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People | 05.10.2020

NEUE PERSPEKTIVE

„Spinnerin“ lautet der Titel des tief bewegenden Albums, das die Traunviertlerin Julia Lacherstorfer nach Jahren aufwendiger Arbeit präsentiert.

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© Julia Geiter

Vom ersten Lied an fesselt die „Spinnerin“. Mit der Musik, in der Julia Lacherstorfer neues Volkslied mit anderen Genres und unerwarteten Klängen verschmelzen lässt, mit ihrem Geigenspiel und ihrer Stimme. Im fabelhaft gestalteten Booklet erzählt die Künstlerin Hintergründe, Assoziationen, persönliche Erlebnisse; hinter jeder Nummer stehen Frauengeschichten.Die Violinistin, Komponistin und Sängerin, die kürzlich mit dem Hubert von Goisern-Kulturpreis ausgezeichnet wurde, legt damit ihr erstes Soloalbum vor, auf dem 15 Tracks einander die Hand reichen. Bewegende, aufwühlende und kraftvolle Texte und Arrangements lassen vorm geistigen Auge Bilder entstehen, das Album schafft Kopfkino.Schon lange begleitete Julia Lacherstorfer – sie ist unter anderem Gründungs- und Bandmitglied von „Alma“ – die Sehnsucht nach einem eigenen Projekt. „Ich kenne so viele Volkslieder. Ich hab mich immer gefragt, warum es so wenige gibt, die ich mit Überzeugung in ein Bühnenprogramm aufnehmen kann“, erzählt sie. „Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Lieder passen nicht zu meiner Lebensrealität, die meisten erzählen eine männliche Perspektive.“ Die 35-jährige Traunviertlerin stöbert im Österreichischen Volksliedwerk, fragt Expertinnen und Experten und muss feststellen, dass die weibliche Sichtweise kaum vorkommt. Sie stößt auf die Reihe des Böhlau Verlages „Damit es nicht verlorengeht“, im Speziellen auf das Buch „Bäuerinnen erzählen“. „Die Geschichten der Frauen sind berührend und beeindruckend“, sagt sie. „Da wusste ich genau, was ich machen will: den Schwerpunkt auf Frauenlebensgeschichten der letzten hundert Jahre legen und selbst Lieder schreiben.“

Lebensfaden. Ausgangspunkt für mehrere Werke waren Interviews, die die Künstlerin zumeist mit der Großmuttergeneration geführt hatte. Sie integrierte aber auch ein altes Lied, das bei ihrer Recherche mehrfach auftauchte: „I bitt, Herr Hauptmann“. Um die Dramatik des Textes zu unterstreichen – eine Frau will ihren Mann vom Kriegsdienst „freikaufen“ – verwendet sie die Melodie einer alten Polonaise aus dem 17. Jahrhundert und passt den Text an. Zudem beinhaltet das Album Stücke, die einem Kompo-
sitionsauftrag des Kollektives „Musica Femina“ entstammen.Dem Albumtitel „Spinnerin“ wohnen viele Deutungssmöglichkeiten inne, verrät Julia Lacherstorfer. Eine geht auf ihre Auseinandersetzung mit alpenländischen Volksmärchen zurück: „Die Figur der Spinnerin steht oft symbolisch für Schicksal, sie spinnt den Lebensfaden.“Gute zwei Jahre Arbeit stecken im Album, ob es sie veränderte? „Mehr als ich im Vorhinein gedacht hatte“, lacht sie. „Ich bin innerlich gewachsen, weil ich noch mehr das zum Ausdruck gebracht habe, was ich musikalisch sagen möchte.“ Eine Feel Good-Musik sei dies freilich nicht, betont sie, „mir ist wichtig, dass mit meiner Musik innerlich was aufgebrochen werden kann“.Das mit Videokunst umrahmte Live-Programm „Spinnerin. A Female Narrative“ bestreitet Julia Lacherstorfer mit der Cellistin Sophie Abraham und Sounddesigner Lukas Froschauer

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www.julialacherstorfer.at

LIVE-PRÄSENTATIONEN:

9. Oktober / Seekirchen am Wallersee,

16. Oktober / Café Caspar Wien,

17. Oktober / Bad Hall,

20. Oktober / Sargfabrik Wien,

5. Nov. / Klang.Film.Theater Schladming.

www.julialacherstorfer.at