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People | 20.06.2018

„Noch immer mein Traumjob“

Andreas Pilsl (49) ist seit 2012 Landespolizeidirektor von Oberösterreich. Begonnen hat seine Karriere vor 30 Jahren auf einem kleinen Gendarmerieposten im Mühlviertel.

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Landespolizeidirektor von Oberösterreich Andreas Pilsl (© Andreas Röbl)

Mittwoch, später Vormittag. Wir treffen Andreas Pilsl in seinem Büro am Landespolizeikommando in der Linzer Gruberstraße. Sein Pressesprecher warnt gleich zu Beginn des Interviews, dass der Landespolizeidirektor nicht viel Zeit hat. Ein Termin jagt den nächsten. Dennoch sitzt der 49-jährige Mühlviertler völlig entspannt beim Interview und erzählt von seinem Leben, seinen vier Töchtern und was für ihn einen guten Polizisten ausmacht.

 

Viele Kinder nennen als Berufswunsch Pilot, Feuerwehrmann oder eben Polizist. War das bei Ihnen auch so, dass Sie schon als Kind wussten, dass Sie später einmal zur Polizei wollen?

Andreas Pilsl: Diese Frage wurde mir oft bei diversen Auswahlverfahren gestellt, und tatsächlich ist es so, dass ich schon als Kind Polizist werden wollte. Mein Vater war Gendarm. Ich bin sozusagen am Posten in Grein aufgewachsen. Wir haben sogar oberhalb des Postens gewohnt. Darum war für mich von Anfang an klar, dass ich später auch einmal Gendarm werden möchte. Diese Entscheidung habe ich bis heute nie bereut.

 

Ist es Ihr Traumberuf?

Ich bin noch jeden Tag gern in die Arbeit gegangen. Das Credo ist, sich ein Umfeld zu schaffen, in dem es für alle – auch für die Mitarbeiter, die für mich auch immer Kollegen sind – angenehm ist. Wenn man gern arbeitet, geht einem vieles leichter von der Hand.

 

Sie haben im Sommer 1988 Ihre Laufbahn am Gendarmerieposten Gallneukirchen begonnen. Wie wichtig ist diese Erfahrung für Sie als Landespolizeidirektor, den Beruf von der Pike auf gelernt zu haben?

Ich denke sogar, dass es essenziell ist. Weil dieses Jobprofil so vielschichtig ist und man so viele Facetten abdecken soll, dass meine Vergangenheit – also mehr als 30 Jahre im Job – für mich entscheidend ist, zum gegebenen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wichtig ist auch, dass man in dieser Zeit immer am Ball bleibt, man bei den Kollegen ist und weiß, wo der Schuh drückt. Darüber hinaus muss man immer auch visionär bleiben, um den Betrieb weiterzubringen.

 

Was ist im Moment die größte Herausforderung, die Sie sehen?

Seit der Flüchtlingskrise 2015, die wir, was die polizeiliche Arbeit anbelangt, ganz gut gemeistert haben, und den Menschenmengen, die durchs Land gezogen sind, spüren wir, dass bei Teilen der Bevölkerung eine Verunsicherung da ist. Gerade die Präsenz im öffentlichen Raum und der Schutz des öffentlichen Raumes haben irrsinnige Priorität bekommen. Dem versuchen wir natürlich gerecht zu werden, beispielsweise durch die Etablierung einer Bereitschaftseinheit, die in Parks und im Bahnhofsbereich verstärkt unterwegs ist. In vielen Bereichen sind wir auch mit unseren Ideen sozusagen Schrittmacher. Das geht allerdings nur, wenn man ein gutes Team hat, das eingespielt aufeinander Rücksicht nimmt und trotzdem immer den Drang nach vorne hat.

 

Was macht einen guten Polizisten für Sie aus?

(überlegt) Ein guter Polizist muss ein ordentlicher Mensch sein. In Wahrheit sind die Soft Skills viel wichtiger als die Gesetzeskenntnis bis ins letzte Detail. Ein Polizist muss Menschen mögen, sie verstehen und bereit sein, mehr zu leisten. Es ist kein klassischer „9-to-5“-Job. Polizist zu sein ist anstrengend, mitunter auch gefährlich, und mit diesem Wissen muss man in den Job hineingehen.

 

Sie sind der Chef von mehr als 4.000 Mitarbeitern, davon sind mehr als 3.600 Exekutivbeamte. Wie persönlich kann das in dieser Größenordnung noch sein?

Ich kenne viele der Beamten persönlich, weil ich ein bisschen davon profitiere, dass mein Vater früher Lehrer an der Gendarmerieschule war. Darum kenne ich viele der älteren Generation. Bei den jüngeren Kollegen wird es leider etwas schwieriger. Durch die große Aufnahmeoffensive komme ich gar nicht mehr nach, alle entsprechend kennenzulernen. Das tut mir ein bisschen leid.

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Andreas Pilsl im Gespräch mit Redakteurin Nicole Madlmayr (© Andreas Röbl)

Läuft die Aufnahmeoffensive bei der Polizei noch?

Ja, weil wir immer noch Mitarbeiter suchen. Wobei die Suche immer schwieriger wird, weil wir so viel mehr Leute aufnehmen. Die Auswahl wird immer aufwendiger. Im Vorjahr mussten sich 1.000 Leute einem Auswahlverfahren unterziehen, damit wir am Ende 200 Leute finden, die passen. Das ist ein Riesenaufwand. Heuer werden wir zumindest 225 Leute aufnehmen, und im nächsten Jahr rechne ich mit 250 neuen Exekutivbeamten. Das hat zum einen damit zu tun, dass geburtenstarke Jahrgänge in Pension gehen. Auf der anderen Seite wollen wir aufbauen, um das Versprechen wahr zu machen, dass man mehr Exekutive sehen wird.

 

Gibt es Grundvoraussetzungen, die man braucht, um bei der Polizei aufgenommen zu werden?

Zum einen sind die Deutschkenntnisse nach wie vor sehr wichtig. Dann geht es auch um Fragen der Allgemeinbildung, und natürlich müssen die körperliche Konstitution sowie die sportlichen Werte passen, daraus ergibt sich ein Punktewert. Das Auswahlverfahren ist übrigens in ganz Österreich gleich. Damit ist dieser Wert sehr gut vergleichbar, und Oberösterreich hat davon profitiert, dass wir nur Leute mit einer sehr hohen Punktezahl aufnehmen konnten. Mittlerweile gehen wir auch auf die gesellschaftlichen Veränderungen ein. Bis vor wenigen Jahren war es so, dass zum Beispiel sichtbare Tattoos ein fixer Ausschließungsgrund waren. Diese Regelungen werden jetzt etwas gelockert. Die Polizei versucht damit auch, etwas weltoffener zu werden.

 

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

(lacht und gibt die Frage an seinen Pressesprecher weiter) David Furtner: Ich würde sagen, dass seine Führung fast schon freundschaftlich zu sehr vielen Bediensteten ist, die er kennt. Nichtsdestotrotz bestreitet keiner, dass er der Chef ist. Er ist auch einer, der Ideen und Innovationen permanent fördert und auch fordert – besonders von seinem engsten Führungskreis.

 

Sie sind Vater von vier Töchtern. Wie geht es Ihnen daheim als Hahn im Korb?

Sehr gut! Wir haben eine sehr breite Range beim Alter – die älteste ist 25 Jahre, die jüngste acht Jahre alt. Es läuft grundsätzlich recht gut, und ich bin sehr gern Vater von vier Töchtern. Das gibt den entsprechenden Rückhalt, den man braucht. Wenn ich an die Flüchtlingskrise zurückdenke und daran, dass man da selbst auch an seine Grenzen kommt, ist die Familie ein wichtiger Anker.

 

Wobei können Sie in Ihrer Freizeit entspannen und neue Kraft tanken?

Bei Sport in jeder Form – in erster Linie Tennis und Radfahren. Das betreibe ich schon ewig, teilweise mit Freunden über Jahrzehnte hinweg. Ich bin  gern im Garten und in der Natur, aber irgendwann ist ohnehin Schluss mit der Zeit, weil ich nicht so viel Freizeit habe.

 

Sie sind für die ÖVP auch im Ge­meinderat in Ihrer Heimatgemeinde Grein. Warum ist Ihnen das wichtig?

Leider fehlt mir auch dafür oft die Zeit, aber mir geht es dabei um die Anliegen der Bevölkerung. Es wird wenig Parteipolitik gemacht, wesentlicher sind die lokalen Interessen. Für mich ist es spannend zu helfen, wenn man irgendwo helfen kann. Das Leben hat es sehr gut mit mir gemeint, darum möchte ich in dieser Hinsicht auch etwas zurückgeben. Gemeinschaft und Gemeinwohl sind mir wichtig.

 

Sie feiern nächstes Jahr Ihren 50. Geburtstag. Wie sehen Sie dem entgegen?

(lacht) Ich sehe diesem Tag extrem entspannt entgegen. Ich bin körperlich in sehr guter Verfassung, und wenn das so bleibt ... Mein Vater ist 72 Jahre alt und immer noch sehr fit. Ich denke, dass das Alter an sich relativ nebensächlich ist, wenn die Gesundheit passt.

 

Sie haben gerade Ihren Vater angesprochen, der ebenfalls Polizist war. Ist er sehr stolz darauf, dass sein Sohn Landespolizeidirektor geworden ist?

Natürlich ist er stolz, aber das wird nicht jeden Tag bei uns zelebriert. Es war ja nicht absehbar, weil ich 1988 ganz normal als Polizist begonnen habe. Dann hat es viele glückliche Fügungen gegeben, wo es zum Teil um Zehntelpunkte ging, ob man dabei ist oder nicht. Das hätte auch ganz anders kommen können! Nichtsdestotrotz wäre ich dann immer noch Polizist. Ich definiere mich nicht über meine Position, weil es bei uns viele spannende Bereiche gibt – von der Kriminalitätsbekämpfung bis hin zum Staatsschutz. Ein Traumjob eben!