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People | 20.02.2018

"Mein gut bezahltes Hobby"

Mit Reinhard Waldenberger ist mit Jahresende ein Urgestein des ORF Oberösterreich in Pension gegangen. Wir haben mit dem 65-Jährigen über Erfolge und Gänsehaut-Momente gesprochen – und darüber, warum er schon immer Reporter werden wollte.

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© Andreas Röbl

So richtig vorstellen kann er es sich noch nicht, wie es sein wird – im Ruhestand zu sein. Denn Reinhard Waldenberger, langjähriger Programm- und Sportchef des ORF Oberösterreich, hat schon während seiner Schulzeit in der Handelsakademie nebenbei als Journalist beim „Volksblatt“ gearbeitet. Er ist Reporter durch und durch. Und darum hat er auch seinen Dienstvertrag bis zum letzten Tag ausgekostet und bis 31. Dezember gearbeitet. Wir haben den 65-Jährigen noch im Dezember in seinem gläsernen Büro inmitten der ORF-Redaktion besucht.

 

Sie haben bis zum letzten Tag Ihres Dienstvertrages gearbeitet. Warum? Angst vor dem Pensionsschock?

Nein, gar nicht, aber ich habe immer gern gearbeitet – schon während meiner Schulzeit in der Handelsakademie habe ich nebenbei für das „Volksblatt“ geschrieben. Weil es einfach eine extrem spannende Arbeit ist. Für mich war es nie ein Beruf, sondern vielmehr ein gut bezahltes Hobby (lächelt).

 

Ich vermute, Sie werden sich demnach nicht vollkommen aus der Medienbranche zurückziehen ...

Es gibt tatsächlich viele Angebote, aber das werde ich mir ansehen, wenn es so weit ist. Vielleicht werde ich im Medienbereich weitermachen. Es ist ein bisschen wie im Spitzensport, wo man auch nicht abrupt aufhören kann. Zumal es für mich ein absolut positiver Stress ist und keine Qual.

 

Radio Oberösterreich ist in unserem Bundesland der meist gehörte Sender. Macht Sie dieser Erfolg auch nach so vielen Jahren noch stolz?

Natürlich freut mich das. Ich habe 1974 mit meiner journalistischen Arbeit begonnen und war seitdem immer beim Marktführer tätig. Damit kann man viele Leute und auch viel Gutes erreichen. Und besonders freut mich, dass ich in den letzten Jahren mit Kurt Rammerstorfer als Landesdirektor mit einem langjährigen Freund zusammenarbeiten konnte.

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Charismatisch, sympathisch und einer, den die Leute mögen: Reinhard Waldenberger in seinem Element. (© Andreas Röbl)

Sie haben viele Shows und Aktionen ins Leben gerufen, zum Beispiel die Verkehrssicherheitsaktion „Bitte lächeln“ oder die Fitnessserie „Leicht & locker“. Gibt es eine, auf die Sie rückblickend besonders stolz sind?

Dazu zählt auf jeden Fall der „Linzer Eiszauber“, der kommenden Februar bereits zum 30. Mal stattfindet und immer ausverkauft ist. Auch jetzt gibt es bereits Kartenanfragen, obwohl wir noch gar nicht bekannt gegeben haben, welche Stars dabei sein werden. Es ist einfach dieser schöne Mix aus Eiskunstlauf und Musik, der das Publikum verzaubert. Natürlich bin ich auch auf die „Bitte lächeln“-Shows stolz, bei denen wir immer wieder internationale Stars dabei hatten. Roger Moore war ebenso da wie Uschi Glas und Bud Spencer. Es hat mir immer selbst auch etwas gegeben, anderen helfen zu können.

 

Ist Ihnen einer dieser vielen Promis besonders gut in Erinnerung geblieben?

Mit Frank Elstner und Paul Breitner verbindet mich noch heute eine Freundschaft. Frank Elstner ist für mich ein ganz großer Mann, weil er immer ein Arbeiter war. Er ist unglaublich innovativ und hat viel erfunden, da ist auch bei mir viel hängen geblieben.

 

Wann war für Sie klar, dass Sie Journalist werden wollen?

Ich kann mich erinnern, dass ich schon bei meiner Aufnahmeprüfung für die Handelsakademie als Berufswunsch „Reporter“ angegeben habe. Daraufhin hat mich ein Professor zu sich geholt und gefragt, ob mir klar sei, dass an dieser Schule Leute für die Wirtschaft ausgebildet werden. Ich habe geantwortet, dass ich auch etwas von der Wirtschaft verstehen wolle – aber werden wollte ich Reporter. Das war vollkommen klar für mich.

 

Gibt es eine Geschichte, bei der Sie heute noch Gänsehaut bekommen, wenn Sie daran denken?

Ja, das war 1985 die Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion mit insgesamt 39 Toten. Ich sollte das Europapokal-Finale der Landesmeister zwischen Liverpool und  Juventus Turin kommentieren und war mit zwei weiteren ORF-Kollegen relativ früh im Stadion, weil es am Nachmittag schon erste Schlägereien in der Stadt gegeben hat. Die Stimmung war aufgeheizt, die britischen Hooligans waren damals bekannt für ihre Aggressivität. Es begann mit einem Steinwurf und dann ging alles sehr schnell. Die Polizei war hilflos, die Katastrophe nahm ihren Lauf. Ich habe die Toten gesehen, das war furchtbar.

 

Gab es auch mal einen Moment, in dem Sie an Ihrer Berufswahl gezweifelt haben?

Nein, nie! Obwohl man natürlich lernen muss, sich zu behaupten. Ich hatte vom Sport den Vorteil, zu wissen, dass man nicht immer alles sofort erreichen kann, aber irgendwann schafft man es doch, wenn man daran arbeitet. Ich habe mich deshalb immer bemüht, eine alternative Lösung zu finden. Und ich bin ein begeisterter Teamplayer, auch das habe ich mir aus dem Sport mitgenommen.

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Mit Thomas Gottschalk bei der „Bitte lächeln“-Show. (© Peter Schink)

Ihre Frau Krista ist 2005 sehr tragisch verstorben. Sie wurden von einem Tag auf den anderen alleinerziehender Vater Ihres damals elfjährigen Sohnes Lukas. Wie haben Sie das gemanagt? War Ihnen in dieser Zeit der Job eine wichtige Stütze?

Das war sehr einschneidend, weil ich zum einen nicht nur meine Frau verloren habe, sondern unser Sohn – Lukas war zu diesem Zeitpunkt elf Jahre alt – auch seine Mutter. Krista war schwanger und hat eines Abends über starke Bauchschmerzen geklagt. Ich habe den Notarzt alarmiert, der sie um Mitternacht mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht hat. Um 03:30 Uhr habe ich den Anruf erhalten, dass Krista verstorben ist. Meine Schwester und meine Schwiegereltern haben uns in dieser schwierigen Zeit sehr unterstützt. Ich habe viel darüber geredet und eine breite Anteilnahme gespürt. Auch meine Kollegen hier haben mir Kraft gegeben. Es war keine leichte Zeit, aber Lukas und ich sind dadurch sehr zusammengewachsen. Ich habe ja alles mit ihm erlebt – von der ersten Liebe über die Matura bis zum Bundesheer. Heute sind wir wie gute Freunde. Meine Familie ist mir sehr wichtig, darum habe ich auch zu meiner Tochter Christiane aus erster Ehe ein sehr gutes Verhältnis.

 

Gibt es denn mittlerweile wieder eine Frau an Ihrer Seite?

Nein, ich bin immer noch Single. Es hätte einfach nicht gepasst – auch meinem Sohn gegenüber. Außerdem hatte ich durch meinen Job ohnehin nicht sehr viel Zeit. Dafür werde ich jetzt wieder ein bissl mehr leben (lacht).

 

Sie haben erst kürzlich Ihren 65. Geburtstag gefeiert und sind immer noch sehr fit und positiv. Was machen Sie für Ihre Gesundheit?

Ich stehe jeden Tag kurz vor sechs Uhr auf und verbringe dann etwa eine halbe Stunde auf dem Hometrainer. Daneben sehe ich mir die Frühnachrichten im Fernsehen an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was sich auf der Welt getan hat. Das werde ich auch in der Pension machen – oder zumindest werde ich versuchen, diesen Rhythmus beizubehalten. Weil ich es sehr wichtig finde, sich nicht gehen zu lassen. Dazu braucht es natürlich auch eine gewisse Disziplin (schmunzelt). Außerdem spiele ich immer noch zweimal in der Woche Fußball. Diese Partien gibt es seit 1974 ohne Unterbrechungen.

 

Nach so vielen Jahren in der Medienbranche: Wo wird es in Zeiten von Digitalisierung und Social Media für klassische Medien Ihrer Meinung nach hingehen?

Ich gehe davon aus, dass Zeitungen das alles überleben werden. Ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass es bald keine gedruckten Zeitungen, Magazine oder Bücher mehr geben wird. Was Radio und Fernsehen betrifft, gibt es mit dem Internet natürlich viele neue Möglichkeiten. Aber der Österreicher ist grundsätzlich ein traditionsbewusster Mensch, und er mag es, Traditionen zu pflegen. Dazu zählen zum Beispiel für viele Zuschauer die „Zeit im Bild“ oder um 19 Uhr „Bundesland heute“. Und Radio wird immer überleben. Es ist das aktuellste Medium und für viele Menschen ein Begleiter durch den ganzen Tag.