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People | 19.05.2015

Nobel-Gastronom mit Herz

Fiona, die Tochter der Lebensgefährtin von Mario Plachutta, hat Down-Syndrom. Sie hat den sechsfachen Restaurant-Inhaber mitunter dazu motiviert, vier Menschen mit Beeinträchtigungen einen Arbeitsplatz zu geben.

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Stefan bei der Arbeit. (©: Anja Gubo)

Im Jahr 1993 machte sich Mario Plachutta, der Sohn von Rindfleischpapst Ewald Plachutta, mit einem Restaurant in der Wollzeile in Wien selbstständig. Heute gehören ihm sechs Restaurants in der Bundeshauptstadt. Dort beschäftigt der dynamische Innovator rund 300 Mitarbeiter. Wenn Mario Plachutta von Fiona, der Tochter seiner Lebensgefährtin, spricht, dann beginnen seine Augen zu strahlen. Stolz erzählt der 47-jährige Gastro-Unternehmer, wie selbstbewusst die junge Frau trotz Down-Syndrom ihr Leben meistert. Die 18-Jährige war mitunter ein Grund, warum der Unternehmer in seinen sechs Restaurants vier Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen beschäftigt. Für dieses Engagement wurde er nun vom Verein „Ein Platz im Leben“ für den Unternehmerpreis nominiert (siehe Factbox). Wir haben Mario Plachutta in seinem Res-taurant in der Wollzeile in Wien besucht. In einem seiner seltenen Interviews erzählt er, warum er Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen einstellt. 

 

Sie betreiben in Wien sechs Restaurants. In welchem trifft man Sie am ehesten an?

Man trifft mich in allen sechs Betrieben an. 

 

Ihr Vater Ewald machte sich 1979 selbstständig und wurde zum Botschafter der österreichischen Küche. War es für Sie immer schon klar, in die Gastronomie einzusteigen?

Es war für mich immer schon klar, dass ich in der Gastronomie selbstständig tätig sein möchte. Ich habe mich nach vier Jahren Auslandstätigkeit im Jahr 1993 mit Plachutta in der Wollzeile selbstständig gemacht. Dann folgten Plachutta Nussdorf, der Grünspan, das Mario und zuletzt das Gasthaus zur Oper. Nach außen hin agieren wir wie eine Familie. Das Plachutta Hietzing gehört immer noch meinem Vater, ist aber schon teilweise in meine Betriebe integriert. Ich werde es in absehbarer Zeit übernehmen. Das wird das erste Mal sein, dass ich einen Betrieb von meinem Vater übernehmen werde. 

 

Sie haben eine Hotelfachschule besucht. Haben Sie auch in anderen Betrieben Praxiserfahrung gemacht?

Ja, ich war in der Hotellerie in Asien, Nord-amerika, Frankreich und Italien tätig. 

 

 

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Mario Plachutta, Mitarbeiter Stefan und Chefredakteurin Ulli Wright. (© Anja Gubo)

Wie ist Ihr Führungsstil?

Kooperativ.

 

Sie beschäftigen vier Menschen mit Beeinträchtigungen. In welchem Bereich sind sie tätig?

Sie sind im Küchen- und im Servicebereich tätig. Da meine Lebensgefährtin eine 18-jährige Tochter mit Down-Syndrom hat, wurde ich dahingehend sensibilisiert. Sicher hat man anfangs Unsicherheiten im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Es ist für mich aber immer wieder sehr interessant zu sehen, wie unaufgeregt Elternteile damit umgehen. Mir ist es wichtig, einen „normalen“ Umgang mit diesen Mitarbeitern zu führen. Ich möchte zeigen, dass selbst ein Hochdienstleis-tungsbetrieb, der wie wir im oberen Segment angesiedelt ist, Menschen mit Beeinträchtigungen erfolgreich beschäftigen kann. Natürlich ist es anfangs mit einem gewissen Aufwand verbunden und man muss die Führungskräfte auch speziell schulen. Indem ich Menschen mit Beeinträchtigungen anstelle, möchte ich zeigen, dass das Leben breiter ist, und diese andere Form des Lebens lockert auf. 

 

Fachkräftemangel ist in aller Munde. Ist es schwierig, gutes Personal zu bekommen?

Fast jeder Mensch hat Potential und ein Betrieb hat immer die Verantwortung, dieses Potential zu wecken. Daher ist es wichtig, wie und wo man die Leute einsetzt. Ich vergleiche das gerne mit dem Sport. Zusammengewürfelte Mannschaften mit Topstars funktionieren oft nicht. Eine homogene Gruppe hingegen, wo kein Topstar mitspielt, bringt eine super Leistung und gewinnt die Meisterschaft. So ähnlich ist es in einem Betrieb auch.