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People | 12.11.2018

Not Everybody's Darling

Vor einem Jahr startete Ina Regen mit ihrem Song „Wie a Kind“ voll durch. Am 2. November kommt ihr Debüt­album „Klee“ auf den Markt. Wir haben mit der Gallspacherin über Erfolgsdruck, Inspiration und die Trennung von ihrem langjährigen Freund gesprochen.

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Ina Regen (© Nina Stiller)

Im vergangenen Jahr blieb für die Sängerin und Songwriterin Ina Regen kein Stein auf dem anderen. Ihr Lied „Wie a Kind“ hat in der Vorweihnachtszeit voll eingeschlagen und die Gallspacherin von heute auf morgen zum Rising Star des Austropop gemacht. Trotz unzähliger Auftritte hat sich die 34-Jährige, die in Wien lebt, immer wieder zurückgezogen, um an ihrem Debütalbum „Klee“ zu arbeiten. In der Endphase wurde im Studio mehrfach die Nacht zum Tag gemacht. Herausgekommen sind zehn neue Songs, die vom Heimkommen über das Partymachen mit Freundinnen bis hin zum Abschiednehmen handeln und sich musikalisch wie auch inhaltlich sehr bunt präsentieren.

 

Am 2. November erscheint Ihr Debütalbum „Klee“. Was dürfen sich Ihre Fans von den Songs erwarten?

Ina Regen: „Klee“ ist ein sehr persönliches und buntes Album. Von recht intimen kammermusikalischen Songs über durchaus tanzbare, lockere Alltagsgeschichten hin zu großen, fast orchestralen Sounds findet sich recht viel Abwechslung auf diesem Album.

 

Wie haben Sie das vergangene Jahr nach Ihrem Senkrechtstart erlebt?

Vieles hat sich für mich verändert. Ich bin immer noch sehr dankbar für diesen Überraschungserfolg, auch wenn ich mich in diesem Leben neu zurechtfinden musste. Das war nicht immer einfach, denn wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Vor allem musste ich lernen, berufliche Entscheidungen von privaten Empfindungen zu trennen. Aber ich möchte an den schwierigen Situationen wachsen und mich an den erfüllenden Momenten nähren, und das gelingt mir bisweilen ganz gut. Ich freu mich jetzt einfach, dass das, wofür ich sehr lange sehr hart gearbeitet habe, nun endlich in die Welt entlassen wird, und bin sehr neugierig auf die Reaktionen des Publikums.

 

Was ist Ihnen in diesem Jahr besonders in Erinnerung geblieben?

Als besonders intensiv habe ich meine Performance bei den Amadeus Awards mit Standing Ovations erlebt. Auch das Donauinselfest oder das Heimspiel auf der Burg Clam sind sehr helle Sterne, die in diesem Jahr 2018 für mich geleuchtet haben. Prägend war aber auch die Begegnung mit meinem Idol Jamie Cullum, für den ich in Deutschland Support gespielt habe. Mit ihm backstage über die Musik zu philosophieren, hätte ich nie für möglich gehalten.

 

Werden Sie häufig auf der Straße angesprochen?

Zunehmend ja, wobei ich trotzdem immer wieder überrascht bin, wenn es passiert.

 

Wie gehen Sie mit dieser neu erlangten Prominenz um?

Die Möglichkeit, eine Stimme zu haben, die im Moment von vielen gehört wird, empfinde ich einerseits als großes Privileg und andererseits auch als Verantwortung. Mir ist bewusst, dass ich nicht Everybody's Darling sein kann, aber auch gar nicht sein will. Ich versuche einfach, meiner inneren Wahrheit treu zu bleiben, und gestehe mir durchaus auch zu, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

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© Nina Stiller

 

Mit dem Song „Wie a Kind“ waren Sie für den Amadeus Award nominiert, haben Platz 1 bei iTunes und über 1,8 Millionen Streams bei YouTube erzielt.Wie groß ist der Druck, wieder so einen Hit abzuliefern?

Manchmal spüre ich ihn schon, diesen Druck. Nicht im kommerziellen Sinne, weil darauf, ob eine Radiostation meine Lieder spielen will oder nicht, habe ich eh keinen Einfluss. Aber natürlich wünsche ich mir, dass das Publikum das auf meinem Album wiederfindet, was es letzten Winter in „Wie a Kind“ entdeckt hat. Wenn Angst hochkommt, konzentriere ich mich darauf, worum es mir vor diesem Hype ging: Ich wollte und will immer noch ehrliche Musik machen, die mir aus der Seele spricht und persönlich gefällt. Im besten Fall berührt meine Musik die Menschen. 

 

Die elf Songs auf Ihrem Debütalbum „Klee“ stammen alle aus Ihrer Feder. Wie lange haben Sie an diesem Album gearbeitet?

Auf „Klee“ sind zehn Songs, die in den letzten zwei Jahren, seit ich den Dialekt für mich entdeckt habe, entstanden sind. Außerdem die Cover-Version von Hubert von Goiserns „Heast as net“, die ich mit Conchita aufgenommen habe und die ein sehr wichtiger Schritt auf diesem Weg war. In den letzten Monaten habe ich den Großteil meiner Zeit und Energie in dieses Album investiert. Zunächst ins Schreiben der Songs, dann in die Live-Umsetzung mit der Band, und parallel dazu haben mein Produzent Florian Cojocaru und ich diesen Sommer fast durchgehend im Studio verbracht. Wir haben sehr oft nachts gearbeitet, weil wir da endlich ungestört waren. Ich werde unsere Nachhause-Spaziergänge bei Sonnenaufgang für immer mit dieser verrückten Album-Endphase in Verbindung bringen. (lacht)

 

Warum der Name „Klee“?

Der Prozess, der mich auf meinen Weg als „Ina Regen“ gebracht hat, lässt sich unter dem Motto „die aktive Suche nach dem Glück“ zusammenfassen. Dazu gehört die Trennung nach einer sehr langen Beziehung mit meinem Ex-Freund, über die ich im Song „Paris“ ein recht wertschätzendes und doch hoffnungsvolles Resümee ziehe, genauso wie diese Momentaufnahme einer Partynacht mit meinen besten Freundinnen, von der ich in „Spring“ erzähle. Oder dieses neue Freiheitsgefühl, das sich sowohl in „Landn Überoi“ oder „Boafuass“ wiederfindet.

 

Im Song „Hoam“ singen Sie vom Heimkommen. Wie oft kommen Sie noch nach  Gallspach?

Die Idee zu „Hoam“ ist zu einer Zeit gewachsen, als ich mich privat recht entwurzelt gefühlt habe und aus beruflichen Gründen nie länger als zwei Nächte an einem Ort war. Da ist mir aufgefallen, wie wichtig dieses Gefühl von „zu Hause ankommen“ für mich ist. Dieses ganz besondere Heimkommen wird es wohl nur in dem Haus geben, in dem ich aufgewachsen bin. Derzeit sehe ich meine Familie aber eher dann, wenn sie mich in meinem Zuhause, nämlich auf der Bühne, besuchen kommen als umgekehrt.

 

Welches der elf Lieder hat Ihrer Meinung nach das Potenzial von „Wie a Kind“?

Ich könnte mir vorstellen, dass „Wir schreibm Geschichte“ die Leute auf dem gleichen Fuß erwischt. Zumindest hatte ich beim Komponieren eine ähnliche Gefühlsbandbreite. Bei beiden Liedern packte mich  diese euphorische Aufgeregtheit, als ob ich gerade etwas ganz Wichtiges für mein Leben verstanden hätte, und in beiden Fällen war es die Einsicht, dass ich die volle Verantwortung für mein Leben übernehmen muss, wenn ich glücklich sein will.

 

Album Release-Shows, Konzerte ... in den nächsten Monaten sind Sie viel unterwegs. Wie schalten Sie ab?

Mittlerweile weiß ich ganz gut, wie ich in stürmischen Zeiten mit beiden Beinen am Boden bleiben kann. Einerseits durch mein Morgenritual, das Tagebuchschreiben bei zwei Tassen Kaffee, den intensiven Kontakt mit meinen wichtigsten Lebensmenschen und durch Yoga, weil es Kopf und Körper wieder ausbalanciert.