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People | 08.06.2015

Mit Papa allein zu Haus

Dass der Mann in Karenz geht, ist in Oberösterreich noch immer die Ausnahme. Nicht so bei Familie Kaineder aus Dietach. Hier ist Papa Stefan gerade beim jüngsten Sohn Florian zu Hause. Und er war es auch bei den beiden größeren Kindern. Wir haben die Familie besucht.

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Fürs Spaßhaben mit Papa ist viel Zeit. (© Mathias Lauringer)

Stefan Kaineder öffnet die Haustür. Auf seinem Arm trägt er Florian, mit zwei Monaten der jüngste Sohn der Familie. Und damit auch der Grund, warum sein Papa in Karenz ist. „Meine Frau Julia war die ersten beiden Monate daheim und jetzt werde ich es ein Jahr lang sein“, erzählt der 30-Jährige. Und das bereits zum dritten Mal, denn bei den beiden größeren Kindern Sophia (5) und Maximilian (3) war er ebenfalls zu Hause.

 

Unterstützung vom Arbeitgeber

Die Entscheidung, dass nicht die Mama in Karenz geht, sondern der Papa, war im Hause Kaineder so sinnvoll wie pragmatisch. Mama Julia ist nämlich Sängerin im Vocal-Ensemble „Lalá“ und kann sich lediglich eine Babypause von zwei bis drei Monaten leisten. Papa Stefan hingegen hat mit der Diözese einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber, der die Idee der Vater-Karenz immer unterstützt hat. „Ich arbeite im Welthaus, das ist die entwicklungspolitische Fachstelle der Diözese“, erklärt der studierte Theologe. „Ich habe dort viel aufgebaut und es war insofern ein schwerer Schritt für mich, weil ich diesen Job einfach so gern gemacht habe. Wobei ich einen Vormittag in der Woche weiter arbeiten werde und nach meiner Karenz wieder dort einsteigen kann.“

Dennoch kann er die Sorgen anderer Männer verstehen, wenn es um den Job geht. „Es macht die Entscheidung nicht leichter, wenn unsicher ist, ob man nach der Karenzzeit wieder einen Job im Unternehmen bekommt“, sagt der 30-Jährige, Söhnchen Florian noch immer im Arm wiegend. Ein gewisses Maß an finanzieller Sicherheit sei unabdingbar. „Wobei ich in Gesprächen mit anderen Vätern oft spüre, dass sie gern mehr Zeit für Familie und Kinder haben würden“, fügt er hinzu.

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(© Mathias Lauringer)

Den Alltag erleben

Die Zeit mit seinen Kindern genießt Stefan Kaineder jeden Tag. Vor allem die alltäglichen Dinge, wie die Kinder in den Kindergarten zu bringen oder ihnen dabei zuzusehen, wie sie durch den Garten hüpfen, sind für ihn etwas sehr Besonderes. „Ich bekomme so viel von ihnen mit“, sagt er, liebevoll auf seine Älteste blickend, die am Holztisch in der Küche sitzt und malt. „Von ihrer Entwicklung, ihrem Alltag. Es ist eben etwas völlig anderes, ob man den ganzen Tag mit ihnen verbringt oder nur eine Stunde am Abend nach der Arbeit.“ 

 

Drei Generationen unter einem Dach

Zeit hat die Familie überhaupt sehr viel füreinander. Was auch daran liegt, dass die Auftritte von Julia Kaineder hauptsächlich am Abend stattfinden, sodass tagsüber mehr Zeit bleibt. „Es ist ein großes Privileg, dass wir so viel Zeit zu fünft verbringen können“, sagt sie. Unterstützung gibt es zusätzlich von ihren Eltern, die ebenfalls in dem großen Haus wohnen. „Wir haben es sehr familiär hier“, erzählt die 29-Jährige. „Wenn es irgendwie geht, essen wir zum Beispiel alle gemeinsam zu Mittag. Wir leben nicht nur nebeneinander, sondern ganz bewusst miteinander. Und es ist wunderschön zu erleben, wie alle drei Generationen davon profitieren.“

 

Vater und Sohn alleine

Nur abends ist es selten so, dass alle zu Hause sind. Zu den Musikproben kommt bei Julia Kaineder das ehrenamtliche Engagement in der Pfarre, während ihr Mann Stefan politisch aktiv ist. Er ist Spitzenkandidat für die Grünen im Wahlkreis Traunviertel bei der Landtagswahl im Herbst. Und so lange der kleine Florian noch gestillt wird, fährt der Papa mit ihm zu Mamas Auftritten mit. „Das haben wir bei den beiden anderen Kindern auch schon so gemacht“, erzählt Kaineder. „Wir sitzen dann backstage in der Garderobe oder Sakristei, während meine Frau auf der Bühne steht.“ Und fügt lachend hinzu: „Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich schon sehr viele kleine Gemeinden Oberösterreichs bei Nacht gesehen habe.“ 

Und eben diese Auszeiten sind es, die der Vater mit seinem Sohn besonders genießt. „Das sind spezielle Momente, weil es in diesen zwei bis drei Stunden nur uns beide gibt“, sagt er. „Ich denke, dass das sehr selten ist, dass ein Vater ein so  kleines Kind ganz für sich alleine hat.“

Florian hat in der Zwischenzeit in die Arme von Mama Julia gewechselt und ist dort selig eingeschlafen. Papa Stefan hat nämlich noch einen letzten beruflichen Termin: eine Delegation indischer Gäste zu verabschieden, die unter anderem auch in Oberösterreich zu Gast waren. 

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(© Mathias Lauringer)