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People | 11.07.2019

Manuela Macedonia

Zum Studieren ist die gebürtige Italienerin Manuela Macedonia nach Österreich gekommen – und ist hier geblieben. Heute unterrichtet die Neurowissenschaftlerin an der JKU in Linz und gibt ihr Wissen in Vorträgen und als Autorin zahlreicher Bücher weiter.

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© Sabine Kneidinger

Wir treffen die gebürtige Italienerin Manuela Macedonia in Linz zum Covershooting,  und sofort ist uns klar, dass die attraktive Hirnforscherin eine Powerfrau par excellence ist. Ihr aktuelles Buch „Beweg dich und dein Gehirn sagt danke“ (erschienen im Brandstätter Verlag) hat sich binnen  kürzester Zeit zum Bestseller entwickelt. Kein Wunder, immerhin gelingt es ihr, hochwissenschaftliche Themen leichtfüßig, verständlich und mit einer Prise Humor auch für uns Laien zugänglich zu machen.

Wir haben mit Manuela Macedonia über ihr Leben und Arbeiten in Oberösterreich und ihre große Leidenschaft für Dirndlkleider gesprochen. Außerdem hat sie uns verraten, wie sie es schafft, den inneren Schweinehund zu überwältigen, um täglich eine Stunde Sport zu treiben.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Sie sind im italienischen Aostatal aufgewachsen. Wann und warum hat es Sie nach Oberösterreich verschlagen?

Manuela Macedonia: Nach Österreich, besser gesagt nach Salzburg, bin ich des Studiums wegen gekommen. Nach dem Diplom an der Universität in Salzburg habe ich eine Stelle an der JKU in Linz bekommen und bin in Oberösterreich geblieben.

 

Vermissen Sie Italien?

Nein, ich habe Italien nie vermisst. Ich wollte immer schon – übrigens gegen den Willen meiner Familie – in Österreich studieren und in diesem Land leben. Daran hat sich auch nach all den Jahren, in denen ich hier bin, nichts geändert. Österreich ist meine Herzensheimat! In Oberösterreich und in den Hügeln der Südsteiermark sind die Menschen, die mir nahe sind. Hier fühle ich mich zu Hause.

 

Wie leben Sie in Wels und wie gefällt es Ihnen generell in Oberösterreich?

Ich lebe am Stadtrand in einem Haus mit Nutzgarten und viel Licht, das ich selbst entworfen habe. Oberösterreich gefällt mir sehr gut. Es gibt hier alles, was ich mag und brauche. Wäre die Entfernung zu den großen Skigebieten geringer und gäbe es mehr Wein, wäre Oberösterreich das Paradies auf Erden! Aber dann würden wohl alle hier leben wollen und es würde ungemütlich werden. ;-)

 

Sie tragen gerne Dirndlkleider. Was gefällt Ihnen daran?

Ich finde sie einfach schön: Schnitt, Farben, Stoffe – Dirndln machen jede Frau attraktiv. Ich trage sie sehr gerne zu Familienanlässen oder wenn ich Gäste habe. Die sind dann oft überrascht, wenn sie mich im Dirndl sehen. Aber in meiner Brust schlägt ein österreichisches Herz!

 

Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht an einem Buch schreiben, forschen, unterrichten oder sporteln?

Wie alle anderen Menschen auch mache ich dann gerne Urlaub. Allerdings steht auch hier die Bewegung im Mittelpunkt. Vergangenes Jahr bin ich von Wels in meine Heimat, das Aostatal, geradelt und legte in elf Tagen 1.100 Kilometer und 12.000 Höhenmeter zurück. Ich bin auch gerne in den Kalk­alpen. Mein Refugium nach stressigen Zeiten ist die Villa Sonnwend in Mayrwinkel (Windischgarsten). Dort lasse ich mich kulinarisch verwöhnen, gehe wandern und genieße die Ruhe des Nationalparks.

 

Was hat Sie dazu bewogen, in die Neurowissenschaften zu gehen?

Die Fragen, die ich in meiner Dissertation aufgeworfen hatte, also welche Gehirnregionen am Lernprozess beteiligt sind, wenn man Wörter einer Fremdsprache mit dazu passenden Gesten lernt, konnte ich nur durch funktionelle Magnetresonanztomografie des Gehirns beantworten. Weil nach meinem Doktorat an der Universität Salzburg keine Geräte zu Forschungszwecken zur Verfügung standen, bin ich nach Leipzig an das Max-Planck-Ins­titut für Neurowissenschaften gegangen.

 

Was hat Sie dazu motiviert, das Buch „Beweg dich“ zu schreiben?

Ich hatte vor circa zehn Jahren aufgrund von sehr viel Arbeit Gedächtnisprobleme und entschied mich für den natürlichen Weg. Seither bewege ich mich fast täglich und bin körperlich,  aber vor allem kognitiv leistungsfähiger denn je. Und das, obwohl ich mindestens genau so viel arbeite wie damals. Zudem habe ich über die Jahre hinweg zahlreiche Vorträge zu diesem Thema gehalten und gesehen, wie groß das Interesse des Publikums daran ist. Als der Brandstätter Verlag um ein Manuskript zu einem Thema meiner Wahl angefragt hat, war mir sofort klar, dass es um die positiven Auswirkungen von Bewegung auf das Gehirn gehen müsse. Alle waren begeistert, und so kam das Buch zustande.

 

„Ich laufe nicht für meine Figur, ich laufe für mein Gehirn“ lautet der Name eines Kapitels in Ihrem Buch. Wie viel Zeit muss man investieren, um das Gedächtnis auf Vordermann zu bringen?

Das hängt vom Alter und von der jeweiligen körperlichen und geistigen Aktivität ab. Es gibt kein Rezept, das für alle gilt. Aber eine Stunde Bewegung am Tag – also mindestens eine Stunde Spaziergang guten Schrittes – ist ein guter und ernst gemeinter Anfang. Das gilt übrigens für alle Menschen, die es mit ihrem Gehirn gut meinen.

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Energiebündel. Seitdem sich Manuela Macedonia täglich eine Stunde bewegt, ist sie körperlich und kognitiv leistungsfähiger. Neben dem Joggen sind Skifahren und Skitourengehen ihre große Leidenschaft. (© Sabine Kneidinger)

Welchen Einfluss hat Bewegung auf unser Gehirn?

Bewegung wirkt sich systemisch aus: Sie regt Prozesse im Gehirn an, die unser Denkorgan gesund und leistungsfähig halten. Bewegung ist die beste Prävention gegen psychische Erkrankungen wie etwa Burn-out und auch Demenz. Jede Stunde Bewegung ist wie ein kleiner Wartungsservice für das Gehirn, eine Wohltat, denn es gibt keine Medikamente, die das ersetzen können.

 

Welche Sportarten wirken sich am besten auf unser Gehirn aus?

In diesem Bereich wird eine sehr gute Forschung mit Tieren gemacht. Mäuse oder Ratten sind genetisch alle gleich, bekommen dasselbe Futter, haben den gleichen Tages- und Nachtrhythmus, den gleichen Käfig usw. Alle Faktoren, die einen Einfluss auf die Resultate haben könnten, werden somit ausgeschaltet. Eine gewisse Anzahl von Tieren darf Bewegung machen, die restlichen Nager nicht. Dafür sind spezielle Laufräder in den Käfigen vorgesehen: Sie simulieren das Laufen, Spazierengehen oder Walken. Dann schaut man ins Gehirn der Tiere und beobachtet, wie sich die Bewegung ausgewirkt hat. Bei dieser Forschung sind alle Sportarten belegt, die mit Fortbewegung zu tun haben, also Laufen, Walken, Schwimmen, wie auch Mannschaftsspiele, die die Fortbewegung enthalten, zum Beispiel Fußballspielen. Muskel­aufbautraining hingegen wirkt sich auf den Körper positiv aus, es ist aber nicht belegt, dass es jene Prozesse, die ich im Buch beschreibe, anregt.

 

Sie treiben fast täglich Sport. Was tun Sie, um den inneren Schweinehund zu überwinden und sich zu motivieren?

Ich denke an die Demenzpatienten, die ich Anfang der 2000er-Jahre an der Innsbrucker Gedächtnisambulanz kennengelernt habe. Alt werden ja, aber dement zu sein, das wäre für mich sehr schlimm. Dann vergegenwärtige ich mir all das, was ich ins Buch geschrieben habe. Ich weiß, dass tägliche Bewegung meinem Gehirn guttut. Ich arbeite seit Jahren sehr viel, dieses Pensum wäre ohne Bewegung undenkbar. Wenn ich am späten Nachmittag joggen gehe, kann ich locker eine Abendschicht einlegen, selbst wenn mein Arbeitstag um halb acht in der Früh begonnen hat.

 

Wie lange dauert es, bis man eingefleischte Verhaltensmuster ändert, zum Beispiel vom Couch-Potato zum Sportler?

Das hängt immer vom jeweiligen Menschen ab, kann aber sehr schnell gehen. Ich kenne einen Mann, der innerhalb von einem Jahr sein Leben komplett auf Bewegung umgestellt und dabei 15 Kilogramm abgenommen hat. Er ist sogar einen Halbmarathon gelaufen. Erstrebenswert ist allerdings ein sanfter Einstieg ins neue Leben. Ich halte nichts von Rosskuren, von Dauerverzicht mit Entbehrungen und Anstrengungen. Schön ist es, wenn wir freiwillig, ohne Druck hinausgehen,  und wenn es uns Spaß macht. Dafür muss sich der gesamte Körper aber umstellen – unser Kreislauf, das Herz, der Stoffwechsel – langsam und nachhaltig. Dann leben wir bewegter, fitter, gesünder und geistig leistungsfähiger. 

 

Ist dem Sport Ihr jugendliches Aussehen zuzuschreiben?

In meinem Fall kann ich es nicht sagen. Ich denke allerdings, dass der Sport eine große Rolle spielt, denn er wirkt sich auf die Länge der Telomere aus, also auf die Schutzkappen unserer Gene. In puncto Haut ist das sehr wichtig, denn Falten sind Altersindikatoren. Werden die Aufbauprogramme meiner Haut länger geschützt, indem die Gene gut eingepackt sind, habe ich längere Zeit in meinem Leben keine Falten. Mache ich keinen Sport, rauche ich, schlafe ich wenig, trinke Alkohol, schade ich den Telomeren und somit meinen Genen – und das sieht man mir dann an.

 

Erlauben Sie sich auch Sünden wie Schnitzel, Kuchen oder Wein?

Ich liebe deftiges österreichisches und italienisches Essen. Nach einem langen sportlichen Tag brauche ich Fleisch, Gemüse, Obst und Zucker in Form von Kuchen. Wenn im Vorhinein durch Sport schon alles abgebaut wird, ist das ein super Feeling. Mich nicht zu bewegen und nicht gut zu essen, würde mich neurotisch machen. Auch ein Gläschen Wein zu einem guten Essen oder ein Bierchen in Ehren nach einer langen Skitour gehören einfach zum Leben dazu. Wir sind ja nicht auf der Welt, um Verzicht zu üben, wir sind da, um aus dem Vollen zu schöpfen!

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Dirndl-liebhaberin. Die gebürtige Italienerin steht auf Dirndlkleider und macht im Modell von Tauernpass Trachtenmode in Radstadt eine Top-Figur. (© Sabine Kneidinger)

Sie sagen, Sport ist die beste Alzheimer-Prävention. Wann sollte man beginnen und wie funktioniert das?

Regelmäßige Bewegung regt Reparaturmechanismen im Gehirn, aber auch das so genannte glymphatische System an. Erst 2012 von einer dänischen Wissenschaftlerin entdeckt, besteht es aus unzähligen Röhrchen, die sich den Gehirngefäßen anschmiegen. Diese Röhrchen bilden eine Art „Kanalisation“ für Abfallprodukte des Gehirnstoffwechsels, abgestorbenes Zellmaterial zum Beispiel, Schadstoffe usw. Ein in die Jahre gekommenes glymphatisches System hat schon von seiner Funktionsfähigkeit eingebüßt, sodass sich „Abfall“ auf der Gehirn­oberfläche sammelt und die Entstehung der berüchtigten Alzheimer-Plaques begünstigt. Bewegen wir uns ausreichend, bleibt das glymphatische System aktiv, und wir sind weniger für Alzheimer anfällig.

 

Wie viel „Bewegung nach Stundenplan“ würden Sie jungen Menschen raten?

Mindestens eine Stunde am Tag, außerhalb der Komfortzone. Das können Jugendliche gut gebrauchen: für ihr Gehirn, aber auch, um körperlich gesund aufzuwachsen und Aggressionen loszuwerden. Man braucht nur nach Island zu schauen, wo Jugendliche jede Menge Sport treiben. Die isländischen Fußballer sind kein Produkt des Zufalls!

 

„Für Gertrude und Falko Schmidt, für die liebevollen Worte in schwierigen Stunden, die Freude an meiner Freude, dafür, dass sie mich in den letzten zwanzig Jahren wie Eltern durch das Leben begleiten, weil meine Eltern ins Paradies gehen mussten“ – so lautet die Widmung Ihres Buches. Wollen Sie uns darüber etwas erzählen?

Als 2001 meine Mutter starb, fühlte ich mich wie eine Nussschale mitten im stürmischen Ozean, mein Hafen war weg. Mein Vater ging leider auch ins Paradies, als ich 22 Jahre alt war. Gertrude und Falko Schmidt geben mir seitdem das Gefühl, dass ich noch ein Zuhause habe, wo ich gut aufgehoben bin. Sie haben drei Kinder adop­tiert, und ich habe mich ungefragt in ihr Nest gesetzt. Diese zwei Menschen verdienen meine uneingeschränkte Zuneigung, denn – wie Eltern – fordern sie nicht. Ihre Tür ist für mich immer offen, ihre Herzlichkeit ist riesengroß. Sie fühlen mit, wenn ich traurig bin, und sie freuen sich mit mir über Erfolge. Ganz wie Eltern!

 

IN KÜRZE:

Glücklich macht mich ... eine verschneite Landschaft oben am Berg.

Niemals vergessen werde ich ... meine Führerscheinprüfung (mit 18), als ich mit angezogener Handbremse wegfuhr.

Spaghetti oder Schnitzel ... Schnitzel!

Prosecco oder Bier ... Prosecco.

Schwach werde ich bei ... hochwertiger Sportausstattung.

Mein Lebensmotto ... „Alles und sofort, denn morgen kann es schon zu spät sein!“