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People | 06.02.2017

Modelmama mit Herz

Vor 16 Jahren gründete Andrea Kobleder (41) in Mettmach ihre eigene Modelagentur. Was mit sechs Models in einem neun Quadratmeter großen Büro begann, ist heute eine der größten Agenturen des Landes. Im Interview erzählt die „people2people“-Chefin und Dreifach-Mama, wie sie Beruf und Familie unter einen Hut bringt und warum Magermodels bei ihr keine Chance haben.

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© Heli Mayr

Groß, blond und unglaublich attraktiv – beim Covershooting mit der Oberösterreicherin merkt man sofort, dass Andrea Kobleder in jungen Jahren selbst als Model vor der Kamera gestanden ist. Im Jahr 2001 gründete die ehemalige Zahnarztassistentin das „people2people“ Modelmanagement. Vor allem im Bereich von Modenschauen hat sich die Modelagentur mit Sitz in Ried im Innkreis einen Namen gemacht, und das sechsköpfige Team bringt Models, Künstler und Visagisten mit Kunden aus der Mode- und Filmbranche zusammen. Privat lebt die 43-jährige Mutter von drei Buben mit ihrem Partner Michael zusammen und hält sich mit Yoga und Fitnesstraining fit.

 

Frau Kobleder, was hat Sie vor 16 Jahren dazu bewogen, Ihre eigene Modelagentur zu gründen?
Zum einen hat mich ein Fotograf gefragt, ob ich eine Modelagentur gründen möchte. Zum anderen habe ich selber mit diesem Gedanken gespielt, da ich mit einer Agentur in Salzburg zusammengearbeitet habe, die sehr kompliziert war. Ich habe mir immer gedacht, man könnte das alles viel einfacher machen. Außerdem hat es mich gereizt, beruflich etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.


Vor der Gründung Ihrer Agentur haben Sie als Zahnarztassistentin gearbeitet ...
Ja genau, und auch nachdem ich die Agentur gegründet hatte, war ich noch acht Jahre als Zahnarztassistentin tätig. Ich habe mit sechs Models begonnen und habe mir die Agentur praktisch nebenbei aufgebaut. Heute habe ich an die 900 Models in der Kartei.


Wenn man Modelagentur hört, denkt man an Städte wie Wien, München, Mailand und New York, aber nicht ans Innviertel ...
Das stimmt. Als ich damals in Mettmach meine Agentur eröffnet habe, erklärten mich alle für verrückt (lacht). Aber sobald mich jemand belächelt, gebe ich erst recht Gas.
Woher kommen Ihre Models?Ein Großteil kommt aus Österreich und Deutschland, aber wir haben auch Models aus Tschechien, Slowenien, der Slowakei und  aus der Schweiz in der Kartei.


Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um als Model Erfolg zu haben?
Gängige Klischees, wie ganz dünne Models, unterstütze ich überhaupt nicht, weil ich schon viele Mädchen erlebt habe, die wegen dem Job in eine Magersucht geschlittert sind. Natürlich müssen Maße und Größe stimmen, um als Model erfolgreich sein zu können. Am wichtigsten sind mir allerdings Ausstrahlung, Charakter und Verlässlichkeit. Außerdem werden von der Kundenseite auch reifere Models oder Damen mit größeren Größen nachgefragt. Wir haben vom Baby bis zu Großeltern alles in der Kartei vertreten.


Bewerben sich die Models von selbst oder sind auch Scouts unterwegs?
Die Models bewerben sich von selbst. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir keine Bewerbungen bekommen. In der Modelszene läuft vieles über Mundpropaganda.

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© Heli Mayr

Wie gehen Sie vor, wenn sich junge Leute bewerben, die nicht das Zeug zum Model haben?
Da es unfair wäre, jungen Menschen falsche Hoffnungen zu machen, bin ich diesbezüglich recht ehrlich. Letztendlich sind sie enttäuscht, wenn sie keine Jobs bekommen.


Model zu sein ist gerade in der heutigen Zeit der Traum vieler junger Menschen. Ist es wirklich ein Traumjob?
Das ist eine Typsache. Ich kenne einige Models, die während eines Jobs  draufgekommen sind, dass es nicht das ihre ist. Man muss sich ständig auf unterschiedliche Fotografen und Kunden einstellen, ist viel unterwegs und lernt laufend neue Leute kennen. Wenn einem das taugt, ist es sicher ein Traumjob.


Wie stehen Sie zu Schönheits-Operationen?
Ob sich jemand einer Schönheits-OP unterzieht, muss jeder Mensch für sich entscheiden. Wenn jemand richtige Probleme mit seinem Aussehen hat, ist es gut, dass es die Möglichkeit gibt. Was das Älterwerden betrifft, bin ich der Meinung, dass man mit 40 Jahren ruhig ein paar Fältchen haben darf und nicht mehr alles so perfekt sein muss.


Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Wir sind zu sechst im Team. Mein Spezialgebiet sind die Modeschauen. Von der Ideensammlung über die Organisation bis hin zur Choreografie bekommt man bei uns alles aus einer Hand. Das zeichnet unsere Agentur aus. Weiters bin ich natürlich auch in der Kundenakquise tätig.


Welche Art von Kunden betreuen Sie?
Das ist sehr unterschiedlich und reicht von großen Einkaufszentren über Modehäuser bis hin zu Werbeagenturen, Filmproduktionshäuser, Mediaagenturen und Fotografen.


Ihr spannendster Auftrag?
Meine großen Center-Modeschauen sind immer wieder eine spannende Herausforderung. Wir gestalten wirklich große Shows und haben vor Kurzem auch wiederholt den ÖSV bei der Präsentation der neuen Wintersportmode unterstützt.


Hat schon einmal ein Model aus Ihrer Agentur international Karriere gemacht?

Eine, die man in Österreich kennt, ist Victoria Karner. Die Blondine aus Linz ist auch international gut im Geschäft. Sie ist seit der Schulzeit in unserer Agentur.


Wie sind Sie als Chefin?
Ich glaube, dass ich eine sehr kulante Chefin bin. Ich habe ein freundschaftliches Verhältnis zu meinen Mitarbeitern und bin auf mein Team sehr stolz. Jeder einzelne steckt viel Herzblut in die Agentur.


Sie sind Mutter von drei Buben im Alter von acht, sechs und einem Jahr. Wie schaffen Sie es, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen?
Ich habe ein extrem gutes Familiennetzwerk. Meine Mama, meine Nichten und mein Freund unterstützen mich großartig. In den Ferienzeiten habe ich auch Kindermädchen. Es kommt aber auch vor, dass die Jungs mit in die Arbeit fahren müssen.


Haben die Jungs schon gemodelt?
Ja, und obwohl ich sie nicht pushe, machen sie das recht gerne.


Im Modelbusiness wird auch viel Schindluder getrieben. Wie merkt man, dass man es mit einer unseriösen Agentur zu tun hat?
Sobald man Geld in die Hand nehmen muss, um bei einer Agentur aufgenommen zu werden, ist man an der falschen Adresse. 


Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Eigentlich alles. Kurz gesagt, die Herausforderung mit meinem Team und den Models jeden Kunden bei jedem Job aufs Neue zu begeistern. Mein ganzes Herzblut hängt an der Agentur.  

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© Privat

Die Modelbranche gilt teilweise als oberflächlich und glamourös. Was erdet sie?
Sobald ich nach Hause komme und meine drei Jungs um mich habe, bin ich geerdet (lacht).


Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Meine Freizeit verbringe ich am liebsten mit meinen Kindern und meinem Partner. Außerdem mache ich gerne Fitness und Yoga. Früher war ich eine totale Bikerbraut. Zurzeit habe ich das Motorradfahren der Kinder wegen an den Nägel gehängt, aber diese Zeit wird wieder kommen.


Mit welchem Ziel gehen Sie beruflich in die Zukunft?
Mir ist es wichtig, dass wir uns ständig weiterentwickeln und die Qualität steigern.


Wie kann man sich bei people2people bewerben?
Am besten unter www.people2people.co.at.