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People | 25.02.2021

"Musik ist Emotion pur"

Der Linzer Helmut Rogl hat Wirtschaftswissenschaften und parallel dazu Musik studiert. Seine große Leidenschaft gilt dem Komponieren. Mit dem neuen Jahr wird er beruflich kürzertreten und damit mehr Zeit für seine Musik haben.

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© Oreste Schaller (paladino media), (c)leitl

Auf der einen Seite gibt es im Leben von Helmut Rogl Werbung und Marketing. Musik und eine große Leidenschaft fürs Kom- ponieren prägen seine andere Seite. Der Linzer ist langjähriger Marketingchef der Oberösterreichischen Versicherung und in seiner Freizeit erfolgreicher Komponist. Zu seinem 60. Geburtstag vergangenen April hat er sich selbst das größte Geschenk gemacht: Er hat eine große Sinfonie geschrieben, die voraussichtlich kommenden Herbst uraufgeführt wird. Wir haben mit Helmut Rogl über die Herausforderung des Komponierens, Inspiration und Vorbilder gesprochen – und warum die Musik für ihn eine Welt ohne Sprachbarrieren und Erklärungen ist.

 

Sie haben vergangenen April Ihren 60. Geburtstag gefeiert und sich zu diesem besonderen Anlass selbst ein ganz besonderes Geschenk gemacht ...

Ja, das könnte man so sagen (lächelt). Nach einer Reihe von Orchesterstücken und meinen Symphonischen Miniaturen, die sozusagen als „nullte“ Sinfonie gelten können, sollte es nun die große Sinfonie sein, in der ich meine Kompositionskunst ausleben wollte. Dieses Geschenk habe ich mir zu meinem runden Geburtstag selbst gemacht. Die Planung für das Konzert geht fast drei Jahre zurück, Corona hat das vorerst leider vereitelt. Das Gute ist aber: Das Werk liegt vor und die Uraufführung wird voraussichtlich im Herbst 2021 stattfinden. Darauf kann ich mich freuen!

 

Sie waren viele Jahre Marketingchef bei der Oberösterreichischen Versicherung und in Ihrer Freizeit leidenschaftlicher Komponist. Auf der einen Seite also der Beruf, auf der anderen die Berufung. Ist das für Sie die perfekte Symbiose?

Der Kontrast meiner Lebenswelten kommt eigentlich beiden Seiten zugute. Die eine ist der Ausgleich der anderen und somit laufe ich nicht Gefahr, „eindimensional“ zu werden (lacht). Nun stehen allerdings eine Weichenstellung und ein neuer Lebensabschnitt bevor: Nach insgesamt 36 Dienstjahren in Werbung und Marketing und rund 55 Jahren in der Musikwelt habe ich mich entschlossen, den Schwerpunkt meiner Aktivitäten deutlich in Richtung künstlerischer Projekte zu verschieben.

 

Was bedeutet das konkret?

Es heißt, dass ich mit Anfang des neuen Jahres mein Arbeitspensum bei der Oberösterreichischen Versicherung reduziert und meine Altersteilzeit angetreten habe. Ich bin jetzt primär für das Sponsoring verantwortlich. Damit fällt Druck von der Jobseite weg, weil der Verantwortungsbereich für mich kleiner wird. Somit kann ich mich künftig etwas entspannter und lockerer der musischen Seite widmen.

 

Die Musik begleitet Sie seit Ihrer Kindheit. Sie haben früh mit dem Klavierspielen begonnen und in weiterer Folge die Welt der Komposition für sich entdeckt. War es keine Option, die Musik zu Ihrem Hauptberuf zu machen?

Frei zu sein in künstlerischen Dingen ist ein hohes Gut! Zum anderen denke ich, dass die Lust und Freude größer ist, wenn man nicht ausschließlich von Musik „umgeben“ ist. Der „Musentempel“ soll nur in besonderen Stunden betreten werden. Musik ist für mich ein kostbarer Edelstein, auch zu schade für „Dauerberieselung“ und Hintergrundmusik.

 

Die Musik ist für Sie schon immer eine Herzensangelegenheit. Wie sind Sie zum Komponieren gekommen?


Ich würde sagen, dass es eine Mischung aus Neugierde und Bewunderung der Meis- ter war, die mich die Welt der Komposition entdecken ließ. Ich wollte es ihnen „nach- machen“ und habe dabei festgestellt, wie schwer das ist (lächelt). Aber ich habe eine große Leidenschaft entwickelt, die Musik und das Komponieren haben mich sozusa- gen „gepackt“ und nicht mehr losgelassen.

 

Was inspiriert Sie zu Ihren Werken?

Es inspiriert mich zum Beispiel, wenn ich Solisten, Ensembles und Orchester beim Spielen zuhöre. Allerdings ist vieles nicht erklärbar. Einfälle und Inspiration kommen bei den unscheinbarsten Gelegenheiten. Das kann zwischendurch bei einem Spaziergang sein oder während einer privaten Unterhaltung. Das sind kleine Funken als Anreger, die ich dann in weiterer Folge ausarbeiten und vertiefen kann. Oft ist es so, dass man beginnt, sich mit einem Werk zu beschäftigen und das Gehirn im Verborgenen weiterarbeitet, auch wenn man sich nicht mehr bewusst damit auseinandersetzt. Manches entsteht im Unbewussten.

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© Oreste Schaller (paladino media), (c)leitl

Gibt es so etwas wie Vorbilder für Sie, große Meister, an denen Sie sich orientieren?

Natürlich gibt es große Meister, die man bewundert, allerdings muss jeder Komponist seinen eigenen Weg und seinen Stil finden. Ich würde sagen, dass das ein Reifungsprozess ist, der nicht bei jedem gleich abläuft. Man versucht viel und eignet sich im Lauf der Jahre eine gewisse Richtung an. Diese wird – im Rückblick betrachtet – kontinuierlich klarer, so findet jeder irgendwann seinen eigenen Stil.

 

Was bedeutet Musik grundsätzlich für Sie?

Musik ist für mich Emotion pur. Gänsehaut, eine Welt ohne Sprachbarrieren und Erklärungen. Die Musik spricht ohne Umwege direkt zu unserem Gemüt.

 

Was muss Musik für Sie haben, um Sie zu begeistern?


Musik, die mir gefällt, muss Tiefgang, Sinnlichkeit und Ehrlichkeit haben. Ich mag es nicht, wenn Effekte nur um der Effekte willen eingesetzt werden. Wenn eine Bruckner-Sinfonie zum Beispiel in die Schlusssteigerung kommt, dann ist das für mich überwältigend. Das ist wie eine Umarmung, ehrlich und aus der Seele gesprochen bzw. musiziert (lächelt).

 

Sie haben sich vor einigen Jahren auch der Welt der elektronischen Musik geöffnet. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Dieses „neue Land“ der elektronischen Musik wollte sozusagen erobert werden, aber mich hat in erster Linie die Neugierde angetrieben. Dabei geht es auch um die Erweiterung des Horizonts und die Erreichung eines neuen, anderen Publikums, wie das zum Beispiel auch bei meiner Filmmusik der Fall ist.

 

Gibt es einen Moment in Ihrer Karriere als Komponist, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?


Ja, da gibt es gleich mehrere! Besonders in Erinnerung geblieben sind mir zum Beispiel die Uraufführung meines Cellokonzerts im Wiener Konzerthaus, das Projekt „Heartbeat“ bei der Ars Electronica, die Produktion meiner Kinderoper an der Bruckneruni, die Uraufführung meines „Tango“ in London und die Eröffnungsmusik zum Brucknerfest im Jahr 2002. Allerdings würden mir noch viele andere Momente einfallen, an die ich mich immer erinnern werde.

Wie fühlt es sich für Sie als Schöpfer eines Werkes an, wenn es zum ersten Mal von einem Orchester oder Ensemble gespielt wird?

Sehr aufregend, weil es ja die eigentliche Geburt des Werkes ist, wenn es uraufgeführt wird. Zu dieser Schöpferfreude kommen dann natürlich auch noch Erleichterung und Glücksgefühle, die sich kaum in Worte fassen lassen.

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© Oreste Schaller (paladino media), (c)leitl