Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 13.06.2017

"Man muss hungrig bleiben"

Am 3. Mai wurde bei Runtastic in der PlusCity in Pasching eines der coolsten Start-up-Büros Europas eröffnet. Kein Wunder, dass auch Politgranden wie Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) vorbeikamen.

Bild 1706_O_runtasticflorian-gsch.jpg
Florian Gschwandtner, CEO und Gründer von Runtastic (© Runtastic)

Großraumbüro, Stehtische, Working Café, eine Rutsche vom fünften in den vierten Stock, eine großzügige Terrasse mit Sportgeräten, Platz für Fahrräder sowie moderne Küchen und Duschen bringen Abwechslung in den Arbeitsalltag. All das und noch viel mehr findet man im nagelneuen Runtastic-Büro in der PlusCity in Pasching. Und Runtastic-CEO und Co-Gründer Florian Gschwandtner weiß ganz genau, warum er seinen Mitarbeitern diesen Komfort bietet. Immerhin verbringt man rund 50 Prozent der Zeit, die man wach ist, im Büro. Daher spielt eine angenehme Atmosphäre eine unglaublich wichtige Rolle und wirkt sich auf die Leistung der Mitarbeiter aus.

Vor acht Jahren gegründet, ist Runtastic heute mit 110 Millionen registrierten Nutzern und 210 Millionen App-Downloads die erfolgreichste App Österreichs. Derzeit arbeiten rund 160 hochqualifizierte Mitarbeiter aus 33 Nationen im Headquater in Pasching. Sie sind zweifelsohne das größte Kapital des oberösterreichischen Unternehmens. Um weiterhin für das Team attraktiv zu bleiben, wurden in den vergangenen zweieinhalb Jahren 2.200 Quadratmeter Fläche zum coolsten Start-up-Büro Europas ausgebaut. Im Interview erzählt Florian Gschwandtner, warum viel Geld und teure Autos nicht glücklich machen und mit welchen Herausforderungen Runtastic in die Zukunft geht.

 

Herr Gschwandtner, warum will ein internationales Start-up-Unternehmen wie Runtastic unbedingt in Pasching bleiben?

Ganz einfach: In Oberösterreich gibt es zum einen sehr gute, verlässliche Leute in der Software-Entwicklung und zum anderen eine Top-Ausbildung an den Fachhochschulen und an der Universität. Außerdem ist die PlusCity mit ihren vielen Shops und Restaurants sowie der Nähe zu Linz ein optimaler Standort. Dank dieser Kombination haben wir tolle Leute in unser Unternehmen bekommen.

 

Wie schaut Ihre Unternehmenskultur aus?

Wir haben eine relativ flache Hierarchie. Natürlich weiß jeder Mitarbeiter, dass der Output zählt, aber im Prinzip fordern sich gute Leute ohnehin gegenseitig. Unser Ziel ist es, die beste Leistung zu erbringen, aber wir haben auch viel Spaß und feiern gerne miteinander. Und genau diese Balance muss passen.

Bild 1706_O_runtasticc-level_runt.jpg
Runtastic-Führungsriege: Alfred Luger, Christian Kaar, Stephanie Peterson, Florian Gschwandtner. (© Mathias Lauringer – Studio 365)

Das hört sich gut an – wie schaut es in der Realität aus?

Wer bei uns arbeitet, muss von der Kultur und von seinen Werten zu Runtastic passen. In unserer sehr schnelllebigen Branche ist Erfahrung eher sekundär. Es geht vor allem darum, sich der neuen Technik laufend anzupassen. Unternehmen wie Apple und Google bringen ständig etwas Neues auf den Markt, und man muss bereit sein, diese schnellen Änderungen mitzugehen. Das können nicht alle Menschen.

 

Sie beschäftigen Mitarbeiter aus 33 Nationen. Runtastic ist also sehr multikulturell...

Ich glaube, diese Offenheit braucht es auch im Jahr 2017. Mir ist es komplett egal, woher jemand kommt, welche Hautfarbe er hat oder was er vorher gemacht hat. Wenn jemand bei uns zu arbeiten beginnt, dann muss er in seinem Bereich gut sein. Ob jemand drei Uni-Abschlüsse hat oder nicht, ist sekundär. Wichtig ist, dass Mitarbeiter zu unserer Unternehmenskultur passen. Wir wollen als Team erfolgreich sein. Man kann unglaublich viel von anderen Kulturen lernen.

 

In den vergangenen acht Jahren ging es steil bergauf. Was sind aktuell die Herausforderungen?

Da gibt es mehrere. Zum einen suchen wir 30 bis 40 MitarbeiterInnen im Bereich der Software-Entwicklung, was nicht einfach ist. Außerdem wollen wir ADIDAS dabei helfen, in der Digitalisierung noch besser zu werden. Da haben wir einige große Ziele. Und natürlich schläft auch die Konkurrenz nicht. Unsere Mitbewerber sind unter anderen Riesenfirmen im Silicon Valley, die viele Millionen Venture-Capital zur Verfügung haben. Das haben wir nicht, wir müssen Geld verdienen und zahlen unsere Mitarbeiter von unseren eigenen Verdiensten. Das ist der Unterschied. Wenn man sich mit den Weltbesten messen will, dann war es noch nie einfach, und das soll es auch nicht sein. Deshalb darf man nie aufhören, hungrig zu sein, oder glauben, dass man es geschafft hat. Sicher haben wir viel erreicht, aber wir sind mitten in einem Marathon und noch lange nicht an der Ziellinie.

 

Wie sieht für Sie das Arbeitszeitmodell der Zukunft aus?

Um als Unternehmen erfolgreich sein zu können, muss man ein gewisses Minimum an Zeit erfüllen. Wenn ich mich mit Amerika messe, wo in etwa 50 Stunden die Woche gearbeitet wird, dann muss mir klar sein, dass ich nicht dieselbe Leistung in 20 Stunden erbringen kann. Daher ist es mir ganz wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter in ihrer Arbeitsumgebung wohlfühlen. Nur dann werden sie auch eine gute Leistung erbringen. Es ist immer ein Geben und ein Nehmen. Wir haben relativ flexible Arbeitszeiten im Sinne von Gleitzeit.

 

Sie sind in Strengberg im Mostviertel aufgewachsen. Heute sind Sie weltweit unterwegs. Was bedeutet Ihnen Heimat?

Sehr viel. Ich habe einen Vierkanter in Strengberg und bin jedes zweite Wochenende zu Hause. Dort finde ich die nötige Entschleunigung – wie man es neumodisch ausdrücken würde –, und ich genieße es, mal ein Wochenende gar nichts zu tun, außer ein Buch zu lesen oder Musik zu hören.

 

Bei der Eröffnung des neuen Büros war die Spitze der österreichischen Politik vertreten. Was ist da für ein
Feeling?

Es dauert sicher noch eine Zeit lang, bis ich das alles realisieren werde. Ich musste lernen, Erfolge zu genießen und kann das mittlerweile ganz gut (lacht).

Bild 1706_O_runtasticRuntastic_43.jpg
Ein Sportgerät auf der großzügigen Terrasse darf im coolsten Start-up-Büro Europas natürlich nicht fehlen. (© Runtastic)

Keine Angst abzuheben?

Nein, überhaupt nicht. Man muss immer aufpassen, dass man sich nicht zu viel einbildet. Denn am Ende des Tages sind wir alle ganz normale Menschen. Ob man im Leben zufrieden ist, hängt nicht damit zusammen, wie viel Geld man am Konto hat oder welches Auto man fährt. Das sind zwar Dinge, die Spaß machen, aber für mich ist es das Coolste, eine Idee zu haben, in die Firma zu gehen und diese in die Realität umzusetzen.

 

Ist das Ihr Erfolgsrezept?

Die meisten Menschen scheitern am Exekutieren. Ideen haben wir alle sehr viele, aber wer macht etwas da­raus? Dazu gehören eine große Portion Mut und Durchhaltevermögen. Runtastic aufzubauen war und ist immer noch kein einfacher Weg. Wenn man keine Leistung bringt, dann wird man keine Erfolge haben. Das ist im Spitzensport so und auch bei den weltbesten Unternehmen. Man muss schon Gas geben.

 

Viele Promis sind zur Büroeröffnung gekommen, waren auch Ihre Eltern bei der Eröffnung?

Ja, natürlich, meine Eltern, mein Bruder, meine Schwester, die auch bei Runtastic arbeitet, sowie meine vier Neffen und meine Nichte – alle waren vertreten und sind natürlich sehr stolz.

 

Sie haben das Unternehmen zu viert aufgebaut. Im August 2015 wurde Runtastic von der adidas-Gruppe um 220 Millionen Euro erworben. Wie ist das Verhältnis seit dem Durchbruch? Geld verändert ja bekanntlich Charakter und Freundschaften?

Wir haben 15 Start-up-Beteiligungen in Österreich und teilen seit unseren Anfängen immer alles durch vier. Solange man das macht, wird es auch keinen Neid geben. Wir haben alle genug, und es wäre schade, diese Freundschaft kaputtzumachen. Da bekomme ich richtig Gänsehaut, wenn ich das erzähle. Außerdem haben wir das Unternehmen vor acht Jahren nicht gegründet, um irgendwann arrogante Trottel zu werden.

 

Was wäre gewesen, wenn Runtastic nicht funktioniert hätte?

Ich habe und hatte niemals einen Plan B. Sollte Plan A nicht funktionieren, dann muss man sich eben kurzfristig überlegen, was man machen soll. Wenn ich mich immer auf einen Plan B vorbereite, bin ich von vornherein negativ. Denn 91 Prozent der Probleme, die wir uns im Kopf zusammenbrauen, treten nie ein. Außerdem gibt es im Leben nicht immer Höhen. Wir Menschen sind gepolt durch Höhen und Tiefen. Auch bei uns im Unternehmen ist nicht immer alles eitel Wonne, es gibt genug Challenges.