welt“, die wir vor dem Lockdown nur ein paar Mal gespielt haben, kommt sehr gut an. 

Am 9. Dezember erwartet Ihr Publikum eine weitere Premiere: die musikalische Satire „I SOIT IMMA GERN“. Worauf darf man sich hier freuen?   

Corona wird zum Thema: Da es uns dazu bewogen hat, über so viel Essenzielles nachzudenken. Dass wir nicht auf unser Klima vergessen dürfen, auch nicht während einer Pandemie. Es geht auch um grundsätzliche ethische Fragen, wie wir mit unseren Mitgeschöpfen umgehen. Ich klammere mich an die Hoffnung, dass bei vielen jetzt ein Umdenken begonnen hat und das zu verstärken – augenzwinkernd und mit Humor –, wird zum Thema in der musikalischen Satire. Eines darf man nämlich nicht aus den Augen verlieren: eine gewisse satirische Sicht auf die Dinge. Denn sonst ist es wirklich zum Verzweifeln. Humor hat schon viele Völker über schwere Krisen begleitet. Die kleine Kugel, die da um die Sonne fliegt, ist ja völlig irrelevant für das große Ganze. Zu erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen und nur diesen einen Planeten haben, auf den wir aufpassen müssen. Egal, wo man hinsieht, überall werden die Probleme sichtbar. Und das ist eine großartige Chance! Jetzt hinzusehen und versuchen etwas zu verändern!

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Gewinnen Sie eines von 3 Alben von RAUL. Das Gewinnspiel finden Sie unter www.dieoberoesterreicherin.at. Teilnahmeschluss ist am 18.11.2020.