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People | 04.05.2016

"Mondsee ist meine Kraftquelle"

Wenn Sie in Mondsee unterwegs sind, kann es leicht sein, dass Ihnen Schauspielerin Martina Ebm, bekannt aus der ORF-Serie „Vorstadtweiber“, über den Weg läuft. Denn dort ist die 34-Jährige aufgewachsen und besucht sie oft und gerne ihre Mutter.

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© Jan Frankl

Jung, willig und unglaublich attraktiv – als Bankdirektorenehefrau Caro verkörpert Schauspielerin Martina Ebm die Traumfrau vieler Männer. In der zweiten Staffel entpuppt sich das „Vorstadtweib” allerdings immer mehr zur unabhängigen Frau und rückt dadurch dem Charakter von Martina Ebm immer näher. Denn Unabhängigkeit und Freiheit spielen im Leben der Mimin eine große Rolle. Mit uns hat sie über ihr Aufwachsen in Mondsee, Disziplin und Durchhaltevermögen sowie über ihre Begeisterung für Sport gesprochen. Außerdem verrät sie, warum sie keine Scheu vor Nacktszenen hat. 

 

Sie sind in Wien geboren und in Mondsee aufgewachsen. Wie kam es dazu?

Meine Schwester und ich sind in Folge einer Trennung mit meiner Mutter nach Mondsee gezogen – für uns Kinder war es ein Segen.

 

War es schwierig, von der Großstadt aufs Land zu ziehen?

Ganz im Gegenteil, wir fanden alles toll, was sich uns dort geboten hat: der See, unser kleines Häuschen, die anderen Kinder, die Unbeschwertheit …

 

Kommen Sie heute noch des Öfteren nach Mondsee?

Sehr gerne und oft. Meine Mutter wohnt nach wie vor dort, und auch meine alten Freunde und Freundinnen sind da. Ich kann am Mondsee am besten entspannen. 

 

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Mondsee?

Kindliche Freiheit, viele kleine Abenteuer, völlige Unbeschwertheit.

 

Nach der Matura begannen Sie zunächst, Internationale BWL und anschließend Medizin zu studieren. Was hat Sie schließlich zum Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften bewogen?

Wie viele junge Menschen war ich mit 18 auf der Suche nach einem Lebensziel und habe viel ausprobiert, bis ich schließlich meine Leidenschaft für das Theater entdeckt habe. Ich habe parallel Film- und Medienwissenschaften studiert, um mir das theoretische Rüstzeug für meinen Beruf zuzulegen. 

 

Nach Ihrem Studium absolvierten Sie einen Kurs an der New York Film Academy. Welche Erinnerungen haben Sie an New York?

New York hat mich sehr geprägt, obwohl ich nur ein paar Wochen dort war. Es war meine erste größere Reise, ich habe alles alleine organisiert – Kurs, Wohnung etc. Das sind prägende Momente für einen jungen Menschen. Der Kurs allein war es ja nicht, es war New York! Dort ein Stück weit einzutauchen, die Off-Szene zu erleben, Kollegen kennenzulernen, das war schon cool – und hat mich darin bestärkt, dass die Schauspielerei genau das ist, was ich machen möchte. 

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Martina Ebm (re.) mit den "Vorstadtweibern" (© ORF)

Wann ist Ihre Schauspielkarriere so richtig ins Rollen gekommen?

Ich stehe schon lange auf der Bühne. Eine spürbare Veränderung kam in Folge meiner „Alma“ unter der Regie von Paulus Manker. Da sind einige Menschen auf mich aufmerksam geworden. Bei Manker habe ich sehr, sehr viel gelernt. Es waren harte Zeiten, aber sehr wichtige. Manker fordert viel – und man lernt, als Schauspielerin auch sehr viel zu geben.

 

Was braucht es, um als Schauspielerin entdeckt zu werden?

Wichtig sind Disziplin und Durchhaltevermögen, Talent und sehr viel Glück – vier unverzichtbare Zutaten. 

 

Theater, Film, Fernsehen – was machen Sie als Schauspielerin am liebsten? 

Ich liebe beides: Am Theater ist es die Vorbereitungsphase, die Erarbeitung der Rolle, die Probenzeit, die entscheidend ist. Da versucht man, die Figur zu erfinden. Und nach der Premiere muss man in jeder Vorstellung eine konstante Leistung erbringen, um das Publikum zu begeistern. Vor der Kamera gilt es, hochkonzentrierte Momentaufnahmen zu erschaffen, die die Kamera einfangen kann und die den Schnitt überleben. 

 

Inwieweit haben die „Vorstadtweiber“ Ihr Leben verändert?

Es gibt mehr Aufmerksamkeit als zuvor, das Publikum ist jetzt ein deutlich größeres. Aber wer im Licht der Öffentlichkeit steht, weiß, dass Bekanntheit kein Ruhepolster ist. Menschen schreiben mir, dass sie ins Theater gegangen sind, um mich zu sehen, und ich werde mitunter auf der Straße angesprochen, dass ich meine Sache gut mache. Das ist großartig. Aber machen wir uns nichts vor, nur wer hart arbeitet und immer noch mehr von sich verlangt, bleibt in unserer schnelllebigen Branche dauerhaft am Ball.

 

Wie viel von Caro steckt in Martina Ebm?

Manchmal mehr, manchmal weniger. Ich habe sie schon irgendwie lieb. Ich versuche, in jeder Staffel etwas von mir in die Figur zu legen. Caro ist eine taffe Person, die ihr Leben auch alleine auf die Reihe bringt. Ihre Abhängigkeit ist zu Beginn eine selbstgewählte. In der zweiten Staffel ist sie viel unabhängiger. Das spricht mich an! Unabhängigkeit und Freiheit spielen in meinem Leben eine große Rolle. Andere Caro-Eigenschaften habe ich nicht. Im Gegenteil. Ich liebe Konstanz und Verlässlichkeit in meinem Leben.

 

Wie schwer fallen Ihnen Nacktszenen?

Nicht schwer, weil Nacktszenen immer der Figur geschuldet sind. Ich agiere dann im Dienste meiner Figur. Mit mir als Person hat das nichts zu tun. Es ist sehr viel schwieriger, für eine sehr emotionale Szene sein Innerstes nach außen zu stülpen!

 

Man sieht Sie selten auf Seitenblicke-Events. Ist das eher nicht so Ihr Ding?

Red Carpet-Events sind tatsächlich nicht mein Ding und ich besuche sie nur, wenn sie mit meiner unmittelbaren Berufstätigkeit zu haben. Mich finden sie eher in Mondsee am Berg als auf einem Seitenblicke-Event. Ich habe so wenig Zeit und verbringe meine Qualitätszeit am liebsten mit meiner Familie und meinen Freunden. 

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© Jan Frankl

Sie sind in einer Beziehung mit Filmregisseur und Drehbuchautor Umut Dag. Haben Sie schon zusammengearbeitet?

Noch nicht. Da arbeiten wir noch dran. Siehe oben: Unabhängigkeit.

 

Wie leben Sie privat?

Ich arbeite viel, und wenn ich frei habe, bin ich gern in der Natur. Ich liebe Sport, bin gern am Berg oder am Wasser, und mache gern Musik. Ich lebe gesund, versuche viel zu schlafen und umgebe mich am liebsten mit lieben Freunden.

 

Gibt es eine Traumrolle für Sie als Schauspielerin?

Das ändert sich ständig. Je nachdem, welches Buch ich gerade lese. Im Moment ist es „Angst“ von Stefan Zweig. Das wäre eine Traumrolle. Aber wie gesagt: im Moment!

 

Welche beruflichen Projekte stehen an?

Ich arbeite gerade mit einem New Yorker Freund an einem musikalischen Projekt. Wir vertonen Texte von Stefan George. Diese Arbeit macht mir viel Spaß. Mal sehen, was daraus wird. Ansonsten: meine heurigen Premieren am Theater an der Josefstadt und ein Dreh ab Sommer. 

 

Wird man Sie in naher Zukunft auch einmal auf einer oberösterreichischen Bühne zu sehen bekommen?

Würde man mich fragen, würde ich das sehr ernsthaft prüfen!

 

Sie waren sogar Judo-Junioren-Meisterin. Welchen Stellenwert hat Sport heute in Ihrem Leben?

Ich bin sehr sportvernarrt, weil ich damit meine Balance halte. Unser Beruf ist sehr fordernd, da braucht man seelische Ausgleichsorte und Kraftquellen. Am Mondsee habe ich beides. Deshalb bin ich so gerne dort!