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People | 04.10.2017

Mister Sandman

Clemens Doppler kann auf eine lange erfolgreiche Karriere zurückblicken, doch vergangenen Sommer erlebte er seine persönliche Beachvolleyball-Sternstunde: WM-Silber in Wien. Warum er auch mit 37 noch nichts vom Karriereende wissen will, erzählte uns der Zwei-Meter-Mann im Interview.

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© Swatch Proteam Profile

Ein Hingucker ist nicht nur sein Erscheinungsbild – zwei Meter groß, sportlich, tätowiert –, sondern auch seine lange Karriere als Profisportler. Clemens Doppler, der als Lehrerkind in Steyr aufwuchs, begann diese 1990 als Hallenvolleyballer. Als solcher feierte er viele Erfolge, unter anderem wurde er mit den HotVolleys Wien zweimal österreichischer Meister und war mit 15 Jahren Österreichs jüngster Bundesliga-Spieler. Ab 2001 zog Doppler den Sand dem PVC-Boden der Halle vor und widmete sich nur mehr dem Beach­volleyball. Eine gute Entscheidung, denn bereits 2003 holte er gemeinsam mit Nik Berger seinen ersten EM-Titel, der zweite folgte 2007 mit Peter Gartmayer. Den Höhepunkt seiner bisherigen Karriere feierte „Mister Sandman“ allerdings mit seinem aktuellen Spielpartner Ale­xander Horst: Gemeinsam standen die beiden Anfang August im Finale der Beach­volleyball-WM in Wien. Obwohl sich das Duo den Brasilianern Evandro/André, Nummer eins der Herren-Weltrangliste, letztendlich geschlagen geben musste, war das Sommermärchen geschrieben: historisches Silber.

Beim Interview in einem gemütlichen Wiener Café sprachen wir mit dem höchst sympathischen und trotz beruflicher Höhenflüge völlig am Boden gebliebenen Beachvolleyball-Ass über sein Leben und seine Karriere.       

 

Sie haben gemeinsam mit Alexander Horst bei der WM in Wien in allen Spielen sensationelle Leistungen erbracht, auch im Finale, in dem es nur knapp nicht gereicht hat für den Sieg. Was hat überwogen: der Jubel über Silber oder die Enttäuschung?

Die ersten Stunden nach dem Finale waren ganz eigenartig. Wir haben uns natürlich wahnsinnig gefreut – es war unser erstes Mal in einem WM-Finale –, aber es war auch Enttäuschung da. Wir waren doch so knapp dran gewesen, im ersten Satz über weite Strecken sogar besser als unsere Gegner, und trotzdem konnten wir nicht gewinnen. Mit dem Wissen aber, dass wir nichts groß falsch gemacht hatten – bei den drei Service-Assen von Evandro im zweiten Satz hätte keiner eine Chance gehabt –, konnten wir es vielleicht leichter akzeptieren. Mittlerweile, mit etwas Abstand, überwiegt die Freude. Überhaupt so weit zu kommen, die Chance gehabt haben, zu gewinnen, ist ein Wahnsinn!

 

Die WM in Wien war ein echtes Spektakel, die Stimmung frenetisch, die Fans euphorisch. Welche Rolle spielen die Fans? Mehr Jubel, mehr Leistung?

Ja, eindeutig! Die Stimmung in Wien war unvergleichbar. Es waren 10.000 Leute im Stadion, wir kamen perfekt in den Flow, weil genau unsere Bedingungen herrschten: Der Sand war super, das Wetter hat gepasst, die Leute waren spitze und die DJs ein Hammer.

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Siegerduo: Clemens Doppler und Alexander Horst präsentieren stolz die WM-Silbermedaille. (© Swatch Major)

Welche körperlichen Spuren hat die WM hinterlassen? Sie hatten ja schon davor Probleme mit dem Knie…

Ich habe mir zwei Wochen vor der WM einen Muskelfaserriss zwischen Knie und Oberschenkel zugezogen. Das heißt eigentlich sechs Wochen Sportverbot – und mit 37 Jahren wahrscheinlich das Karriereende. Die Diagnose hat mich sehr zurückgeworfen, ich hatte mich zwei Jahre auf die WM vorbereitet und war grundsätzlich total fit. Mein Glück war, dass ich ein extrem gutes Team an Physiotherapeuten und Ärzten habe und so perfekte Behandlungen bekommen habe. Wir haben intensiv gearbeitet – und es hat sich ausgezahlt. Ich hatte zwar bei der WM immer Schmerzen, aber man unterschätzt den Körper, die Kraft der Hormone, das Adrenalin, die Endorphine, die du ausschüttest bei so einem Groß­event. Am Center-Court war alles wie weggeblasen, aber als das Finalspiel aus war, konnte ich mich nicht einmal mehr hinsetzen für die Interviews.

 

Wie geht es jetzt weiter? Haben Sie vor, sich in die Beachvolleyball-Pension zu verabschieden?

Nein! Ich bin zwar nur mehr „semifit“ (lacht), aber mir ist wichtig, dass es noch Spaß macht und auch wirtschaftlich Sinn macht. Beides ist noch gegeben. Ich trainiere immer noch sehr gerne, es gibt vielleicht fünf Tage im Jahr, an denen es mich nicht freut.

 

Als Leistungssportler hat man ein natürliches Ablaufdatum, 40 ist wahrscheinlich die Grenze. Was haben Sie nach der „Pensionierung“ vor?

Natürlich ist mir bewusst, dass der Tag immer näher rückt. Ich mache momentan eine Trainings- und Sportmanagement-Ausbildung auf einer Fern­uni, denn ich möchte sicher weiter etwas im Sportbereich machen. Klar hätte ich jetzt gerne ein abgeschlossenes Studium und einen festen Plan B, aber ich weiß nicht, ob ich das alles erreicht hätte, wenn ich damals neben dem Volleyballspielen auch studiert hätte. Ich hatte auch damals keinen Plan B. Ich habe es als ganz Junger riskiert, es war ein Sprung ins kalte Wasser, aber es ist aufgegangen.

 

Sind die Olympischen Spiele in Tokio 2020 noch ein Thema?

Bis letztes Jahr, bis zu den Olympischen Spielen in Rio, haben wir immer in Olympiaden gedacht und geplant. Mittlerweile ist das nicht mehr ganz so, aber wenn alles gut geht, würde uns Tokio schon noch reizen. 

 

Sie leben schon lange in Wien, sind allerdings in Steyr aufgewachsen. Wie oft sind Sie in Oberösterreich? Was vermissen Sie in Wien an Oberösterreich?

Ich bin etwa fünfmal im Jahr in Oberösterreich, zu Geburtstagen, Ostern und Weihnachten. Ich würde gerne öfter dort sein, aber als Selbstständiger habe ich wenig Zeit, nicht nur unter der Woche, sondern auch an den Wochenenden Termine. Ich vermisse die Umgebung, in der ich aufgewachsen bin, definitiv; die richtig guten Freunde von früher, meine Eltern und Großeltern, aber es geht sich leider nicht öfter aus.

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„Der Ballflüsterer“ (© FIVB)

Ihre Tochter Lilli ist dreieinhalb. Ist sie auch schon sportbegeistert?

Sie ist sehr groß und dünn – woher sie das wohl hat? (lacht) Sie singt und tanzt am liebsten den ganzen Tag, ist sehr kreativ und sportlich – bei uns daheim liegen immer 15 verschiedene Bälle rum. Lilli checkt auch schon, dass ihr Papa Volleyball spielt, sie war nach jedem WM-Spiel auf dem Center-Court.

 

In diesem Jahr hat es im Österreichischen Volleyballverband (ÖVV) rumort. Es gab negative Schlagzeilen gegen den Präsidenten des Verbands, und auch finanziell ist alles nicht ganz so einfach. Stimmt es, dass Ihre weitere Karriere von Förderungen abhängt?

Das ist richtig, nur von Förderungen. In der Turnierwoche hat uns Bundeskanzler Christian Kern im Hotel besucht. Wir saßen ihm, der selbst recht sportbegeistert ist, gegenüber, und er meinte: „Naja, ihr habt eh ausgesorgt.“ Wir haben ihn daraufhin aufgeklärt, dass das nicht so ist – bei Weitem nicht. Wenn wir nicht so eine gute WM gespielt hätten, wären wir 100-prozentig aus jeder Förderung herausgefallen.

 

Als Duo Doppler/Horst sind Sie als Nummer acht im World Ranking der Herren gereiht, gehören somit zur Welt­spitze im Beachvolleyball. Und trotzdem ist die Rede von einem Karriereende aus finanziellen Gründen – ärgert es Sie, wenn Sie hören, wie viel etwa Fußballer verdienen?

Das ist außerhalb jeglicher Relation, aber ich habe aufgehört, mich darüber zu ärgern.

 

Können Sie noch unerkannt in Wien rumlaufen?

Das hat sich mit der WM schon verändert. Wenn ich jetzt zum Beispiel die Mariahilfer Straße entlang spaziere, gebe ich in zehn Minuten zehn Autogramme. Das war vor der WM nicht so. Wir waren bei fast allen großen Tageszeitungen auf der Titelseite, vor dem großen A1-Shop in der Mariahilfer Straße hing ein riesiges Plakat von uns... – das hat schon etwas verändert.

 

Sie sind ein großer Fan von Tennisspieler Roger Federer. Er ist Familienvater, skandalfrei, auch nicht mehr der Jüngste im Profisport und trotzdem erfolgreich. Da gibt es durchaus Parallelen zu Ihnen...

Meine Skandale wurden nicht öffentlich, aber da gab es schon ein paar... (lacht) Bevor es Lilli gab, habe ich keine Players Party ausgelassen und war immer der Letzte, der den Club verlassen hat. Jetzt freue ich mich, wenn ich durchschlafen kann und auf keine Party gehen muss (lacht). Zu Roger Federer: Ich hatte das Glück, ihn bei den Olympischen Spielen in Peking kennenlernen zu dürfen. Er ist der professionellste Mensch, den ich jemals kennengelernt habe, der Inbegriff eines Profis.

 

Sie engagieren sich seit diesem Jahr neben Fußball-Star Marc Janko und Basketballer Thomas Klepeisz für Kinder und Jugendliche, indem Sie beim SPORTBOX-Projekt mitwirken. Was genau ist die SPORTBOX? 

Das sind organisierte Ferien-Sportcamps für Kids von sechs bis 16 Jahren in ganz Österreich, bei denen die Mädchen und Burschen von qualifizierten TrainerInnen sportlich betreut und pädagogisch begleitet werden. Angeboten werden die vier Sportarten Volleyball, Basketball, Handball und Fußball. Das Projekt wird sehr gut aufgenommen, obwohl wir erst diesen Sommer gestartet haben. Alle Infos dazu gibt's auf www.sportbox.cc.