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People | 18.07.2016

Plötzlich Bürgermeister

Elisabeth Feichtinger, Severin Mair und Andreas Rabl haben eines gemeinsam – alle drei üben seit Herbst 2015 das Amt des Bürgermeisters bzw. der Bürgermeisterin aus und alle drei sorgten mit ihrer Wahl für eine Sensation in ihrer Heimatgemeinde.

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Elisabeth Feichtinger (28), Bürgermeisterin von Altmünster. (© Marius Krämer)

Ihren Job als Lehrerin hat Elisabeth Feichtinger gekündigt, denn nach der Bürgermeisterwahl im Oktober zog die erst 28-jährige Blondine als Ortschefin ins Gemeindeamt Altmünster ein. Nicht ihr junges Alter, vor allem auch die Tatsache, dass mit ihr erstmals in der zweiten Republik eine „Rote“ das Sagen in der schwarzen Salzkammergut-Gemeinde hat, sorgte für eine kleine Sensation. 

Alle Augen waren nach der Bürgermeisterwahl auch auf Eferding gerichtet. Dort stellt die ÖVP mit dem erst 23-jährigen Jus-Studenten Severin Mair den jüngsten Bürgermeister Österreichs.
Dass sie eine Veränderung wollen, haben auch die Bürger von Wels gezeigt. Nach knapp 70 Jahren ist in der zweitgrößten Stadt Oberösterreichs die Rote Bastion gefallen und mit Andreas Rabl ist erstmals ein FPÖ-Politiker an der Spitze der Stadt. 

Im Interview ziehen die drei Neo-Bürgermeister eine erste Bilanz ihrer bisherigen Arbeit und geben einen Ausblick auf künftige Projekte.

 

Elisabeth Feichtinger (SPÖ), Altmünster

Mit Ihnen steht erstmals eine „Rote“ an der Spitze der Gemeinde. Was war Ihr Erfolgsrezept?

Ich glaube, es gibt kein Erfolgsrezept. Ich bin einfach auf die Leute zugegangen und habe in zwei Monaten 4.706 Haushalte persönlich besucht. Dabei konnte ich viel über die Menschen in Altmünster, über ihre Sorgen und Hoffnungen, erfahren. Sie haben wahrscheinlich gespürt, dass da jemand ist, der sich nicht hinter flotten Sprüchen und Polit-Phrasen versteckt. Das war im Endeffekt vermutlich ausschlaggebend für mich.

Wie ist Ihnen der Start ins neue Amt gelungen?

Sehr gut! Es gibt irrsinnig viel zu tun, aber es macht Spaß. Und ich habe von Anfang an großen Zuspruch von den Menschen in Altmünster bekommen, das trägt einen. Einziger Wermutstropfen war der unerwartete Tod meines zweiten Vizebürgermeisters Dr. Peter Reisenberger.

Welche Vorhaben konnten Sie bereits umsetzen bzw. gibt es in Sachen „Umfahrung Altmünster“ schon eine Lösung?

Es ist wichtig Zeichen zu setzen, daher haben wir vor Kurzem bereits unser zweites Elektroauto für die Gemeinde angekauft und zwei weitere Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden installiert. Als Unterstützung für berufstätige Eltern gibt es heuer zum ersten Mal einen Sommerkindergarten. Es freut mich auch, dass ich einige langersehnte Straßenbeleuchtungsprojekte umsetzen konnte. Das Thema B145 wird uns noch länger beschäftigen. Ich möchte eine Lösung für alle Bürgerinnen und Bürger von Altmünster erreichen – und das braucht Zeit.

Welche Projekte in der Gemeinde haben für Sie Priorität?

Das sind Projekte, die eine unmittelbare Auswirkung auf das Leben der Menschen in Altmünster haben. Die Leute sollen spüren, dass sich etwas zum Positiven verändert –  egal, ob es um leistbares Wohnen für Jung und Alt oder um die Kinderbetreuung geht.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien?

Ich arbeite nicht mit Parteien zusammen, sondern mit Menschen. Und da geht es mit den einen besser, mit den anderen nicht ganz so gut. Meine Devise lautet: „Wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück“, und daran halte ich mich. Die meisten sind gegenüber meiner Art, die Dinge anzupacken, sehr aufgeschlossen.  

Glauben Sie, dass Bundeskanzler Christian Kern die krisengebeutelte SPÖ wieder an die Spitze führen kann?

Ich denke, ja. Christian Kern vermittelt eine Aufbruchsstimmung und steht für eine neue Art der Politik. Ich bin zuversichtlich, dass seine Gestaltungskraft viele Menschen in der SPÖ anspricht.

Sie haben bis kurz vor Ihrer Wahl zur Bürgermeisterin als Lehrerein gearbeitet. Was erwarten Sie sich von Sonja Hammerschmid, der neuen Bundesministerin für Bildung?

Dass sie unsere Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt. Denn sie sind es, die bei einem Stillstand in der Bildungspolitik auf der Strecke bleiben. Ich bin überzeugt, dass Sonja Hammerschmid das schaffen wird. Sie vermittelt Fachwissen und Zielstrebigkeit.


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Bürgermeister von Wels Andreas Rabl (© Stadt Wels)

Andreas Rabl (FPÖ), Wels

Sie haben ein Programm für die ersten 100 Tage als Bürgermeister aufgestellt. Wie ist Ihnen die Umsetzung gelungen?

Sehr gut. Als Erstes haben wir den geforderten Kassasturz umgesetzt und sind zum Ergebnis gekommen, dass die Stadt ein laufendes Defizit von sieben Millionen Euro hat. In der Folge haben wir einen Restrukturierungsprozess eingeleitet. Wir haben einen Positionierungsprozess gestartet und präsentieren die Ergebnisse Ende Juni beim Sommerempfang des Bürgermeisters. Weiters haben wird den Stadtrechnungshof eingerichtet, den es vorher in dieser Form nicht gegeben hat, und vor allem haben wir einstimmig ein Zweijahresbudget beschlossen, mit dem wir in den nächsten zwei Jahren arbeiten werden und wo wir diesen Sparkurs bereits eingeschlagen haben. 

Welche Projekte haben für Sie Priorität?

Die ersten großen Projekte sind die Errichtung eines neuen Parkhauses in der Neustadt und die Attraktivierung des Traunufers. Weiters ist es mir ein Anliegen, Sprachgruppen in den Kindergärten einzuführen, um Sprachdefizite zu reduzieren. Und natürlich wollen wir Wels als Top-Wirtschaftsstandort positionieren. Außerdem soll sich in Sachen Brauchtum und Feste wieder mehr tun. Ich denke da an das Maibaumaufstellen und ein großes Volksfest. Derzeit konzipieren wir auch ein großes Musikfestival. 

Im Wahlkampf haben Sie Wels als „abgesandelt“ bezeichnet. Wie wird Wels wieder zur beliebten Einkaufsstadt mit hoher Lebensqualität?

Wir machen gerade Riesenschritte zu einer Wiederentdeckung der Innenstadt. In den letzten sechs Monaten haben sicher 25 Geschäfte in der Innenstadt neu eröffnet. Man findet komplett neue, sehr individuelle Geschäftsformen und Fachgeschäfte für ein gehobenes Publikum. Wir sind glücklich, dass sich auch im gastronomischen Bereich sehr viel getan hat. 

Das Sorgenkind Welios wurde vor Kurzem von einer Fernsehsendung als „Disneyland des Ökostroms“ bezeichnet. Ist hier noch eine Kehrtwendung zu schaffen?

Die Konzeptionierung des Welios ist nicht so aufgegangen, wie man sich das erwartet hat. Man muss sich überlegen, welche Alternativen zur Verfügung stehen. Diesbezüglich arbeiten wir sehr eng mit der Fachhochschule zusammen, um das Welios als Gebäude für die FH zu nützen und Jugendlichen zwischen 14 und 18 die Technik näherzubringen – mit eigenen FH-Labors und Open-Labs, die dort jeder verwenden kann. Das könnte sich als Zukunftsweg herausstellen und es würde vor allem den Abgang, den das Welios hat, reduzieren. 

Sind Sie, seitdem Sie Bürgermeister sind, schon einmal an Ihre Grenzen gestoßen?

Man lernt, dass die Dinge sehr viel Nachdruck brauchen, damit sich etwas bewegt, und dass nicht immer alles so schnell geht, wie man sich das vorstellt. Ich bin ein eher ungeduldiger Mensch und es gilt, ein Mindestmaß an Geduld zu erlernen. Je größer die Organisation, desto langsamer mahlen die Mühlen, aber es bewegt sich was. 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job als Bürgermeister?

Es ist unfassbar, wie viel man positiv verändern kann und welche Gestaltungskraft diese Position hat, wenn man sieht, dass Anweisungen unmittelbar zu einem Ergebnis führen. Vor Kurzem haben wir in Wels eine Demenzstation eröffnet und die Menschen sind dankbar, dass es diese Einrichtung gibt. Soziale Verantwortung für Bürger zu übernehmen, denen es nicht so gut geht, ist etwas Schönes. 

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Da ich fast jeden Abend unterwegs bin, verbringe ich meine Freizeit am liebsten zu Hause. Ich lese sehr viel und spiele mit meinem Sohn Tennis und Fußball. Auch Freunde bedeuten mir sehr viel. 


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Severin Mair (23), Bürgermeister von Eferding

Severin Mair (ÖVP), Eferding

Sie sind seit vergangenem Herbst Bürgermeister von Eferding. Wie ist es Ihnen in den ersten Monaten im neuen Amt ergangen?

Es war eine sehr intensive Zeit, weil ich viele Termine hatte und der Aufgabenbereich sehr vielfältig ist. Es gibt viel kennenzulernen, da habe ich auch noch einiges vor mir. Es ist immer etwas los, aber es macht mir wirklich Spaß. 

Geht sich Ihr Studium der Rechtswissenschaften da nebenbei noch aus?

Im Moment ist das sehr schwierig, weil ich nur schwer dafür Zeit finde und ich auch nicht den Kopf frei fürs Lernen habe. Das wird hoffentlich besser, wenn die ersten großen Projekte abgeschlossen sind. Aber natürlich hat das Bürgermeisteramt Vorrang.

Was ist im Moment Ihr dringlichstes Anliegen für Eferding?

Oberste Priorität haben im Moment die Kinderbetreuungseinrichtungen. Unsere Krabbelstube ist seit sechs Jahren in einem Container-Provisorium untergebracht und auch der Kindergarten findet zum Teil in einem Container statt. Darum arbeiten wir intensiv an der baulichen Umsetzung einer fixen Lösung. Wir haben alles eingereicht und warten jetzt auf die letzten Zusagen vom Land Oberösterreich. Im Idealfall können wir demnächst bereits einen Architekten beauftragen und im Herbst oder Frühjahr mit dem Neubau beginnen.

Sie sind mit 23 Jahren Österreichs jüngster Bürgermeister. Was machen Sie anders als ältere Kollegen?

Ich bin offener für Digitalisierung. Das ist ein großes Manko in der Verwaltung, die noch stark auf Hard Copy aufgebaut ist. Für mich ist das eine enorme Umstellung, weil wir auf der Uni und auch in der Schule sehr digital gearbeitet haben.
Vieles ist jetzt dadurch schwieriger zu organisieren. Aber es ist ein Prozess, das alles umzusetzen.

Hatten Sie seit Ihrem Amtsantritt je das Gefühl, Nachteile wegen Ihres Alters zu haben? Oder profitieren Sie davon, dass auch unser Außenminister Sebastian Kurz so jung ist?

Ich denke schon, dass ich davon profitiere. Obwohl das bei mir als Bürgermeister anders ist. Ich wurde direkt von der Bevölkerung gewählt, die Eferdinger haben so entschieden. Darum merke ich auch kaum Widerstand wegen meines Alters. Ich habe mich auch einmal mit Sebastian Kurz ausgetauscht, aber die Probleme, die er hatte, lassen sich nicht eins zu eins auf meine Situation umlegen.

Ihr Vater ist Vorsitzender der Grünen in Eferding. Sie selbst sind bei der ÖVP. Sie respektieren einander, auch wenn Sie manchmal unterschiedlicher Meinung sind. Kommt Ihnen diese Erfahrung jetzt im politischen Alltag zugute?

Natürlich, das ist gelebte Demokratie. Jeder darf seine eigene Meinung haben, es ist ein offener Diskurs. Bei meiner politischen Tätigkeit habe ich allerdings festgestellt, dass sich manche schwer tun, mit politisch anders Gesinnten zusammenzuarbeiten. Ich habe früh gelernt, bei gewissen Themen mit verschiedenen Ansichten umzugehen.