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People | 25.09.2017

Ohne Maulkorb

Dass sie sich kein Blatt vor den Mund nimmt, hat Ex-SPÖ-Politikerin Daniela Holzinger-Vogtenhuber (29) schon mehrfach bewiesen. Im Interview erzählt die derzeit wilde Abgeordnete, warum sie bei der Nationalratswahl für die „Liste Pilz“ kandidieren wird.

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Von der SPÖ zur Liste Pilz: Daniela Holzinger-Vogtenhuber. (© Celine Daliot)

Als Parteirebellin wurde Daniela Holzinger-Vogtenhuber vor drei Jahren über die Grenzen von Oberösterreich hinaus bekannt. Mehrfach ist sie als  SPÖ-Politikerin, die schon im Alter von 25 Jahren Nationalrätin war, von der Parteilinie ausgeschert. Im April dieses Jahres hatte sie von Klubzwängen und anderen parteipolitischen Machenschaften die Nase voll und kehrte den Sozialdemokraten den Rücken. Eigentlich wollte sie ab Herbst mit ihrem Mann für ein Masterstudium zurück an die Uni, aber der ehemalige Grünen-Abgeordnete Peter Pilz machte dem Paar einen Strich durch die Rechnung. Ende Juli holte er die engagierte junge Frau in sein Team „Liste Pilz“, mit dem er am 15. Oktober bei der Nationalratswahl kandidiert.

 

Warum sind Sie schon in jungen Jahren in die Politik gegangen?

Nach Abschluss der Handelsakademie habe ich im Jahr 2004 meinen jetzigen Mann kennengelernt. Damals haben wir beide beschlossen, an der Uni in Salzburg Politikwissenschaft und Soziologie zu studieren. Eines Tages hat ein Professor bei einem Seminar gefragt, ob jemand von uns Studenten auch aktiv politisch tätig ist. Niemand im Kurs hat sich zu Wort gemeldet. Das war für mich ein Anreiz.

 

War das der Grund, in Ihrer Heimatgemeinde Gampern für die SPÖ in den Gemeinderat einzuziehen?

Die SPÖ Gampern war damals ziemlich am Boden. Mein Mann und ich sind beide in die Ortspolitik eingestiegen und haben die Arbeitsweise in der Partei auf völlig Beine gestellt. Mein Mann hat den Bürgerantrag entwickelt, es gab zum ersten Mal eine Einbindung der Bürger. Unser Konzept war „Menschen statt Parteien“, womit wir sehr erfolgreich waren. 2015 erzielten wir bei den Gemeinderatswahlen ein Plus von zehn Prozent. Das ist das stärkste Ergebnis, das die SPÖ in dieser Gemeinde erreichte.

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Mit Peter Pilz war Daniela Holzinger- Vogtenhuber zuletzt im Eurofighter- Untersuchungsausschuss. (© Bianca Traxler)

Warum haben Sie sich im April entschieden, nicht mehr für die SPÖ zu kandidieren?

Für mich war der Abstand zwischen dem, was im Parteiprogramm steht, und dem, was tatsächlich gemacht wird, zu groß. Da konnte ich nicht mehr mit. Außerdem wollte ich mich nicht mehr für Machenschaften hergeben, bei denen Arbeitnehmer­interessen aus Machtkalkül hintangestellt werden, weil man selber in die Regierung will. Es hat einiges gegeben, was mich schwer enttäuscht hat. Ich bin als Bürgerin in die Politik gegangen und als Bürgerin auch wieder herausgegangen. Ich lasse mich nicht verbiegen.

 

Peter Pilz war nicht der Grund für Ihren Austritt?

Nein, im Team Pilz bin ich erst seit Ende Juli. Eigentlich haben mein Mann und ich beschlossen, dass wir beide nach meinem Verzicht für die SPÖ nicht mehr kandidieren und unseren Master an der Uni abschließen werden. Außerdem haben wir begonnen, die Privatpilotenlizenz zu machen. Mein Mann hat mich immer unterstützt und in den vergangenen vier Jahren die Pressearbeit für mich gemacht. Ein Nationalratsgehalt reicht immerhin für zwei Personen.

 

Wann haben Sie Peter Pilz kennengelernt?

Als es im Fall „Hypo Alpe Adria“ darum ging, dass der Untersuchungsausschuss ein Minderheitsrecht werden soll. Damals habe ich mich für den Antrag der Grünen ausgesprochen. Das war zwar nicht gegen die Parteilinie der SPÖ, aber gegen die Klublinie. Und das hat einigen nicht geschmeckt.

 

Und Sie sind als Rebellin auch über die Grenzen von OÖ bekannt geworden...

Ja, genau. Ich sehe mich allerdings nicht als Rebellin. Ich möchte einfach nur eine gute Arbeit machen.

 

Ist das auch ein Grund, warum Sie für die Liste Pilz kandidieren?

Ich sehe in diesem Projekt die Chance, das zu tun, was ich in der SPÖ nie machen konnte: meine Meinung sagen, ohne Wording, ohne Sprachregelung und ohne Maulkorb. Es gefällt mir, dass es keinen Klubzwang gibt und das Team aus freien Abgeordneten und KandidatInnen besteht, die eine transparente Politik machen, die sich gegen die tägliche Korruption stemmt.

 

Haben Sie gleich zugesagt, als Peter Pilz Sie fragte, für seine Liste in OÖ zu kandidieren?

Ich habe lange überlegt, war mir allerdings schnell sicher, dass die Liste Pilz das Richtige für mich ist.

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Vor zwei Jahren wurde geheiratet: Daniela Holzinger-Vogtenhubers Mann und Weggefährte ist derzeit als Wahlkampfleiter für die „Liste Pilz“ in Oberösterreich im Einsatz. (© Bianca Traxler)

Welche Chancen rechnen Sie sich für die Liste Pilz bei der Wahl aus?

Das ist schwer zu sagen. Wir haben noch nicht einmal mit dem Intensivwahlkampf begonnen. Mein Ziel ist, dass wir zweistellig werden. Damit wir real mitmischen können.

 

Wofür stehen Sie?

Ich stehe für Engagement statt Parteimitgliedschaft. Die Grundsätze Solidarität und Gerechtigkeit müssen das höchste Ziel sein. Es macht mir Freude, politisch zu arbeiten, auch wenn ich kein Parteimitglied mehr bin. Die Bevölkerung braucht keine Parteilogik. Wir brauchen engagierte Menschen, die in ihrem Bereich eine Kompetenz haben und sich politisch engagieren wollen.

 

Zieht es nicht auch Sebastian Kurz in diese Richtung?

Ich bewundere, wie viel Freiheit Kurz derzeit auf dem Papier gegeben wird. Ich bin neugierig, wie es ab dem Wahltag aussieht, ob sich dann die Bündestrukturen wieder durchsetzen werden. Womöglich bekommt er diese „Freiheiten“ nur, um viele Stimmen zu lukrieren. Ob sich wirklich etwas ändern wird, ist die große Frage.

 

Welchen Schwerpunktthemen werden Sie sich widmen, falls die „Liste Pilz“ in den Nationalrat einzieht?

Meine Interessen gelten dem Bereich Familienpolitik und Arbeitsmarkt. Wenn ich mir anschaue, dass sich die „Familienpartei“ ÖVP und die „Arbeiterpartei“ SPÖ bei der Flexibilisierung des Zwölf-Stunden-Arbeitstages einig sind, dann frage ich mich, was das soll. Ich will nicht, dass die Arbeitszeit zulasten von Kindern, Familien und der Gesundheit flexibilisiert wird. Außerdem muss die Leistung, die Mütter bringen, noch viel mehr anerkannt werden, vor allem auch finanziell – und dafür werde ich mich einsetzen. 

 

Was machen Sie, wenn die „Liste Pilz“ nicht in den Nationalrat einzieht?

Dann mache ich meinen Master und den Pilotenschein. Jeder hat so seine Pläne, aber natürlich wünsche ich mir, weiterhin politisch tätig sein zu können.