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People | 15.10.2018

Mit Lust und Freude Brucknerhaus-Chef

Wie er dem Haus zu (noch) mehr Glanz verhelfen will, verriet uns Dietmar Kerschbaum, seit rund zehn Monaten im Amt als neuer künstlerischer Leiter des Brucknerhauses Linz, im Interview.

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Dietmar Kerschbaum, geb. 1970 in Güssing, künstlerischer Leiter der LIVA und des Brucknerhauses Linz (© Nikolaus Similache, Volker Weihbold)

Ursprünglich international erfolgreich als Musiker, Tenor und Intendant unterwegs, übernahm Dietmar Kerschbaum im Dezember 2017 die Geschäfte als künstlerischer Vorstandsdirektor der LIVA und des Brucknerhauses Linz. Auch wenn er sich noch nicht ganz von der Bühne verabschiedet hat, gibt es für den Burgenländer nun andere Prioritäten: „Meine Kraft gilt nun in erster Linie dem Brucknerhaus, für das ich mit großer Lust und Freude tätig bin.“    

Herr Kerschbaum, Sie sind nun zehn Monate im Amt als künstlerischer Vorstandsdirektor des Brucknerhauses. Ihre Bilanz des ersten Jahres – und Ihre Pläne?
Um Bilanz zu ziehen, ist es noch zu früh, aber in meinem Bemühen, das Brucknerhaus neu zu positionieren, ist schon viel geschehen. Wir haben in Rekordzeit eine neue Orgel eingebaut, die notwendig geworden war, weil die alte u.a. statische Probleme verursacht hatte. Dann haben wir mit dem Bruckner’s ein neues Restaurant, das Erlebnisgastronomie auf höchstem Niveau bietet, und zwar bereits ab 11 Uhr vormittags. Wir haben ein neues Corporate Design, mit „Sonority“ ein neues, hochwertiges Kundenmagazin und nicht zuletzt eine neue, unverwechselbare Programmstruktur, die dem Brucknerhaus ein Alleinstellungsmerkmal sichert. All das dient dazu, diesem wunderbaren Haus wieder zu mehr Glanz zu verhelfen. 

Was macht das Brucknerhaus zu einem national wie international renommierten Konzerthaus? 
Da kommt vieles zusammen. Die zeitlose Architektur des Hauses, seine herrliche Lage im Donaupark, vor allem aber seine exzellente Akustik. Das sind ideale Rahmenbedingungen, die man nützen muss, um dem Brucknerhaus auch vom künstlerischen Programm her ein unverwechselbares Profil zu geben. 

Und dieses wäre?
Das Brucknerhaus soll nicht nur Station berühmter durchreisender Orchester, Dirigenten und Solisten sein, ich möchte auch das heimische Potenzial nutzen. Oberösterreich ist ein Musikland, hier gibt es viele Talente, denen ich im Brucknerhaus ein Podium bieten möchte. 

Wie sieht es mit der Auslastung aus? Das Brucknerhaus gilt ja als „Problemkind“, hat mit Budgetkürzungen zu kämpfen ... 
Sie sprechen es aus: Unser Budget ist knapp. Es würde uns schon sehr helfen, wenn der Bund zumindest das Internationale Brucknerfest unterstützen würde, das – worauf sein Name ja hinweist – von überregionaler Bedeutung ist. Warum sich der Bund, bis auf wenige Ausnahmen, ausschließlich auf Kultureinrichtungen der Bundeshauptstadt beschränkt, kann ich nicht nachvollziehen. Unabhängig davon müssen wir uns um die Jungen bemühen, an denen es uns wie allen Klassikbetrieben fehlt. 

Das diesjährige Brucknerfest erfreut noch bis 11. Oktober ein breites Publikum. Ihr persönliches Highlight?
Das ist, wie wenn Sie einen Vater fragen, welches Kind ihm das liebste sei. Mir sind alle Konzerte des Brucknerfestes gleich lieb. Denn sie alle sind wichtige Bausteine eines Mosaiks. Aber auf drei Konzerte zum Ausklang des Brucknerfestes möchte ich dennoch hinweisen: auf das Comeback des legendären Klavier-Duos Jörg Demus und Paul Badura-Skoda,  auf die Kopie eines Konzerts von 1868, bei dem unter Bruckners Leitung der Sängerbund Frohsinn, der Vorläufer der heutigen Linzer Singakademie, das Finale aus Wagners Die Meistersinger von Nürnberg uraufgeführt hat, sowie auf das Konzert der Staatskapelle Weimar unter dem famosen Senkrechtstarter Kirill Karabits. Diese Konzerte sollte man nicht versäumen.