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People | 05.12.2022

Onepack statt Sixpack

Aquagymnastik statt Leistungssport, im Wellnessbereich chillen statt rudern – wir treffen Kanuweltmeisterin Viktoria Schwarz in einer Private SPA Villa in Geinberg5 zum Interview, wo sie ein paar Wochen vor der Geburt ihres Sohnes beim „Babymoon“ mit ihrem Freund Thomas noch einmal Zweisamkeit genießt.

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© Julia Traxler

Der Countdown läuft: Im Dezember werden Österreichs Top-Kanutin Viktoria Schwarz und ihr Freund Thomas Stelzhammer zum ersten Mal Eltern. „Es wird ein Bub“, verrät die 37-jährige Spitzensportlerin aus Puchenau bei Linz. Viermal hat sie bei Olympischen Spielen teilgenommen, Bronze, Silber und Gold bei Weltmeisterschaften mit nach Hause genommen und 29 Weltcupmedaillen gewonnen, bald schlägt die Weltrekordhalterin ein weiteres, spannendes Kapitel in ihrem Leben auf. Bevor aber Windeln und schlaflose Nächte ihr Leben dominieren werden, gönnen sich Viktoria Schwarz und ihr Freund Thomas noch einmal eine kleine Auszeit zu zweit und genießen den „Babymoon“ in einer Private Spa Villa in Geinberg 5 .  

 

OBERÖSTERREICHERIN: Viktoria, im Dezember kommt Ihr erstes Baby zur Welt. Wie geht es Ihnen?
Viktoria Schwarz: Es geht mir sehr gut, vielen Dank. Bisher verläuft die Schwangerschaft bestens. Ich konnte sehr lange trainieren und bin im Mai noch mit meiner Kollegin Ana Lehaci den Weltcup gefahren. Übrigens habe ich erst kurz davor erfahren, dass ich schwanger bin. Wir waren also bereits zu dritt im Boot (lacht). 

 

„Das Leben steckt voller Überraschungen“ – mit dieser Nachricht auf Instagram haben Sie mitgeteilt, dass Sie Mama werden. War es wirklich eine Überraschung?
Ja, es ist ziemlich schnell gegangen und war wirklich eine Überraschung. Thomas und ich freuen uns sehr auf diesen neuen Lebensabschnitt.

 

Wie darf man sich den Mutterschutz bei einer Profisportlerin eigentlich  vorstellen?
Ich bin seit 26. Oktober in Mutterschutz und muss nun alles ein bisschen ruhiger angehen. Als Profisportlerin kann man nicht von einem Tag von 100 auf null gehen, man muss langsam runterschalten und in sich reinspüren. Die Position im Boot und die Drehung des Körpers tun mir zum Beispiel nicht mehr gut, aber ich gehe gerne schwimmen und walken. 

 

Sie planen, bei den Olympischen Spielen im Jahr 2024 in Paris gemeinsam mit Ana Lehaci an den Start zu gehen. Bereits im August 2023 geht es bei der Kanu-WM in Duisburg um die Qualifikation. Ein ehrgeiziges Ziel, um als frischgebackene Mama bis dahin wieder in Topform zu sein.
Die Olympischen Spiele 2024 in Paris sind auf jeden Fall ein großes Ziel von mir. Die Qualifikation bei der WM in Duisburg nächstes Jahr wird sicher eine Herausforderung, da sich insgesamt nur sieben „Zweier“ qualifizieren können. Aber ich sehe dem Ganzen sehr gelassen entgegen und muss abwarten, wie sich meine neue Situation als Mama entwickeln wird. 

 

 

 

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© Julia Traxler

Sind Sie im Austausch mit Spitzensportlerinnen, die schwanger sind oder bereits Kinder haben?
Ja, ich kenne viele Kolleginnen, die gerade schwanger sind oder vor Kurzem ein Baby bekommen haben. Sie wollen alle wieder zurückkommen und auch an der Qualifikation für die Olympischen Spiele teilnehmen. 

 

Wie hat Ihre Kollegin Ana auf Ihre Schwangerschaft reagiert  und wie lassen sich Baby und Trainings vereinbaren?
Auch Ana hat sich sehr gefreut. Da nach der Saison von Oktober bis März jede von uns für sich trainiert, lässt sich das Ganze recht gut vereinbaren.  Ab  April trainieren wir wieder gemeinsam. Aber wie gesagt, ich muss schauen, wie ich mich nach der Geburt fühle und will mich auch nicht stressen. 

 

Wie viel trainiert Ihr grundsätzlich?
Normalerweise trainieren wir 20 bis 25 Stunden in der Woche, das bedeutet vier bis fünf Stunden am Tag. Samstagnachmittag und Sonntag haben wir frei. Es ist also schon sehr intensiv.  

 

Wer wird Sie nach der Geburt beim Comeback unterstützen?
Zum einen meine Eltern, die in Linz wohnen und zum Glück schon in Pension sind, und auch mein Freund Thomas. Er betreibt gemeinsam mit zwei Freunden die Immobilienfirma Staune. Sein Büro ist in Linz und er hat flexible Arbeitszeiten. Unser Lebensmittelpunkt als Familie wird Linz sein. 

 

Was gefällt Ihnen an der Schwangerschaft, was eher nicht?
Die Schwangerschaft war für mich als Profisportlerin schon eine gewaltige Umstellung. Gleich am Anfang habe ich ordentlich zugenommen, bis jetzt circa 14 Kilo – quasi vom Sixpack zum Onepack (lacht). Am schönsten finde ich an der Schwangerschaft, wenn ich meinen Kleinen spüre, wenn ich liege und er mich antippst. 

 

Wie sind Sie aufgewachsen?
Ich bin mit drei Brüdern in Linz-Urfahr aufgewachsen und es war ziemlich cool. Meine Brüder haben mich immer sehr gefordert, was sicher dazu beigetragen hat, dass ich so ehrgeizig bin. Um uns vier Kinder in Zaum zu halten, war es unseren Eltern ganz wichtig, dass wir Sport machten. 

 

Vor allem Kajakfahren?
Nicht ganz. Anfangs fuhren meine Eltern fast jedes Wochenende mit uns von Ort zu Ort, wo wir an Straßenläufen teilgenommen haben. Das Laufen wurde mir aber mit der Zeit zu langweilig, also ist mein Papa mit mir Kajakfahren gegangen und ich habe mir gedacht, endlich eine Sportart im Sitzen (lacht). 

 

Wie sind Sie dann zum Profisport gekommen?
Relativ schnell, ich habe im Fernsehen eine Siegerehrung bei den Olympischen Spielen gesehen und von da an davon geträumt, auch einmal ganz oben zu stehen. Diesen Traum habe ich konsequent verfolgt. Ich war extrem motiviert und habe viel trainiert. Mit 16 Jahren hat sich dann herauskristallisiert, dass ich Profisportlerin werden kann. 

 

Was war bisher Ihr größter Erfolg?
Mein größter sportlicher Erfolg war natürlich der Weltmeistertitel im Jahr 2011. Mein größter persönlicher Erfolg war aber mein Comeback nach meinem schweren Unfall im Jahr 2016. Nachdem ich beim Schlafwandeln sieben Meter vom Balkon gestürzt bin, habe ich mir Schulter und Nase gebrochen und die Ferse eingerissen. Obwohl alle Ärzte meinten, dass ich die Teilnahme bei den Olympischen Spiele vergessen könnte, habe ich es zweieinhalb Monate später bis ins Halbfinale geschafft. Seither weiß ich, dass alles möglich ist, wenn man es will. 

 

Haben Sie es je bereut, Profisportlerin geworden zu sein? 
Nein, es war bis jetzt eine wirklich schöne Zeit und ich würde es wieder genauso machen. Natürlich musste ich auch viele Entbehrungen hinnehmen und war sehr viel unterwegs. Das ist nicht immer einfach. Umso mehr genieße ich jetzt auch diesen „Babymoon“ in Geinberg 5 mit Massagen, Spa, Haubenküche und Candle-Light-Dinner. Diese drei Nächte sind eine schöne Auszeit, um vor der Geburt noch einmal entspannt zu zweit Zeit zu genießen.

 

Wo werden Sie künftig trainieren?
Das Trainingscenter in Linz wird meine Homebase sein. Auch Ana will nicht mehr so viel reisen. Wir hatten viele verschiedene Trainer, waren in vielen Länder unterwegs und haben gemerkt, dass es zu Hause, in unserem gewohnten Umfeld mit Familie und Freunden, am schönsten ist. Wenn wir uns wohlfühlen, kommen die Erfolge von alleine. 

 

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© Julia Traxler

Unterstützen Sie Ihre Sponsoren auch weiterhin?
Ja, meine Verträge werden verlängert, dafür bin ich unglaublich dankbar. Alle Sponsoren stehen hinter mir und finden es gut, dass ich noch einmal durchstarten möchte. Die letzten Olympischen Spiele in Tokio waren aufgrund der Coronakrise nicht einfach, daher ist Paris 2024 ein absolutes Highlight. Vor allem können auch meine Familie und Freunde dabei sein.  

 

Ist Ihr Freund Thomas auch sportlich?
Ja, Thomas trainiert im Fitnessstudio und macht jeden Morgen Liegestütze und Bauchmuskeltraining. Er ist sehr diszipliniert. 

 

Ihr Sohn hat also die besten Voraussetzungen, sportlich zu werden?
Natürlich würde es mir taugen, wenn er Freude am Sport hat. Aber er soll das machen, was ihn glücklich macht. Mein Freund ist übrigens auch sehr musikalisch. Ich werde meinen Sohn jedenfalls bei allem unterstützen. 

 

Haben Sie Angst vor der Geburt?
Noch bin ich ziemlich gechillt und mache mir nicht zu viele Gedanken. Das haben schon so viele Frauen geschafft (lacht). Ich lasse es einfach auf mich zukommen. 

 

Sollte es mit der Sportkarriere einmal zu Ende sein, welche beruflichen Pläne haben Sie dann?
Ich habe meinen Bachelor absolviert und bin Volksschullehrerin. Außerdem habe ich vor Kurzem den Master of Business Administration an der Fern-FH im Burgenland gemacht. Ich möchte vieles von dem, was ich als Sportlerin gelernt habe, weitergeben. Zum Beispiel bei Vorträgen in Firmen. Motivation und Disziplin sind auch in Unternehmen wichtig.