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People | 30.03.2016

„Mein Auto ist mein Wohnzimmer“

Mit gerade einmal 27 Jahren hat es die Mühlviertlerin Angela Pernsteiner im Yachtenbusiness ganz nach oben geschafft. Beim Interview spricht die sympathische Geschäftsführerin der Dominator Design & Development AG mit der OBERÖSTERREICHERIN über Job, Stärken und Emotionen.

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Jungunternehmerin Angela Pernsteiner (© Francesco Piras)

Dominator Yachts ist ein Familienunternehmen. Seit wann gibt es die Firma? Wie kam Ihre Familie dazu, ins Yachtenbusiness einzusteigen? 

Die Dominator Yachts als solche wurde bereits 1999 von der italienischen Familie Sigismondi gegründet, deren Tochter nach wie vor bei uns arbeitet. Meine Familie war Kunde bei der Dominator Werft und nach dem Kauf unserer eigenen Yacht hatten wir ein paar Verbesserungswünsche. Im Laufe der Zeit haben wir die Eigentümerfamilie kennengelernt, die 2010 – am Höhepunkt der Yachten-Krise – einen neuen Investor suchte. Die Yachtbranche war am Boden und auch die Dominator Yachts musste restrukturiert werden. Meinen Vater hat dann das Unternehmertum gepackt und er wurde zum neuen Werft-Besitzer. Die Sigismondis waren froh, jemanden gefunden zu haben, der die Werft nicht nur als Investment sieht, sondern auch mit Leidenschaft dahintersteht.  

 

Wo befindet sich die Firma?

Juristisch und strategisch gesehen haben wir die Firma getrennt: Die Brand-, Design- und Development-Sparte hat den Sitz in Vaduz in Liechtenstein, während sich die Verkaufsgesellschaft in Wien und die Werft in Fano an der italienischen Adria-Küste befindet. Ich muss sehr viel herumreisen, mein Auto ist mein Wohnzimmer! Doch was bringt es der Firma und mir, wenn sich die Welt draußen abspielt und ich nur im Büro sitze …

 

Wie viele Mitarbeiter hat das Unternehmen Dominator?

Bei unserer Übernahme haben wir auf ein neues Produktionssystem umgestellt, das sehr flexibel ist und es uns ermöglicht, viele Subunternehmen in der eigenen Werft und unter eigener Qualitätskontrolle zu unterhalten. Unser Design- und Ingenieursteam kommt aus einem Studio in Triest, mit dem wir tagtäglich zusammenarbeiten. Im Laufe des Bauprozesses einer Yacht arbeiten rund 200 Menschen. Würde man diese anstellen, wäre man unternehmerisch völlig unflexibel. Deswegen holt man beim Bau externe, aber nach speziellen Kriterien selektierte Subunternehmen dazu. Die Gegend um Fano ist bekannt als Schiffsbauregion und bei einem Auftrag helfen kleine, aber in der Nautikbranche sehr erfahrene Handwerksbetriebe, vom Tischler bis zum Elektrotechniker aus den umliegenden Orten mit. Eine Yacht schafft nicht nur durch ihren Bau, sondern auch durch ihren Unterhalt und die Benutzung enorm viele direkte und indirekte Arbeitsplätze im Mittelmeerraum. 

Wenn nach getaner Arbeit ein Schiff zu Wasser gelassen wird, ist Fano im Ausnahmezustand, Straßen werden gesperrt, Strommasten abgehängt und der ganze Ort schaut zu! 

 

Im Alter von nur 23 Jahren haben Sie die Dominator Design & Development AG gegründet. Was kann man sich darunter vorstellen? Was sind Ihre Aufgabenbereiche?

Ich arbeite intensiv mit dem Design- und Ingenieursteam zusammen, organisiere und manage Events zur Stärkung des Brands und kommuniziere am Markt. Es war schwierig genug, das Vertrauen der Kunden nach der Krise 2009/10 zurückzugewinnen. Der Bau eines Schiffes ist schon eine unglaubliche Arbeit, doch auch der immaterielle Wert und die Pflege der Marke, des Designs und der technischen Pläne darf man nicht unterschätzen.  

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Auch das Interieur überzeugt! (© Dominator Design & Development AG)

Eine Begegnung, die Sie nicht vergessen?

Ich habe schon einige interessante Persönlichkeiten kennengelernt, aber keine Begegnung war so aufschlussreich wie die mit der Australierin Gina Rinehart, der reichsten Frau der Welt. Sie hat sich sehr für unsere Yachten interessiert, allerdings doch gegen einen Kauf entschieden – selbst die größte Dominator war ihr zu klein. Ihre Begeisterung für die Qualität der Yachten hat uns jedoch gezeigt: Das ist der richtige Weg.  

 

Sie haben unter der Mindeststudienzeit Wirtschaftswissenschaften studiert, waren an Universitäten in Harvard, Singapur, Liechtenstein und St. Gallen. Konnten Sie Ihr Studentenleben genießen?

Ich genoss meine Zeit an der Uni schon sehr, aber es wäre gelogen zu sagen, dass ich eine typische Studentin war. Ich war vielleicht einmal auf einem Mensafest! (Lacht) Ich bereue nun, dass ich in manchen Situationen nicht gelassener war. Fehlende Gelassenheit, das ist meine große Schwäche. Eine Abschlussprüfung ist ja kein Weltuntergang, an solche Dinge hätte ich viel lockerer rangehen können.

 

Was sind Ihre größten Stärken?

Vorstellungskraft und Durchhaltevermö­gen. Oder wie die Mühlviertler es sagen: jede Menge „Sitzfleisch“! (Lacht)

 

In Ihrem Beruf haben Sie meist mit Männern zu tun. Ist es schwierig, sich da durchzusetzen? 

Eine Frau hat es oft nicht leicht als Geschäftsführerin eines Unternehmens. Ich bin zwar keine Emanze, finde es aber wichtig, dass gewisse Positionen nach Kernkompetenz und Fähigkeiten vergeben werden sollten. Eine Frau muss öfter das Doppelte leisten, um die gleiche Anerkennung zu bekommen wie ein Mann. Eine Frau muss in einer Ausnahmesituation doppelt so gelassen reagieren, um nicht als sensibel abgestempelt zu werden. Und eine Frau muss doppelt so überlegt handeln und sprechen, um nicht als impulsiv oder zickig dazustehen. Das macht es nicht gerade leicht für mich und alle Frauen – vor allem in der Yachtbranche. Zum Glück werde ich meist als seriöse Verhandlungspartnerin wahrgenommen. 

 

Was tun, wenn es mal nicht so läuft, wie man möchte?

Dann nur nicht zu emotional werden! (Lacht) Meist findet man einen anderen Weg, der besser ist als der erste. 

 

Karrierefrau oder Familienmutter – wie sehen Sie sich in Zukunft? 

Oder? Ich sehe mich als Karrieremutter. (Lacht

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© Dominator Design & Development AG