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People | 20.09.2022

Musikalisches Ausnahmetalent

Der 18-jährige Benjamin Gotthard aus Hörsching begeistert mit seiner Stimme, am Klavier und am Akkordeon und räumt dabei die großen Preise ab.

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Benjamin Gotthard möchte seine Leidenschaft zum Beruf machen. © Katharina Baumgartner

Dass Benjamin Gotthard aus Hörsching ein absolutes Ausnahmetalent ist, beweisen nicht nur zahlreiche Preise und Auszeichnungen, sondern auch sein bisheriger Werdegang. Immerhin begann er mit 15 Jahren an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz Akkordeon zu studieren, drei Jahre später gesellte sich Klavier dazu. Benjamin begeistert aber nicht nur an den Instrumenten, sondern auch mit seiner Stimme im Chor des Musiktheaters in Linz. Wir haben mit dem sympathischen 18-Jährigen  während seines zweiwöchigen Meisterkurses bei den internationalen Musiktagen in Rohrbach gsprochen und erfahren, dass er dort von den DozentInnen mit dem „Martin Hornstein Interpretationspreis“ ausgezeichnet wurde.  

 

OBERÖSTERREICHERIN: Benjamin, für deine Darbietung am Akkordeon hast du im März den Förderpreis des Lions Club Linz-Nibelungen gewonnen und im Mai den Sieg beim Bundeswettbewerb „prima la musica“ am Klavier und am Akkordeon nach Oberösterreich geholt. Wie  kam die Musik in dein Leben? 

Benjamin Gotthard: Meine Eltern sind keine Musiker, wollten aber, dass ich mit Musik aufwachse. Mit viereinhalb Jahren haben sie mich gefragt, ob ich Klavier spielen lernen möchte. Da habe ich dann ganz jung begonnen und vier Jahre später auch noch Akkordeon dazu gelernt. Zu Beginn hatte ich Privatunterricht, aber später besuchte ich die Musikschulen Wels, Eferding und Leonding. Seit 2018 studiere ich als außerordentlicher Student Akkordeon an der Bruckneruniversität in Linz und seit heuer auch Klavier. 

 

Du bist auch im Chor des Musiktheaters in Linz, wie kam es dazu? 

Ich war im akademischen Gymnasium und spielte dort die Hauptrolle in der Kinderoper „Pollicino“. Die Chorleiterin des Musiktheaters hat mich gesehen und gefragt, ob ich nicht in den Kinderchor des Theaters kommen möchte. Seitdem singe ich am Musiktheater. 

 

Wie ist das Gefühl für dich, auf der Bühne zu stehen?

Ich genieße das sehr! Ich bin zwar vor den Konzerten immer sehr nervös, aber sobald ich auf der Bühne stehe, ist alles vergessen und ich kann meiner Passion nachgehen.

 

Hast du Tipps gegen Lampenfieber?

Tief Luft holen, durchatmen und sagen: „Ich kann das! Ich schaffe das!“ Ich habe auch Meridian-Klopftechniken fürs Gesicht gelernt, die entspannen und die Nervosität lindern. Aber eine gewisse Aufregung gehört für mich dazu. Das Lampenfieber pusht den Kreislauf nach oben und macht mich leistungsstark. 

 

 

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Seit bereits vier Jahren studiert Benjamin Gotthard an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz Akkordeon. © Roland Pelz

Du maturierst erst nächstes Jahr. Wie kam es dazu, dass du jetzt schon an der Uni studierst?

Ich bin mit 15 Jahren als Jungstudent in einen Vorbereitungslehrgang an die  Bruckneruni gekommen. Jetzt bin ich 18 und nicht mehr der Jüngste dort (lacht). Ich studiere meine Hauptfächer Akkordeon und Klavier, die Nebenfächer kann ich erst mitmachen, wenn ich maturiert habe, um dann als ordentlicher Student abzuschließen. 

 

Wieviel Zeit nimmt die Musik in deinem Leben ein? 

Die Musik nimmt eigentlich 24/7 von meinem Leben ein. Ich übe täglich mehrere Stunden und bin zwei bis vier Mal die Woche auf der Uni bzw. in der Musikschule. Im Chor des Musiktheaters bin ich auch noch, also ja, die Musik ist mein Leben (lächelt). 

 

Du wirst als Ausnahmetalent gefeiert. Wie gehst du mit dem Druck um? 

Das wettbewerbs- und vergleichsorientierte Denken in der Musik finde ich schade. Das ist ein generelles Problem in unserer Gesellschaft. Vergleich ist der Tod des Glücks, daher versuche ich, mich nicht mit anderen zu vergleichen. Von außen spüre ich keinen negativen Druck. Meine LehrerInnen, ProfessorInnen und auch meine Eltern unterstützen mich alle sehr. Einen positiven Druck habe ich gerne, der weckt den Ansporn und Ehrgeiz. 

 

Was machst du sonst noch gerne in der wenigen Freizeit? 

Ich spiele gerne Tischtennis und wenn es die Zeit zulässt, gehe ich gerne angeln. Da fühle ich mich sehr mit der Natur verbunden, das ist ein schöner Ausgleich. Aber Musik ist meine größte Passion!  

 

Du schließt nächstes Jahr die Maturaklasse des Musikzweigs des Stifter-Gymnasium Linz ab. Wie geht es dann weiter? 

Nach der Matura mache ich erst mal ein Jahr Zivildienst in Oberösterreich. Danach möchte ich unbedingt Klavier und Akkordeon studieren. Vielleicht auch im Ausland. 

 

Was sind deine großen Träume, was willst du musikalisch noch erreichen?

Mein Traum ist es, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Wenn mir das gelingt, bin ich wunschlos glücklich. Natürlich träume ich wie jeder Musiker davon, auf Konzertreisen zu gehen. Ich bin schon öfter im Ausland aufgetreten und das ist immer besonders. Aber im Prinzip geht es mir nicht darum, wo ich spiele, sondern dass ich die Menschen mit meiner Musik berühre, egal ob in einem kleinen Dorf im Mühlviertel oder in London. Ich bin extrem dankbar und sehe es nicht als selbstverständlich, dass ich diesen musikalischen Weg gehen darf. Es ist klar, dass ich viel dafür leiste, aber auch die Menschen, die um mich sind, spielen eine große Rolle. Diesbezüglich habe ich großes Glück und das Privileg, richtig gute Ratgeber und Ratgeberinnen an meiner Seite zu haben.