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People | 02.03.2020

„Man muss Menschen mögen“

Seit 25 Jahren arbeitet Christine Dieplinger als Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin im Klinikum Wels-Grieskirchen am Standort Grieskirchen. Im Interview erzählt die 46-jährige Dreifachmama aus Heiligenberg, warum es ihr Traumberuf ist.

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© Sarah Katharina Photography

Gutmütig, aufmerksam, humorvoll, verständnisvoll und aufgeschlossen – diese Eigenschaften treffen auf unsere Coverlady Christine Dieplinger voll und ganz zu. Und mit diesen Schlagworten wird die Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin aus Heiligenberg auch im Rahmen der neuen Pflegekampagne #wirsindpflege  des Klinikums Wels-Grieskirchen vorgestellt. Seit nunmehr 25 Jahren ist die sympathische Strahlefrau im Klinikum Wels-Grieskirchen am Standort Grieskirchen in unterschiedlichen Abteilungen für das Wohl der Patienten im Einsatz und scheint dort beruflich angekommen zu sein.

Sinnstiftender Traumberuf. Im Interview erzählt die 46-jährige Dreifachmama, dass sie schon als kleines Mädchen davon geträumt hat, Krankenschwester zu werden. Diesen Traum hat sie sich erfüllt und damit die richtige Entscheidung getroffen. Denn: „Es gab noch keinen Tag, an dem ich nicht gerne in die Arbeit ging“, erzählt uns Christine beim Covershooting. Ihre Tätigkeit im Krankenhaus ist nicht nur vielfälltig, sondern auch sinnstiftend und spannend. Daher ist es ihr ein großes Anliegen, ihren Traumberuf vielen jungen Menschen und Quereinsteigern nahe zu bringen.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Dieplinger, seit 25 Jahren sind Sie im Klinikum Wels-Grieskirchen am Standort Grieskirchen als Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin im Einsatz. Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Christine Dieplinger: Seitdem ich denken kann, ist Krankenschwester mein Traumberuf. Schon im Alter von fünf Jahren habe ich zu meiner Freundin ständig gesagt, dass ich diesen Beruf einmal ergreifen werde.

 

Wann und wo haben Sie Ihre Ausbildung gemacht?

Nach der Privatmädchenhauptschule in Grieskirchen bin ich in die dreijährige HBLA in Wels gegangen. Damals konnte man mit der Ausbildung zur Diplomkrankenschwester erst ab dem 17. Lebensjahr beginnen. Sobald ich 17 war, habe ich die Aufnahmeprüfung für die Schwesternschule in Wels gemacht und wurde prompt aufgenommen. Da mein großer Traum in Erfüllung ging, habe ich die Schule abgebrochen und mit der dreijährigen Ausbildung begonnen.

 

Haben Sie gleich nach der Ausbildung zu arbeiten begonnen?

Nein, denn während der Ausbildung zur Krankenschwester bin ich zu meiner Tochter Stephanie schwanger geworden. Damals habe mit dem Gedanken gespielt, die Ausbildung abzubrechen und als Pflegehelferin zu arbeiten. Zum Glück hat mich meine Mama überzeugt, die Ausbildung fertig zu machen. Dafür bin ich ihr noch heute unglaublich dankbar. Alle in der Familie haben zusammengeholfen und so habe ich das Diplom mit Baby geschafft. Nachdem ich mir für meine Tochter ein Jahr Auszeit genommen hatte, begann ich im Krankenhaus Grieskirchen zu arbeiten.

 

In welcher Abteilung und wie viele Stunden pro Woche haben Sie damals gearbeitet?

Ich habe auf der Internen Frauenstation im Ausmaß von 40 Stunden gearbeitet. Das Grieskirchner Krankenhaus wurde damals noch von geistlichen Schwestern geleitet. Ich wurde herzlich aufgenommen und es war eine sehr familiäre Atmosphäre. Der Job war zwar sehr arbeitsintensiv, aber ich habe in dieser Zeit unheimlich viel gelernt. 1996 kam dann meine zweite Tochter Sandra auf die Welt.

 

 

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© Sarah Katharina Photography

Wie lange waren Sie bei den beiden Mädchen zu Hause?

Damals bin ich von Grieskirchen zu meinem Mann Walter nach Heiligenberg auf seinen Bauernhof übersiedelt. Da mich seine Eltern und die Großmutter mit den Kindern unterstützt haben, konnte ich nach einem Jahr auf der Chirurgischen Sonderklasse im Krankenhaus Grieskirchen wieder Fulltime zu arbeiten beginnen. Diese Station habe ich vier Jahre lang geleitet. Nachdem sich 2010 mein Sohn Jonas angekündigt hat, bin ich erneut in Karenz gegangen. Seit dem Wiedereinstieg 2013 arbeite ich 20 Stunden auf der Station RNS (Remobiliation und Nachsorge)/Unfall.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Ich mag den Umgang mit den Patienten und freue mich, wenn ich ihnen auch in schwierigen Zeiten ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Die Patienten sind sehr dankbar, wenn man ihnen Mitgefühl entgegenbringt.

 

Als Krankenschwester werden Sie sicher auch mit schweren Schicksalsschlägen und dem Tod konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?

Auf unserer Station werden wir nur selten mit Todesfällen konfrontiert. Aber natürlich gibt es auch Patienten, die zum Beispiel von einem Tag auf den anderen mit einer Krebsdiagnose fertig werden müssen. In solchen Fällen ist es wichtig, Einfühlungsvermögen zu zeigen. Man muss sich in die Patienten hineinspüren, um sie auch wirklich verstehen zu können.

 

Der Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um?

Natürlich ist es ein fordernder Beruf. Da wir die Gesamtverantwortung für den Pflegeprozess tragen und den Gesundheitszustand der Patienten beobachten und überwachen müssen, ist es wichtig, dass wir konzentriert und umsichtig arbeiten.

 

Entstehen zwischen Ihnen und Patienten manchmal auch Freundschaften?

Richtige Freundschaften entstehen eher selten. Da ich aber in Grieskirchen aufgewachsen bin und im Klinikum arbeite, kennen mich viele Patienten. Es freut mich immer sehr, wenn mich ehemalige Patienten auf der Straße ansprechen und uns ein gutes Feedback geben.

 

Was brauchen Menschen, wenn Sie ins Spital kommen?

Für die meisten Patienten ist ein Aufenthalt im Spital eine Ausnahmesituation. Daher ist es wichtig, dass man freundlich ist und ihnen gegenüber Interesse und Empathie zeigt. Ich gebe jedem neuen Patienten bei der Ankunft zur Begrüßung die Hand und versuche Vertrauen aufzubauen. Wenn ich Sätze höre wie: „Schwester Christine, Sie machen Ihre Arbeit mit so viel Liebe und Freude!“ oder „Ich war so froh, dass Sie da waren letzte Nacht, als es mir schlecht ging!“, dann zeigt es mir, dass ich im richtigen Beruf bin.

 

 

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© Sarah Katharina Photography

Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit im Team mit Ihren Kollegen wichtig?

Wichtig sind mir vor allem Ehrlichkeit, Offenheit, Klarheit und ein wertschätzender Umgang miteinander. Wenn wir uns im Team verstehen und gut zusammenarbeiten, dann spüren  das auch die Patienten. Schließlich sind wir für die Patienten da, ihr Wohl steht absolut im Mittelpunkt. 

 

Welche Eigenschaften sollte man für Ihren Beruf mitbringen?

Man soll verantwortungsbewusst, zuverlässig, belastbar und empathisch sein. Natürlich darf auch der Humor nicht zu kurz kommen und man braucht einen gesunden Hausverstand. Man muss ein Gespür für die Patienten haben und Menschen mögen. 

 

Der Pflegekräftemangel lässt sich nicht leugnen. Warum würden Sie jungen Menschen dazu raten, in Ihre Fußstapfen zu treten?

Weil ich absolut davon überzeugt bin, dass es ein Traumberuf ist. In meiner doch schon sehr langen Karriere hat es nicht einen Tag gegeben, an dem ich nicht gerne in die Arbeit gegangen bin. Es ist ein sehr sinnstiftender Beruf und man bekommt sehr viel von dem, was man gibt, zurück.

 

Was müsste man tun, um jungen Leuten den Beruf schmackhaft zu machen?

Ich glaube, dass viele junge Leute einfach nicht wissen, wie abwechslungsreich und erfüllend unser Beruf ist. Daher wäre es gut, wenn man Kinder schon im Kindergarten oder in der Volksschule darüber aufklärt. Ich war vor kurzem mit meinem Sohn Jonas auf der Gesundheitsmesse. Ein junger Pfleger hat ihm von seiner Arbeit erzählt und Jonas durfte an einer Puppe Hand anlegen. Es hat ihm voll getaugt und er wird das so schnell nicht vergessen.

 

Wie lässt sich der Beruf mit Familie und Kindern vereinbaren?

Ich hatte das große Glück, dass ich Eltern, Schwiegereltern und Geschwister zur Seite hatte, die mich in Sachen Kinderbetreuung unterstützt haben. Von Kolleginnen weiß ich, dass sich Beruf und Familie etwa durch Nacht- oder Wochenenddienste sehr gut vereinbaren lassen. Vor allem, wenn man Teilzeit arbeitet.

 

Ihre beiden Töchter sind 27 und 23 Jahre alt. Tritt eine in Ihre Fußstapfen?

Ja, meine jüngere Tochter Sandra hat am Med Campus in Linz ihre Ausbildung absolviert und arbeitet jetzt dort auf der Mund-, Kiefer- und  Gesichtschirurgie. Meine ältere Tochter Stephanie Christin ist in der Raiffeisenbank in Strohheim tätig. Und unser „kleiner Prinz“ Jonas geht noch in Heiligenberg in die Volksschule.

 

Für die neue Kampagne des Klinikums Wels-Grieskirchen waren Sie Testimonial. Wie hat Ihnen der Ausflug vor die Kamera gefallen?

Es war ein Ausflug in eine ganz andere Welt, der mir aber sehr gut gefallen hat. Es ehrt mich, dass ich für den Spot ausgewählt wurde.

 

Sie wohnen mit Ihrem Mann und den Kindern in Heiligenberg. Was gefällt Ihnen am Leben auf dem Land?

Wir haben das Bauernhaus umgebaut und wohnen recht gemütlich. Am Schönsten ist es für mich, wenn ich in der Früh aufstehe, die Sonne vom Himmel lacht und ich raus in den Garten oder in den Wald gehen kann.

 

Ihr Job ist sicher fordernd. Wo schöpfen Sie Energie?

Natürlich bin ich nach einem Zwölf-Stunden-Dienst ausgepowert und muss meine Batterien wieder aufladen. Da heißt es dann erst einmal ausgiebig schlafen (lacht). Ruhe und Entspannung finde ich vor allem bei meiner geliebten Gartenarbeit und in der Natur. Ich bin aber auch ein sehr geselliger Mensch und treffe mich gerne mit Freundinnen und meiner großen Familie. Da mein Mann Fußballtrainer ist und auch mein Sohn Jonas bereits kickt, bin ich häufig im örtlichen Fußballverein anzutreffen.

 

Wie schaffen Sie es, sich auch an nicht so guten Tagen zu motivieren?

Da handle ich frei nach dem Motto: „Gib alles und denk nicht zu viel nach!“ Wenn man verschiedene Schicksale im Krankenhaus sieht, ist man für jeden Tag, an dem man gesund ist, dankbar. Da relativiert sich vieles.