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People | 30.09.2019

"Musik motiviert mich"

Ab 12. Oktober steht die gebürtige Mühlviertlerin Anna Magdalena Auzinger als Maria im Musical „West Side Story“ in Bad Hall auf der Bühne. Wir haben die Sängerin, Tänzerin und Choreografin in Wien, wo sie mit ihrer zweijährigen Tochter lebt, zum Interview getroffen.

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© Chris Singer

Mit ihrer klaren und geschmeidigen Stimme be­geistert Sopranistin Anna Magdalena Auzinger immer wieder das Publikum von Konzerten und Musical-Aufführungen. Wir treffen die zarte Mühlviertlerin zum Covershooting im Vienna’s English Theatre in Wien, wo sie im Frühsommer die Choreografie für das Kindermusical „The Beauty and the Beast“ gemacht hat. Die 35-Jährige ist nämlich nicht nur Sängerin, die Mutter einer kleinen Tochter ist auch als Choreografin und Tänzerin unterwegs und unterrichtet in den Musikschulen in Bad Schallerbach und Grieskirchen.

In Neufelden im Mühlkreis in eine Musikerfamilie geboren, wurde ihr Musik bereits in die Wiege gelegt. Kein Wunder also, dass sie ihr Studium Sologesang mit ausgezeichnetem Erfolg abschloss und mit renommierten Orchestern national und international unterwegs war. Für unser Cover­shooting schlüpfte das fesche Allround-Talent in Kleider von Callisti und bewies absolute Modelqualitäten.

 

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Musik im Blut. In einer Musikerfamilie aufgewachsen, wurde Anna Magdalena Auzinger Musik quasi in die Wiege gelegt. Bereits mit sechs Jahren begann sie am damaligen Bruckner Konservatorium in Linz Klavier zu studieren. Kleid: Callisti (© Chris Singer)

Anna Magdalena, Sie haben bereits im Alter von sechs Jahren an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz Klavier studiert. Wie darf man sich das vorstellen? 

Anna Magdalena Auzinger: Meine Mama war Professorin an der Bruckner Universität und hat mich von Kindesbeinen an das Klavier herangeführt. Ein junger Kollege meiner Mutter hat mir zweimal in der Woche Unterricht gegeben.

 

Hat es Ihnen immer Spaß gemacht?

Es hat mir immer dann Spaß gemacht, wenn ich ein Stück spielen konnte. (lacht)

 

Sie kommen aus einer Musiker­familie in Neufelden im Mühlviertel. Wie sehr hat Sie das geprägt?

Das hat mich natürlich extrem geprägt. Mein Vater ist Organist und war Leiter der Musikschule in Rohrbach. Von Kindesbeinen an war ich mit meinem Papa in der Musikschule und mit meiner Mama am damaligen Bruckner Konservatorium. Es war ganz normal, dass ich sie zu ihren Unterrichtsstunden begleitet habe. Während Mama unterrichtet hat, habe ich oft stundenlang gezeichnet. Wenn sie Konzerte gespielt hat, habe ich ihr die Notenblätter umgeblättert. Damals war ich sieben oder acht Jahre alt. Ich war sogar bei größeren Auftritten im Wiener Konzerthaus oder bei Chorwettbewerben dabei.

 

Sie sind Sängerin, Tänzerin und Choreografin. Wo liegt Ihr Fokus?

Mein Fokus war und ist immer noch auf den Gesang gerichtet. Ich wollte aber auch tanzen. Da in meiner Familie die Musik im Mittelpunkt stand, lag das Tanzen nicht so nahe.

 

Sie haben das aber nachgeholt?

Ja genau, so gut man es halt nachholen kann. Ich bin zwar keine professionelle Balletttänzerin, aber ich weiß, wie man sich auf der Bühne bewegt. Tanz zu unterrichten ist eine meiner großen Leidenschaften.

 

Ihr Studium Sologesang haben Sie mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Wo haben Sie diese Ausbildung absolviert?

Ich habe an der Bruckner Universität in Linz den Bachelor abgeschlossen. Dann wollte ich aber unbedingt zu Professorin Lydia Vierlinger, die in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst unterrichtet hat. So bin ich nach Wien gegangen und habe dort meinen Master gemacht.

 

Warum ausgerechnet Lydia Vierlinger?

Ich habe sie, die übrigens auch aus Oberösterreich stammt, bei einem Konzert gehört und mir gedacht: „So will ich auch singen können!“ 

 

Was fasziniert Sie an Musik und haben Sie jemals andere berufliche Wege in Betracht gezogen?

Diese Frage hat sich eigentlich nicht gestellt. Meine Jobs sind sehr facettenreich. Ich unterrichte Tanz und Gesang, mache sehr viel Barock-Musik, stehe immer wieder bei Konzerten und auch in Musicals auf der Bühne. Genau diese Abwechslung mag ich unheimlich gerne, sie macht das Leben spannend.

 

Ab Oktober stehen Sie in Bad Hall im Musical „West Side Story“ in der Rolle der Maria auf der Bühne. Was erwartet das Publikum und wie werden Sie die Maria spielen?

Da es eine Wiederaufnahme ist (im Vorjahr wurde die Produktion in Bad Leonfelden gespielt, Anm. d. Red.), gibt es natürlich schon eine Grundregie. Daniel Morales Pérez ist für die Regie und Choreografie verantwortlich. Er arbeitet gemeinsam mit seiner Frau Ilja van den Bosch, die beiden sind ein tolles Choreografie- und Regieteam. Die Rolle der Maria ist sowohl gesangstechnisch auch als darstellerisch sehr fordernd. Wichtig ist mir, authentisch zu sein und das Publikum zu bewegen und zu berühren.

 

Werden Sie für die Auftritte nach Oberösterreich übersiedeln?

Da meine Tochter Alva Marie während meiner Auftritte bei meinem Vater und seiner Frau im Mühlviertel sein wird, werde ich die Nächte nach den Auftritten dort verbringen. 

 

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Allrounderin. Ab 12. Oktober steht Anna Magdalena Auzinger im Erfolgsmusical „West Side Story“ in Bad Hall auf der Bühne. (© Chris Singer)

Sie unterrichten an den Musikschulen in Bad Schallerbach und Grieskirchen, stehen immer wieder auf der Bühne und leben in Wien. Wie lassen sich Job und Kleinkind vereinbaren?

Es ist sehr viel Logistik und Organisation dahinter. Alva Marie hat einen super Papa und einen großartigen Opa. Auch meine Schwester Susanne, die in Wien lebt, ist immer für die Kleine da, wenn ich sie brauche. Der familiäre Rückhalt ist ganz wichtig. 

 

Sängerin, Tänzerin, Choreografin und Lehrerin – Sie sind ein Allround-Talent. Gibt es etwas, das Sie am liebsten machen? 

Wenn ich auf der Bühne stehe, dann freue ich mich aufs Unterrichten, und wenn ich unterrichte, dann freue ich mich auf die Bühne. (lacht) Man lernt von dem einen für das andere – das ist unglaublich wertvoll. 

 

Sie haben bereits mit renommierten Orchestern und Ensembles, wie dem Mozarteum Orchester Salzburg, der Capella Leopoldinea oder der Wiener Akademie, gearbeitet und sind Preisträgerin der Austria Barock Akademie 2010. Was sind Ihre Ziele, wo wollen Sie hin?

Ein konkretes Ziel habe ich momentan nicht. Mein Ziel ist, dass meine Tochter glücklich ist. Ich freue mich irrsinnig, wenn ich Engagements wie die Maria in der „West Side Story“ bekomme. Bei diesem Musical dabei zu sein, ist für mich ein Traum. Das Stück hat eine Ernsthaftigkeit und ist heute noch genauso aktuell wie bei der Uraufführung im Jahr 1957. Die Rolle der Maria geht mir einfach unter die Haut und die Musik ist wunderschön.

 

Man stellt sich so ein Künstlerleben sicher oft einfacher vor, als es ist. Können Sie davon leben? 

Da kommt mir sicher meine Vielseitigkeit zugute, deshalb kenne ich dieses Problem zum Glück nicht. Ich bin zwar nicht reich und werde vermutlich auch nie reich werden, aber ich kann von dem leben, was ich mit Leidenschaft mache. Das ist toll!

 

Sie haben in der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart am Landestheater in Linz mitgewirkt und waren auch in mehreren internationalen Produktionen zu sehen. Gibt es einen Auftritt, den Sie nie vergessen werden?

Es gibt musikalisch viele unvergesslichen Momente, aber auch solche, die szenisch sehr erfüllend waren. Und es gibt Momente, in denen man es schafft, das Publikum zu berühren – das ist der Idealfall. Dazu fällt mir konkret eine Tournee mit meinem Papa nach Bolivien ein. Wir haben vor einem Publikum gespielt, für das Konzerte nichts Alltägliches sind. Da waren Kinder dabei, die wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben einen Sopran oder eine Orgel gehört haben. Sie waren vollauf begeistert und hochkonzentriert. Das werde ich nie im Leben vergessen.

 

Gemeinsam mit Flötistin Annemarie Podesser haben Sie 2012 Les Accordes Extraordinaires, ein Ensemble für alte Musik, gegründet. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Wir sind ein vierköpfiges Ensemble und starteten mit französischer Barockmusik. Im Lauf der Zeit sind wir über die italienische zur spanischen Barockmusik geschritten. Im Moment sind wir spanisch unterwegs und kombinieren Barockmusik mit Flamenco.

 

Wie viel müssen Sie als Sängerin trainieren bzw. üben?

Lange Zeit habe ich täglich meine Stimme trainiert und sicher 15 Jahre meines Lebens konsequent und intensiv geübt. Davon zehre ich zum Glück heute noch, denn durch meine kleine Tochter ist die Zeit einfach knapper geworden.

 

Wie diszipliniert müssen Sie als Sängerin sein?

Ich versuche, relativ gesund zu leben, und habe nie geraucht. Exzesse gibt es bei mir nicht. (lacht)

 

Gibt es ein Vorbild?

Mein Vorbild ist immer noch meine ehemalige Professorin Lydia Vierlinger, und wenn ich Richtung Barock denke, ist die italienische Opernsängerin Roberta Invernizzi mein Vorbild. Sie singt in der Stimmlage Sopran und ist eine tolle Künstlerin.

 

Was motiviert Sie?

Die Musik an sich.

 

Wie stehen Sie zu moderner Musik? Hören Sie auch Richtungen wie Pop, R’n’B oder Hip-Hop?

Ja durchaus, Hip-Hop ist zwar nicht so meine Schiene, da kenne ich mich zu wenig aus, aber durch das Tanzen und Unterrichten höre ich auch viel Swing, Soul und Funk.

 

Ihr Lieblingsmusical?

Da ich selber Stepptanz mache, mag ich Stepp-Musicals wie „An American in Paris“ oder „Singing in the Rain“ sehr gerne. Aber auch die „West Side Story“ mit der schönen Musik oder „Hair“ berühren mich sehr.

 

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Im Moment mit meiner Tochter Alva Marie Kastanien und Eicheln im Park sammeln.

 

Ihre Tochter wird im Oktober zwei Jahre alt. Singt Sie auch schon eifrig?

Ja, sie singt, tanzt und verlangt nach Musik.

 

Welche Auftritte stehen außer der „West Side Story“ in Bad Hall in naher Zukunft auf dem Programm?

Im Jänner singe ich bei einer Barock-Oper in der Nähe von Wien, im Frühsommer 2020 bin ich bei einer Musical-Produktion dabei, da kann ich allerdings noch nichts verraten. Im Sommer 2020 stehe ich für eine Barock-Oper in Grein in Oberösterreich auf der Bühne.

 

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Karriere mit kind. Die 35-jährige gebürtige Mühlviertlerin lebt mit ihrer zweijährigen Tochter Alva Marie in Wien. (© Chris Singer)