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People | 27.09.2021

Rückkehr zur Normalität - Noch nicht in Sicht

Wohl kaum eine Branche ist von der Coronakrise so betroffen wie die Veranstaltungsbranche. Wir haben Richard Hörmann, der mit der Firma Barracuda Music Events wie Clam Rock oder das Frequency Festival veranstaltet, zum Interview gebeten.

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© C. Stecher

Tausende Menschen, die sich vor eine Bühne drängen und dort abfeiern. Was heute für viele Menschen fast befremdend ist, markierte noch vor zwei Jahren einen Ausdruck von Lebensfreude und unbeschwerten Zeiten. Wohl kaum eine Branche wurde von der Coronakrise so stark getroffen wie die Veranstaltungsbranche. Konzerte mussten reihenweise abgesagt und verschoben werden, und auch die großen Festivals, wie jene auf der Burg Clam, das Nova Rock oder das Frequency fielen diesen  Sommer nun schon zum zweiten Mal in Folge Corona zum Opfer. Richard Hörmann, Geschäftsführer von Barracuda Music, und seines Zeichens zuständig für eine Vielzahl von Events und Großkonzerten in Österreich, spricht mit uns über die Coronakrise, neue Möglichkeiten in der Showbranche und die hoffentlich baldige Rückkehr zur Normalität.

OBERÖSTERREICHERIN: Herr Hörmann, als im März 2020 das erste Mal die Rede von Corona und einem Lockdown war, hätten Sie sich gedacht, dass es Sie und Ihre Arbeit so lange beeinflussen würde?

Richard Hörmann: Nein, überhaupt nicht. Wir dachten, im Sommer 2020 wäre alles wieder vorbei.

Wie geht es Ihnen heute, eineinhalb Jahre später?

Wir haben seit März 2020 keine Veranstaltung gemacht. Alle Mitarbeiter sind noch in Kurzarbeit, ein wirkliches Ende und die Rückkehr zur Normalität ist immer noch nicht in Sicht.

Haben Sie Verständnis für die Maßnahmen und Lockdowns?

Ja, gesundheitspolitisch auf jeden Fall. Sobald die Impfung für alle möglich ist, müssen aber die Maßnahmen komplett aufgehoben werden.

Wie sehr haben die Corona-Beihilfen und -Förderungen der Bundesregierung in Ihrem Fall gegriffen?

Im Fall der Clam Live-Festival GmbH leider noch gar nicht. Da sind wir, was den Umsatzersatz betrifft, teilweise durch den Rost gefallen, da wir ja logischerweise im Winter keine Umsätze machen. Aber wir hoffen auf den Fixkostenzuschuss, dieser ist allerdings noch nicht ausbezahlt.

Das Frequency-Festival befand sich diesen Sommer bereits in der finalen Planungsphase, musste aber kurzfristig abgesagt werden, obwohl Ihr Sicherheitskonzept im Vorfeld gelobt wurde. Welche Maßnahmen hätten Sie getroffen?

Dazu kann ich im Detail wenig sagen. Das Konzept wurde von Harry Jenner ausgearbeitet, der das Festival seit Anbeginn organisiert. Im Prinzip ging es darum, nur Covid-19-Geimpfte bzw. PCR-getestete Personen auf das Gelände zu lassen. Am Ende ist das Ganze politisch bzw. am Protest der St. Pöltner Bevölkerung gescheitert, obwohl das Konzept durchgehend gelobt wurde.

Haben Sie trotz allem Verständnis für die kurzfristige Absage dieses und auch anderer Events?

Nein, denn wenn es so weitergeht, werden wir nie zur Normalität zurückkehren.

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Ein Foto aus besseren Zeiten: Richard Hörmann (r.) mit Sting auf Burg Clam © C. Stecher

Es gab auch diverse Versuche, das Publikum bei Open-Air-Konzerten in kleine Boxen aufzuteilen. Würden Sie so etwas in Erwägung ziehen, bis sich die Lage wieder normalisiert?

Das ist alles Schwachsinn, das sieht man auch deutlich an den „Strandkorbkonzerten“ in Deutschland, wo Helge Schneider seinen Auftritt abgebrochen hat. Das sind nette Ideen als kurzfristige Übergangslösung, um wenigstens ein Zeichen zu setzen, dass man noch da ist. Ansonsten machen alle diese Konzepte weder finanziell, noch von dem, was ein Konzertevent ausmacht, wenig Sinn.

Es wird auch immer wieder darüber diskutiert, nur Covid-Gemipfte an Großevents und Festivals teilnehmen zu lassen. Was halten Sie davon?

Ich bin mir sicher, dass es in ein bzw. zwei Jahren kein Thema mehr sein wird, sich jährlich gegen Covid-19 oder auch andere Coronaviren impfen zu lassen. Wir werden mit dem Virus leben müssen, so wie die Menschheit auch gelernt hat, mit Pocken, Kinderlähmung, Tetanus etc. zu leben bzw. diese Krankheiten auszurotten.

Wie sehen Sie die Zukunft in der Veranstaltungsbranche? Wird man nun langfristig umdenken und in den  nächsten Jahren bei Events mit Einschränkungen rechnen müssen?

Nein, ich sehe diese Einschränkungen wie gesagt nicht. Die Branche wird vor allem für das jüngere Publikum wieder so zurückkommen, wie wir sie  kannten. Beim älteren Publikum kann es schon sein, dass es vorsichtiger und selektiver wird. Aber was bitte soll bei einem Open-Air-Konzert auf Burg Clam passieren, wenn das Konzertgelände fast 16.000 Quadratmeter groß ist und somit mehr als genug Platz vorhanden ist. Wenn jemand aus Vorsicht eine Maske tragen will, um sich ein Bier zu holen oder vor der Bühne zu tanzen, dann finde ich das nur gut. Wir sollten es aber nicht vorschreiben, es gibt bereits genug Auflagen, um Konzerte überhaupt durchführen zu können.

Arbeiten Sie und Ihr Team  trotz allem weiterhin daran, wieder große Stadion-Shows zu machen und internationale Stars nach Österreich zu bringen?

Absolut, wir arbeiten mit Volldampf an der Saison 2022, da wird es auch wieder einige große Stadthallen- und Stadion-Shows geben. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir von internationalen Verfügbarkeiten und vor allem von der Reisefreiheit abhängig sind. Bleibt uns nur zu hoffen, dass die weltweiten Einschränkungen wirklich bald der Geschichte angehören werden.