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People | 08.07.2019

Mit Zuversicht in die Bio-Landwirtschaft

Dreifachmama und Biobäuerin Eva Wartlik (39) führt die Ideen und das Gedankengut ihres vor zwei Jahren verstorbenen Mannes Harald am Biobauernhof „Eglseergut“ in Enns mit viel Herzblut, Power und Engagement weiter.

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Mit viel Herzblut und Engagement führt Eva Wartlik den Biobauernhof „Eglseergut“ samt Biohofladen in Enns nach dem frühen Tod ihres Mannes weiter. (© Dominik Derflinger)

An einem strahlenden Nachmittag im Frühsommer besuchen wir Eva Wartlik auf ihrem Biobauernhof Eglseergut in Enns und entdecken dort ein wahres Paradies. Der Mohn am Feld blüht in strahlendem Rosa, die Wollschweine liegen zufrieden in ihrem Freigelände und werden aufgrund von heißen 30 Grad immer wieder mit kühlem Wasser abgeduscht, und auch der traumhaft schöne Garten mit Schwimmteich lässt keine Wünsche offen. 

Nach dem Studium ins Marketing. Dass sie einmal Biobäuerin werden würde, hätte Eva Wartlik in jungen Jahren nicht zu träumen gewagt. Nach ihrem Studium der Sozialwirtschaft mit Schwerpunkt Umweltwirtschaft arbeitete die fesche Steyreggerin im Marketing bei einer Tochterfirma der Energie AG in Linz. Aber wie ist sie zur Landwirtschaft gekommen? „Das war eine lustige Begebenheit“, erzählt Eva. „Irgendwann verspürte ich den Drang, einen Jagdkurs zu machen. Dabei ging es mir gar nicht so ums Jagen, ich wollte mich einfach neben meinem Bürojob mit der Natur und der Tierwelt auseinandersetzen.“ Im Jagdkurs lernt sie den Ennser Landwirt Harald Wartlik kennen und lieben. „Hari hat mich auch auf meinen ersten Bock eingeladen. Insgesamt 13 Mal bin ich zum Jagen nach Enns gefahren, Bock kam keiner, aber den Hari schloss ich in mein Herz“, lacht Eva. Relativ schnell wusste das Paar, dass es zusammengehört, und heiratete. 

Direktvermarktung als zweites Standbein. Der Umstieg zur biologischen Landwirtschaft fand in etwa zur selben Zeit statt. Das Paar entschied sich, am elterlichen Hof von Harald zu bleiben und sich dort im ehemaligen Presshaus einen eigenen Bereich auszubauen. Es dauerte nicht lange und vor sieben Jahren kündigte sich der erste Sohn an, nur ein Jahr danach kam ein Töchterchen zur Welt. „Während der Karenz bin ich natürlich immer mehr in die Landwirtschaft hineingewachsen. Hari hatte damals schon zwei Wollschweine, und die Jagd war seine absolute Leidenschaft. Schnell war für uns klar, dass wir uns zusätzlich zur Landwirtschaft auch der Direktvermarktung widmen werden, einerseits als zweites Standbein, andererseits, weil es uns Spaß und Freude gemacht hat“, erzählt Eva.  

 

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Der Speck von glücklichen Biowollschweinen ist das Steckenpferd des Eglseerhofes. (© Dominik Derflinger)

Die Welt blieb stehen. Fünf Jahre lang haben sie den Hof mit viel Liebe sehr geschmackvoll umgebaut und nebenbei die Biolandwirtschaft zu einem erfolgreichen Betrieb aufgebaut. Vor drei Jahren kam schließlich Töchterchen Nummer zwei auf die Welt, das Glück der jungen Familie schien perfekt. Bis am 1. März 2017 das Schicksal beinhart zugeschlagen hat und Harald im Alter von 42 Jahren aus heiterem Himmel an einem plötzlichen Herztod verstarb. „Für mich ist damals die Welt stehen geblieben. Auf einmal bist du alleine für alles verantwortlich und weißt nicht, wie es weitergehen soll. Dass ich mit den Kindern am Hof bleiben würde, war von Anfang an klar, auch dass die Landwirtschaft weitergehen sollte“, schildert Eva Wartlik.

„Das erste Jahr nach Haris Tod bin ich im Notmodus gelaufen. Dass ich da bin, wo ich jetzt bin, war ein sehr harter Weg. Ohne mein großartiges Auffangnetz an vielen lieben Menschen hätte ich es nicht geschafft. Neben meinen Eltern und Schwiegereltern, die mir mit den Kindern eine große Stütze sind, habe ich einen super Mitarbeiter, der von einem ähnlichen landwirtschaftlichen Betrieb abstammt und mit mir und einem Zivildiener den Laden schupft. Irgendwann kam die Kraft zurück, und ich wusste, ich kann das auch“, erzählt Eva. Es wurden wieder Bio-Schwäbisch Hällische Freilandschweine für die Frischfleischgewinnung und Wollscheine für den besonderen weißen Speck eingestellt. 

Mittlerweile tummeln sich 26 Bio-Freilandschweine auf der Koppel, wo sie nach Herzenslust in der Erde wühlen können und ein artgerechtes Leben führen. Seit 2017 macht Eva eine Ausbildung zum „Landwirtschaftlichen Meister“ auf der Fachhochschule in Hagenberg. „Natürlich ist das nicht easy, aber mir ist es wichtig, dass ich das Wirtschaftliche gut verstehe. Gerade in der heutigen Zeit muss man wissen, wie man das Überleben in der Landwirtschaft gut absichern kann“, so Eva. 

 

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Eva Wartlik zeigt Ulli Wright den Garten mit Schwimmteich, den ihr Mann angelegt hat. (copy&; Dominik Derflinger)

Biohofladen wieder aktiviert. Insgesamt bewirtschaftet sie 75 Hektar landwirtschaftliche Fläche, wo sie rund zehn verschiedene Kulturen, unter anderem Mohn, Fenchel, Kümmel und Ölkürbis, anbaut. Und auch den Biohofladen hat sie wieder aktiviert. Jeden Freitag gibt es von 13 bis 16 Uhr dort die Bioprodukte vom Eglseergut zu kaufen, und auch das gemütliche Zusammentreffen  kommt dabei nicht zu kurz. „Natürlich haben wir als Biobauernhof strenge Kontrollen. Wir müssen alles dokumentieren, und es ist mit viel bürokratischem Aufwand verbunden. Klar ist der Preis für Bioprodukte ein anderer, aber die Kunden wissen und schätzen das. Überhaupt stelle ich fest, dass gute und ehrliche Qualität sowie auch Landwirtschaft und Direktvertrieb wieder mehr geschätzt werden. 

Steckenpferd Wollschweinspeck. Das Steckenpferd des Eglseergutes ist nach wie vor der Wollschweinspeck, darüber hinaus gibt es viermal im Jahr auch Frischfleisch. Nebenbei bietet Eva Wartlik unter anderem auch selbst gemachte Säfte, Schnäpse, Marmeladen und Kürbiskernöl an. „Ich bin gerne Biobäuerin, und durch meine Bereitschaft und den Willen, mich mit der Materie voll und ganz auseinanderzusetzen, habe mir die Fähigkeiten angeeignet – und es hat auch geklappt“, erzählt Eva. Der Alltag der 39-jährigen Dreifachmama ist sehr vielseitig. „Sobald die Kinder aus dem Haus sind, machen mein Mitarbeiter, der Zivildiener und ich eine Dienstbesprechung und legen gemeinsam fest, was am Tagesplan steht und gemacht werden muss. Dann geht es ab ins Büro. Mittags soll dann gekocht sein, denn da kommen die Kinder aus der Schule, und anschließend geht der ‚Mamawahnsinn‘ so richtig los: Hausaufgaben sowie die Kinder zu ihren Aktivitäten hin- und herfahren“, lacht Eva. Neben den Eltern und den Schwieger­eltern greifen ihr dabei auch Mamas von befreundeten Kindern unter die Arme. „In meiner Situation muss man lernen, Hilfe anzunehmen. Jetzt, wo ich wieder klar denken kann, weiß ich, dass das das Um und Auf ist. Man muss genau formulieren, was man braucht und was einem den Tag rettet – sei es ein Transfer eines Kindes durch eine andere Mutti, da ich zugeplant bin, oder dass jemand für mich mitdenkt und mich an etwas erinnert. Dankbarkeit ist hierbei das größte aller Gefühle, das ich empfinde. Denn wir haben alle viel zu leisten. Es ist schön, wenn man merkt, dass man nicht allein ist – man wird von so vielen Menschen ein Stück des Weges mitgetragen.“

 

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Die Wollschweine haben Freilauf und bekommen nur Getreide aus dem Eigenanbau des Biobauernhofes. (© Dominik Derflinger)

Der Hof lebt. „Unser Leben hat wieder eine Struktur bekommen. Das Schöne ist, dass mein Mann in allem präsent ist. Er lebt in uns und in allem, was er mit seinen eigenen Händen geschaffen hat, weiter, und es soll wachsen. Ich bin ein humorvoller Mensch, ich möchte am Ende des Tages glücklich sein, und das werde ich auch schaffen. Das Werkzeug dazu hat mir mein Mann in die Hände gelegt.“